Die acht besten Szenen aus “Skull Party” (SPOILER!)

In diesem Special präsentiere ich euch meine acht liebsten Szenen aus Melanie Schobers Skull Party.

Mit dem Finale von Melanie Schobers Skull Party am 28. Oktober 2015 endete die mystische Endzeit-Hetzjagd nach den fünf Kristallschädeln in vier Bänden bei CARLSEN MANGA!. Wann wäre ein besserer Augenblick, um die komplette Handlung noch einmal Revue passieren zu lassen und die besten Szenen – nach meinem eigenen höchst subjektiven Befinden bewertend – herauszupicken?

Acht Momente, je zwei aus jedem Band, habe ich ausgewählt. Diese werden folgend von mir chronologisch beleuchtet.

Aber Achtung! Dementsprechend viele Spoiler enthalten die Abschnitte. Lesen auf eigene Gefahr!

Band 1: Rosa kommt verletzt nach Hause

aus Kapitel 2: Dressed to kill

Es gibt viele spannungsvolle Momente bis zu dieser Szene, die selbst gerade einmal drei bis vier Seiten einnimmt. Dabei haben wir bis dahin vor allem die wütend rebellische, pessimistische Seite des Protagonisten Emils gesehen, der sich gegen die Totalüberwachung der Bilderberger-Regierung auflehnt, mit seinem Vater streitet, seinen ehemals besten Freund Robert niederschlägt und alles einfach nur »bekackt« findet. Zu allem Übel sind da diese Träume vom Vogelmann, der ihn auffordert, den Unterkiefer zu finden, und über einen mysteriösen Mann namens Ask, welcher die nicht näher erläuterten Schädel begehrt, wofür er gar zum Mörder wird. Emil kann sich aus all dem keinen Reim machen. Erst mit fortschreitender Handlung weiß man diese Details richtig zu deuten.

So baut Melanie Schober in der hier ausgewählten Szene Aspekte ein, die man erst durch später zur Verfügung gestellte Informationen versteht und plötzlich viel mehr Interpretationsspielraum bieten. Emils Schwester Rosa kommt nachts um drei Uhr morgens nach Hause, nachdem sie am Vortag ihrem Bruder Bescheid gab, mit Freundinnen einkaufen zu gehen. Die späte Uhrzeit begründet Rosa mit einem längeren Abstecher in eine Karaoke-Bar. So weit, so gut. Doch ihre Kleider sind etwas zerlumpt und ein Knie blutig aufgeschlagen. Für Emil sind das genug Anzeichen, damit die brüderlichen Alarmglocken schrillen. Hier zeigt sich erstmals, dass ihm doch etwas an seiner Familie liegt und er um das Wohlergehen seiner Schwester besorgt ist. Aber Rosa kann abwinken – sie sei hingefallen, schließlich ist es draußen nass. Zum Beweis hält sie einen Regenschirm in Händen, den das Mädchen am Tag zuvor, als Rosa mit ihren Freundinnen aufbrach, nicht mit sich führte. Eventuell ein Spontaneinkauf? Andererseits kann man den Beginn des Regenschauers gut eingrenzen. Als Emil zu Bett ging, herrschte draußen noch schönes Wetter. Der Regen prasselte erst im Laufe der Nacht hernieder.

Das kleine Mysterium um den Schirm ist jedoch nebensächlich. Als Leser ahnt man sofort, dass Rosa etwas verheimlicht – und wir erfahren noch im selben Band was. Höchstwahrscheinlich war sie in dieser Nacht als Schädelmeisterin unterwegs und hat sich im Kampf verletzt. Der Manga verrät leider überhaupt nichts dazu. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, dass Rosa mit der Bilderberger-Regierung aneinandergeraten ist. Zumindest Lin, die Helferin ihres Bruders Lucas, scheint ihr zuvor schon begegnet zu sein. Als die beiden nämlich kurz darauf im Institut aufeinanderstoßen, erkennt Rosa die asiatische Schönheit sofort.

Später in der Handlung gewinnt dagegen der letzte Dialogteil in dieser Szene an tieferer Bedeutung, als nach einem platonischen Kuss und aufheiternden Worten seitens Rosa Emil scherzhaft meint, sie würde mit ihm flirten. Harmlos, denkt man sich nur und blättert unbekümmert weiter – bis Melanie Schober aufklärt, dass die beiden Geschwister in einem früheren Leben tatsächlich ein Liebespaar waren – oder zumindest ein sexuelles Verhältnis hatten. Obwohl Emil zu diesem Zeitpunkt nichts über seine Vergangenheit weiß, wirkt dieser Moment im Nachhinein verstörender als anfangs gedacht.

