Seepferdchen Syndrom Cover by MK.Artworks 142837
© 2015 MK.Artworks

Frisch zur AniNite (27. bis 30. August 2015 in Wien) veröffentlichte die österreichische Künstlerin MK.Artworks (Butterfly Tail, Love Hunt) ihren neuen Boys-Love-Manga Seepferdchen Syndrom.

Die nächste Veranstaltung, auf der interessierte Leser ein Exemplar ergattern können, steht bald mit der Connichi (18. bis 20. September in Kassel) an. Bevor die Convention jedoch ihre Pforten öffnet, haben wir die Manga-Zeichnerin noch schnell zu einem Interview gebeten.

Seepferdchen Syndrom ist deine sechste Veröffentlichung. Woran hast du zuvor gezeichnet?

MK.Artworks: Vor Seepferdchen Syndrom (ich nenn’s mal kurz S.S.) habe ich an Love Hunt gearbeitet, einer kurzen BL-Story zwischen einem Reh und einem Wolf, die zur Animuc 2015 rausgekommen war.

Wie bist du auf die Idee zu Seepferdchen Syndrom gekommen?

MK.Artworks: Ich glaube, ich hatte mir eine Doku angeguckt, ganz so sicher weiß ich das gar nicht mehr. Aber es war auf jeden Fall etwas aus dem TV, das mich auf diese Idee gebracht hat.

See me. Love me. © 2014 MK.Artworks

Wie sind die Charaktere entstanden? Wen magst du am liebsten?

MK.Artworks: Die Charaktere entstehen bei mir erst direkt beim Ausarbeiten der Seiten. Bei mir gibt es weder Charakterstudien noch ein Storyboard. Das Erste, was existiert, ist der ungefähre Text und die Panelaufteilung, alles weitere ergibt sich dann eher zufällig.

Am liebsten mag ich Hideaki. Ich habe da irgendwie einen Narren an ihm gefressen, und es hat auch tierischen Spaß gemacht, die Kommentare auf Animexx zu lesen, wie man sich hin- und hergerissen fühlte. Mal mag man ihn, mal nicht. Ein unbequemer, egoistischer Kerl, der aber dennoch nur das Beste will (wenn auch zu 99% für sich).

Was unterscheidet Seepferdchen Syndrom von deinen bisherigen Werken?

MK.Artworks: Also in erster Linie unterscheidet sich S.S. von den anderen durch die Seitenzahl von 160 Seiten. Und dann ist es diesmal kein 18+ und dementsprechend ohne expliziten Inhalt, was mir die Chance gegeben hat, mal ein wenig mehr auf die einzelnen Charaktere einzugehen, die sonst immer gern zu kurz gekommen sind.

Wie auch deine anderen Titel zuvor zählt Seepferdchen Syndrom zum Boys-Love-Genre. Was gefällt dir so sehr an dem Genre, und würdest du gerne auch mal andere ausprobieren? Vielleicht Girls Love?

MK.Artworks: Ich will gar nichts anderes zeichnen, schon allein deswegen nicht, weil meine weiblichen Personen immer wie Männer rüberkommen und es mir überhaupt keine Begeisterung verschafft, mal was »Normales« oder Girls Love zu zeichnen. Selbst in meinem Mangaregal wirst du so gut wie nichts anderes finden. Action und sentimentale Love-Sequenzen sind mir ein Graus, von daher wird man so etwas von mir nicht erhoffen dürfen (seid froh drüber XD). Wobei ich aber auch drauf hinweisen muss, das ich nicht alles mag, wo BL drauf steht. Es ist mir ein Gräuel, diese Klischees zu lesen (großer, breiter Seme, kleiner, weinerlicher Uke). Das ist furchtbar. Ich versuche dann, bei mir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Partnern zu schaffen, wo selbst ein Rollentausch kein Problem darstellt.

My Brother’s Bad Habits © 2015 MK.Artworks

Würdest du gerne wie Maruhiro auf einer einsamen Insel leben? Was würdest du mitnehmen?

MK.Artworks: Nicht unbedingt auf einer Insel, weil mir die Hitze nicht zusagen würde und auch das Meer nicht, aber ich würde schon gerne abgeschieden wohnen. In einer Berghütte zum Beispiel oder auf einer Alm. Mitnehmen würde ich meine Zeichensachen und mein Fahrrad. Damit wäre ich vorerst schon mal glücklich.

Wie viele Tätowierungen hat Maruhiro? Wie stehst du persönlich zu Tätowierungen?

