»Magdala de Nemure – May your soul rest in Magdala« – Manga-Test

Nach Maoyuu Maou Yuusha startet bei Planet Manga mit Magdala de Nemure der nächste vielversprechende Fantasy-Streich, denn die Geschichte stammt aus der Feder von keinem geringeren als Spice & Wolf-Autor Isuna Hasekura. Im letzten Jahr begann Aco Arisaka die gleichnamige Light-Novel-Reihe als Manga zu adaptieren. Die Kapitel wurden in Kadokawa Shotens Young Ace veröffentlicht und die frische Serie zählt daher erst zwei Ausgaben. Im August brachte Planet Manga den ersten Band in die hiesigen Händlerregale. Im Mittelpunkt der Handlung stehen eine weiß gekleidete Nonne, ein Abtrünniger und die Alchemie. Wie es zu der ungewöhnlichen Begegnung kommt und was ihr euch von Magdala de Nemure versprechen könnt, erfährt ihr in den folgenden Abschnitten.

Band 1/Erscheint bei Panini Comics

In einem Zeitalter des Umbruchs wird die Ordnung von drei Fraktionen, nämlich der Kirche, dem Ritterorden und dem Gildenhaus bestimmt. In diesem Wettstreit um Einfluss stehen die Alchemisten zwischen den Stühlen. Ihre Künste, die sich dem Verständnis des gemeinen Volks entziehen und  der Zauberei gleichen, werden vielmals als Teufelswerk angeprangert. In einer solchen Situation findet sich der Alchemist Kusler wieder, wenn auch nicht ganz unverdient. Sofern der junge Rotschopf nicht gerade des Mordes bezichtigt wird, weil er wieder ein Giftgebräu gemischt haben soll, sitzt Kusler wegen einer seiner dubiosen Experimente im Gefängnis. Die Wissbegierigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, treibt ihn zu manch fre­vel­haften Tat, wie diesmal, als er die Knochen eines Heiligen verbrennt. Als Ketzer steht der junge Alchemist mit einem Fuß auf dem Schafott und so hat Kusler keine andere Wahl, als Preis für sein Leben, sich dem Willen des Ordens zu beugen. Ein Auftrag, für den seine Talente benötigt werden, verschlägt ihn in die Hafenstadt Gulbetty.

Band 1/Erscheint bei Panini Comics

Dort soll Kusler gemeinsam mit seinem vertrauten Kollegen Weland, die Nachforschungen eines gewissen Thomas weiterführen. Ihr Vorgänger wurde allerdings ermordet und der Täter befindet sich noch immer auf freiem Fuß. In ihrer neuen, frei gewordenen Werkstatt wartet jedoch schon ein ungebetener Gast. Die Nonne Ul Fenesis wurde von der Kirche entsand, um ein Auge auf die zwielichtige Arbeit der beiden Alchemisten zu werfen und bei Verdacht dem Gotteshaus Bericht zu erstatten. Mit einem argwöhnischen Blick im Nacken macht sich Kusler ans Werk, die hervorragende Metallveredlungstechnik seines Vorgängers zu studieren. Und während sich der Geächtete und die Klosterschwester allmählich anfreunden, wenngleich er ihr Misstrauen nicht vollkommen abschütteln kann, beginnen Kusler und Weland die Umstände des Mordes an Thomas aufzudecken. Welche verbotene Wahrheit hat der Alchemist ergründet und was hat er in seinen Unterlagen hinterlassen? Ebenso verbirgt sich hinter der unscheinbaren Nonne mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Ehe die beiden Alchimisten sich versehen, haben sie sich in einem Netz aus Lügen und Intrigen verfangen.

In Magdala de Nemure versetzt uns Isuna Hasekura erneut in eine mittelalterliche Fantasy-Welt, die von dem Machtgefüge konkurrierender Organisationen geprägt ist. Zwar hat der Ritterorden hinsichtlich der wirtschaftlichen und militärischen Stärke die Oberhand, jedoch hat die kirchliche Autorität mit ihrer großen Gefolgschaft noch ein Wörtchen mitzureden. Lediglich die Vereinigung der Händler und Handwerker wahrt nur nach außen den Schein, ihr Amt wurde längst unterwandert. Wie es den Bürgern dadurch ergeht, kann der Leser nur mutmaßen, weil der Manga sich bisher in einem Gefängnis und später hauptsächlich in der Handwerksstube abspielt. Den Zwang der Kirche kann man dennoch spüren, wenn sie gegen Ungläubige und alles vorgehen, was ihre Position gefährden könnte. In ihrem Würgegriff befindet sich unser Protagonist, der ohne Zögern jede Chance ergreift, seiner bevorstehenden Hinrichtung zu entkommen. Kusler geht auf das ihm unterbreitete Angebot ein, wohl wissend, dass seine Forschung vom Claudius-Ritterorden ausgenutzt wird. Im Gegenzug kann er seine Tätigkeit nach Belieben ausüben und hat zudem eine recht kostspielige Ausstattung zur Verfügung.

