»Cope Soul« Band 1 – Manga-Test

Die deutschsprachige Manga-Zeichner-Szene hat viel zu bieten. Dabei findet man die Künstler nicht nur in Deutschland an, sondern auch in Österreich oder der Schweiz. Zwei bekannte Gesichter aus letzterem Land sind gleichzeitig Zwillingsschwestern: Gin Zarbo und Ban Zarbo (KaMo). Beide Damen gehörten zu den sechs Teilnehmerinnen der ersten TOKYOPOP Academy, zudem brachte Gin Zarbo am 16. Juni beim Schweizer Familienunternehmen Tori-Project Band eins ihres Fantasy-Mangas Cope Soul heraus, den wir für euch näher unter die Lupe nehmen. Im August führten wir zudem ein Interview mit ihr, das Interessierte hier nachlesen können.

Sündige Seelen landen nach dem Tod in der Vorhölle Reas, um dort ihrer gerechten Strafe entgegengebracht zu werden. Diese Welt der Dämonen ist in mehrere Dynastien unterteilt. Eine davon, die siebente, wird von Beelts Vater regiert, was ihn selbst zu einem Prinzen macht. Beelt untersteht die Leitung für die Jagd nach den sündigen Seelen, doch da gibt es ein Problem: Er liebt die Menschen und versteckt sie daher als Puppen getarnt vor der restlichen Dämonenwelt.

Als wäre Beelts Alltag dank dieses Geheimnisses nicht stressig genug, wurde er als Anwärter auf den Hauptthron von Reas auserwählt und muss mit den Prinzen aus den anderen Dynastien darum wetteifern. Gleichzeitig hinterfragt Beelt seine eigene Vergangenheit, als wie aus dem Nichts ein Kind aus Fleisch und Blut im Schloss auftaucht, das behauptet, sein kleiner Bruder Rule zu sein. Was hat das alles bloß zu bedeuten?

Cope Soul startete im August 2013, also vor über einem Jahr, als Online-Manga auf Animexx, wo man aktuell vier von den fünf im ersten Band enthaltenen Kapiteln lesen kann. Im mit AnimeY geführten Interview beziffert Gin Zarbo die endgültige Länge der Reihe auf 15 Volumes. Wie exakt diese Abschätzung tatsächlich ist, wird sich erst zeigen. Der bisher präsentierte Inhalt offenbart zumindest schon eine Fülle an offenen Fragen und Andeutungen, sodass sich Fans in nächster Zeit um Cope Soul-Nachschub keine Sorgen machen müssen.

Protagonist der Geschichte ist Beelt, der mit seinem quer gestreiften Pullover und dem auffälligen Hut inklusive Fliegerbrille, Federn sowie einem detaillierten Anstecker aus der Masse heraussticht. Gin Zarbos Hauptcharakter hat das Herz am rechten Fleck – eine durchaus überraschende Eigenschaft für einen Dämonen-Prinzen. Von seiner schlanken Statur sollte man sich nicht täuschen lassen. In dem Körper verbergen sich nämlich überwältigende Kräfte, die in Reas ihres Gleichen suchen. Um aber nicht vom Start weg zu übermächtig zu wirken, schränkt Gin Zarbo ihren Helden ein. Gerade wegen seiner Liebe zu den Menschen und dem daraus resultierenden Puppenzauber, den Beelt über seine Schützlinge legt, muss ein großer Teil seiner Energie dafür verwendet werden, diese Magie aufrechtzuerhalten.

Statt einem verfolgt Cope Soul gleich zwei rote Fäden, die teilweise miteinander verflochten sind. Auf der einen Seite wäre da der Kampf um den Hauptthron, an dem Beelt eigentlich gar nicht interessiert ist. Die Umstände verlangen es jedoch. Andererseits taucht plötzlich ein Lebender auf, der sein Bruder sein soll. Für Beelt ist das mehr als verwirrend, da er sich an die gemeinsam verbrachte Zeit nicht erinnert. Eine Verwandtschaft zwischen einem Dämon und Menschen – geht das überhaupt? Für den Prinzen prasseln damit gleich zwei wuchtige Probleme auf einmal hernieder, denen er planlos, aber dennoch furchtlos entgegentritt.

Im Design besitzt Beelt den typischen Charme eines Shonen-Helden, bewahrt sich jedoch eine frische Individualität und sammelt schnell Sympathiepunkte. Der Protagonist überzeugt, und auch die Nebencharaktere, wie etwa Beelts Vater oder der kleine Rule, können sich sehen lassen. In die Jagd um den Thron kommen zusätzlich noch Prinzen aus den anderen Dynastien dazu. Unter diesen erhält Krim die meisten Szenen und könnte sich als storytechnisch sehr interessante Person entwickeln, daher mein Tipp: Krim gut im Auge behalten.

