Seit 29. Mai 2015 liegt das zweite Volume von Hamatora – The Animation auf DVD (24,95 Euro) sowie Blu-ray (25,95 Euro) von Studio NAZ unter der Regie Seiji Kishis und Hiroshi Kimuras bei Kazé vor. Fans dürfen sich auf die Episoden vier bis sechs der zwölfteiligen Serie gefasst machen, womit die Halbzeit-Marke erreicht wäre. Im vorigen Volume haben wir eine erste Einsicht in eine Welt bekommen, welche sogenannte Minimum Holder beherbergt. Nice und sein Partner Murasaki, die zur Detektei Hamatora gehören, zählen zu diesen Menschen mit angeborenen außergewöhnlichen Fähigkeiten. In einer Serie von Morden fallen jedoch Minimum Holder zum Opfer, während gleichzeitig Menschen mit einem künstlichen Minimum auf der Bildfläche auftauchen.

Die Polizei tappt im Dunkeln. Wiederholt kommt es zu Überfällen in Läden. Bei den Tätern handelt es sich um Jugendliche, die alle angeben, eine Waffe von einer unbekannten Person zugeschickt bekommen zu haben, nachdem sie eine Nachricht an eine E-Mail-Adresse geschrieben haben, welche ihnen plötzlich in den Sinn kam. Andernorts müssen die beiden Bodyguards Three und Honey feststellen, dass es eine Verwechslung gab. Honeys Koffer mit ihrem geliebten Mighty Script ist verschwunden. Kurz darauf wird die junge Frau entführt.

Hajime zieht bei einer Tombola den Hauptgewinn: eine Übernachtung in einem Spahotel für drei Personen. Koneko und Honey begleiten sie mit Freuden. Wie es der Zufall – oder steckt doch mehr dahinter? – so will, finden auch ihre männlichen Kollegen einen Weg ins Thermalbad. So sollen Murasaki und Nice einen dort arbeitenden Masseur ausspionieren, während Ratio sowie Birthday wieder einmal als Bodyguards unterwegs sind.

Das erste Volume hat mich mit durchwachsenen Gefühlen zurückgelassen. Bei gerade einmal drei Episoden konnte ich noch kein vernünftiges Urteil ablegen. Zumindest die Story hatte jedoch mit der Einführung von Dr. Moral eine interessante Stelle erreicht. Umso erfreulicher gestaltet sich die vierte Folge, welche einem rasanten und dunklen Erzählstil unterliegt. In bereits gewohnter Manier eröffnen die Drehbuchautoren Jun Kumagi sowie Toka Machida das Geschehen mit verschiedenen Handlungssträngen, die auf den ersten Blick keine gemeinsame Verbindung aufweisen, bis sich im Laufe der Zeit langsam das große Ganze dahinter herauskristallisiert. Schon im ersten Volume sind mir die kleinen Finessen im Erzählstil aufgefallen, die aus losen Fäden ein komplexes, vielschichtiges Ereignis konstruieren. Dies erntet damals wie jetzt mein Lob, auch wenn man schnell ein Gespür dafür bekommt, dass letztendlich die Ereignisse in einem Punkt zusammenlaufen werden. Alle drei vorliegenden Episoden enthalten eine Vielzahl von kleinen, gut platzierten Wendungen.

Beim Charakteraufgebot gibt es wichtigen Zuwachs in Form vom Hünen Three und der süßen, aber schnell gereizten Honey. Die beiden arbeiten ähnlich zu Ratio und Birthday als Bodyguards, wobei besonders Honeys Analyse-Minimum von Vorteil ist. Mit ihrem handlichen tablet-ähnlichen Mighty Script kann sie anhand von einer gigantischen Zahlenwelle die Geschehnisse der nächsten zehn Minuten an einem gewünschten Ort vorhersagen. So knapp der Zeitrahmen auch erscheint, vermag Honey doch ähnlich zu Nice‘ Fünf-Meter-Begrenzung bei seinem Schall-Minimum Großes zu bewirken. Die Macher haben sich zudem bei der grafischen Darstellung etwas Besonderes und in der Ausarbeitung erfrischendes Kreatives einfallen lassen. Anstatt der bloßen bereits bekannten Farbveränderung der kompletten Szenerie bei der Aktivierung der Minimum-Fähigkeit erhält Honey ihre eigene charakteristische Sequenz. Dem Zuschauer wird eine virtuelle Stadt präsentiert, an dessen Hochhäusern eine ebenso große SD-Form von Honey entlangwandert, um so ihre Suche nach der richtigen Zukunft durch das Auswerten digitaler Daten zu vermitteln.