Band 1/Erscheint bei Panini Comics

Als Alchimist nimmt die Hauptfigur eine Außenseiterrolle ein, was ihn aber nicht großartig kümmert, Hauptsache er kann sich seinem Metier widmen. Diese Neugierde bringt den jungen Mann um den Schlaf – wenn nicht sogar bald ins Grab – weswegen er auch als rastloser Alchemist bekannt ist. Bei Kusler handelt es sich ganz und gar nicht um den typischen, tugendhaften Helden. Der gewiefte und intelligente Alchemist weiß Freundlichkeit vorzutäuschen, um zum Beispiel Fenesis auf seine Seite zu ziehen. Die junge, weißhaarige Nonne wirkt mit ihrer Naivität dort etwas fehl am Platz. Das gibt ihr Weland bei ihrer Ankunft mit harschen Worten deutlich zuverstehen. Kusler bereitet es wiederum großes Vergnügen, die süße Ordensschwester aufzuziehen und aus der Fassung zu bringen. So ganz ernst genommen wird Fenesis in ihrer Aufseherrolle also nicht. Neben den stellenweise witzigen Interaktionen des ziemlich gegensätzlichen Charaktergespanns legt der Autor ein Augenmerk auf die Alchemie, ähnlich wie Hasekura es schon in Spice & Wolf mit der Händler-Thematik machte. Beispielsweise wird in einer Szene der Prozess beleuchtet, wie ein Metallerz von Verunreinigungen gelöst wird. So muss selbst die unbedarfte Fenesis zusehends bemerken, dass Alchemie keine Hexerei ist. Doch, wozu der ganze Fortschritt? Wonach strebt Kusler mit all seinen Mühen? Dahinter steht die verträumte Vorstellung, ein sagenumwobenes Land zu erreichen, in das noch nie jemand zuvor einen Fuß gesetzt hat: Das titelgebende Magdala. Hört sich zunächst nach einer Art Erleuchtung an, man kann gespannt darauf sein, was es damit auf sich hat.

Mit Magdala de Nemure erwartet euch ein ansprechender Fantasy-Manga, ganz vom Schlage Spice &Wolf‘s. Wieder kommt Hasekuras Serie ohne großartige Action aus, stattdessen erzeugt der Autor Spannung durch die vorgestellte Gesellschaft und den Verschwörungen, die im Hintergrund brodeln. Daneben stellt die Geschichte das Thema Alchemie auf realitätsnaher Weise dar. Die Zeichnungen von Isuna Hasekura bestechen mit feiner, sauberer Strichführung und verpassen den von Tetsuhiro Nabeshima entworfenen Figuren ein attraktives Äußeres. Zudem lassen euch die ausgeschmückten Schauplätze äußerst gut in das düstere, altertümliche Setting abtauchen. Auflockerung gibt es zwischendurch mit dem unterhaltsamen Zusammenspiel der Charaktere. Wer sich einen gut ausgearbeiteten und vielschichtigen Fantasy-Manga wünscht, sollte dieser Serie eine Chance geben.

Wir bedanken uns bei Planet Manga für die Bereitstellung eines Exemplars zu Magdala de Nemure Band 1.

Details

Titel: Magdala de Nemure – May your soul rest in Magdala
Originaltitel: マグダラで眠れ
Mangaka: Aco Arisaka
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), Planet Manga (DE)
Genre: Mystery, Fantasy
Altersempfehlung: 14+
Preis: 7,99 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=3957981336]

MAGDALA NEMURE Volume 1©Isuna HASEKURA 2013 ©Aco ARISAKA 2013 © Tetsuhiro NABESHIMA 2013
©2014 PANINI Verlags-GmbH