Horror-Special: Angst und Schrecken made in Japan

Neuer Monat, neue Special-Reihe. Der Oktober steht bei ins im Zeichen des Genres Horror, und zwar als Hommage an Halloween am 31.

Die Japaner sind ja Meister dieses Genres. Nicht umsonst werden Werke wie die Filme Ringu und Ju-on: The Curse, das Game Silent Hill oder der Manga Death Note zu Klassikern und für amerikanische oder europäische Filme adaptiert. Doch nichts geht über das Original.

Wie sieht es deshalb in Manga und Anime mit Horror aus? Welche Stilmittel nutzen Mangaka, Animationsstudios, Drehbuchautoren, Komponisten etc., um möglichst viel Schrecken zu erzeugen? Schauen wir uns das Genre also mal an.

Bei dem Beitrag handelt es sich teilweise um subjektive Eindrücke. Die Beschreibungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es besteht Spoiler-Gefahr.

Realistisch vs. beschönigt
I Am a Hero © 2009 by Kengo Hanazawa/Shougakukan Inc.

Für das Horror-Genre bietet sich an: je realistischer der Zeichenstil, desto besso.

Das liegt daran, dass realistische Zeichnungen von Menschen einfach ernsthafter aussehen. Je mehr die Figuren vereinfacht und beschönigt werden, desto netter wirkt alles. Man denke nur mal an die eigenen Versuche, realistische Nasen und Zähne zu zeichnen. Gruselig! I am a Hero und Gyo machen das z. B. vor.

Was auch gut kommt, sind viel Schraffur und starke Hell-Dunkel-Kontraste.

Alltag vs. Fantasy

Das Setting bewegt sich je nach Genre-Spezifizierung mehr im Alltag, wie jeder ihn kennt, oder in einer alternativen Welt. Auch hier gilt: je realitätsnäher, desto besser.

Uzumaki ist ein tolles Beispiel dafür. Menschen verfallen dem Wahnsinn aufgrund von Spiralen, die plötzlich überall auftauchen. Was denkt ihr, wie komisch es war, als ich nach der Lektüre plötzlich Spiralen in meinem Alltag bewusst wahrnahm?!

Zwischen Mystery und Thriller
Attack on Titan 16
Shingeki no Kyojin © 2015 by Hajime Isayama /Kodansha Ltd.

Beim Zeichenstil wird viel mit Dunkelheit bzw. Schwarz gearbeitet. Allerdings erst, wenn die Stimmung ins Gruselige gehen soll. Das ist aber kein Merkmal per se von Horror. Hier geht es ja nicht nur ums Gruseln, sondern vor allem auch um den Thrill.

Werke wie Attack on Titan und Terra Formars lassen sich auch unter Horror zählen, setzen jedoch nicht auf Dunkelheit, sondern auf Intensität. Große Bilder. Schonungslose Brutalität (besonders gegen die Protagonisten). Hilflosigkeit und Schockstarre in den Gesichtern. Dabei kommt dem Genre sogar zugute, wenn die Zeichnungen nicht immer top sind.

Angst haben und Angst verbreiten

Natürlich sind vor allem weit aufgerissene Augen bei Tätern und Opfern bezeichnend für das Genre. Schließlich geht es darum, Angst zu erzeugen und Angst zu empfinden.

Ma no Kakera
Ma no Kakera © 2014 Junji Itou/Asahi Shimbun Publications Inc.

Habt ihr euch schonmal gefragt, warum wir bei Angst unsere Augen aufreißen? Und zwar gilt unsere Aufmerksamkeit in diesem Moment ganz der Gefahr. So erweitern wir unserer Sehfeld, um möglichst viel von unserer Umgebung wahrzunehmen. Auch die Pupillen werden deshalb größer. Beim Zeichnen ist es etwas anders: Zwar werden die Augen ebenfalls geweitet gezeichnet, doch Pupille und Iris sind stark verkleinert. Man schwitzt, man atmet schwer und die Angespanntheit erzeugt Falten. Manchmal haben die Figuren einen zusätzlichen Schatten des Erschauderns im Gesicht.