Während es sich bei Honey um eine junge Frau mit niedlichen, hellbraunen Haarschwänzen und einem ansehnlichen Vorbau handelt, deren ganzes Erscheinungsbild im Gegensatz zu ihrem schnell aufbrausenden, kratzbürstigen Verhalten Unschuld sowie Naivität verspricht, trifft auf Three im Kontrast das Sprichwort »Raue Schale, weicher Kern« zu. Er ist ein Gigant mit einem muskulösen Körperbau. Sein zotteliges Haar und ein dazugehöriger ausgeprägter Bart geben ihm ein einschüchterndes Äußeres. Sein Minimum verstärkt diesen animalischen Eindruck und verleiht ihm übermenschliche Stärke. Regelrecht überraschend wirken bei solch einem Aufgebot an purer physischer Überlegenheit das Priestergewand und die stets parat gehaltene Bibel. Um sein Minimum zu aktivieren, bittet er bei Gott um Gnade für die bevorstehende Gewalt und nennt sich das »Tier«, eine biblische Figur mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten. Eine weitere Facette, als wäre die wilde und dazu entgegengesetzte religiöse Seite nicht genug, scheint der Riese mit der auffälligen x-förmigen Zeichnung im Gesicht mit einer Leidenschaft für kitschige Shojo-Mangas zu besitzen.

Mit Honey und Three wären nun auch die letzten beiden Charaktere vorgestellt, die zusammen mit einer Fülle von anderen wichtigen Figuren auf dem Schuber abgebildet sind, den es in der limitierten Edition des ersten Volumes als Extra dazugibt. Auf Hintergrundinformationen, wie dieses Duo zueinanderfand, müssen Fans jedoch noch warten. Dafür dürfen Käufer tiefer greifenden Details zur Vergangenheit zweier anderer gegensätzlichen Figuren entgegenblicken: Ratio und Birthday. Bei so einer Fülle von Personen und der kurzen Laufzeit von 75 Minuten, die gerade einmal drei Episoden auf einem Volume mit sich bringen, ist es voraussehbar, dass so mancher den Kürzeren zieht. Trotz Auftritte geraten so etwa Nice und Murasaki ins Hintertreffen. Ebenso verweilt Dr. Moral lieber im Hintergrund. Dabei zieht der geniale Antagonist immer stärker alle Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich. Mehr als einmal frage ich mich, was seine wahren Absichten sind. Während es im ersten Volume noch so aussieht, als wolle er einfach nur normalen Menschen ein künstlich erzeugtes Minimum ermöglichen, greift Moral dieses Mal zu drastischeren Mitteln, die ihn in ein noch viel unheimlicheres Licht stellen, ohne eine erhellende Erklärung für seine Taten abzugeben.

Die FSK-12-Freigabe wird zudem durch Dr. Moral an ihre Grenzen getrieben, der vor Mord nicht zurückschreckt. Betroffene Szenen sind jedoch nur rar mit einer kurzen Dauer eingebaut, um den Zuschauer für jeweils einen Augenblick immer wieder daran zu erinnern, dass Hamatora aus mehr als nur einer Aneinanderreihung von Slapstick-Einlagen und verworrenen Begebenheiten besteht. Während die Episoden 4 und 6 dem Zuschauer viele düstere Momente kredenzen, stolpert Folge 5 von der Stimmung her total aus der Reihe. Betrachter werden mit Comedy überschüttet. In der absurden Handlung lassen sich Parodien des bei Frauen beliebten Boys-Love-Genres und von übereifrigen Promi-Fanatikern erkennen, die für ihr Idol die haarsträubendsten Hebel in Bewegung setzen. Dass in dieser Story jegliche Ernsthaftigkeit unter den Teppich gefallen ist, merkt man am abgestuften Zeichenstil. Bei einer Fülle von namenlosen Nebencharakteren scheint es den Animatoren auch etwas zu bunt geworden zu sein, sodass die vielen unwichtigen Personen, die einzig dazu dienen, den Raum zu füllen, lieblos ohne wirkliches Eigenleben hingezeichnet sind.

