Ein irrer Flitzer, Band 1 – Manga-Test

Achtung: Nichts für prüde Gemüter! Mit Ein irrer Flitzer holte sich TOKYOPOP einen besonders freizügigen Seinen-Manga ins Haus, der sicherlich nicht nur den Geschmack von Befürwortern der Freikörperkultur trifft. Hitoma Iruma kreierte zwei völlig unterschiedliche Protagonisten deren Zusammenspiel für überaus witzige Situationen sorgt. Doch das ist noch nicht alles! Was der erste von insgesamt zwei Bänden für euch parat hält, das erfahrt ihr in diesem Artikel.

Und wieder nicht geschafft: Ein Student konnte mit seinem Werk als angehender Schriftsteller erneut nicht punkten und versinkt in einer Bar in Selbstmitleid. Direkt gegenüber sitzt die berühmte Shoko Kai. Der junge Mann fragt sich zurecht, was diese angesagte Schriftstellerin anders macht als er.

Schließlich passiert in der Bar etwas, das sein Leben verändern soll. Ein angetrunkener, völlig entblößter Mann taucht auf, setzt sich ausgerechnet an seinem Tisch und quatscht ihn voll. Wie es die Umstände so wollen, nimmt der Student den Flitzer auch noch mit nach Hause. Wo er doch eigentlich keinen Bock auf diesen hat, nistet sich der entblößte Kerl frech bei ihm ein und schnüffelt in seinen Unterlagen, erfährt dadurch von seiner Schreibleidenschaft. Nun passiert etwas, das den in Selbstmitleid versunkenen Studenten verändern soll: Der Flitzer ist davon überzeugt, dass er Schriftsteller wird! Was sich aus dieser Situation heraus ergibt, lest selbst.

Wer nun glaubt, dies sei der Beginn einer schnulzigen Boys-Love-Story, der ist völlig auf dem Holzweg! »Nackt« sein mal ganz anders: Hitoma Iruma und Hiroto Ida ist es mit Ein irrer Flitzer gelungen, eine ernst zu nehmende sowie packende Geschichte zu kreieren, die im richtigen Moment ein paar geniale Comedy-Einlagen präsentiert. Prüde Leser können mit diesen wahrscheinlich nur wenig anfangen, da sie aus dem Zusammenspiel des angezogenen Studenten und der Nacktheit des Flitzers resultieren. Im gesamten Buch erfährt man übrigens deren Namen nicht, was aber den Lesefluss nicht weiter stört. Manch eine Leserin mag hier auch Shonen-Ai-Elemente entdecken wollen. Das ist allerdings reine Interpretationssache, das Werk hat an sich nichts damit zu tun.

Die Charaktere beschränken sich auf drei wichtige Figuren. Nehmen wir zunächst einmal den Studenten, der Schriftsteller werden will. Er ist ein fantasievoller sowie verträumter Typ. Dies widerspiegelt sich auch im Szenenaufbau – darin driftet der Protagonist gerne mal für wenige Seiten in seine Fantasiewelt ab, bis er sich dann wieder die Realität vor Augen hält, die für ihn momentan nicht so rosig ist. Der Junge lässt sich zu leicht von negativen Dingen, welche andere Leute sagen beziehungsweise tun, unterkriegen und hat Selbstzweifel. Wer aber glaubt, er wäre ein naiver Kerl, täuscht sich gewaltig. Der Flitzer, welcher sich bei dem Jungen eingenistet hat, sorgt im Laufe der Geschichte mit seiner speziell »entblößten« Art dafür, dass der Student die »nackte Welt« betritt. Was damit gemeint ist, solltet ihr selbstverständlich selber herausfinden. Fragen, die dem Leser noch unbeantwortet bleiben: Was zog den Flitzer eigentlich gleich zu Beginn gerade zu dem Jungen und warum unterstützt er diesen dabei, seinen Traum zu erfüllen? Zu guter Letzt wäre da noch Shoko Kai, eine berühmte junge exzentrische Schriftstellerin, die der Flitzer als Mentorin für den Studenten gewinnen möchte. Diese will den Jungen zunächst von seinem Weg abringen, da sie in ihm kein Talent sieht. Wie die Angelegenheit ausgeht, erfahrt ihr bereits zum Ende des ersten Bandes.

Der Fokus in Hiroto Idas Zeichnungen liegt auf die attraktiven Charaktere und deren Emotionen. Da der Flitzer nun mal fast ausschließlich nackt herumläuft, bekommt ihr viel Haut zu sehen, allerdings werden seine Geschlechtsmerkmale durchweg zensiert oder verdeckt. Ihr findet kaum ausgearbeitete Kulissen, wobei die Story sowieso nur wenige Schauplätze hat. Das Geschehen spielt meistens in der Wohnung des Studenten ab.

TOKYOPOP publizierte Ein irrer Flitzer in einem größeren Buchformat. Des Weiteren wartet der Startband mit vier Farbseiten auf. Beide Fakten sprechen natürlich für den höher angesetzten Preis. Und dann noch ein »heißer« Tipp: Bei der Zensur auf dem Cover handelt es sich um einen leicht abziehbaren Aufkleber. Ich muss wahrscheinlich nicht näher erläutern was passiert, wenn dieser entfernt wird.

Nackter Verrückter trifft verzweifelten Möchtegern-Schriftsteller: Deren Zusammentreffen allein ist schon kurios und sorgt durchweg für Comedy-Anteil in der Story. Doch Hitoma Iruma und Hiroto Ida ist es trotz dieser etwas banal klingenden Ausgangssituation gelungen, eine perfekte Mischung aus spaßigen Momenten und dem Ernst des Lebens zu kreieren. Die Erzählung besitzt keine große Tiefe, sie bleibt großteils im realistischen Bereich, unterhält den Leser vorzüglich und lässt ihn mit den Figuren mitfiebern. Des Weiteren tut die Anzahl von zwei Bänden sicherlich niemandem weh. Wer unterhaltsame Seinen-Titel mag, dem sei dieses kurze Werk zu empfehlen! Mich hat Ein irrer Flitzer definitiv überzeugt, weil die Kombination der Charaktere einfach passt und was erfrischend Neues an sich hat.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Ein irrer Flitzer.

Baka ga zenra de yattekuru © 2012 Hitoma Iruma, Hiroto Ida/Kadokawa Shoten
Ein irrer Flitzer © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014