»Pocha-Pocha Swimming Club« – Manga-Test

Nach Kami Kami Kaeshi und GDGD Dogs startete bei Egmont Manga mit Pocha-Pocha Swimming Club eine weitere laufende Serie der beliebten Autorin Ema Tohyama. Übrigens nutzt der Verlag ab dieser Reihe eine neue Schreibweise für den Namen der Mangaka, um die richtige Aussprache hervorzuheben. Der erste Band wurde im Januar im deutschen Sprachraum veröffentlicht. Im Gegensatz zu den bisherigen Werken der Künstlerin ist Pocha-Pocha Swimming Club im 4-Panel-Stil gehalten und passend dazu im Großformat erschienen. Eine weitere Besonderheit erwartet euch mit der Protagonistin, denn neben den üblichen Schönheiten handelt es sich hier nämlich um ein kleines Dickerchen, die sich auf dem Cover ganz links versteckt.


Katsuyo Ota hat eine besondere Schwäche für leckeres Essen, nicht zuletzt, weil ihre Familie ein Tonkatsu-Restaurant (Schweine-Schnitzel) betreibt. Dank dieser Vorliebe und den üppigen Portionen, die ihr Zuhause aufgetischt werden, bringt das Mädchen ein paar Kilos zu viel auf die Waage. Das Übergewicht hat dem kleinen Pummelchen bislang wenig ausgemacht, doch jetzt, wo sie auf die Highschool geht, macht sie sich Gedanken über ihre Figur. Insbesondere, weil Samejima, ihr langjähriger Schwarm, zusammen mit der Schülerin in eine Stufe kommt und der Junge nicht auf mollige Mädchen steht, hat sich Katsuyo vorgenommen, ein paar Pfunde abzuspecken.

Durch ihre neu gefundene Freundin Ayumi Kaitani, die ihre Liebe zum Essen teilt, aber trotzdem ungewöhnlich schlank bleibt, kommt Katsuyo auf die wahnwitzige Idee dem Mädchen-Schwimmklub beizutreten. Schließlich hat die Leiterin Hatsume Ito eine umwerfende Figur, um die sie Katsuyo beneidet. Beim zweiten Überlegen und bei der Vorstellung selbst in einen Badeanzug zu schlüpfen, gefällt ihr der Gedanke gar nicht mehr so sehr. Das anfängliche Interesse der Erstklässlerinnen kommt Hatsume und der Vize-Chefin Rinko Kaji gerade recht, wo die beiden sich als einzige Mitglieder des Klubs zählen. Da können die beiden Neuzugänge sie nicht einfach davon laufen lassen, zumal es ihr Wunsch ist, an Wettbewerben teilzunehmen. Dass Katsuyo und Ayumi ziemlich unsportlich sind und keine der Grundschwimmstile beherrschen, wird dabei erst mal nach hinten gestellt. Wird Katsuyo an ihrem neuen Hobby dranbleiben, damit die Pfunde anfangen zu purzeln, oder werden die köstlichen Versuchungen ihr einen Strich durch die Rechnung machen?

In Pocha-Pocha Swimming Club macht Ema Tohyama Gebrauch von der Formel solcher Yonkoma-Serie wie K-ON! und Konsorten. Packe eine Gruppe süßer Mädchen mit individuellen Persönlichkeiten sowie unterschiedlichen Marotten in einem Klub und schau zu, was passiert. Im Grunde lebt die Serie daher weniger von der Geschichte als von den Interaktionen der Charaktere. Hier hat sich auch eine sympathische Truppe versammelt. Zum einen die liebenswerte Katsuyo, der kleine Star der Geschichte. Das Dickerchen lässt sich oft vom Essen hinreißen und vergisst ihr eigentliches Ziel abzunehmen, doch dank ihres fröhlichen Gemüts lässt sie sich nie unterkriegen. Ayumi liegt mit Katsuyo auf einer Wellenlänge, da die Bohnenstange nicht weniger verfressen ist und ebenso zum Faulenzen neigt. Das etwas seltsame Mädchen lässt sich leicht von ihrer Laune beeinflussen und fällt viele ihrer Entscheidungen spontan. Bei all den Spitznamen für ihre Freundin, die verschiedenen Gerichten entliehen sind, – Ferkel-chan, Speck-chan, Kotelett-chan oder Steak-chan – könnte ein Leser oberflächlich betrachtet auf Mobbing schließen. Aber so empfindet man es nicht, da die Darstellung und Atmosphäre zu harmlos und zu heiter ist, als dass dies wirklich ernsthaft thematisiert wird.

