»Hyouka« Band 3 – Manga-Test


Im Mai veröffentlichte TOKYOPOP die dritte Ausgabe der Manga-Umsetzung von Hyouka, welche auf der gleichnamigen Roman und Anime-Adaption von Kyoto Animation basiert. Die Handlung knüpft an den letzten Fall an, nämlich der Titel-Geschichte von Hyouka. Das Geheimnis, um das es sich dieses Mal dreht, ist ebenfalls der Grund, weshalb Protagonistin Eru überhaupt erst die Klassik-AG wieder ins Leben gerufen hat. Was euch in den die Kapitel 9 bis 11 erwartet, verraten wir euch in den nächsten Abschnitten.

»Tu nichts, was nicht unbedingt getan werden muss. Und was getan werden muss, erledige kurz und knapp.« Auch wenn Hotaro bisher nach diesem Leitsatz seinen Schullalltag bestritten hat, zeigt der Junge sich im jüngsten Fall der Klassik-AG von einer ungewohnten Seite. Eru zuliebe rekonstruiert der kleine Sherlock Holmes Ereignisse von vor 45 Jahren, eine Geschichte, die mit der Zeit in Vergessenheit geriet. Jun Sekitani, Erus vermisster Onkel und der Begründer ihres Klubs, hatte sich für den Erhalt des Kamiyama-Schulfestes eingesetzt. Monate später wurde Jun von der Highschool verwiesen und tauchte später als Held in den Chroniken auf. Doch was verbirgt sich in Wahrheit hinter dieser Legende? Welche Botschaft hat Jun mit Hyouka hinterlassen – dem ungewöhnlichen Titel der ersten Anthologie, die die Klassik-AG hervorgebrachte. Durch sein Talent aus wenigen Informationen eindrucksvolle Schlussfolgerungen zu ziehen, bringt Hotaro Licht ins Dunkel. Zudem entlockt er Eru jene verdrängte Erinnerung, die der Grund dafür ist, warum sie als Kind so aufgewühlt war, als das Mädchen mit ihrem Onkel über eine gewisse Sache sprach. Zum diesjährigen Kamiyama-Schulfest haben sich die AG-Mitglieder vorgenommen, selbst eine Essaysammlung herauszubringen. In dieser wollen sie unter anderem die wahren Ereignisse hinter dem Vorfall abdrucken. Und wer würde sich besser für die Ti­tel­sto­ry eignen als unser notorischer Energiesparer Hotaro Oreki. Als Belohnung für das erfolgreiche Lösen des Rätsels, organisiert Eru einen Ausflug zu den heißen Quellen für die vier Freunde. Allerdings kann Hotaro selbst an diesem Ort der Erholung nicht zur Ruhe kommen. Schließlich wartet bereits ein weiteres Mysterium in Form einer Geistererscheinung, der Silhouette eines aufgehängten Mannes, auf das Quartett. Da muss sich Hotaro langsam ernste Sorgen um seinen Energiehaushalt machen.

Beim Hyouka-Fall hätte sich Hotaro mit einem einfachen Vorwand aus der Affäre ziehen können. Übel genommen hätte man es ihm nicht, schließlich liegen die Ereignisse etliche Jahre zurück. Und doch war Hotaro dieses Mal richtig involviert und hat sich für seine Verhältnisse besonders ins Zeug gelegt. Nun könnte man meinen, der Junge hätte es nur Eru zuliebe getan, wegen romantischen Gefühlen, die er für sie hegt, aber da steckt mehr dahinter. Hotaro verspürte  so etwas wie Neid. Wie können sich die anderen Schüler voller Enthusiasmus ihrer Leidenschaft widmen? Warum gibt sich Eru so viel Mühe, nur um eine Erinnerung aus der Kindheit zurückzuholen? Für einen Moment hat sich Hotaro danach gesehnt, aus seinem tristen, grauen Leben zu entfliehen. Gerade, dass die Charaktere auch Mal aus ihrem Rollenschema herausbrechen, gibt ihnen nochmals Tiefe und macht sie glaubwürdiger. Natürlich schätzt Hotaro seinen gemütlichen Lebensstil noch immer, hatte er schließlich kaum Aufwand beim Recherchieren betrieben. Anhaltspunkte zu kombinieren und sie in ihren Kontext zu bringen, dieses Talent zeichnet den Protagonisten aus. Und wenn ein Gedanke an ihm knabbert, kann Hotaro ihn nicht abschütteln, bis er auf die Lösung des Rätsels kommt. Diesen Ehrgeiz hat Eru geweckt, weil sie immer wieder auf seine Fähigkeiten vertraut, wenngleich ihr es nicht bewusst ist. Zwischen den Zeilen schlägt Hyouka ab und zu den Ton einer Coming-Age-Geschichte an.

