JoJos-Bizarre-Adventure1986 erblickte Hirohiko Arakis Langzeitepos JoJo no Kimyou na Bouken in Shueishas Shonen Jump das Licht der Welt. Bis heute wird die Geschichte über den Kampf zwischen der Familie Joestar und dem Hauptbösewicht Dio Brando beziehungsweise dessen Abkömmlinge fortgesetzt. 2004 folgte der Wechsel ins Magazin Ultra Jump, welches sich an ein älteres Publikum wendet. Aktuell gibt es 109 Volumes, das neuste liegt seit 18. Oktober 2013 in Japan vor und gehört wie seine vier Vorgänger zum achten großen Handlungsbogen (welche in JoJo no Kimyou na Bouken auch »Parts« genannt werden) JoJolion. Mit dieser beachtlichen Anzahl an Bänden gehört Hirohiko Arakis Titel zu Shueishas zweitlängster Serie. Wir werfen für euch einen Blick in das erste Volume, was in Japan am 10. August 1987 herauskam.

Wir schreiben das Jahr 1880. Dario Brando liegt im Sterben. Bevor er seinen letzten Atemzug tut, trägt der alte Mann seinem Sohn Dio an, zu der reichen Familie Joestar zu gehen, welche ihn sicherlich aufnimmt.  Dem Leben in den Londoner Slums überdrüssig schwört sich Dio, von nun das Blatt zu wenden und sich das Vermögen der glücklichen Joestars unter den Nagel zu reißen. Dafür sind ihm jede Mittel recht.

Jonathan – von allen nur JoJo genannt – ist der einzige Spross der Familie Joestar und sieht sich schnell im Visier von Dios Intrigen. Nicht nur alle Freunde wenden sich von JoJo ab, sondern auch Erina, welche er liebt, als Dio ihr den ersten Kuss raubt. In einer Prügelei gelingt es JoJo, letztendlich die Oberhand zu gewinnen, doch wenige Tage später verbrennt sein Hund Danny bei lebendigem Leib. Sieben Jahre ziehen ins Land. JoJos Vater erkrankt schwer. Kurzerhand legt der junge Mann seine Nachforschungen über eine dämonische Steinmaske nieder, um der Frage nachzugehen, ob Dio dem Patienten heimlich tödliches Gift verabreicht.

Bei bisher über 100 erschienenen Volumes kann man nicht erwarten, dass sich das ganze JoJo-Universum vor einem im ersten Band ausbreitet, stattdessen bekommt man einen guten Einblick in die Charaktere der beiden Hauptkontrahenten des ersten Parts Phantom Blood, welcher die Volumes eins bis fünf umfasst. Hier geht es vorrangig um den Konflikt zwischen Jonathan Joestar und Dio, der den Beginn einer großen, über Generationen reichenden Auseinandersetzung markiert. Dabei gibt es zwischen den beiden Gemeinsamkeiten sowie Gegensätze. Ihre Mütter starben, als sie noch klein waren, dennoch zeigen sie Zuneigung und achten deren Andenken. Die Erziehung liegt in den Händen der Väter. Dario Brando ist ein alter Säufer, der noch zu Lebzeiten seiner Frau unmoralische Handlungsweisen vertrat – wie etwa das Bestehlen von Unfallopfern. Selbst JoJos tot geglaubtem Vater wollte er die Zähne ausreißen, um sie zu verkaufen. Nach dem Ableben von Dios Mutter verhökert Dario ihre Habseligkeiten, um sich mit Fusel einzudecken. Die fehlende Familie, das schlechte Vorbild und ein Leben in den Slums machen Dio zu dem, was er ist. Auf der anderen Seite wächst JoJo wohlbehütet in Reichtum auf, interessiert sich für Kampfsport und übt sich im Retten von holden Jungfern. Im Großen und Ganzen führt er ein sorgenfreies Leben.

Dass in JoJo no Kimyou na Bouken nicht nur ein normaler, persönlicher Clinch mit dramatischen Ausmaßen ausgetragen wird, sondern durchaus das Übernatürliche Einzug in die Geschichte hält, vermittelt im ersten Band eine dämonische Steinmaske, welche bereits auf den allerersten Seiten zu sehen ist, in der die Handlung kurzweilig zwischen dem 16. und. 12. Jahrhundert vor Christus nach Zentralmexiko schwenkt, wo ein Volk lebt, das eine Steinmaske anbetet. Diese schenkt dem Träger ewiges Leben und unglaubliche Stärke, als Preis verlangt sie jedoch Blutzoll. Wie genau das Artefakt in den Besitz der Joestars gelangt, bleibt im ersten Band ungeklärt, doch in einer Prügelei offenbart das Kunstwerk kurz sein Geheimnis, als ein paar Tropfen Lebenssaft die steinernen Lippen benetzen. Überraschenderweise ist es daraufhin JoJo, der Archäologie studiert, obwohl Dio zuerst größeres Interesse an der Maske gezeigt hat.