Die lebhafte Klubchefin Hatsume liebt es ihre Autorität aufzuspielen, obwohl Rinko eigentlich die bessere Anführerin abgeben würde. Gerne verwickelt das Energiebündel die anderen in neue Eskapaden, wobei sie manchmal mit ihren Einfällen über das Ziel hinaus schießt. Mit ihrer gefassten, ernsten Persönlichkeit ist Rinko diejenige, welche die Klubchefin ausbremst, die nützlichen Ideen einbringt und die Mitglieder vorantreibt. Von der Konstellation mag es für einen Moe-Fan nichts Neues sein, trotzdem sind die Unternehmungen sehr unterhaltsam. Man kann den Zeichnungen richtig ansehen, wie viel Spaß die Autorin beim Stricken des Comic-Strips hatte. Typisch für Ema Tohyama darf keine Romanze fehlen, jedoch hält sie sich in diesem Werk weitestgehend im Hintergrund. Samejima wirkt da sehr blass und mit seinen spärlichen Auftritten dient er nur Katsuyo immer wieder als Erinnerung am Ball zu bleiben. Der Sandkastenfreund Ken gibt da einen interessanteren Charakter ab. Ken steht Katsuyo oft zur Seite und ist auch sehr vertraut mit ihrer Familie. Wegen seiner Neigung zu molligeren Mädchen kann man leicht darauf schließen, dass der Junge insgeheim Gefühle für seine Freundin hat.

Pocha-Pocha Swimming Club erscheint seit 2010 in Japan in der Manga Time Family, wo auch eine Reihe anderer Yonkoma-Umsetzungen veröffentlicht werden. Houbunsha hat die Serie bislang in drei Bänden zusammengefasst, wobei der vierte im April bereits folgt. Egmont Manga publiziert das Werk im Großformat (20,6 x 14,8 cm), was den Zeichnungen und dem Lesetempo zu Gute kommt. Mit seinen 114 Seiten ist Pocha-Pocha Swimming Club recht dünn, aber generell verhält sich die Erzähldichte von Yonkoma-Titeln anders, sodass sich das in der Waage hält. Die vier Panels lesen sich von oben nach unten und sind mit dicken Kästchen voneinander abgetrennt. Auf das Ende eines Strips folgt immer eine Pointe, wobei der Humor einen schon zusagen sollte. Für mich gehört die Serie neben der Comedy mindestens zum gleichen Anteil zu den Moe-Slice-of-Life-Vertretern. Der unverkennbar Stil der Künstlerin ist auch in diesem Titel zuckersüß, wobei es nicht die feingeschliffenen Zeichnungen sind und häufig das Chibi-Design zum Einsatz kommt. Ema Tohyama hält sich hier lockerer und steckt mehr in die Gesichtsausdrücke, um euch ein Schmunzeln auf die Lippen zu bringen. Der erste Band kommt mit einer Farbseite, wobei man zwischendrin Artwork bemerkt, dass eigentlich ursprünglich koloriert gewesen ist. Wiederum hätte sich dies wohl preislich zu Buche geschlagen.

In Pocha-Pocha Swimming Club versucht sich Ema Tohyama an etwas ganz Neues, was eine willkommene Abwechslung ist. Der Manga zählt zu den Moe-Slice-of-Life-Geschichten à la K-ON! und lebt daher ebenso von seinem Charakter-Zusammenspiel. Wenn ihr dranbleibt, werdet ihr sicherlich die vier Sympathieträger ins Herz schließen. Insbesondere die pummelige Hauptfigur ist in dem Genre sehr erfrischend und zum Anbeißen. Ein Leser sollte dafür aber den richtigen Humor mitbringen und manche Äußerungen nicht zu ernst nehmen. Die Atmosphäre bleibt durchweg sehr herzlich und unschuldig. Zudem verpassen euch die Zeichnungen auf jeden Fall ein Dauergrinsen. Fans von leichter Kost dürften unbesorgt bei dem Leckerbissen zuschlagen. In einer richtigen Ema-Tohyama-Sammlung darf dieser Ableger ohnehin nicht fehlen.

Wir bedanken uns herzlich bei Egmont Manga für das Rezensionsexemplar zu Pocha-Pocha Swimming Club, Band 1.

Details

Titel: Pocha-Pocha Swimming Club
Originaltitel: Pocha Pocha Suieibu (ぽちゃぽちゃ水泳部)
Mangaka: Ema Tohyama
Erscheinungsjahr: 2011 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Houbunsha (JP), Egmont Manga (DE)
Genre: Comedy, Slice of Life
Preis: 7 €
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POCHA-POCHA SUIEIBU ©2011 EMA TOHYAMA /HOUBUNSHA Co., LTD.
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH