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Ein neues Level der Verzweiflung – Danganronpa V3

Danganronpa als Franchise hat einen enorm ungewöhnlichen Weg hinter sich. Der ermöglicht es dem Unwissenden zwar, schnell Gefallen an den Battle Royales mit dem neonpinken Blut und dem seltsamen schwarzweißen Bären Monokuma zu finden, er macht es jedoch enorm schwer, der übergeordneten Narrative zu folgen. Möchte man sämtliche Handlungsstränge genau verfolgen, muss man erst mit diversen Spielen einsteigen (Danganronpa -> Danganronpa 2 -> Ultra Despair Girls) und dann zum (hierzulande gegenwärtig nicht verfügbaren) Anime Danganronpa 3 wechseln. Dieser besteht dabei nicht nur aus zwei Staffeln, die man einfach hintereinander schauen könnte – nein, man muss jeweils eine Folge einer Staffel schauen, bevor man zur anderen hinüberwechselt. Übersichtlich ist das gewiss nicht mehr.

Vor Kurzem erschien der neueste Ableger der Reihe: Danganronpa V3 (nicht zu verwechseln mit Danganronpa 3, dem Anime, der eine komplett andere Geschichte erzählt). Serienautor Kazutaka Kodaka versprach, dass man auch als Neueinsteiger hier wunderbar seinen Anfang machen könne und dabei nicht zwischen Referenzen verloren gehe. Doch stimmt das auch? Wir haben das Spiel ausführlich getestet und sagen es euch.

Alles gelogen?!

Die kurze Antwort: Nein, es stimmt nicht. Auch wenn die Geschichte über große Teile enorm eigenständig bleibt, ist es dennoch zu empfehlen, dass man mit dem Rest der Serie vertraut ist, um die Narrative voll genießen zu können. Die lange Antwort hingegen ist um Einiges komplizierter.

Denn in der Theorie ist er durchaus möglich, Danganronpa V3 als eigenständige Geschichte zu genießen, die auch für sich sehr zu überzeugen weiß. Man beginnt die Story als junge Pianistin Kaede, die sich eines Tages plötzlich in der Ultimate Academy inmitten einer Gruppe von ebenso talentierten Jugendlichen wiederfindet. In bester Danganronpa-Manier wird hier natürlich auch wieder jedem Charakter der Anstecker eines Ultimativen Talents verliehen, welches ihn oder sie auszeichnet. Wie bereits bei den anderen Einträgen der Serie rangieren diese erneut irgendwo zwischen nachvollziehbar (Ultimative Pianistin, Ultimativer Detektiv) bis hin zu vollkommen überzogen und auf komödiantische Art fragwürdig (Ultimativer Roboter, Ultimative Cosplayerin). Und wie in den anderen Einträgen des Franchises jagt der Verzweiflung suchende Monokuma auch hier die sechzehn Ultimativen erneut in ein Battle Royale des Todes gegeneinander, aus dem nur der entkommt, der einen Mord an seinen Mitschülern vollbringt und dabei nicht erwischt wird – und diesmal hat er zur Unterstützung sogar seine putzigen Kinder dabei!

Die Hoffnung auf den perfekten Mord

Dabei wird der Spieler in die bekannte Routine aus sozialem Zusammenleben und plötzlichen Morduntersuchungen und Gerichtsverhandlungen geworfen. Über die sechs Kapitel des Spiels freundet man sich nicht nur mit dem ausgedehnten, doch (größtenteils) sympathischen Cast an, sondern befindet sich auch stets auf der Suche nach möglichen Mordmethoden, bevor diese überhaupt geschehen. Anschließend klärt man diese narrativ unvermeidlichen Todesfälle in hitzigen Gerichtsdebatten auf.

Gegen die stete Wiederholung und damit einhergehende Müdigkeit helfen jedoch nicht nur das graduelle Eröffnen neuer Gebiete in der Akademie (vom Kasino bis zum Geisterhaus erlebt man hier einiges an Abwechslung). Vor allem Kodakas brilliantes Writing hilft einem, stets auf der Lauer zu liegen, was als Nächstes geschieht. Insbesondere der erste und die zwei finalen Fälle fahren mit einer solchen Dichte an Plottwists auf, dass man sich kaum von der Sofakante wegbewegen möchte.