Während das Charakter-Design punktet und die grundlegende Handlung Spannung verspricht, stolpert Gin Zarbo in ihrem Erzählstil über Details. So wirken die Struktur der Vorhölle und das Prozedere zur Bestimmung des Königs beim ersten Durchlesen verwirrend. Gin Zarbo schleudert im Sekundentakt neue Informationen in Kurzfassung ins Geschehen. Hier und dort werden Andeutungen hineingestreut, die als lose Fäden verbleiben, aber hoffentlich im Laufe späterer Abschnitte wieder aufgenommen werden.

Bei den Zeichnungen verfolgt die Schweizer Manga-Künstlerin einen typischen Shonen-Stil, der bei Mimik und Körperhaltung nahtlos sitzt. Gin Zarbo überzeugt zudem bei Gebäudeansichten, welche gerne öfter vorkommen dürften. Die Seiten sind schlicht mit großen Panels aufgebaut. Besonderen Eindruck schindet Gin Zarbo mit Motiven, welche sich über eine komplette oder gar Doppelseite ausdehnen, da sie eine kompakte, intensive Ausstrahlung haben und gleichzeitig kleine Ruhepole für das Auge bilden. Zum Abschluss finden Käufer im ersten Band noch eine Fanart-Galerie vor, in der sich unter anderem auch Schwester Ban Zarbo und Hockey Homo-Zeichnerin Nana »Yaa« Kyere verewigten. Wer jetzt schon nicht genug von Gin Zarbos Zeichnungen bekommt, sollte sich auf die Manga-Kurzgeschichtensammlung von Tori-Project freuen, in der sie voraussichtlich ebenfalls mit einem Beitrag vertreten sein wird (wir berichteten).

Wer den ersten Band in der Hand hält, merkt schnell das sehr dünne Cover-Papier, gegenüber dem die Innenseiten viel dicker und stärker erscheinen. Unangenehm fühlt sich zudem der Buchrücken an, der sich beim Aufschlagen sofort bedrohlich wölbt. Eine Furcht vor eventuellen Knicken hat sich bei normaler Handhabung zum Glück nicht bestätigt. Ich würde jedoch niemandem empfehlen, den Buchrücken zu sehr beim Aufklappen zu strapazieren. Freunde der deutschen Rechtschreibung und Grammatik sollten sich darauf einstellen, ein paar Augen zudrücken zu müssen. Bei Band 1 geht das von einer fehlerhaften Inhaltsangabe bis hin zum korrekturbedürftigen Nachwort. Nicht immer gelungen ist das Verhältnis zwischen Sprechblasen und Text. Fürs nächste Mal sind hier die Lektoren eindeutig mehr gefragt.

Cope Soul macht vieles richtig. Gin Zarbo präsentiert eine spannende Story aus dem Fantasy-Genre mit einem Vorgeschmack auf actionreiche Geschehnisse. Protagonist Beelt ist auf Anhieb sympathisch, und auch das restliche Charakter-Design stimmt bisher. Es geht vollkommen in Ordnung, wenn im ersten Band erst einmal hauptsächlich Fragen aufkommen und nur selten Antworten gegeben werden, da hier auf eine längere Reihe abgezielt wird. Potential ist auf alle Fälle vorhanden, dass Cope Soul noch ein paar Volumes benötigt, um zum Abschluss zu kommen. Weniger erfreulich ist das Chaos an Informationen, die verständlicher kredenzt werden könnten. Ein Vorschlag wäre etwa, am Ende der Bände, wo dieses Mal die Fanart-Galerie eingefügt wurde, zusätzliche Details zu Charakteren sowie der Welt an sich zu platzieren. Luft nach oben besteht zudem an der Aufmachung des Mangas und den Texten.

Wir bedanken uns bei Tori-Project für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Cope Soul, Band 1.

Details

Titel: Cope Soul
Mangaka: Gin Zarbo
Erscheinungsjahr: 2014 (CH, DE)
Verlag: Tori-Poject
Genre: Fantasy, Comedy, Action
Altersempfehlung: kA
Preis: 7,80 Euro (DE), SFr. 9,50 (CH)
Bestellen: ISBN-13: 978-3-033-04513-2

© Tori-Project, Bettingen BS 2014
Cope Soul © 2014 by Gin Zarbo