Im Oktober 2014 feierte die Dark-Fantasy-Story Übel Blatt von Etorouji Shiono ihr Debüt im deutschen Raum. Vor zehn Jahren startete der Zeichner sein Erstlingswerk als Auftrag für das Magazin Young Gangan, jedoch entpuppte sich Übel Blatt schnell als Erfolgshit und gehört mittlerweile zu den 30 populärsten Manga-Reihen in Japan. Der Titel katapultiert den Leser in eine düstere Fantasywelt, in der sich Helden und finstere Kreaturen in klassischer Manier gegenübertreten. Dabei bringt jene Geschichte einen besonderen Krieger hervor – den Halbelf Köinzell, welcher eine dunkle Seite in sich trägt. Volume 0 der Reihe ist eine Art von Prequel, das bereits auf so manche wichtige Fragmente der Story hinweist. Vorab will ich warnen: Wer keine Spoiler haben will, dem lege ich den ersten Band ans Herz, welcher im Dezember 2014 bei Kazé erscheint, und empfehle, das Prequel im Laufe der Handlung zu lesen. Wie sich Volume 0 von Übel Blatt schlägt, zeige ich euch im folgenden Review.

Vor einiger Zeit wurde das Königreich Saalandien von der dunklen Armee Wischtechs angegriffen. Daraufhin entsandte der König vierzehn Krieger mit heiligen Lanzen, um der Finsternis entgegenzuwirken. Ihr Ziel war es, das Land und seine Menschen vor der Bedrohung der dunklen Streitkräfte zu bewahren. Während drei von den vierzehn Entsandten starben, verrieten vier das Bündnis und rühmten sich mit dem Titel »Betrügerische Lanzen«, woraufhin sie hingerichtet wurden. Letztlich beendeten die anderen sieben Lanzenträger ihren Auftrag und brachten den Frieden zurück.

Nach zwanzig Jahren ist die dunkle Seite auf Rache aus – die vier für tot gehaltenen Verräter sind nach wie vor am Leben. So tyrannisieren jene mit der »Schwarzen Schwingenschwertarmee« erneut das Königreich. Einer der Betrügerischen Lanzen, nämlich Fürst Kfer, ist im gesamten Land für Brutalität sowie unbezwingbare Stärke berüchtigt. Während jener das Umfeld in Angst und Schrecken versetzt, erscheint aus dem Nichts der elfenartige Junge Köinzell mit einer Narbe, welche sein linkes Auge überzieht. In kürzester Zeit streckt er hunderte Gefolgsmänner von Kfer nieder, was für den Krieger mit seinen mysteriösen Fähigkeiten ein Kinderspiel ist. Dies lässt der finstere Befehlshaber nicht auf sich sitzen und begibt sich auf die Suche nach dem Störenfried.

Schnell wird in der gepeinigten Bevölkerung klar, dass Köinzell der Held ist, den sie brauchen, um gegen die bösen Kreaturen anzukommen. Jedoch verfolgt der kampferprobte Halbelf sein eigenes Ziel – so weiß er um die Wahrheit der vierzehn Lanzenträger. Welches Geheimnis umringt die Champions, die einst im Auftrag des Königs von Saalandien den Frieden zurückbrachten?

Kazé veröffentlichte Anfang Oktober Volume 0 zu Übel Blatt, was im Grunde das Prequel der Reihe darstellt und so manche Ereignisse aus der Vergangenheit des Protagonisten aufzeigt. Dennoch sollten Interessierte mit dem ersten Teil im Dezember beginnen, bevor sie zu diesem Band greifen. Es kann für manch einen nämlich etwas verwirrend sein, Szenen aus dem Zusammenhang gerissen zu sehen. Deshalb sei hier nochmals empfohlen, auf die ersten Volumes zu warten, bevor man sich das Prequel zu Gemüte führt.

Hauptsächlich setzt Etorouji Shiono in Übel Blatt den Fokus auf Köinzell, welcher vom Look einem Halbelfen gleicht, trotz allem aber nicht als der typische Held gilt, denn er weist einige Charakterzüge auf, die alles andere als einem strahlenden Krieger nachgesagt werden. So befindet er sich auf dem Rachefeldzug gegen die Lanzen und zeigt keinerlei Erbarmen mit ihnen oder den Verbündeten. Dennoch begegnet man auch einem guten Kern in ihm, als Köinzell zum Beispiel gewissen Charakteren das Leben rettet. Zudem legt er eine sehr geschickte Schwertführung an den Tag, welche seine Gegner, sei es Mensch oder Dämon, in die Knie zwingt. Diese dunkle Seite an Köinzell wird im Prequel des Öfteren angedeutet und macht aus ihm einen sehr interessanten Protagonisten, der neben Rettungsaktionen auch sein eigenes Ziel verfolgt.

