Interview mit aquabox zu »aquabox headquarters«

Hinter dem Pseudonym aquabox verbergen sich die beiden Zeichnerinnen Sia und Marika Paul. Zusammen veröffentlichen sie seit Mitte Dezember auf Animexx das Boys-Love-Werk aquabox headquarters. Zur Leipziger Buchmesse 2014 soll nun eine erste Print-Fassung des Superhelden-Projekts folgen. Dieses Ereignis lassen wir uns natürlich nicht entgehen und haken bei dem Zeichnerinnen-Duo nach.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Marika: Bei uns beiden war es eigentlich so, dass wir uns von den Arbeiten her bereits kannten, aber noch nie persönlich getroffen hatten. Und wir wussten auch nicht, wie nah wir beieinander wohnten, bis mich Sia mal angeschrieben hatte, und wir so ins Gespräch gekommen sind und uns seit dem öfter getroffen haben. 🙂

Wie kam es dazu, gemeinsam am Projekt aquabox headquarters zu arbeiten?

Sia: Während Marika an Royal Lip Service arbeitete, half ich ihr beim Tuschen, und nebenbei dachten wir uns ein paar eigene Helden aus. Bald wurde eine ganze Story daraus, und wir eröffneten unseren Blog und begannen alles in einem RPG aufzuschreiben.

Wie teilt ihr euch die Arbeit an aquabox headquarters auf (Entwicklung der Story, Charakter-Design, Zeichnen der Seiten, etc.)?

aquabox: Wir mussten selbst erst einmal raus finden, wie es für uns am besten funktioniert. Kurzum macht nun jeder das, was er am besten kann.

Zusammen arbeiten wir das Storyboard aus, und Marika überträgt es dann ins Seitenlayout. Danach skizziert und tuscht jeder seine eigenen Charaktere, Sia übernimmt die Hintergründe. Rastern ist dann wieder Marikas Aufgabe und das Lettering und Coverdesign haben wir dieses Mal beide im Wechsel übernommen.

Was sind die Vorteile und Nachteile, zu zweit an einem Projekt zu arbeiten?

Sia: Der größte Vorteil ist wohl, dass man die Arbeit aufteilen kann und dass vier Augen einen Fehler eher bemerken als zwei.
Es ist schwer, sich abzustimmen, wenn jeder sein eigenes Bild im Kopf hat. Gerade von Cedrics Wohnung hatten wir beide grundverschiedene Vorstellungen, die allein beim Schreiben des RPG nicht aufgefallen sind. Dort dann Kompromisse zu finden, ohne dass die Geschichte für einen von uns nicht mehr funktioniert, war manchmal schwer.

Was für Utensilien verwendet ihr beim Zeichnen?

aquabox: Comicpapier von Deleter wegen der Hilfslinien, die sind einfach praktisch.

Zum Skizzieren natürlich immer ein paar gute Bleistifte, da haben wir beide aber unterschiedliche Vorlieben, was die Härte angeht. Normale Marker für die Panelumrandung, Sprechblasen und Schwarzflächen und für die eigentlichen Linen benutzen wir die Multiliner von Copic. Pinselstift, Photoshop und Kaffee dürfen dann natürlich auch nicht fehlen. 🙂

Wie sieht euer Zeichner-Alltag aus?

Sia: Das ist immer verschieden. Wir arbeiten beide, sodass wir in der Woche nur selten zum Zeichnen kommen. Bleibt das Wochenende, an dem wir dann versuchen, so viel wie möglich zu schaffen.

Boys Love und Superhelden ist eine ungewöhnliche Kombination. Was hat euch zur Handlung inspiriert?

Marika: Früher hab ich zwar oft Serien wie Spider-Man, He-Man (ich war jung!) und Batman geschaut, aber eigentlich hab ich mich erst durch Sia richtig für die Comics interessiert. Tja, und Boys Love war für mich schon immer ein interessantes Genre.

Sia: Prinzipiell mochte ich schon immer gern Superhelden-Comics und Boys Love war für mich auch nie etwas Außergewöhnliches. Und die wunderbare Kombination aus gewöhnlichem Alltag und Superhelden hat uns einfach interessiert. 🙂

Lest ihr selbst Superhelden-Comics? Habt ihr Lieblings-Superhelden?

aquabox: Na klar!
Sia: Red Hood! Und Wally West (einer der Flashs).

Marika: Früher mochte ich Spider-Man unheimlich gerne, aber da kannte ich Kick-Ass und Deadpool  auch noch nicht. *g*

Was macht eurer Meinung nach einen Superhelden aus?

