»Tales of Xillia – Side; Milla« Band 4 – im Manga-Test


Während der fünfte und letzte Band in Japan über die Ladentheken ging, veröffentlichte TOKYOPOP die vierte Ausgabe der Manga-Adaption von Tales of Xillia auf Deutsch. Das Abenteuer von Milla, Jyde und ihren Kameraden nähert sich seinem Höhepunkt. Wie es dem Zeichner hu-ko gelingt Geschehnisse aus dem PS3-Rollenspiel in den Manga zu transportieren, erfährt ihr in diesem Review.

Um einen Weg in die Hauptstadt Fennmont zu finden und dem König Nachtigal das Handwerk zu legen, verschlägt es unsere Helden in das Nachbarland Auj-Oule. Dort erhält der Herrscher Gaius Kenntnis über das Eintreffen von Maxwell, der Herrin der Geister, und gestattet der Gruppe eine Audienz. Jyde möchte die Gelegenheit nutzen, den hiesigen König zur Rede zu stellen. Schließlich hatten sie auf ihrer Reise von den fragwürdigen Menschenexperimenten Wind bekommen. Dabei wurde nach sogenannten Verstärkern geforscht, eine Methode, um das Mana einer Person enorm zu steigern. Mit einhergehen aber ernste Nebenwirkungen. Ein Versuchskaninchen diesbezüglich war ihr Gruppenmitglied Elize. Doch Gaius ist durchaus über das Vorgehen in den Laboren im Bilde. Er möchte diese Technologie für den bevorstehenden Krieg mit dem Königreich Rashugal nutzen. Allerdings sind die feindlichen Truppen längst ebenfalls mit Verstärkern ausgestattet.

Es wird sogar schlimmer: Gaius beabsichtigt, die Lanze von Kresnik in seinen Besitz zu bringen und verlangt von Milla den Schlüssel zur Aktivierung der Waffe. Seine Gefolgsleute hatten offensichtlich die Reise unserer Helden im Auge behalten. Zwar treiben Gaius die gute Ambitionen an, das Volk von Auj-Oule vor dem machthungrigen Nachtigal zu beschützen, doch der König ist bereit  jeden Preis dafür zu zahlen. In einem solchen Krieg würden beide Länder nicht nur herbe Verluste erleiden, ein solcher Einsatz der Spyrix-Waffe würde das Gleichgewicht der Geisterwelt zerrütten. Da sich ihre Positionen zu stark unterscheiden, trennen sich vorerst die Wege unserer Helden und Gaius. Milla und ihre Kameraden beabsichtigen Nachtigal rechtzeitig Einhalt zu gebieten, bevor die Armeen aufeinandertreffen.

Schließlich erreicht die Gruppe die Hauptstadt und konfrontiert den König. Doch ihr Sieg über Nachtigal wird von neuen Problemen überschattet. Die Lanze von Kresnik, welche es zu zerstören galt, ist aus dem Palast verschwunden. Wie sich herausstellt, zog jemand anderes im Hintergrund die Fäden, nämlich Gilland, vormals die rechte Hand des Königs und zeitgleich der Anführer der Organisation Exodus. Mit dem Fall des Herscherrs trägt der Stabschef nun die alleinige Kontrolle über die Soldaten. Und mit der Spyrix-Waffe in seinen Händen, könnte Gilland verherrenden Schaden anrichten. Zu allem Übel offenbart sich der Söldner Alvin als Verräter, der von Anfang mit Exodus im Bunde war. Welche Absichten verfolgt die Organisation damit, der Umwelt und den Bewohnern von Rieze-Maxia das Mana zu entziehen?