In dem titelgebenden Fall kann man dieses Mal leider nicht viel mitraten, da deutschen Lesern die Umstände nicht vertraut sein werden. Mit der Reise in die Vergangenheit, eines Japans aus den 60er Jahren, versprüht die Geschichte einen Charme, den der aktuelle Ghibli-Streifen Der Mohnblumenberg ebenfalls versprüht. Etwas dialoglastig ist der Abschnitt zudem auch noch und im Gegensatz zur Anime-Fassung wird das Ganze nicht durch visuelle Spielereien aufgelockert. Überhaupt unterscheidet sich Hyouka im Vergleich zu anderen Mystery-Serien dadurch, dass die Titelstoryso früh abgehandelt wird. Vielleicht erwartet man etwas besonders Dramatisches, aber das bekommt ihr hier nicht geboten. Dennoch ist der Moment ganz rührend, als es bei Eru Klick macht und die Erinnerung wiederkommt. Die pure Erleichterung kann man förmlich fühlen. Ich persönlich finde es erfrischend, dass der Fall nicht unnötig in die Länge gezogen wird. Aber zurecht fragt man sich nun, über was die restliche Serie handeln wird, schließlich war dieses Geheimnis Erus Motivation, den Klub wieder zu eröffnen.

Selbst bei der Titelstory versucht Hyouka nicht dick aufzutragen und bleibt bodenständig. Mit mal mehr und mal weniger schweren Kopfnüssen schafft der Manga, den Leser wunderbar zu fesseln. Die Überlegungen bis zur Auflösung des Rätsels sind gut ausgeführt und immer nachvollziehbar. Durch den Einblick in die Gedankenwelt der Spürnase Hotaro gewinnt die Serie äußerst viel dazu. Mystery muss nicht immer gleich Mord und Totschlag bedeuten. Wenn überhaupt besticht die Serie noch mehr durch seine gut ausgearbeiteten Charaktere, die lebendig und glaubwürdig handeln. Überdies sind die Interaktionen des Quartetts entzückend zu verfolgen und bescherren dem Leser öfter ein Schmunzeln.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für das Rezensionsexemplar zu Hyouka, Band 3.

Details

Titel: Hyouka Band 3
Originaltitel: 氷菓
Mangaka: TASKOHNA
Erscheinungsjahr: 2013 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP) TOKYOPOP (DE)
Genre: Mystery, Slice of Life
Altersempfehlung: 13+
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=3842009046]

HYOUKA vol 3 © TASKOHNA 2013 © Honobu Yonezawa/KADOKAWA SHOTEN CO.,LTD.
© Honobu Yonezawa・KADOKAWA SHOTEN CO.,LTD./The graduates of the classic club of the Kamiyama high school
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

2 KOMMENTARE

  1. Macht dann natürlich Sinn. Würde mich echt interessieren wie es da weitergeht. Glaube aber das der Manga, wenn überhaupt nur die Anime Handlung abdeckt.
    Ich find es auch schade, dass kein Publisher, selbst in Nordamerika, sich den Anime geschnappt hat. Aber ich bin schon mit den Manga mehr als glücklich.

  2. Schöner Beitrag, gefällt mir!
    Zum Titel der Serie nur kurz ein Hinweis: Da der Anime (und somit auch der Manga) auf der Light Novel-Serie basiert musste ja ein griffiger Titel gewählt werden. Tatsächlich heißt nur der erste Band “Hyouka” (der Haupttitel der Serie ist Kotenbu, also im momentan offiziellen Deutschen Fall: Klassik-AG). Die restlichen Bände tragen Titel wie “The Credit Roll of the Fool – Why didn’t she ask EBA” (laut Englischen Fan-Übersetzungen). Daher ist es dem geneigten Leser klar, dass es sich nicht allein um den Hyouka-Fall handeln wird.

    Nur kurz dazu. Meine Hoffnungen bleiben wahrscheinlich noch eine Weile unerfüllt, dass sich ein deutscher Publisher dazu herablässt den Anime zu lizensieren, geschweige denn die Light Novels zu übersetzen.

Comments are closed.