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»Freaks‘ Squeele: Totenfeier« Band 2 – Manga-Test

Drei Monate nach dem ersten Band des Spin-offs Freaks‘ Squeele: Totenfeier aus der Feder des französischen Zeichners Florent Maudoux veröffentlichte der Splitter Verlag im September 2015 den zweiten Teil über die Vergangenheit des Freaks‘ Squeele-Nebencharakters Pretorius Totenfeier.

Dieser musste zuletzt miterleben, wie sein Ziehvater Seraphon gefangen genommen wurde, während man den Jungen auf die Kriegsschule verbannte. Seinem Zwillingsbruder Scipio erging es kaum besser, welcher den eingefädelten Tod ihres Vaters Spartakus, dessen Vorgehen gegen Korruption in der Politik dem Machtspiel seiner Frau Luciana sowie ihrer Sekretärin Psamathea im Wege stand, ansah und seitdem Rache schwört.

Auf der Kriegsschule geht es hart zu. Pretorius, dort offiziell nur mit 619 als Name angeschrien, von seinen Kameraden aber Prätor genannt, erregt speziell das Missfallen des Sergeant, der den Jungen mit der entstellten Gesichtshälfte und einem angenähten Arm kurzerhand großspurig zum Sprecher der Einheit erklärt. Was zuerst wie eine erstrebenswerte Beförderung klingt, birgt schwere Nachteile. Jeder Fehler der anderen wird ebenso Pretorius zugeschrieben und dementsprechend bestraft. Unser Protagonist muss sich entscheiden, wie er mit uneinsichtigen Elementen in seiner Gruppe umgeht.

Ein weitaus angenehmeres Leben führt Scipio auf dem Geisterkolleg, wo die Elite unterrichtet wird. Ohne militärische Härte werden die Schüler zu zukünftigen Offizieren, Helden und Metagladiatoren herangezogen. Besonders Letzteres ist Zentrum von Scipios Aufmerksamkeit und Forschung. So fröhlich der Jüngling nämlich erscheint, den Tod seines Vaters hat er nicht vergessen. Ebenso Luciana plagt der Verlust ihres Mannes, aber auch der Wahnsinn, der in ihrer Familiengeschichte lauert.

Es war schon im letzten Band absehbar, dass wir dieses Mal die beiden Zwillingsbrüder Scipio und Pretorius an ihren jeweiligen Schulen zu Gesicht bekommen sowie dass der Militärdienst vom Letzteren kaum ein Ritt auf einem rosaroten Ponyhof werden wird. Trotz dem rauen Ton dort, strikten Regeln, schonungslosem Drill und Schlägereien unter den Auszubildenden weicht die aktuelle Szenerie, welche eher an ein gemeines Boot Camp erinnert, jedoch von meinen Vorstellungen ab. Nachdem wir zuletzt miterleben durften, wie Menschenleben mit Füßen getreten werden, hätte ich mir eine grausamere, brutalere Kriegsschule erwartet, in der Pretorius mit seinen neu gewonnenen Freunden ums Überleben kämpfen muss – und tatsächlich wagt er mit dem Charakter Mammut mal einen Fluchtversuch, nur um wieder freiwillig zurückzukehren, bevor überhaupt jemand ihr Verschwinden bemerkt.

Gleichzeitig beweist der Protagonist Führungsqualitäten und eine starke Moral, geprägt durch seine Kindheit bei Meister Seraphon, die ihn hilfsbereit sowie liebenswert auftreten lässt. Er findet gute Kameraden, denen Pretorius sogar das Lesen und Schreiben beibringt. Dies führt so weit, dass sich die Gruppe um ihn nachts zu geheimen Treffen zusammenrottet, um Bücher zu erörtern, etwa Der Zauberer von Oz – und diese Jugendlichen sind wirklich nicht auf den Kopf gefallen, sondern interpretieren Erstaunliches in den Kinderroman hinein, dessen Veröffentlichung in der USA teilweise auf harte Kritik inklusive Einschränkungen stieß. Das gibt einem eine vollkommen neue Sicht auf Lyman Frank Baums Erzählung und drängt mir gleichzeitig die Frage auf, ob hinter Freaks‘ Squeele: Totenfeier mehr als Unterhaltung, eine tiefere Bedeutung, verborgen liegt.