MK.Artworks: Er hat zwei. Ein Seepferdchen auf der linken Wade und später kommt noch eines auf dem Rücken dazu, das man aber nur ganz kurz sieht. Ich selber liebe Tattoos. Aktuell habe ich selber 18 Stück davon, und das waren bestimmt nicht die letzten.

Welche Szene in Seepferdchen Syndrom hat dir besonders Spaß gemacht zu zeichnen?

MK.Artworks: Das Kapitel Laborliebe hat mir am meisten Spaß gemacht und auch sämtliche Szenen, wo Hideaki auftauchte.

In einer Szene ist ein Illustrationsplan für einen homosexuellen Roman mit kurzen Beschreibungen zu sehen. Ist das rein fiktiv oder eine Anlehnung auf eines deiner (kommenden) Werke?

MK.Artworks: Das ist rein fiktiv, eine Anleitung für Maruhiro, was er wo zu illustrieren hat. Daraus wird nichts Eigenes entstehen.

Neben Maruhiro und Luca gibt es in Seepferdchen Syndrom noch ein zweites Pärchen, das am Rande erwähnt wird. Darf man zu den beiden ein Spin-off erhoffen?

MK.Artworks: Ja, ich arbeite aktuell an dem Spin-off mit Nakayama und Kenji. Letzterer war eigentlich nur ein Lückenfüller, aber ich habe die Idee recht interessant gefunden, die beiden zusammenzubekommen, von daher gibt’s hierzu hoffentlich bald einen kleinen Manga dazu. Geplant für die VIECC 2015.

In Seepferdchen Syndrom wird auch das Thema Mpreg (= male pregnancy, männliche Schwangerschaft) angeschnitten. Darf man da mal etwas Konkreteres von dir erwarten?

MK.Artworks: Ich hoffe es! Glaube zwar kaum, dass es wer lesen würde, aber ich mag so etwas mal zeichnen und wälze bereits diverse Ideen im Kopf, wie man so eine Story am besten aufgebaut bekommen würde.

Let’s Play S&M © 2014 MK.Artworks

Wie und wo kann man Seepferdchen Syndrom (sowie eventuell deine älteren Werke) erwerben?

MK.Artworks: Zwei der älteren Werke (Butterfly Tail und Let’s Play) sind schon vergriffen, alles andere kann man noch käuflich erwerben. Entweder auf meiner FB-Künstlerseite via dem Button »Jetzt einkaufen«, auf Animexx (Fanprodukte-> ENS) oder auf diversen Conventions. Die nächste ist aktuell die Connichi 2015 in Kassel.

Woran zeichnest du aktuell?

MK.Artworks: Wie oben schon erwähnt am Spin-off zu Nakayama und Kenji. Diesmal wird’s aber wieder Adult.

Was ist dir bei deinen Zeichnungen besonders wichtig?

MK.Artworks: Klare, einfache Linien ohne viel Schnickschnack.

Wie nimmst du die deutschsprachige Manga-Zeichner-Szene und die Leserschaft wahr?

MK.Artworks: Ich nehme diese vorrangig auf Conventions wahr oder wenn auf FB was geteilt wird. Gezielt nach Werken deutscher Zeichner suche ich nicht, es sei denn, der Stil gefällt mir, dann wird das auch gekauft (gilt aber auch für alle anderen Zeichner). Was die Leserschaft betrifft, freue ich mich immer tierisch drüber, wenn mir jemand Feedback zu meinen Werken gibt, und es gibt auch immer wieder »altbekannte Gesichter«, die sich bisher alle meine Bücher geholt haben. Das macht mich schon ein ganz klein wenig stolz.

Love Hunt © 2015 MK.Artworks

Gibt es Vor-/Nachteile eine österreichische Zeichnerin zu sein, verglichen zu deinen deutschen Kollegen?

MK.Artworks: Nein, nicht wirklich. Ein Nachteil vielleicht für mich, dass ich nicht bei jeder deutschen Con dabei sein kann, weil mir der Weg einfach zu weit ist. Ein anderer – was vor allem den Postversand betrifft, dass das Porto bei der Ösi-Post unverschämt hoch ist und ich es verstehe, wenn man sich das alles dann nicht leisten will. Ansonsten sehe ich da keine weiteren Nachteile. Vorteile hab ich jetzt überhaupt keine zu bringen, ich habe noch keine erlebt.

Was möchtest du deinen Lesern gerne noch mitteilen?

MK.Artworks: Mitteilen will ich ihnen gar nichts, aber ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken, die meine Bücher lesen (online, in gedruckter Form) und mich mit dem Kauf der Bücher und auch mittels Kommentare unterstützen. Vielen Dank!

Das Team bedankt sich herzlich bei MK.Artworks für dieses Interview.