Dem Manga von Tales of Xillia ereilt bedauerlicherweise das, was vielen Videospiel-Adaptionen zum Fluch wird. Es wird zu viel Stoff der Vorlage in zu wenig Raum gepresst und hierbei handelt es sich nun mal um ein großes JRPG mit über 50 Stunden Spielzeit. Zwar gelingt es hu-ko im Gegensatz zu manch anderem Vertreter keine wichtigen Einzelheiten auszulassen, jedoch reihen sich auf diese Weise die Ereignisse zu dicht aneinander. Eine verheißungsvolle Entwicklung jagt die nächste und das schadet einfach dem Erzählfluss. Hatte man im Spiel zwischen diesen Storypassagen genügend Pausen und Dialoge, um der Handlung mehr Tiefe zu bescheren, hat der Leser hier kaum Zeit durchzuatmen. Sicherlich war der Manga für Kenner des Rollenspiels gedacht, sodass man trotz des Tempos keine Probleme hat, der Geschichte zu folgen. Statt des Anspruchs auf Vollständigkeit wäre mir persönlich lieber gewesen, wenn man sich auf einzelne Konflikte konzentriert und diesen mehr Wirkung verliehen hätte. Dann bekäme der Manga auch ein Alleinstellungsmerkmal.

Jeder Charakter hat seine eigene Nebengeschichte, die ebenso Teil von Tales of Xillia ist. Rowen muss seinem König und geschätzten Freund nun als Feind entgegentreten. Elize sucht nach Zugehörigkeit, da sie nie ein richtiges Zuhause hatte. Wo wir im letzten Band erfuhren, dass das Stofftier Teepo die Gedanken des Mädchens direkt ausspricht, können ihre harschen Worte andere tief treffen. Besonders Leia bekommt dies zu spüren. Selbst hat Leia mit ihren Gefühlen für Jyde zu kämpfen, wo der Junge mit seinen Gedanken ganz woanders ist. Bei Alvin hat sich der Verrat schon früh abgezeichnet, da er sich immer wieder mal verdächtig verhielt. Doch auch er hat seine Gründe dafür. Leider gehen all diese Konflikte im Manga etwas unter, wo sie meist in einzelnen Panels abgehandelt werden und man schon aufmerksam lesen muss. Neben der sprunghaften Erzählweise fehlen zusätzlich noch jene Ereignisse, die in Form der Side-Story von Jyde geschildert werden. Zum Beispiel taucht Muzét – ein ähnliches Geisterwesen wie unsere Heldin Milla – wie aus dem Nichts auf und schließt sich der Gruppe an. Von ihrer ersten Begegnung mit Jyde bekommt der Leser kaum etwas mit. Sicherlich war der Manga so konzipiert, dass man einen Blick in die andere Manga-Adaption Tales of Xillia: Side;Jyde wirft, die nicht in absehbar Zeit bei uns erscheint. Das ist aber auch kein großes Versäumnis.

Ende August steht uns mit Tales of XIllia 2 eins der großen RPG-Highlights des Jahres bevor. Wer zuvor die Geschehnisse des ersten Teils von Tales of Xillia Revue passieren lassen will, ist mit dem Manga gut bedient. Als ich die ersten Bände der Umsetzung las, hätte ich nicht angenommen, dass hu-ko die ganze Geschichte umsetzt. Das wird dem Zeichner nun voraussichtlich tatsächlich gelingen. Allerdings ist dafür das Erzähltempo und die Dramaturgie etwas missglückt. Die Vorlage ist – wie soll es auch anders sein – in einigen Belangen besser ausgearbeitet. Im Manga von Tales of Xillia kommen in der Fülle der Hauptstory einige andere Teile zu kurz.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Tales of Xillia – Side; Milla, Band 4.

Details

Titel: Tales of Xillia – Side; Milla Band 4
Originaltitel: テイルズ オブ エクシリア SIDE;MILLA
Mangaka: hu-ko
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Media Factory (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Abenteuer, Fantasy, Action
Altersempfehlung: 13 Jahre +
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=3842009712]

© 2013 hu-ko/MEDIA FACTORY
© MUTSUMI INOMATA © KOSUKE FUJISHIMA © 2011 NAMCO BANDAI Games Inc.
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014