Ebenso bleibt es ein Rätsel, warum sich so viele Einflüsse aus unserer Realität in der Dark-Fantasy-Welt wiederfinden, wie etwa der erwähnte Buchtitel. Dass Scipio an anderer Stelle einen Brief mit Hasta la vista Baby! beendet, leuchtet mir dagegen ein. Wer den ersten Band las, dem wird nämlich aufgefallen sein, dass der Unsterbliche den beiden Kindern ein Video vom Film Terminator 2 geschenkt hat, in dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger genau dieses weltberühmte Zitat tätigt. An anderer Stelle modernisiert Scipio eine traditionelle Reitvorführung mit der klanglichen Einlage von Jumping Flash Jack der Rolling Stones – ein wilder Rock’n’Roll-Titel für einen aufmüpfigen Jugendlichen, der mit alteingesessenen Regeln brechen und zusammen mit seinem Bruder alles auf den Kopf stellen möchte. Meine Theorie geht dahin, dass der Unsterbliche all die Einflüsse aus unserer Welt in dieses Universum schmuggelt. Umso mehr hoffe ich, die mystische Gestalt möge noch einmal in der Handlung auftauchen.

Während Pretorius an der Kriegsschule Kameraden um sich schart und anführt, was mich an seinen aufrichtigen Vater Spartakus sowie dessen treu ergebenen Männer erinnert, geizt Scipio am Geisterkolleg in sozialen Belangen, auch wenn er neben dem neu auftretenden Charakter Aelius aus dem Hause der Medusa als Mädchenschwarm gilt. Allgemein erscheint die Stimmung an dem Institut sehr ausgelassen und unbeschwert, ein Kontrast zu den Orten, an denen wir bisher verweilten. Bei all den Liebesgefasel und Eifersüchteleien der Schülerinnen will man fast die Welt außerhalb des Geisterkollegs vergessen. Aber hinter Scipios zurückhaltender Fassade, die selbst mich streckenweise daran zweifeln lässt, ob er noch gewillt ist, den Tod seines Vaters zu rächen, oder schon ganz vom sorgenlosen Schulalltag übermannt wurde, verbirgt sich ein reger Geist, der weder vergisst noch verzeiht. Ein unersättlicher Wissensdrang treibt den Jüngling voran, welcher ihn unter anderem zurück zur Musik führt. Dabei erschien mir immer Pretorius der Begeistertere von beiden, wenn es um das Klavierspielen geht, während Scipio die damaligen Musikstunden eher weniger genoss.

Zwei Aspekte beleuchtet Florent Maudoux in diesem Band besonders: Metagladiatoren und »Vereinte«. Ersteres ist uns gleich zu Beginn und zum Schluss des ersten Bandes begegnet, auch wenn der Zeichner die Aufmerksamkeit mehr auf die handelnden Charaktere richtete, als auf das, was diese genau machten. Umso mehr kommen wir nun in die Ehre, Näheres über Metagladiatoren, die Rolle von den Zyklopen, Live-Übertagungen, Metazuschauern, Katalysatoren und Kanalisatoren zu erfahren. Ein Probekampf von Scipio gegen Aelius veranschaulicht die Theorie auf grafisch höchst interessante Art und Weise. So wechselt das Werk darin, sowie an zwei weiteren Stellen in der vorliegenden Handlung, von Farbe auf Schwarz-Weiß. Nur die Augen und wenige andere Details sind koloriert. In dem Duell der beiden Spitzenschüler offenbart sich einem unweigerlich die Liebe von Florent Maudoux zur japanischen Manga-Kultur. Es grenzt schon an eine regelrechte Parodie, wenn sich Scipio und Aelius mit einem Zauberspruch verwandeln. Dabei schmiegt sich an ihre plötzlich nackten Körper eine thematisch verzierte Rüstung. Sie verfügen als Metagladiatoren über übernatürliche Kräfte und attackieren ihren Gegner mit magischen Angriffen, deren Namen sie bei der Ausführung rufen.

Im ersten Band des Euromangas erläuterte man uns bereits die üblichen Zwillingsgeburten in der Welt, bei der meist einer von den Säuglingen vom anderen noch im Mutterleib getötet wird. Andererseits kann es aber zu Verschmelzungen kommen. Im Hof der Wunder zeigte Seraphon seinen Schützlingen etwa einen Mann mit vier Armen, und dort begegneten sie einer Frau mit zwei Köpfen. Auch im Laufe seines Militärdienstes trifft Pretorius den Fahnenträger Castor der 13. Legion, an dessen Kopf sein Bruder Pollux, der selbst nur die Größe eines Neugeborenen vorweist, angewachsen ist. Zu allem Übel leidet Pollux am Tourette-Syndrom, was die bizarre Gestalt zu einer skurrilen Comedy-Einlage macht und zu einer Geduldsprobe für sein Umfeld. Bei einem »Vereinten« verschmelzen die beiden Kinder in der Gebärmutter jedoch zu einer einzigen Person. Was das genau für den Betroffenen bedeuten kann, präsentiert der Band anhand von zwei bis eventuell sogar drei Beispielen.

