Faszination Manga

    Manga sind eigentlich in jedem Breitengrad unserer Welt beliebt oder gehasst. Neben den vielen Fans gibt es genauso viele Stimmen, die sich kritisch zu diesem Thema äußern. Eins der größten Vorurteile, das auch ich mir ständig anhören darf, ist: „Das ist doch Kinderkrams“ oder „Das ist doch Pornografie“.

    Weit gefehlt, denn Manga haben in Japan nicht nur eine lange Geschichte, sondern ihr Inhalt ist oftmals auch gesellschaftskritisch. Wenn man sich die Art der Gesellschaft in Japan mal genau anschaut, ist gerade der gesellschaftskritische Standpunkt sehr wichtig, denn in Japan ist es eher unüblich laut Kritik zu äußern.

    Die Geschichte von Manga:
    Der erste Vorläufer des japanischen Comics stammt aus dem frühen 8. Jahrhundert. Diese Zeichnungen wurden 1935 am Horyu Tempel in Nara an einer Rückseite eines Deckenbalkens entdeckt. Dabei handelt es sich um Zeichnungen und Karikaturen.

    Ab dem 17. Jahrhundert entstanden dann Ukiyo-e (Holzschnittbilder), die ein unbeschwertes Leben bis hin zu sexuellen Ausschweifungen zum Inhalt hatten. Diese Ukiyo-e wurden auch sehr schnell sehr beliebt in Japan. Die Herkunft des Begriffs Manga ist nicht bekannt, er wurde aber vom Ukiyo-e Meister Katsushika Hokusai zwischen 1760–1849 bekannt gemacht. Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden die sogenannten Toba-e Bücher, das waren schwarz-weiße Hohlschnittdrucke die Bilder und Texte zum Inhalt hatten. Es waren vorlaufende Geschichten, die hauptsächlich satirische Inhalte hatten. Diese waren zum Ende des 19. Jahrhunderts die beliebteste Lektüre in Japan.

    Als die Öffnung Japans nach außen begann, gewann das westliche Verlagswesen rasch an Einfluss. Die Drucktechnik verbesserte sich und die Karikaturen wurden mehr an den westlichen Stil angelehnt. Als erster Manga der Neuzeit gilt die ca. 1902 entstandene Geschichte „Tagosakus und Kokubes Besichtigung von Tokyo“ von Rakuten Kitazawa. Trotz der Bemühungen der japanischen Regierung Manga einzudämmen, wurden diese bis zum Zweiten Weltkrieg immer beliebter. Als im Zweiten Weltkrieg viele Manga Zeichengruppen aufgelöst wurden, gründete die Regierung 1940 die Dachorganisation Shin Nippon Mangaka Kyoka und nutze sie dazu, Manga gezielt als Kriegspropaganda einzusetzen.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich schnell viele Kleinverlage. Gerade der Arzt Osamu Tezuka (1928-1989), der auch als Zeichner für viele dieser neuen Verlage arbeitete, gilt als Wegbereiter des modernen Manga.

    Heute:
    In Japan ist die weit verbreitete Manga Figur übrigens die Roboterkatze Doaremon. Sie entstand um 1969.

    Heute bilden Manga einen der wichtigsten Verkaufszweige der Verlage in Japan, einer Statistik zu folge, kauft jeder Japaner 15 Manga pro Jahr (in Deutschland übrigens 0,25). Dabei werden gerade die Taschenbücher immer beliebter.

    Rangliste:
    Die beliebtesten Manga sind im Moment:

    • One Piece ca. 180 Millionen verkaufte Exemplare
    • Dragonball 152 verkaufe Exemplare
    • Kochikame 142 Millionen Exemplare
    • Sam Dunk 105 Millionen Exemplare
    • Naruto 100 Millionen Exemplare

    Und die zwei am längsten laufenden Manga Serien sind: Golgo 13 (gestartet 1968) und Kochikame (gestartet 1977), sie haben nicht nur die größte Anzahl an Exemplaren, sondern laufen seit ihrer Erscheinung auch ununterbrochen.

    Mangaka:
    Die Zeichner von Manga heißen Mangaka. In Japan kann man zum Beispiel durch einen Sieg bei einem Zeichenwettbewerb oder durch eine Bewerbung bei einem Verlag Mangaka werden. Die normale Ausbildung beginnt allerdings als Assistent und man darf Anfängerarbeiten im Zeichenteam eines bereits erfolgreichen Mangaka machen. Man arbeitet sich also erst im Laufe der Zeit hoch. Es gibt zig Assisstenten in Japan, allerdings hören viele relativ schnell wieder auf, da die Aufstiegschancen nicht so gut sind. Nur ca. 300 Zeichner können vom Manga Zeichnen ausschließlich leben und alle arbeiten als Mangaka an lang laufenden Serien.

