»Ipomoea« – Manga-Test

Unter dem Originaltitel Asagao to Kase-san erscheint im Magazin Hirari der episodisch erzählte Manga Ipomoea von Hiromi Takashima. Der vorliegende Band fasst die ersten fünf Kapitel der süßen Schulmädchenromanze zusammen und erschien im Dezember 2013 bei Egmont Manga. Was dieser Yuri-Manga zu bieten hat erfahrt ihr in der folgenden Review.

Kurz vor den Sommerferien will sich die zierliche und ruhige Yamada wie immer um das Schulbeet kümmern. Denn als Blumenbeauftragte ist sie schließlich dafür zuständig. Allerdings hockt Kase-san das Beet gießend vor den dort angepflanzten Prunkwinden (lateinische Bezeichnung »Ipomoea«). Als das sportlich-burschikose Mädchen Yamada bemerkt, erzählt die Schülerin, dass sie öfter nach dem Leichtathletik-Training den Garten pflegt.

In den nächsten Tagen geht Yamada immer wieder zur gleichen Zeit an das Beet, in der Hoffnung, dort wieder auf Kase-san zu treffen. Jedoch scheinen die beiden sich stets zu verpassen, weshalb Yamada Kase-san immer öfter beobachtet und ihre Nähe sucht.

Schließlich schließen die zwei eine gute Freundschaft und Yamada bemerkt, dass sie sehr viel mehr empfindet. Nichtsdestotrotz verleugnet Yamada diese Gefühle, denn Kase-san ist doch selbst ein Mädchen! Alles kommt anders, als Mikawa, Yamadas quirlige und offen-ehrliche Freundin, ihr erzählt, dass Kase-san wohl auf das weibliche Geschlecht steht und Yamada sich lieber von ihr fernhalten solle, denn ihre Freundschaft sorgt schon für das ein oder andere Gerücht…

Die zwei unterschiedlichen Mädchen führen sich gegenseitig immer mehr an ihre jeweiligen Interessen heran, wodurch sich die persönliche Beziehung der beiden Schülerinnen sehr intensiviert. Gemeinsames Ipomoea-Gießen, Marathon laufen oder ganz typisches Shoppengehen, die fünf Kapitel lassen den Leser teilhaben. Das ist wohl auch der einzige Aspekt, den dieser Manga gekonnt ausspielt. Denn aufgrund der sehr episodenhaften Gestaltung der Kapitel – im Anhang des Bandes wird erklärt, wieso die Geschichte so aufgebaut wurde – bleibt nicht viel Spielraum für eine größere Erzählung.

Hiromi Takashima konzentriert sich auf die beiden Protagonistinnen und Mikawa als benötigter Nebencharakter, um Yamada sprichwörtlich anzustoßen aktiv zu werden. Die Erzählung als solche ist inhaltlich nicht anspruchsvoll, jedoch schneidet Takashima in den Dialogen Themen und Sachverhalte an, über die es sich lohnt nachzudenken; so zweifelt Yamada an sich selbst, denn anders als Kase-san hat sie kein besonderes Talent, ist nicht besonders beliebt und hat bisher auch noch nichts erreicht. Diese typischen negativen Gedanken während des Erwachsenwerdens kehrt die selbstbewusste Kase-san ins Positive um, in dem sie Yamada bewusst macht, dass Yamada sehr wohl eine Leidenschaft hat und auf diese auch sehr stolz sein kann, denn niemand sonst kümmert sich so hingebungsvoll um das Schulbeet. Die Gärtnerei ist demnach Yamadas Hobby, sowie der Sport Kase-sans ist und das eine steht dem anderem keinesfalls nach.

Allerdings lässt die eigentliche Thematik, die amuröse Liebe zwischen zwei Mädchen, jedoch leider solch eine Tiefe vermissen, denn anstatt dass sich Yamada fragt, wieso sie den Gedanken sich in Kase-san verliebt zu haben erst ablehnt, rechtfertigt Yamada die Selbstverleumdung damit, dass Kase-san eben auch ein Mädchen sei und es einfach nicht sein dürfe. Diese Tatsache stößt im ersten Kapitel aufgrund ihrer hervorgehobenen Präsenz besonders häufig auf und schreit geradezu, dass der Dialog das kollektive Denkmuster, Liebe dürfe nicht gleichgeschlechtlich gezeigt werden, endlich durchbricht; anders gesagt, dass Yamada einfach ehrlich zu sich ist.

Im nächsten Kapitel schwindet diese Ansicht nicht, wird ebenso wenig erklärt oder revidiert, sondern gerät eher in den Hintergrund. Yamada gewinnt durch die Freundschaft zu Kase-san an Selbstvertrauen und das ist ja auch ein guter Weg, um einfach so zu sein, wie man eben sein will, beziehungsweise sein Leben so zu gestalten, wie man es für richtig hält, ohne sich großartig unnötige Gedanken über vermeintliche allgemeingültige Richtlinien zu machen.

Zeichnerisch präsentiert Hiromi Takashima ihren Manga Ipomoea in klaren Linien, rundem Charakterdesign und einem sehr strukturierten Aufbau. Die auflockernden Szenen werden dank des etwas krakelig wirkenden SD-Sils aufgewertet, der sich nahtlos einfügt und allein durch seine Augenfälligkeit ein Lächeln in das Gesicht zaubert. Der Einsatz von Rasterfolie bleibt unauffällig und unterstützt so den unschuldigen, ruhigen und unaufdringlichen Charakter der Geschichte.

Im Endeffekt liegt mit dem Einzelband Ipomoea ein Manga vor, in dem Hiromi Takashima sympathische, wenn auch stereotype, Charaktere entwarf, die sich selbst im Laufe der Erzählung finden. Demzufolge liegt der Wert dieser Geschichte mehr in den subtilen Andeutungen zur bewussten Selbstentfaltung als in dem Infragestellen der gesellschaftlichen Normen. Diese werden lediglich durch den Hinweis Hikawas an Yamada thematisiert und spielen danach keine Rolle mehr. Diejenigen unter euch, die süße Mädchen, schöne Bilder und eine seichte niedliche Romanze zu schätzen wissen, dabei die Geschlechter aber ausblenden können, werden mit Ipomoea ihr kurzweiliges Vergnügen haben.

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Leseexemplars zu Ipomoea.

Details

Titel: Ipomoea
Originaltitel: Asagao to Kase-san. (あさがおと加瀬さん。)
Mangaka: Hiromi Takashima
Erscheinungsjahr: 2012 (JP) 2013 (DE)
Verlag: Shinshokan (JP), Egmont Manga (DE)
Genre: Romance, Yuri
Altersempfehlung: 14+
Preis: 7,00€
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 377048147X&chan=animey&asin=377048147X]

Asagao to Kase-san. © 2012 Hiromi Takashima, Shinshokan

Ipomoea © 2013 Egmont Verlagsgesellschaften mbH