Zeichnerisch gilt es für Florent Maudoux, die Veränderungen der Charaktere einzufangen. Schließlich vergehen in der Geschichte vier Jahre, was besonders bei Scipio, Pretorius und deren gleichaltrigen Freunden niederschlägt, die sich alle zu jungen Erwachsenen heranentwickeln. Das Cover des zweiten Bandes zeigt die Zwillingsbrüder nach dem Zeitsprung, während man der ebenfalls abgebildeten Luciana in der Mimik den seelischen Zusammenbruch ansieht. Ihr emotionaler Umschwung kam für mich unerwartet. Schließlich gab sie sich zuvor als starke, intrigante Frau, die hinter dem Rücken ihres Mannes nach immer mehr Macht greifen will und dafür für allerlei Opfer bereit ist. Ich hätte darauf gewettet, dass der Tod Spartakus‘ die Frau so kalt lässt wie sein Leichnam. Das überlaufende Glas auf dem Cover mit dem Totenkopf, hinter dem die Spinnen-Priesterin kniet, ist mehr als bloße Symbolik. Während die Atmosphäre zuletzt hauptsächlich angespannt und düster war, schlägt sie dieses Mal zuversichtliche, ermutigende Töne an. Dies hat wohl damit zu tun, dass die beiden Brüder damals noch Kinder waren, die in der Welt der Erwachsenen keine Macht besaßen, aber nun langsam wortwörtlich hineinwachsen, sich Wissen aneignen und Freunde finden. Das bedeutet banalerweise sexuelle Anspielungen.

Spoiler (Text markieren auf eigene Gefahr): Während Pretorius eine Beziehung mit Mammut zu haben scheint, die jedoch nicht näher zu Papier gebracht wird, vernascht Scipio seine viel ältere Lehrerin, Meisterin Hedviga, was aber mehr wie ein oberflächliches Verhältnis wirkt, aus dem der Bursche vor allem den Nutzen zieht, aus ihren Forschungsarbeiten zu profitieren. Dennoch fällt auf, dass sowohl Mammut als auch Hedviga von pummeliger Statur sind. Ob wir da eine weitere Gemeinsamkeit der Zwillingsbrüder entdeckt haben?

Wie schon Band 1 kommt der zweite im Großformat 200 x 280 mm mit Hardcover daher. 80 Seiten in westlicher Leserichtung umfasst dieser Teil, komplett in Farbe. Der Preis bleibt mit 17,80 Euro ebenfalls konstant.

Fazit

Unsere beiden Protagonisten werden erwachsen. Der zweite Band von Freaks‘ Squeele: Totenfeier widmet sich vor allem ihrer stark unterschiedlichen, aber jeweils für sich dennoch rebellischen Schulzeit, welche die Charaktere überraschend heranreifen lässt. Tragische Verluste, wie wir sie zuletzt gehäuft erleben mussten, oder große schockierende Enthüllungen bleiben in ihrer von Florent Maudoux schnell überflogenen schulischen Laufbahn aus. Zum Glück steht uns da eine andere aus dem ersten Teil bekannte Person zur Verfügung, über deren Haupt Unheil schwebt, um wenigstens etwas Angst und Düsterkeit in die Handlung zu schleusen, die ansonsten eher wie die Ruhe vor einem hoffentlich gewaltigen Sturm scheint. Ein bizarrer Cliffhanger zum Schluss unterstützt diese Vermutung. Wann der dritte Band herauskommt, ist noch ungewiss. Hierzulande können sich Leser aber mit der Hauptserie Freaks‘ Squeele vertrösten, die seit 1. Januar 2016 beim Splitter Verlag läuft.

Wir bedanken uns beim Splitter Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Freaks‘ Squeele: Totenfeier, Band 2.

Details

Titel: Freaks’ Squeele: Totenfeier, Band 2
Originaltitel: Freaks’ Squeele: Funérailles, Tome 2
Mangaka: Florent Maudoux
Erscheinungsjahr: 2014 (FR) 2015 (DE)
Verlag: Ankama (FR) Splitter (DE)
Genre: Dark Fantasy, Drama, Comedy
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 17,80 €
Bestellen: ISBN-10: 3958390854

FREAKS SQUEELE: FUNERAILLES T.2 © Ankama Éditions 2014 – Maudoux
FRAKS‘ SQUEELE: TOTENFEIER Bd. 2 © Splitter Verlag GmbH & Co. KG • Bielefeld 2015

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