One Piece – Manga-Test

Eiichiro Odas One Piece gilt als erfolgreichster Manga weltweit, löste mit über 345 Mio verkauften Bänden sogar Akira Toriyamas Dragon Ball ab. Die Serie zählt aktuell 73 Volumes in Japan und damit ist laut dem Autor die Story mal gerade bei etwas über der Hälfte angekommen – ein Ende ist also noch lange nicht in Sicht. Hierzulande publizierte CARLSEN MANGA! Band 69 im Januar 2014. Des Weiteren inspirierte One Piece eine inzwischen 634-episodige, noch nicht abgeschlossene Anime-Reihe, elf Kinofilme, sehr viele Specials und Crossovers mit anderen Shonen-Hits wie beispielsweise Mitsutoshi Shimabukuros Toriko. Doch was macht den Erfolg von One Piece aus? Wir werfen für euch einen Blick auf diesen populären Shonen Jump-Titel.

Vor einigen Jahrzehnten wurde der Pirat Gol D. Roger zum Tode verurteilt und drohte damit, dass die Menschen seinen gewaltigen Schatz nie finden werden, wenn sie ihn das Leben nehmen. Er wurde schließlich hingerichtet, aber seine Aussage führte dazu, dass einige Leute nun nach diesem Schatz suchen: das sogenannte »One Piece«. Roger leitete damit eine neue Ära der Piraten ein.

So träumt auch der Held der Geschichte Monkey D. Ruffy davon, diesen Schatz zu finden. Der Junge ist dank einer sogenannten »Teufelsfrucht« zum Gummimenschen geworden. Sein dehnbarer Körper macht ihn zu einem gefährlichen Gegner. Im Laufe der Erzählung und vieler überstandener Abenteuer sowie Auseinandersetzungen schließen sich der Schwertkämpfer Lorenor Zorro, die Navigatorin Nami, der Schütze Lysop, Schiffskoch Sanji, Arzt Tony Chopper, die Archäologin Nico Robin, Zimmermann Franky und ein Musiker namens Brook seiner Piraten-Crew an, die sich »Strohhut-Bande« nennt. Neben Ruffy verfügen auch seine Gefährten nützliche Kampftechniken. So reisen sie von einem Abenteuer ins nächste, um dem »One Piece« näher zu kommen, ihre eigenen Träume zu verwirklichen und natürlich Ruffy zum König der Piraten zu machen. Stets müssen sie sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen, korrupte sowie kriminelle Machenschaften vereiteln und dabei selbstverständlich auch der Marine entkommen. Sind unsere Helden am Ende wohl stark genug, um ihre Ziele zu erreichen?

Eiichiro Odas One Piece startet zunächst im East Blue auf der sogenannten Grandline mit dem Helden der Geschichte, Monkey D. Ruffy, der sich auf dem Weg macht, um sich seinen Traum zu erfüllen: seine Crew zusammenzustellen, das »One Piece« zu finden und letztendlich Piratenkönig zu werden. Bis die aktuelle Besetzung der Strohhut-Bande steht, gilt es natürlich allerlei Inseln, Kämpfe und Abenteuer zu bestehen – satte 50 Bände, um es mal in Volumes zu fassen. Dabei hat Ruffy, der ja selber auch schon mit seiner optimistischen und wagemutigen Art für Kuriositäten sorgt, ein Händchen für außergewöhnliche Charaktertypen, die für jede Menge Spaß sorgen. Man nehme nur den orientierungslosen Schwertkämpfer Lorenor Zorro in der Kombination mit dem Schiffskoch Sanji, dessen Schwäche das weibliche Geschlecht ist – ihre Streitereien sind inzwischen einfach Kult. Oder den Zimmermann, sowie selbst ernannten Hentai, Cyborg Franky, der mit seinen körperlichen Veränderungen oder neuen Erfindungen zu begeistern weiß. Nami und Nico Robin wiederum sorgen nicht nur für kurvenreiche Szenen, erstere kann man durchaus als geldgeil bezeichnen und zweitere mag zwar seriös rüberkommen, verfügt aber über einen Galgenhumor. Ein Rentier, das dank einer Teufelsfrucht menschliche Aspekte bekam, als Arzt sowie ein »lebendiges«, perverses und pupsendes Skelett als Musiker zeugt auch nicht gerade von Normalität. Zu guter allerletzt rundet Lügenbaron Lysop die verrückte Crew noch ein wenig ab. Wer denkt, das kann nicht mehr getoppt werden, der sollte sich ein Bild von den vielen Nebencharakteren aus One Piece machen – sei es aus der Marine, den Reihen der Piraten, Revolutionäre oder anderen Gruppierungen. Die Serie lebt förmlich von diesen skurrilen und mysteriösen Figuren, deren Hintergründe noch längst nicht alle durchleuchtet sind. Natürlich existieren noch zahlreiche andere Vertreter, die von einer Teufelsfrucht Gebrauch gemacht haben, die ihnen eine einzigartige Fähigkeit verleiht.