Band 1: Roberts Tod

aus Kapitel 6: Otherworld

Als wir Robert das erste Mal in Skull Party begegnen, macht die gehorsame Brillenschlange mit den pflegsam strikt gekämmten Haaren und dem Betäubungsgewehr keinen allzu sympathischen Eindruck, als er den Protagonisten und ehemals besten Freund Emil einfach so ins Land der Träume schießt. Wobei man ihm zumindest gutheißen muss, dass Robert trotz Sehschwäche einen prima Scharfschützen abgeben würde. Negativ sticht dagegen seine Regimetreue hervor. Dabei soll er einst genauso ein großer Rebell wie Emil gewesen sein. Verändert hat sich das alles, seitdem Robert Cerebro-Kapseln nimmt, die nach seinen Worten Leistung und Intelligenz steigern. Später rächt sich Emil jedoch für die unsanfte Betäubung, indem er eben diese teuren Pillen wegwirft.

Das führt uns zur Szene im Bildungsinstitut. Emil ist gerade auf der Flucht vor der mörderischen Lin und glaubt, hier sicher zu sein. Doch Professor Zanzara hat sich in einen Asura verwandelt. Zudem befindet sich eine zweite Person im Gebäude, die alle Menschen tötet. Gleich zwei Gefahren an einem Fleck und eine dritte an Emils Fersen, als unser Held auf den nervlich stark angeschlagenen Robert trifft. Überraschend lässt dieser jedoch keine löblichen Parolen auf die Bilderberger ab, sondern möchte, den eigenen Tod vor Augen, das Kriegsbeil mit Emil begraben und wieder Freunde sein. Dieser Gefühlsumschwung kommt aber nicht nur von ungefähr und stellt in meinen Augen keine bloße Gewissensbereinigung für ein paar zusätzliche Karmapunkte kurz vorm Ableben dar.

Wir wissen alle, dass Emil erst kurz zuvor Roberts Medikamente, die seine »Leistung steigern« sollen, einfach so weggeworfen hat. Uns wurde gesagt, dass die Regierung die Bevölkerung mit Beruhigungsmitteln sowie Gefühlshemmern zurechtbiegt. Vielmehr begegnet man in diesem Moment meiner Meinung nach dem »wahren« Robert, als er endlich vom Einfluss der Regierungsdrogen befreit ist. Für unseren Protagonisten bleibt es aber nur ein kurzes Wiedersehen mit seinem besten Freund, der gleich darauf von Lucas erschossen wird – ein bizarres Ende für jemanden, der selbst am Anfang des Bandes ein Gewehr in der Hand hielt. In der restlichen Handlung findet Robert keine Erwähnung mehr, was ich doch etwas bedaure, schließlich war er Emil einmal sehr wichtig und andererseits offenbart seine Ermordung durch Lucas erstmals den tiefen Graben, der zwischen den beiden Brüdern herrscht.

Band 2: Emil träumt von Lilith

aus Kapitel 8: Whimsical dream chamber

Emil ist ein gesunder 19-jähriger Mann, da kann man schon den einen oder anderen erotischen Traum haben. Auch wenn der Zeitpunkt in Skull Party dafür auf den ersten Blick etwas unpassend gewählt erscheint. Schließlich wurde Emils Freund Robert gerade erst von seinem kleinen Bruder Lucas erschossen, sein Professor hatte sich in ein Monster verwandelt und der Protagonist konnte gerade so mit seiner Schwester Rosa aus dem ganzen Massaker am Institut fliehen, nur um zu erfahren, dass sein Vater seit Jahren eine illegale Organisation zur Rettung der Menschheit leitet, ohne ihn darüber in Kenntnis zu setzen.

Im Traum begegnet Emil einer unbekannten Schönheit, die ihren Körper vollkommen entblößt anzüglich unter einem Baum rekelt und ihm einladende Blicke zuwirft, während sie sich selbstbefriedigt. Solchen Avancen kann Emil klarerweise nicht widerstehen. Dabei geht es mir bei dieser Wahl weniger darum, dass der Protagonist im Traum eine schöne Zeit hat. Deswegen wäre der Moment keine der besten Szenen. Der Schock kommt, als sich die grazile Schönheit ohne Vorwarnung in seine Schwester verwandelt. Als Leser muss man so einen inzestösen Wandel erst einmal verkraften, ohne gleich Sigmund Freud zu Rate zu ziehen. Aber das ist noch nicht einmal das Ende. Stattdessen entwickelt sich der Traum zu einer richtigen Familienzusammenkunft, als plötzlich auch noch Lucas auftaucht und Emil bezichtigt, »immer wieder dieser Hure zu verfallen«, obwohl er ihn immer am meisten geliebt hätte.