JoJos offizieller Geburtstag ist der 4. April 1868, womit er beim ersten Treffen mit Dio gerade einmal zwölf Jahre alt ist – was man nicht wirklich glauben mag, da Hirohiko Araki einen sehr maskulinen Zeichenstil verwendet, wie er in den 80er Jahren gehäuft vorzufinden war. Nur die Augen wirken etwas feminin. Mit einem von Muskeln aufgedunsenen Körper, einer beachtlichen Größe sowie einem sehr ausgeprägten Kinn möchte man eher glauben, dass JoJo und Dio bereits zu Beginn Erwachsene sind. Das Alter der Serie merkt der Betrachter auch an der fehlenden Rasterfolie, die heutzutage in beinahe jedem Manga verwendet wird. Stattdessen bekommt der Leser Tusche-Zeichnungen geboten. Die rein schwarze Farbe bildet einen starken Kontrast und gibt der Atmosphäre eine vorherrschende Anspannung, welche einen dazu verleitet, stets auf der Hut zu sein. Theatralische Posen und ausgeprägte Gesichtsausdrücke erhöhen den dramatischen Effekt. Wie für lange Serien üblich muss man im Laufe der Bände mit einem Wechsel des Zeichenstils rechnen.

Japanische Anime-Fans können die ersten beiden Parts Phantom Blood und Battle Tendency von JoJo’s Bizarre Adventure dank David Production seit 2012 auf insgesamt 26 Episoden verteilt in animierter Version bestaunen. Für 2014 ist auch eine Adaption vom dritten Abschnitt Stardust Crusaders angekündigt. Hierzulande dürfen sich PS3-Spieler auf das Game JoJo’s Bizarre Adventure: All Star Battle freuen, welches unter anderem mit einem Story-Modus aufwartet, in dem die Zocker alle bisherigen Handlungsbögen durchwandern (wir berichteten). Eine deutsche Lizenzierung des Mangas ist aufgrund der Länge unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Zumindest vom Abschnitt Stardust Crusaders gibt es unter anderem amerikanische und französische Veröffentlichungen. Da viele Charakternamen an existierende Musikbands angelehnt sind, kann es in diesen Versionen wie auch im PS3-Game aus Copyright-Gründen zu Abänderungen kommen.

In Japan ist JoJo no Kimyou na Bouken schon längst eine Kultserie. Woran das liegt, mag der erste Band nicht zu umfassen, aber vielleicht verspüren ein paar Leser bereits hier den Reiz, der von dem Titel ausgeht. Auch wenn Phantom Blood mit fünf Bänden der bisher kürzeste Part in der Manga-Serie ist, schließt man Jonathan mit seinem Gerechtigkeitssinn und teils lausbübischen Verhalten schnell ins Herz, während Dio von Anfang an mit einer Aura der Gefahr umgeben ist. Mit jeder Seite bangt man mit, was sich der Antagonist als Nächstes einfallen lässt, um der Familie Joestar und insbesondere JoJo zu schaden. Viele Handlungsabläufe lassen sich im ersten Band voraussehen, verlieren deswegen aber noch lange nicht an Spannung. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Stils strahlen die Bilder eine dichte Atmosphäre aus. JoJo no Kimyou na Bouken richtet sich an Manga-Fans, die Familien-Sagen lieben, Kämpfen mit Unterstützung von übernatürlichen Fähigkeiten nicht abgeneigt sind, durchaus gefallen an ein wenig Theatralik finden und viel Zeit zur Verfügung haben, da die Reihe bereits eine beachtliche Länge erreicht hat. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

JoJo no Kimyou na Bouken © 1986 Hirohiko Araki, Shueisha

fallenshadow
Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch

1 Kommentar

  1. Beste Manga-Reihe EVER!
    Gewöhnungsbedürftiger Stil? Tja, in den 80ern sahen Manga eben noch nicht aus wie Kindergeburtstag mit Lolitas ohne Details. 😉
    Echt schade dass es selbst in den USA nur Part 3 gibt (Stardust Crusaders). Ist aber auch zurecht der beliebteste Teil der Saga.

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