Nicht fehlen dürfen die Fratzen der Horrorgestalten. Augen und Mund sind gerne überzeichnet dargestellt. Sie offenbaren das bösartige oder wahnsinnige Innere ihrer Träger. Diese werden zu regelrechten Monstern, vor denen der Mensch aus Gewohnheit Angst hat. Dazu zählen Geister, Zombies und sonstige schreckenerregende Gestalten.

Menschen wie du und ich

Ousama Game 1
Ousama Game © 2010 by Nobuaki Kanazawa, Hitori Renda/Futabasha Publishers Ltd.

Protagonisten in Horror-Serien sind meist normale Menschen wie du und ich. So fällt es einem (ähnlich wie bei dem Alltags-Setting) leichter, sich in die Situation hineinzufühlen, siehe Darwin’s Game.

Doch genauso kann es auch mit den Bösewichten in Horror-Anime und -Manga sein. Was, wenn man ihnen ihre wahre Natur gar nicht ansieht? Manche verhalten sich ganz unauffällig und mischen sich unter eine Gruppe, so dass der Leser/Zuschauer rätselraten darf (z. B. in Doubt). In Death Note wohnten wir Lights Metamorphose vom selbsternannten Rächer zum größenwahnsinnigen Massenmörder bei. Bei Crimson Shell trieb die Mangaka ihr Spiel mit uns und der Protagonist entpuppte sich schließlich als Bösewicht.

Der leere Blick
Das Bildness der Petit Cossette
Cossette no Shozou © 2004 by Asuka Katsura/Kodansha Ltd.

In Horror-Storys taucht immer wieder der emotionslose Blick auf, der melancholisch oder auch gefühlskalt wirken kann. Hier wird manchmal auf die Lichtreflexe in den Augen verzichtet, die sonst für Leben im Gesichtsausdruck sorgen. Der Blick kann auch als glasig bezeichnet werden, wie der einer leblosen Puppe. Frauen wirken damit besonders mystisch.

Die (Gothic) Lolitas treten übrigens auch häufig in Horror-Serien auf, auch wenn sie eher zu Mystery-Romance gehören und eigentlich nur den viktorianischen Stil zelebrieren. Sie spielen dann ein bisschen die tragische Schönheit.

Masken
Doubt 1
Doubt © 2007 Yoshiki Tonogai/Square Enix Co., Ltd.

Wo wir schon bei mystischen, regungslosen Gesichtern sind: Auch Masken werden gerne in japanischen Horror-Serien verwendet. Da gibt es z. B. die traditionellen Masken, die mythologische Wesen zeigen. Aber auch niedliche Tiere dienen als Tarnung wie bspw. die riesigen Hasenköpfe in Doubt.

Von ganz banalen weißen Masken bis hin zu Maskottchen-Ganzkörper-Kostümen ist die Spanne breit gefasst. Puppen sind auch irgendwie immer gruselig. Die zurzeit beliebteste Horror-Anime-Maske unter Cosplayern ist meines Erachtens die Ghul-Maske von Ken Kaneki.

Geräusche und Geräuschlosigkeit

Die bedrohliche Stille kann ein Indiz dafür sein, dass jeden Moment etwas passiert. Eventuell hört man noch das Ticken einer Uhr oder ein anderes einsames Geräusch. Ebenso kann der Soundtrack sich auch zu einem Höhepunkt hin steigern. Spannend finde ich aber auch die Umsetzung in Manga mittels Soundwords.

Hier mal eine Aufzählung an Soundwords für typische Geräusche: SLTSCH. FWOOO. BUBUMM BUBUMM. KNAARZ. KLIRR. RASCHEL. TAPP TAPP. ZUCK. SCHLUCHZ. RÖCHEL. SWISH. HYRRRR. Und schon ist das Grusel-Setting im Kopf voll und ganz da. Die Beispiele stammen übrigens aus Tokyo Ghoul.

Kranker Einfallsreichtum

Die haben echt Ideen! Was Foltermethoden, böse Überraschungsmomente und Psychospiele angeht, muss man vor den Japanern einfach den Hut ziehen. Sie übertreffen sich immer wieder selbst. So genau will ich gar nicht darauf eingehen, aber … holla die Waldfee, langweilig wird es nicht.

Anzeige

Kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here