Während eine kleine Stimme bei mir im Hinterkopf schelmisch kichernd jubelt: »Juhu, Boys Love!«, versucht der Verstand, diesen Ausbruch von »Geschwisterliebe« logisch zu verarbeiten. Bisher hat Lucas seinem Bruder nämlich höchstens mörderische Zuneigung entgegengebracht. Liebe sieht für mich anders aus. Emil präsentierte beim ersten Wiedersehen der beiden nach Jahren ebenfalls kein Feuerwerk der Gefühle, sondern gab im Gegenteil sogar zu, in all der Zeit nie an Lucas gedacht zu haben. Wie passt nun diese Traumsequenz ins Bild? Man würde auf den ersten Blick gar nicht glauben, dass sie in Verbindung mit der Vision von Ask dem Mörder ein paar Kapitel zuvor steht – oder mit dem Vogelmann, den Schädeln und dem Unterkiefer. Aber mit fortlaufender Handlung lüftet sich das komplexe Mysterium Schritt für Schritt und erklärt eben unter anderem auch, warum Emil mit seiner Schwester schläft, während sein Bruder, der ihn doch so sehr liebt, so brennend töten möchte.

Band 2: Emil möchte, dass Lin ihn tötet

aus Kapitel 11: Regret

Es ist eine sehr dunkle Stunde für Emil, als er gerade Lin, die Untergebene seines Bruders Lucas, in einem Wald darum bittet, seinem Leben ein Ende zu setzen. Emil beginnt langsam, die Kontrolle über sich zu verlieren. Zuvor hat er in einem Wutanfall Rosa geschlagen. Die negative Energie des Unterkiefers in seinem Besitz beeinflusst ihn und droht, Emil in einen Asura zu verwandeln. Der Attentäterin sollte diese Bitte eigentlich ein großes Vergnügen bereiten, schließlich hatte sie schon zuvor den Auftrag, den frischgebackenen Schädelmeister zu beseitigen, was ihr leider nicht gelang. Tatsächlich lehnt Lin Emils Anliegen aber vehement ab und ist regelrecht erzürnt darüber, wie leichtsinnig er sein Leben wegwerfen möchte. Stattdessen spricht sie ihm Mut zu, er solle sich aufrappeln und die Dinge wieder gradebiegen. So unterstützend kennt man die schöne Kämpferin gar nicht.

Eine Erklärung für ihr aufbrausend bestürztes, aber gleichzeitig hilfsbereites Verhalten bekommen Leser in Band 3 mit einer Einsicht in Lins tragische Vergangenheit geboten, welche erklärt, warum sie das Leben so wertschätzt. Die Szene im Wald stellt den Dreh- und Angelpunkt dar, wo sich Lin langsam von Lucas‘ Seite löst. Sie gesteht, Angst vor ihm zu haben, sowie geglaubt zu haben, ihn lieben zu müssen – eine kryptische Bemerkung, die später noch näher beleuchtet wird. Stattdessen beginnen sich die Wogen zwischen Lin und Emil zu glätten, was ich im ersten Band niemals geglaubt hätte, als sie miteinander doch eher grob umgesprungen sind. Da wollte nicht nur Lin Emil töten, sondern er hat ihr ein Messer in den Fuß gerammt. Das war wenig galant, Emil!

Band 3: Emil zähmt Horst

aus Kapitel 13: Deep inside me

Im Kampf gegen den Asura, welcher aus den Gelüsten des Mönchs Takotaro hervorging und von Melanie Schober liebevoll als Oktopus-Opa bezeichnet wird, sehen Fans bereits alle Felle für Protagonisten Emil davonschwimmen, als dieser plötzlich schwarze Pampe – negative Energie – auskotzt, die sich in einen dämonischen Schafbock verwandelt. Das »Tier« kennen wir bereits, schließlich erschien es erst kurz zuvor in Band 2 im Wald, nur in einem etwas apokalyptischer anmutenden Sensen-Design. Vielleicht lehne ich mich an dieser Stelle mit der Behauptung zu sehr aus dem Fenster, es wäre dieselbe Kreatur. Genauso gut könnte man den ersten Auftritt als Emils tiefste Schlechtigkeit erachten, etwas, das schon immer ein Teil von ihm war, während der Schafbock im späteren Handlungsbogen nur eine Projektion dieser Gefühle darstellt, manifestiert aus der negativen Energie von Professor Zanzaras Asura, welche von Lucas‘ Schädel in Emils Unterkiefer weitergeleitet wurde. Das sind zwei Paar Schuhe, deren Entwirrung ich Philosophie begeisterten Fans überlasse.