Mehr Tiefsinn verarbeitet die letzte Episode auf der Disc, in der es um künstlerische Originalität vs. lukrative Mainstream-Nachfrage geht. Fast überkommt mich das Gefühl, dass Studio NAZ damit ein persönliches Statement abgeben möchte. Wie in der Rezension zum ersten Volume bereits erwähnt, besitzt Hamatora – The Animation besonders in der Animation sehr experimentelle Züge, die kaum jedermanns Geschmack sind, Stichwort: kunterbunte Minimum-Aktivierung. Wobei ich mich an dieser Stelle nachträglich korrigieren muss. Das zweite Volume zeigt auf, dass es durchaus künstliche Minimum Holder gibt, bei denen dieser Farbeffekt ebenfalls benutzt wird – was in den ersten drei Episoden nicht der Fall war. Eventuell bedeutet das jedoch auch, dass Dr. Morals Forschungen voranschreiten. Was diese ganze Diskussion künstlerische Entfaltung gegen finanziellen Gewinn in meinen Augen leider abschwächt, ist die Darstellung von weiblichen Charakteren in Hamatora. So erzählt die Story in der sechsten Folge unter anderem von einer Zeichnerin, die für den Profit stets nur süße Manga-Mädchen zu Papier bringt, was besonders die männliche Fangemeinschaft wachsen lässt, obwohl sie selbst gerne etwas vollkommen anderes kreieren möchte, selbst wenn das keinen großen Erfolg verspricht. Hamatora dagegen fährt vollkommen auf der Süße-Mädchen-Schiene, man nehme nur einmal Koneko mit dem Katzenschwanz, die vollbusige Honey und die introvertierte Hajime in Augenschein.

Grafik und Animation sind bereits aus dem ersten Volume bekannt. Noch immer stechen manchmal »rote Schlieren« negativ hervor, welche sich über Teile der Szenerie verstreuen. Die großartig ausgearbeiteten Hintergründe bleiben erhalten, obwohl man es in dem Punkt auch übertreiben kann. So befinden sich Art und sein Partner Gasquet in Episode 5 in einem Supermarkt. Die Regale mit all ihrem Inhalt sind detailliert dargestellt. Fast überkommt mich hier das Gefühl, als wäre ein Realfoto mit etwas Computereinsatz auf Anime-Niveau runtergestuft worden. Dennoch beißt sich der Hintergrund mit der viel simpler wirkenden Charakter-Animation. Unterhaltung versprechen dagegen die vielen eingebauten Momente mit dem Hamatora-Maskottchen oder Anlehnungen daran. So knabbert Honey etwa an Schokolade in Form des Tigerkopfs oder Nice inklusive Umfeld essen danach entworfenes Gebäck. Da bekommt man glatt selbst Hunger darauf.

Disc

Dem Käufer erwarten auf der Disc die Episoden vier bis sechs mit den Titeln Umherwandelnder Totempfahl, Schweiß, Muskeln und ich und Die Leiden des Hellsehers. Die einzelnen Folgen sind in etwa je 25 Minuten lang, was Zuschauern eine Gesamtlaufzeit von 75 Minuten einbringt. Kazé orientiert sich damit am Umfang des japanischen Originals im Gegensatz zu längeren Anime-Serien, wo der deutsche Publisher es zum Glück bevorzugt, mehr Episoden auf ein Volume zu werfen. Die Folgen liegen in 1920x1080p vor. Neben der deutschen Synchronisation kann der japanische Originalton mit Untertiteln ausgewählt werden. Beides steht in DTS-HD MA 2.0 zur Verfügung. Auf der Disc selbst befinden sich ansonsten zu Werbezwecken nur wie gewohnt vier Trailer zu weiteren Kazé-Titeln.

Zum Sprechercast gesellen sich die Stimmen hinter Honey und Three dazu. Die honigsüße Jugendliche wird im Japanischen von Eri Kitamura verkörpert. Fans könnten die Sprecherin etwa als Izumo Kamiki aus Blue Exorcist kennen. Sie schenkt Honey einen zuckersüßen, fast noch kindlichen Klang, der selbst in kratzbürstigen Momenten einen unschuldigen Ton vorgaukeln möchte. Im Deutschen bietet Tanja Schmitz eine vollkommen andere Interpretation. Laut Synchronkartei.de, wo Interessierte sowohl deutsche als auch Originalsprecher des Animes einsehen können, hat Schmitz die 100er-Marke an Sprechrollen noch nicht geknackt. Dafür arbeitet sie jedoch ebenfalls als Schauspielerin, Dialogbuchautorin und –regisseurin. Ihr Lebenslauf zeigt eine Fülle von prominenten Anime-Titeln auf, darunter Hauptrollen in Vampire Knight als Yuki Cross und Sekirei als Musubi. Auch in bekannten Cartoons kann man Tanja Schmitz hören. So ersetzt sie in der dritten Staffel von Avatar – Der Herr der Elemente Julia Kaufmann als Katara und ist in Winx Club die zweite Stimme von Stormy. Bei Sekirei, Vampire Knight und Yu-Gi-Oh! Zexal führte sie gar die Dialogregie und schrieb das Synchronbuch. So ein Lebenslauf spricht für ihr Können am sowie abseits des Mikrofons, und was ich selbst so in ihrer Darbietung als Honey in Hamatora heraushöre, gefällt mir sehr gut. In Tanja Schmitz‘ jugendlichem Klang schwingt eine gehörige Portion Selbstvertrauen und Entschlossenheit mit. Das Mädchen, welches bereits so erwachsen handelt, lässt sich nicht so einfach unterkriegen, schlägt aber, wenn Leute ihm zu sehr auf die Pelle rücken, einen gereizten, schroffen Ton an. Verglichen zu Eri Kitamuras niedlicher Honey liefert Tanja Schmitz eine viel temperamentvollere Variante ab, die meiner Ansicht nach dem Charakter mehr Ausdruck und Vielfalt ermöglicht.