Die Story-Abschnitte in One Piece verliefen zumindest bis Volume 50 nach einem bestimmten Muster: Ruffy und seine Gefährten steuern eine Insel an, wo es erst einmal jede Menge zu entdecken gibt. Hier stoßen sie natürlich auf Ärger und werden in Angelegenheiten mit hineingezogen, wodurch die Gruppe letztendlich gezwungen ist, weitere Inseln anzusteuern. Auf diesen gehen die Probleme und Abenteuer natürlich weiter, allerlei Gegner warten auf die Strohhut-Bande bis dann letztendlich die Konfrontation mit dem Endgegner folgt. Zu diesen zählen bis Band 50 Arlong, Sir Crocodile, Enel, die CP9 und Gecko Moria.

Wo so manch ein Leser erwartet hat, dass dieses Schema nun beibehalten wird, überraschte Eiichiro Oda die Fangemeinde aber dann mit einem gehörigen Bruch. Denn während die Strohhut-Bande ihre Abenteuer bestreitet haben, und sich eigentlich auf zu Fischmenschen-Insel machen wollte, braute sich im Hintergrund ein anderes Ereignis zusammen, wodurch sie ihre Pläne verschieben mussten – nicht zuletzt auch deswegen, weil die gesamte Crew auseinandergerissen wurde. Die komplette Saga um die (letztendlich gescheiterte) Rettung von Ruffys »Bruder« Puma D. Ace (oder im japanischen Portgas D. Ace) entpuppt sich als Spannung und vor allem Dramatik pur. Kein Wunder, dass die Popularitätskurve des Werkes gerade in diesem Story-Abschnitt in die Höhe ging. Und was macht ein Held, wenn er versagt? Natürlich stärker werden! Dafür ließ Oda-sensei mal eben 2 Jahre vergehen, bis die Strohhüte sich dann endlich wiederbegegnen und auf dem Weg zur Fischmenschen-Insel machen. Seine Gefährten haben natürlich auch nicht still gesessen, sondern ebenso trainiert. Die Erzählung geht nun in gewohnter Manier weiter und unsere Helden gelangen letztendlich in die Neue Welt, wo stärkere Gegner und mehr Gefahren auf sie lauern. Aktuell hat sich die Strohhut-Bande in Band 69 mit Trafalgar Law zusammengetan, um auf der Insel Punk Hazard den fiesen Wissenschaftler Caesar zu entführen, damit Donquixotte Donflaminos Pläne vereiteln werden können. Zum Plot sei gesagt, One Piece verfügt aktuell über viele Geheimnisse, die den Leser natürlich ans Werk fesseln. So wird manch ein jung angefangener Fan wahrscheinlich noch im Alter von 40 an dem Titel kleben.

Eiichiro Odas Charakterdesign besitzt einen großen Wiedererkennungswert und ist shonentypisch. Das weibliche Geschlecht kommt sehr oft mit üppigen Rundungen (Oberweite, Hüfte) und einer sehr schlanken Taille daher. Auch orientierte der Mangaka sich an bekannte Comic-Figuren: Lysop hat durchaus Ähnlichkeiten mit Pinocchio und Franky erinnert so manch einen an Popeye. Oda ist Fan vom Altmeister Akira Toriyama. Das hinterlässt auch gewisse Spuren in One Piece. Die Hintergründe sind teilweise detailliert ausgearbeitet. Neben dem Charakterdesign sind in dem Werk auch die fiktiven Kulissen und Tiere ein sehr großer Hingucker. Oda-sensei beweist hier sehr viel Liebe fürs Detail und Fantasie.

One Piece erscheint aktuell in Shueishas Shonen Jump-Magazin und ist mit 73 Bänden noch lange nicht abgeschlossen. Neben mehreren Artbooks publizierte der Mangaka auch schon zahlreiche Charakter-Guides. Während CARLSEN MANGA! hierzulande mit Erstem noch hinterher hinkt, sind zumindest Letztere komplett im deutschsprachigen Raum erschienen. Im Januar publizierte der Verlag das 69. Volume. Des Weiteren dürfen sich One Piece-Fans im Frühjahr 2014 auf neue deutsche Anime-Episoden freuen. Denn während in Japan schon 634 Folgen im TV liefen, kennt man hierzulande nur die ersten 400. Dank Kazé kamen deutsche Fans zumindest schon in dem Genuss aller bisher existierenden Kinofilme. Zuletzt publizierte der Publisher One Piece Z.

Eiichiro Odas One Piece vereint Abenteuer, Action, Dramatik, jede Menge Humor und coole Sprüche sowie Fantasy-Elemente auf eine niemals langweilig werdende Art und Weise. Wer die Serie kennt, der wartet förmlich auf gewisse Running Gags. One Piece lebt von seinen sehr vielen unterhaltsamen Protagonisten aus unterschiedlichen Gruppierungen – beispielsweise Piraten, Marine-Soldaten, Aristokraten, Revolutionäre. Im Fokus stehen selbstverständlich stets die Träume und Ziele der Strohhut-Bande. Die vielen Geheimnisse im Story-Plot oder um mysteriöse Charaktere, wie in etwa Ruffys Vater Monkey D. Dragon beziehungsweise den bisher nur namentlich erwähnten Piratenkaisern Kaito und Big Mom, fesseln den Leser ans Geschehen. Wer Shonen und Comedy mag, der sollte One Piece auf keinen Fall außer Acht lassen!