Sia: Den Wunsch nach Gerechtigkeit und die Tatsache, das Mögliche zu tun. Na gut, ein albernes Outfit scheint auch irgendwie dazuzugehören.

Marika: STRUMPFHOSEN! Und die Schlüpfer immer ÜBER der Hose zu tragen! X)

Ach, den Heldenumhang nicht zu vergessen!

Wer sind die Protagonisten in aquabox headquarters?

aquabox: Cedric, ein ziemlich zurückhaltender normaler Typ, der als Superheldenego Nautic kleinere Aufträge ausführt, und Phil, ein Herumtreiber, dem Ced hilft und eine Bleibe anbietet.

Wie kommen eure Helden in aquabox headquarters zu ihren Kräften? Was für Fähigkeiten besitzen sie?

aquabox: Die Fähigkeiten sind durch Mutationen während eines Hadronischen Schauers (Strahlung) entstanden.

Wie genau sich das auf die Charaktere auswirkt und welche Fähigkeiten sie damit bekommen, möchten wir jetzt noch nicht genau verraten. Ein kleiner Tipp ist da unser Blog, in dem wir ein paar Details zu den jeweiligen Charas gelistet haben. (Vorsicht, kann Spoiler enthalten!) X)

Der Titel suggeriert schon, dass es in eurem Manga eine wichtige Organisation gibt, zu der eure Superhelden eventuell gehören. Wenn das stimmt, was hat es mit dieser Organisation auf sich?

aquabox: Das »Aquabox Hauptquartier« bezeichnet in erster Linie nur Cedrics Wohnung, die voll von Aquarien – Aquaboxen – ist.

Allerdings sind bei Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten dubiose Organisationen nie weit, also lasst euch überraschen. 🙂

Auf dem Blog zu aquabox headquarters werden allerhand Charaktere vorgestellt. Sind das bereits alle Superhelden oder könnte es sein, dass euch spontan noch ein paar Figuren einfallen?

aquabox: Uns fallen ständig neue Charaktere ein, es ist also noch lange kein Ende in Sicht. :3

Wer sind eure persönlichen Lieblinge in aquabox headquarters?

aquabox: Das ist eine schwere Frage. Es ändert sich oft auch, je nachdem an welchen Charakteren wir gerade arbeiten.
Unangefochten sind und bleiben dabei aber Ced und Phil.

Steht die Handlung schon komplett fest oder entwickelt sich das mit dem Zeichnen? Könnt ihr ungefähr abschätzen, wie lang die Story wird?

aquabox: Also die wichtigsten Ereignisse und Handlungsstränge stehen schon fest, aber wir entwickeln die Details meist immer noch weiter. Einige Szenen funktionieren auch nicht gleich beim ersten Mal, und dann schreiben wir meist noch mal um, aber ein Ende ist bis jetzt noch nicht in Sicht. Dafür haben wir auch noch viel zu viele Charaktere, die auf ihren Auftritt warten. 🙂

Die Charaktere sind teils in Norden, Süden, Osten und Westen unterteilt. Was hat es mit den Himmelsrichtungen auf sich?

aquabox: Das sind Sektoren, in denen »unsere Welt« unterteilt ist, ähnlich wie Stadtteile. Unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche mit verschiedenen Chefs und so weiter. Momentan spielt sich noch alles im Norden ab.

Was hat es mit dem Status auf sich? Was hat etwa ein Jäger oder Wächter zu tun?

aquabox: Der Status bezeichnet ein einfaches Rang-System innerhalb der Organisation. Es gibt außerdem Novizen, die Anfänger. Jäger, die vor allem Aufträge ausführen und Wächter, die dagegen schon höher gestellt sind, aber auch hier wollen wir nicht zu viel erzählen. 😉

Jeder Charakter hat ein Tier zugeschrieben bekommen. Spielt das eine Rolle für die Handlung oder ist das nur ein kleines Extra?

aquabox: Die Tiere haben oft etwas mit Charakter und Fähigkeiten der jeweiligen Person zu tun und sind ein zusätzliches kleines Extra.

Da das Werk auch dem Boys-Love-Genre zugeordnet ist, steht natürlich die Frage im Raum, wer denn nun das Genre-gebende Pärchen sein wird. Könntet ihr uns dem bezüglich schon einen Tipp geben? Sind weitere Pärchen (vielleicht auch aus der Girls-Love-Kategorie) geplant?

aquabox: Was die Aquabox betrifft, an der wir gerade arbeiten, geht es hauptsächlich um Ced und Phil. Alle weiteren Charaktere stehen zwar auch in einer Beziehung zueinander, aber das folgt alles erst später, sonst wäre es zu viel auf einmal. Und da gibt es dann sowohl gleichgeschlechtliche als auch heterosexuelle Beziehungen.