    In Deutschland:
    Schon im 19. Jahrhundert kannte man Manga in Deutschland. Bereits 1977 berichtete der Stern das erste mal über Manga und das ziemlich negativ: „Höchste Auflagen haben die „Mangas“, Strip-Magazine mit Sadismen, bei deren Anblick vermutlich gar der alte Marquis de Sade noch Neues hätte lernen können.“

    Die erste vollständig auf Deutsch erschienene Serie war Akira. Dieser Manga erschien 1991 im Carlsen Verlag und wurde an das westliche Lesebedürfnis angepasst. So las man den Manga nicht, wie in Japan üblich von hinten nach vorne. Außerdem war er auch vollständig coloriert. Davor wurden lediglich einige Manga als Einzelbände veröffentlicht.

    Den Durchbruch schafften Manga in Deutschland allerdings erst 1996 mit Dragonball, das ebenfalls beim Carlsen Verlag erschien. Seitdem gibt es einige Labels in Deutschland, die Manga publizieren und eine immer größer werdende Anzahl von Fans mit neuen Geschichten aus Japan versorgen.

    Faszination in Deutschland.
    Aber was macht einen Manga eigentlich aus? Wieso sind sie so beliebt? Klar, Superhelden mag man, der Humor ist extrem schräg und somit beste Unterhaltung. Wenn man aber ein wenig über den Tellerrand schaut, also den Blick nicht nur auf Dragonball , One Piece und Naruto, dann merkt man sehr schnell, dass in Manga jedes Thema einen Platz hat. Neben Romantik, findet man oft auch sehr philosophische Geschichten. Es gibt eigentlich für jeden Geschmack etwas.

    Oft hört man folgendes: „Ich mag die Art der Zeichnung und man kann so schön abdriften in eine andere Welt.“ Wobei der Stil eines Manga sich natürlich weiterentwickelt, wie aktuell zum Beispiel bei dem Manga Sprite (Carlsen Comics). Dort gibt es keine typsichen Kulleraugen. Das Abtauchen in eine andere Welt ist allerdings gar nicht so weit hergeholt. Anders als bei vielen amerikanischen Comics liegt das Hauptaugenmerk oft nicht auf der Figur, sondern auf der Geschichte. Außerdem haben die Figuren einen größeren Tiefgang und die Geschichte wird ausführlicher erzählt. Sucht man diese Eigenschaften in Comics, wird man oft nur bei Grahic Novels fündig. Natürlich hat auch der amerikanische Markt einige tolle Comics zu bieten.

    Vorurteile:
    Ein Voruteil, dass wohl jeder Comicsammler kennt: „Das ist doch nur für Kinder.“ Jeder, der sich ernsthaft mit Comics beschäftigt, dürfte jetzt einen Lachanfall bekommen.

    Auch das Vorurteil: „Manga sind ja nur etwas für Kinder“ ist totaler Quatsch. Wie auch bei Spiderman und Co gibt es viele Erwachsene, die gerne Manga lesen. Allgemein hat der Comic in Deutschland einen schweren Stand, was schade ist, denn sie zeigen oft einen sehr nüchternen Blick auf die Welt, man muss nur etwas über den Tellerrand blicken.

    Die Sache mit der Pornografie, auf der immer wieder herumgeritten wird, ist auch ziemlich überzogen. Natürlich gibt es auch Hentai und generell Manga aus dem Genre der Erotik. Da gibt es aber auch bei Büchern, in Film und Fernsehen. Es mag auch sein, dass die Geschichten oft schwer zu verstehen sind, was aber daran liegt, dass die japanische Kultur selbst nicht ganz so einfach zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang wird auch oft das Vorurteil der Kinderpornografie angsprochen. Dazu kann man sagen: Es gibt zwar Lollicon, aber diese Manga sind in Japan genauso wenig akzeptiert wie in Deutschland und längst nicht so verbreitet wie angenommen wird.

    Insgesamt kann sagen, Manga hat sich auch bei uns etabliert. Natürlich sind, durch die Tatsache, dass Comics allgemein in Deutschland einen schweren Stand haben, Manga als Kinderkram abgestempelt. Wer sich aber ein wenig damit beschäftigt, wird sehr schnell merken, dass dies totaler Quatsch ist. Für jedes Alter ist etwas dabei.

    Micha
    Ein alter Hase im Geschäft. Seit Akira 1991 in die deutschen Kinos kam, brennender Anime-Fan und noch die gute alte Zeit miterlebt als Carlsen Manga in Farbe und Bunt auf den Markt brachte. Ghost in the Shell Fan der ersten Stunde und bevorzugt mittlerweile Slice of Life Anime