Bei Three halten sich die deutsche und japanische Version in Waage. Bei dem rauen Äußeren erwartet man geradezu eine entsprechende Stimmfarbe – und das liefern sowohl Katsuki Murase als auch Klaus Lochthove ab. Beide Sprecher übernehmen hauptsächlich Nebenrollen. Katsuki Murase kann man etwa in Asssassination Classroom oder Inu x Boku SS antreffen. Klaus Lochthove war gar sogar neben Tanja Schmitz in Sekirei: Pure Engagement zu hören. Ob Deutsch oder Japanisch: Three wird von einer tiefen, bärigen Stimme untermalt, die jedoch passend zu seinem überraschend friedlichen Verhalten meist einen ruhigen Ton anschlägt und beim Lesen von seinem geliebten Shojo-Manga gar einen regelrecht zärtlichen Klang über die Lippen bringt.

Kleiner Fun-Fakt am Rande: In Episode 5 hört man im Hintergrund die Rede eines Politikers in deutscher Sprache. Für die hiesige Synchronisation wurde der Text dennoch neu eingesprochen. Für die Rede an sich würde der gute Mann jedoch so oder so bei keinem Deutschlehrer eine gute Note kassieren.

Bonus & Verpackung

Das erste Volume war mit allerlei Extras bepackt. Bis auf den Schuber und den ersten Band von Hamatora – The Comic dürfen sich Fans auf ähnliche Boni einstellen. Das Wendecover in der standardisierten blauen Amarayhülle zeigt Birthday und Ratio, die ebenfalls die Disc zieren. Zwei beiliegende Profilecards in Visitenkartengröße geben Auskunft über die ungleichen Freunde. Zusätzliche Informationen zu den beiden befinden sich im 16-seitigen Booklet. Neben Birthday und Ratio werden zudem die Figuren Chiyu sowie Mao beleuchtet. Erstere taucht in Episode 6 auf. Mao kennen Zuschauer dagegen bereits aus Folge 1 als Nice‘ Informant in der dunklen Gasse. Sechs Seiten widmen sich zudem den Episodenbeschreibungen. Aber Achtung! Die Texte sind mit Spoilern überladen, also erst im Nachhinein lesen.

Das zweite Volume von Hamatora – The Animation startet vielversprechend. Der besonders durch Dr. Morals undurchschaubaren Pläne erzeugte Spannungsbogen bricht jedoch nach der ersten Episode ein. Bei gerade einmal drei enthaltenen Folgen erscheint die zweite wie eine bloße Unterhaltung für zwischendurch, die zwar sehr humorvoll gestaltet ist, aber die Handlung nicht voranbringt. Auch der letzte Teil wirkt mehr wie ein Rückblick und eine Charaktervertiefung, anstatt neue Einsichten ins aktuelle Geschehen zu vermitteln. Alles in allem fehlt mir die Entwicklung, welche ich für die Handlung erhofft hätte. Hamatora – The Animation verbleibt für mich eine Berg- und Talfahrt, die stellenweise ihr Potential entfaltet, aber mindestens ebenso oft Minuspunkte einkassieren muss.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Hamatora – The Animation, Vol. 2.

Details

Titel: Hamatora – The Animation, Vol. 2
Originaltitel: ハマトラ, Vol. 2 (Hamatora, Vol. 2)
Produktionsjahr: 2014
Genre: Mystery, Action
Animationsstudio: NAZ
Regisseur: Seiji Kishi, Hiroshi Kimura
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 75 Minuten/Episoden 4 bis 6
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD MA 2.0
FSK: 12
Preis: circa 25,95 Euro
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