Eine neue Animationstechnik – ist sie wirklich die gewünschte Revolution?

Eine neue Animationstechnik ist im Aufkommen, welche die gängige Arbeitsphasen in der Anime-Produktion stark verändern würden.

Die Anime-Industrie ist eines der wenigen Felder, in dem bis heute zum wesentlichen Teil auf traditionell handgezeichnete Animation gesetzt wird. Während digitale Bearbeitung am PC unabdinglich geworden ist, entsteht der Animationsprozess an sich immer noch von Hand – ob nun auf dem Zeichenbrett oder auf dem Grafiktablet. Dies ist natürlich einer der Gründe, weshalb die Produktion mit hohen Kosten verbunden ist.

Der wesentliche Unterschied zwischen 3D- und 2D-Animation liegt im In-betweening. In-between-Animation ist der Arbeitsschritt, indem die Zwischenbilder zwischen den einzelnen Key Frames so aufgefüllt werden, um den Eindruck einer flüssigen Bewegung zu erschaffen. In der 3D-Animation werden die Zwischenbilder einfach durch Interpolieren zwischen den Frames vom Computer erzeugt. Derweil werden In-betweens in der Anime-Industrie immer noch analog von Hand gezeichnet, weshalb auch bei Filmen und Serien stets eine Armee von In-betweenern involviert ist.

Little Witch Academia Key 1
Key Animation aus Little Witch Academia, bei der noch die In-betweens fehlen

In-betweeing ist eine undankbare und schlecht bezahlte Arbeit, die kaum einen Spielraum lässt, sich kreativ zu entfalten. Die Animationssequenz ist bereits fertig und der Inbetweener muss sie unter den strikten Vorgaben des Animators fertigstellen. Es ist mehr eine Routinearbeit, die trotzdem ein gewisses Handwerk erfordert, da schlechtes In-betweening eine gelungene Szene ruinieren kann. Meistens wird dieser Arbeitsschritt von unerfahrenen Animatoren übernommen oder an fremde Studios außerhalb Japans ausgelagert (u. a. Korea, Taiwan oder China). Outsourcing ist kostengünstiger und macht die unheimlich schnelle Produktionskette von Anime überhaupt erst möglich.

Es gab immer schon Versuche diesen Prozess zu automatisieren. Ein relativ junges Beispiel war die Produktion von Ping Pong. Hier nutzte das Team hinter Masaaki Yuasa die digitale Bearbeitung mit Adobe Flash um den Animationsprozess (Kameraschwenks, Zooms etc.) zu vereinfachen und den Aufwand zu minimieren. Zugegeben Yuasa legt weniger Wert auf sauber ausgearbeitete Charaktere als auf die flüssige Bewegung und das sieht man in der TV-Serie mit den cruden Zeichnungen deutlich. Diese Kompromisse würden nur wenige Produzenten eingehen wollen, im Gegenteil läuft der Trend in der Industrie in eine ganz andere Richtung. Solche Tools liefern häufig nicht das erwünschte Ergebnis und wirken gleizeitig unnatürlich geschmeidig und holprig in den Bewegungen … zumindest bisher.

Die Softwareentwicklung hat sich allmählich an einen Punkt bewegt, in dem die Zwischenbilder automatisch generiert werden und gute Resultate liefern. Ein Tool, was sich auf die Fahne geschrieben hat, die Animationstechnik zu revolutionieren, ist das Programm CACANi. Noch haben sich solche Tools nicht weit verbreitet und brauchen noch einen langen Weg sich durchzusetzen, aber die Konsequenzen für die ganze Anime-Industrie wären enorm. Es würde die Produktion um ein Vielfaches beschleunigen und gleizeitig die Produktionskosten reduzieren. Der In-Between-Prozess würde komplett automatisch ablaufen, derweil hätten die Animatoren wieder die Zeit, sich länger mit einer Sequenz zu beschäftigen. Bestensfalls würden die Löhne der Animatoren steigen und die untragbaren Arbeitsbedingungen sich bessern.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Niemand weiß, ob die Profite dank der wegfallenden Arbeitskräfte letztlich in die eigene Tasche gewirtschaftet werden. Die wesentliche Veränderung ist, dass das lästige In-betweening wegfällt, allerdings hat das nicht nur gute Seiten. Das In-betweening diente seit Jahrzenten dafür, damit Nachwuchs-Animatoren genug Erfahrung sammeln können, indem sie eben mit talentierten Animatoren zusammen an einer Sequenz arbeiten. Diese Grundlage hätte die nächste Generation an Animatoren nicht mehr und das würde den Einstieg erschweren, da Einsteiger gleich eigene Animationen auf einem hohen Level abliefern müssten. Schon jetzt wird sich von Mitarbeitern in der Branche beschwert, wieso so viel Produktionsschritte ins Ausland ausgelagert werden (oben erwähntes Outsourcing), sodass in Japan selbst der Nachwuchs an Animatoren und Künstlern fehlt. Diese Entwicklung würde die Lage eigentlich nur verschlimmern.

Auf einem ganz anderen Papier steht, ob das Medium für so einen Schritt überhaupt bereit ist. Viele alteingesessene Animatoren können sich nur schwer von der analogen Ära lösen. Traditionelle handgezeichnete Animation hat einfach einen eigenen Charme, der vielleicht bei all der Entwicklung verloren gehen könnte. Doch die strikten Produktionszyklen, die Kommerzialisierung und das geringe Budge prophezeiten längst, dass die Industrie allmählich auf eine Sackgasse sich bewegt. Vielleicht ist das die entscheidende Rettung? So oder so die aufkommenden Animationstechniken könnten eine große Auswirkung auf die Branche haben.

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1 KOMMENTAR

  1. Schaut euch den Film “Expelled from Paradise” an!
    Diese Moderne Art der Animation ist wegweisend für die Branche.
    Mir gefällt der Film und der Animationstil!

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