Im Gegensatz zur früheren Begegnung mit einem Schafbock kann sich Emil dieses Mal jedoch behaupten und seine zerstörerischen Gefühle unter Kontrolle bringen. Das regelrechte Level-up zeigt sich in seinem neuen Schädelmeister-Outfit, was etwas mehr Haut zeigt als die erste Version – weibliche Leser dürfte dies freuen. Um die Bedeutung zu 110% wirklich zu verstehen, arbeitet Melanie Schober sehr bildlich. Emil legt seinen inneren Schweinehund mit genug Willenskraft und Zuversicht an die Leine, indem er dies im wahrsten Sinne des Wortes tut – mit der Ausnahme, dass es sich um einen dämonischen Schafbock handelt, den der Protagonist Horst nennt. So gestaltet sich der Moment sowohl humorvoll als auch extrem wichtig für Emil und die fortlaufende Handlung. Zugleich sieht man anhand Takotaros, was unser Held geworden wäre, wenn er sich nicht in letzter Sekunde am Riemen gerissen hätte. Glück gehabt, Emil.

Band 3: Was einst in Atlantis geschah …

aus Kapitel 15: The Truth

Fans müssen lange auf die große Aufklärung, was es nun mit Emils konfusen Träumen und Lucas‘ Götterstatus auf sich hat, warten, doch in der zweiten Hälfte von Band 3 ist es endlich so weit. Vom Schmerz über den Tod seiner Schwester Rosa überwältigt, ereilt dem Protagonisten erneut eine Vision des Vogelmanns, der ihm Bilder aus einer längst verlorenen Vergangenheit in Atlantis zeigt, wo frühere Leben von Emil, Lucas, Rosa und Lin ungewollt das Schicksal der Welt drastisch, gar dramatisch beeinflussten.

Endlich ergeben all die verworrenen Träume zuvor, die Ermordung Adams durch Ask und die weinende Frau sowie das sehr intime Stelldichein mit Schwester Rosa, Sinn. Dass die Schwarz-Geschwister schon in früheren Leben existierten, war Lesern bereits informell ohne großes Trara während einer Verschnaufpause der Helden mitgeteilt worden. Nun kommt die große Zuordnung, wer einst welche Person verkörperte. So grob konnte man es sich vielleicht schon denken. So war Lucas einst tatsächlich ein Gott in Atlantis, besser gesagt eine Göttin namens Embla, Herrin der fünf Kristallschädel, die wiederum zwar eine weibliche Erscheinung vorweist, aber keine Geschlechtsorgane besitzt. Ein Fakt, der Lucas damals stark zu schaffen machte, und eine Erinnerung, die noch heute tief an ihm nagt. Emil dagegen war einst Emblas Objekt der Begierde, Ask, welcher seine Augen wiederum auf eine richtige Frau, Lilith alias Rosa, geworfen hatte. Was für ein Beziehungsdreieck, eigentlich sogar Viereck, wenn man Adam (Lin) dazuzählt, der Embla liebevoll diente. Da kann es nicht anders kommen, als dass das Schicksal einen unglücklichen Lauf nimmt. Die genauen Details, inklusive Entstehung der Menschheit und Untergang Atlantis‘, kann man in Band 3 von Skull Party nachschlagen.

Für den Leser und Protagonisten Emil bedeutet die Szene erst einmal auf den entscheidenden Informationsstand zu kommen, warum Lucas seit Band eins der Manga-Reihe so dermaßen herumzickt und besonderen Hass gegenüber seinen Bruder hegt. Mit dem Treppensturz von einst hat das nämlich überhaupt nichts zu tun, auch wenn das Erlebnis in der Handlung groß aufgespielt wurde. Da sind wir wohl alle in eine ausgeklügelte Falle getappt. Chapeau, Frau Schober, Chapeau. Dafür bedeutete es für die Zeichnerin aber doppeltes Charakterdesign für die wichtigsten Figuren aus Skull Party. Besonders Lucas und Embla haben es mir in dem Fall angetan. Einerseits hat man da den kaltblütigen, mörderischen Offizier der Regierung, auf der anderen Seite die liebevolle aber geschwächte Göttin – ein Kontrast, der durch die tragischen Erfahrungen Emblas, die letztlich zu ihrem Tod führten, erklärt wird. Dabei gibt Lucas eine ziemlich gut aussehende Frau ab, was keine Kritik an seinem Stinktier-Haarstyle darstellen soll, der mich ebenfalls seit dem ersten Moment fasziniert. Beim Lesen kommt man nicht umhin, die anderen drei Charaktere aus der Gegenwart mit ihrer Vergangenheit in Atlantis zu vergleichen und sich zu fragen, ob das Wesen eines Menschen über mehrere Leben hinweg wirklich solch drastischen Änderungen unterliegen kann. Besonders bei Rosa, unschuldig und fürsorglich, sticht das deutlich hervor, die wirklich null Ähnlichkeit zur durchtriebenen, lasziven Lilith aufzeigt.