Zur LBM 2014 erscheint voraussichtlich aquabox headquarters in gedruckter Form. Mit was für Eckdaten kommt die Printversion daher?

aquabox: Es erscheint zuerst nur der Prolog, der etwa 52 Seiten umfasst und für 6,- € bei uns direkt am Stand erworben werden kann. Die ersten Exemplare enthalten zudem ein Lesezeichen 🙂

Können auch Fans, die nicht zur LBM kommen, ein Exemplar ergattern. Wenn ja, wie?

aquabox: Wir haben einen guten Schwung gedruckt und werden den Großteil davon mit auf die LBM nehmen. Und nach der Messe würden wir dann den Onlineverkauf starten. Wir sind am einfachsten über aquabox.hq@gmail.com zu erreichen. Allerdings wissen wir noch nicht, wie weit die gedruckten Hefte reichen, da wir absolut noch nicht abschätzen können, wie der Comic ankommt.

Habt ihr auch schon einmal daran gedacht, aquabox headquarters bei einem Verlag einzureichen?

aquabox: Wir haben kurz darüber nachgedacht, ob es für uns als Duo und für eben dieses Projekt infrage kommt, zu einem Verlag zu gehen. Aber da wir beide berufstätig sind und unsere Zeichenzeit fast immer spontan entscheiden, klappt es schon mal aus diesem Grund nicht. Und wir wollen uns selbst auch nicht zu sehr unter Druck setzen und der Story den Raum lassen, den sie für uns braucht. Es ist eben ein Herzensprojekt, an dem wir einfach nebenbei werkeln. 🙂

Was sind eurer Meinung nach die Vor- und Nachteile der verschiedenen Veröffentlichungswege Online-Version, Eigenproduktionen, Anthologien (z.B. Lemon Law) oder Veröffentlichungen von eigenen Titeln bei Verlagen, wie es etwa bei Marikas Royale Lip Service-Reihe der Fall ist?

aquabox: Puh, es ist schwer hierzu eine kurze Aussage zu treffen.

Online-Versionen sind immer erreichbar und nehmen keinen Platz weg. Allerdings sind wir beide eher der Fan davon, Bücher auch in Händen halten – und daran riechen 🙂 – zu können. Eigenproduktionen lassen allen Freiraum, haben werbetechnisch jedoch nur bei bekannten Zeichnern wirklich Reichweite.Verlagsproduktionen haben, trotz Tendenz zu mehr Eigenproduktionen, noch etwas Offizielles und daher wesentlich mehr Reichweite.

Wie empfindet ihr die deutsche Manga-Szene? Haben es hiesige Zeichner einfacher oder schwerer als vor ein paar Jahren ein Publikum für ihre Werke zu finden?

aquabox: Die Möglichkeiten für Eigenproduktionen erweitern sich seit einigen Jahren stetig. Was zum einen an den gesunkenen Druckkosten liegen mag und zum anderen hat sich der Markt um die Independent-Szene vergrößert. Das Interesse ist gewachsen und damit auch die Bereitschaft Selbstverlegtes zu kaufen. 🙂

Zeichnet ihr – ob nun zusammen oder einzeln – gerade auch an anderen Projekten oder habt Ideen für solche?

aquabox: Ideen haben wir jede Menge. 🙂

Und ja, wir arbeiten auch nebenbei an anderen Projekten, deswegen kann es zwischenzeitlich etwas ruhiger um die Aquabox werden. Aber es wird auf jeden Fall weiter gehen!

Bisher gab es montags und donnerstags jeweils eine neue Seite auf Animexx. Wie viel Disziplin fordert so eine regelmäßige Veröffentlichung ab? Wird es bei dem Rhythmus bleiben oder möchtet ihr bald einmal eine Verschnaufpause einlegen?

aquabox: Wir haben erst angefangen, die Seiten hochzuladen, als wir schon fast fertig waren. Das heißt, wir haben genug Vorlauf und brauchen uns keine Hektik zu machen. Trotzdem wird es nach der LBM nur noch eine Seite pro Woche geben und später noch weniger. Aber das heißt nicht, dass wir nicht weiter daran arbeiten. 🙂

Auf welchen Veranstaltungen treffen Fans euch heuer an?

aquabox: Dieses Jahr werden wir nur auf der Leipziger Buchmesse sein, aber online sind wir ja fast immer zu erreichen. >v<

Das Team bedankt sich herzlich bei aquabox für dieses Interview.

Illustrations © by aquabox