Die Welt in Übel Blatt legt ein ziemlich düsteres Setting vor, welches mit Berserk vergleichbar ist und kein buntes Fantasy-Reich präsentiert. Blutige Kämpfe, abgetrennte Körperteile sowie brutale Gewalt sind an der Tagesordnung, wie es im dunklen Mittelalter eben der Fall war. Des Weiteren scheut Etorouji Shiono nicht vor expliziten Sexszenen und jeder Menge nackter Haut. Ein spannender Punkt sei noch erwähnt: So erscheinen im Laufe der Handlung einige Charaktere, von denen der Leser denkt, sie würden später eventuell noch eine größere Rolle spielen, jedoch finden jene wenige Seiten danach einen schnellen und grausamen Tod. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Köinzell beinahe unbezwingbar daherkommt. Wie sich das wohl in den nächsten Volumes weiterentwickelt?

Grafisch sehe ich Übel Blatt zwiegespalten: Einerseits sind vor allem die Struktur der Panels und die sehr gut in Szene gesetzten Schlachten zu nennen, die mich auch überzeugt haben. Auf der anderen Seite fehlen oft ausgearbeitete Hintergründe, die meines Empfindens hin und wieder gut getan hätten, um die Atmosphäre in den jeweiligen Bildern zu bekräftigen. Zudem stimmen bei den Figuren teilweise die Proportionen nicht, welche diese etwas merkwürdig erscheinen lassen. Trotzdem gelingt es Etorouji Shiono, die Makel in seinem Zeichenstil mit den dynamischen Posen sowie Kämpfen wegzumachen. Auch in diesem Punkt bin ich gespannt, ob der Mangaka mit den fortlaufenden Bänden eine Entwicklung vollzieht.

Derzeit gibt es in Japan 16 Volumes, und die Reihe ist noch nicht abgeschlossen. 2008 erhielt Etorouji Shiono den Japan Expo Award in der Kategorie »Beste Seinen-Serie«, was bestätigt, dass Übel Blatt noch so einiges zu bieten hat. Kazé wird die jeweiligen Bände der Dark-Fantasy-Reihe alle zwei Monate veröffentlichen, somit erscheint Anfang Dezember 2014 Volume 1. Das Prequel beginnt mit zwei Farbseiten und zeigt am Ende noch Details aus der Welt von Übel Blatt.

Zusammenfassend ist das Werk von Etorouji Shiono im Seinen-Genre ein Geheimtipp und lässt Action-, Gore- sowie Dark-Fantasy-Fans wieder in eine neue, finstere Welt eintauchen, welche mit einem Protagonisten überzeugt, der als Antiheld auftritt. Volume 0 zeigt, welches Potenzial in der Story steckt. Jenes wird mit großer Sicherheit in den kommenden Bänden weiter ausgeschöpft. Bisher sind manche Elemente aus Etorouji Shionos grafischer Ausdrucksweise das einzige Makel, wobei das Hauptaugenmerk der Geschichte gilt und man daher darüber hinwegsehen kann. Da Übel Blatt nichts für schwache Nerven oder Zartbesaitete ist, spricht nichts gegen die Altersempfehlung von 16+. Fans von Berserk oder Claymore werden voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Ich bin gespannt auf das erste Volume, welches in wenigen Tagen in den Bücherregalen steht.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Übel Blatt, Band 0.

Details

Titel: Übel Blatt
Originaltitel: ユーベルブラット (Yuberu Buratto)
Mangaka: Etorouji Shiono
Erscheinungsjahr: 2005 (JP), 2014 (DE)
Verlag: SQUARE ENIX (JP), Kazé (DE)
Genre: Action, Fantasy, Gore, Mystery
Altersempfehlung: 16+
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon text=ISBN 2889215687&chan=animey&asin=2889215687]

Übel Blatt © 2005 Etorouji Shiono/SQUARE ENIX CO., LTD
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