Auf der Suche nach der Wahrheit … durchs Lügen?

Ebenfalls für Abwechslung sorgt eine Vielzahl an neuen Minispielen, die primär in den Gerichtsverhandlungen zum Einsatz kommen und von Autofahrsequenzen bis zu Wortsuchspielen reichen und die auf dem Papier eigentlich trockenen Gedankenzüge wunderbar spielerisch umsetzen. Doch das Besondere an Danganronpa V3, was es von anderen Detektivspielen abhebt, ist die Mechanik des Lügens.

Anstatt wie aus alten Spielen der Reihe oder auch Titeln wie Ace Attorney bekannt, ist man hier während der hitzigen Diskussionen im Gerichtssaal nicht nur auf der Suche nach logischen Widersprüchen, die man mit harten Fakten widerlegt, sondern auch nach Möglichkeiten seine Gegenspieler mental auszutricksen. Hierzu erhält man die Möglichkeit, das genaue Gegenteil jedes Arguments zu behaupten, um beispielsweise einem Charakter ein Alibi zu geben, der keins hat, um den wahren Täter ins Stolpern zu bringen. Doch sind diese Lügen meist nicht einmal zwingend notwendig, um in den Debatten voranzukommen. Sie öffnen oft alternative Routen in einer Verhandlung, was dem Spiel eine wunderbare Vielfalt verleiht, wie sie andere Genre-Vertreter missen lassen.

Abseits von der Detektivarbeit bietet Danganronpa V3 vor jedem Mord das altbekannte Beziehungen Knüpfen, in dem man einen Charakter mit Geschenken überhäuft, so seine Hintergrundgeschichte erfährt und schließlich neue Fähigkeiten zum Vereinfachen der Debatten erhält. Hier betritt das Spiel gewiss keinen neuen Boden, erfüllt jedoch seinen Zweck einem die Charaktere näherzubringen, sodass man entsprechend traurig ist, wenn sie das Zeitliche segnet.

 

Weiterhin lobenswert ist die englische Lokalisierung. Hier hat man nicht nur sehr gute Sprecher engagiert, vor allem das Skript schafft es, jedem Charakter diverse Eigenheiten zu verpassen, die besonders hervorstechen (und es ist eine Freude zu hören, wie eine englische Lokalisierung durch Mius faules Maul einmal ungeniert fluchen kann). Leider fallen zwischendurch immer mal wieder kleinere Schreibfehler auf, die das Gesamtbild doch ein wenig trüben. Hier wäre ein weiterer Qualitätscheck sicherlich nicht falsch gewesen.

Für jedermann geeignet?

Danganronpa V3 verbessert viele Macken, die den Rest des Franchises geplagt haben – insbesondere in Sachen Zugänglichkeit. Dies bezieht sich nicht nur auf den Umstand, dass dieser Ableger nicht mehr Handheld-exklusiv launcht (wobei die anderen Teile im Nachhinein auf Steam und PS4 portiert wurden), sondern auch darauf, dass er eine neue Narrative mit einem neuen Cast bietet – zumindest zu großen Teilen. Während man dem Großteil der Handlung als Neuling problemlos folgen kann, arbeitet die Story sehr stark auf ihr Ende hin, was nur durch Kenntnis der Vorgänger das notwendige Gewicht erhält. Unwissenden wird zwar immer noch ordentlich der Kopf gewaschen, jedoch sollte man sich im Zweifelsfall lieber vorher mit dem Rest auseinandersetzen. Dies ist glücklicherweise kein allzu großes Problem, da zumindest sämtliche Spiele sowohl auf dem PC, als auch der PS4 verfügbar sind und somit keine nervige Vita-Exklusivität mehr besteht. Wer also auf Detektivspiele und regelrechte Mindfucks steht, sollte sich die gesamte Reihe auf keinen Fall entgehen lassen!

Info
Name: Danganronpa V3
Publisher: NISA
Entwickler: Team Danganronpa
Plattform: PS4, PS Vita, PC
Genre: Visual Novel
USK: 16
Release: 29.09.2017
Preis: 59,99€

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