Band 4: Lucas wird von seiner Mutter verraten

aus Kapitel 19: Grave Digger

Unterschätze niemals die Liebe einer Mutter. Man sollte eigentlich denken, dass Carola alles für ihren jüngsten Sohn Lucas tun würde, nachdem sie gar ihre restliche Familie und somit ihre Kinder Emil sowie Rosa in der Obhut des Vaters zurückließ. Schnell möchte ich da mein Geld darauf verwetten, dass Lucas der Liebling der Frau ist. Wenn aber nun der bevorzugte Spross die eigene Schwester tötet, wie sieht es dann mit der Mutterliebe aus? Dieser Schockmoment zieht an Carola nicht ohne Folgen vorbei. Als also der Befehl der Regierung im Raum steht, dass Lucas sein Leben für den Fortbestand der Elite opfern soll, weiß Carola, auf welche Seite sie sich schlägt. An dieser Stelle möchte ich aber noch erwähnen, dass die Frau, die sich als Mutter von drei erwachsenen Kindern wahnsinnig gut gehalten hat, neben den fragwürdigen Familienverhältnissen in ihrer beruflichen Position als wegen Fehlprognosen auf einem absteigenden Ast sitzt. Bei Druck von allen Seiten begeht man schon einmal Entscheidungen, die gewaltig nach hinten losgehen können.

Lucas findet es indes wenig lustig zu belauschen, wie seine Mutter bereit ist, sein Leben einfach so zu opfern. So einen Verrat kann er nicht dulden, besonders da Lucas erst im Band zuvor Lin an Emil verlor. Kurzerhand erschießt er seine Mutter, den Menschen, der ihm am Nächsten stand. Es ist ein schöner Kontrast zwischen Emil und Lucas zu sehen. Während sich Ersterer nach all diesen Ausbrüchen von negativen Gefühlen fangen kann, Lin auf seine Seite wechselt und er mit seinem Vater eine Aussprache hat, verliert Lucas immer mehr die Kontrolle, ohne den Verlust einsehen zu wollen. Stattdessen sucht er die Schuld bei anderen – bei Lin, seiner Mutter, Rosa, der Regierung und der Elite. Niemand sieht, was für ein Gott er ist und Lucas als solcher zu tun vermag. Dabei überschätzt er sich selbst.

Band 4: Der letzte Kampf beginnt

aus Kapitel 22: Sacrifice

Für das Grande Finale erwartet man sich eigentlich schon im Vorfeld einen ultimativen Bossfight, in dem noch mal jeder alles gibt. Dies bekommen Leser bei Melanie Schober geboten, inklusive tragischer Augenblicke, versteht sich. Nachdem bisher jedes Aufeinandertreffen der drei Schwarz-Sprosse unterbrochen wurde, gibt es nun kein Entrinnen mehr. Wir sehen dasselbe Aufgebot an Charakteren – Lucas, Emil, Lin und Rosa – wie bei dem Massaker im Bildungsinstitut (Übergang Band 1 auf 2), nur dass sich alle seitdem stark verändert und teilweise die Seiten gewechselt haben. So heißt es Frauentausch mit Lin an Emils Seite und Rosa – na ja, was eben von ihr übrig ist – unter Lucas‘ Kommando, der wiederum eine ungesunde Hautfarbe angenommen hat. Emil weiß sich mittlerweile als Schädelmeister zu behaupten, während negative Gefühle – Wut, Hass und Größenwahnsinn – Lucas‘ Verstand beeinflussen.

Mehr Worte zum Kampf und den darauffolgenden Ende von Skull Party möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr verlieren, sondern es dem werten Leser überlassen, sich den spannenden Abschluss der Manga-Reihe zu Gemüte zu führen.