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Japanische Synchronsprecherin berichtet über sexuelle Belästigung im Job

Synchronsprecher ist ein in Japan harter Job, der vieles von den Menschen körperlich und geistig abverlangt. Dass das auch negative Seiten hat, zeigt nun ein jüngst veröffentlichter Blogeintrag von Phan Masaki, einer freiberuflichen Synchronsprecherin aus Japan. In diesem erzählt sie unter anderem über die sexuelle Belästigung von fanatischen Männern.

Masaki beschreibt sich selbst als unabhängige Synchronsprecherin, die schon als Teenager mit dem Einsprechen und Cosplayen begann. Sie schreibt, dass sie ihre Cosplay-Fotos gerne online hochgeladen habe, bis sie eine E-Mail mit der Nachricht „Ich habe mir bei deinen Fotos einen runtergeholt.“ erhielt.

Dabei sagt Masaki, dass ein Freund ihr erzählt habe, wie die URL zu ihrer Cosplay-Seite auf dem anonymen Message Board 2ch geteilt wurde. Damals hatte Masaki kein Verständnis dafür, was 2ch war. Nachdem Masaki erfahren hatte, dass fremde Menschen zu ihren Fotos masturbieren, hatte sie „das erste Mal Angst vor fremden Männern“.

Masaki änderte sofort den Cosplay-Künstlernamen, damit sie bei ihrer Synchronsrecherarbeit nicht damit assoziiert wird. Sie stellte allerdings fest, dass die bereits hochgeladenen Fotos noch im Internet aufzufinden sind. Das erinnerte sie daran, dass es nicht möglich ist, Fotos oder Geschehnisse komplett aus dem Internet zu löschen.

Die anzüglichen Nachrichten rissen nicht ab

Seit diesem Vorfall hat Masaki kein Foto mehr von sich online gestellt. Trotzdem bekam sie nach diesem Vorfall anzügliche Nachrichten. Über Skype bekam sie Anrufe von Männern, die „schwer atmeten“ und sie mit „ekelhaften“ Videos und Fotos überfluteten. Als Reaktion darauf hörte sie mit dem Cosplay auf. Auch der Kontakt mit den Fans hat sie gemieden. Selbst ihr Hobby, das Otaku-Dasein konnte sie wegen den Vorfällen nicht mehr ausführen und nahm Abstand von professionellen Rollen.

Der Zwischenfall lässt erahnen, warum Masaki sich entschieden hat, so lange in der Indie-Szene zu verweilen. Sie erklärte, dass Synchronsprecher heutzutage nicht mehr nur von ihren Rollen leben können. Sie müssen eine personenbezogene Fangemeinde pflegen, indem sie ihre Gesichter zeigen und an Veranstaltungen und Konzerten teilnehmen. Aber sie hatte Schwierigkeiten, so ein Leben zu führen.

Als freiberufliche Synchronsprecher in der Indie-Dojin-Szene schaffte Masaki es, sich einen Namen zu machen – ohne ihr Gesicht zu enthüllen. Dabei baute sie sich eine Fanbase auf, die ihr nur wegen ihrer Stimme folgt. Sie hat sich erfolgreich in der ASMR-Szene etabliert, bei der sie mit ihrer Stimme den Zuhörer entspannen lassen kann.

Zwar gewann sie Fans, die ihre Stimme liebten, allerdings gab es auch hier Fans, die ihre Stimme so sehr liebten, dass sie romantische Gefühle entwickelten.

Sie schaffte es nicht mehr, Beruf und privates zu trennen

Masaki bekam viele Nachrichten, die sie nach Dates gefragt haben – auch augenscheinlich berufliche Meetings musste sie absagen, da Fans diese Chance genutzt hätten, mit ihr in Kontakt zu treten.

Auch erzählte sie, dass der Mann bekannt war, andere Mädchen zu belästigen. Es ging so weit, dass sich Synchronsprecherinnen zusammengetan haben, um indiskret über Fanatiker in der Szene zu warnen. Masaki schrieb, dass sie immer dann, wenn sie Liebesbotschaften von Fans zurückwies, weiterhin belästigt wurde – inklusive Morddrohungen.

Wenn sie die Personen geblockt hat, die aufdringlich wurden, haben diese Personen sofort einen zweiten Account erstellt, um sich zwar zu entschuldigen – ihr aber weiterhin den Tod zu wünschen. Auch bekam sie schon Dinge aus ihrer Amazon-Wunschliste zugeschickt, nach der sie nie gefragt hat. Diese Personen erwarteten unter anderem als Gegenleistung eine Verabredung mit ihr.

Andere schickten ihr Videos von sich selbst und sagten: „Wenn du nicht mit mir ausgehst, sterbe ich“, während sie sich in die Handgelenke mit einem scharfen Messer ritzten.

Masaki hat solche Dinge nicht öffentlich erwähnt oder es ihren Kolleginnen erzählt. Sie hat das ganze in sich hineingefressen – mehrere Jahre lang.

Es gab auch konstruktive Zurufe, die ihr halfen, weiterzumachen

Masaki sagte jedoch, dass sie sich auch von den Fans begeistern ließe. Als sie am Boden war, wurde sie von einem Eroge-Fan nur für ihre darstellerischen Fähigkeiten gelobt und sonst nichts. Das ließ sie weiterhin schauspielern, so dass sie kurz die Schauspielschule besuchte und einer Agentur beitrat. Dennoch konnten damit nicht alle Probleme von Masaki beseitigt werden.

Der Blog-Post erzählt auch sehr detailliert über verschiedene persönliche Probleme, mit denen Masaki außerhalb ihres Synchronsprecherlebens zu tun hatte – darunter Probleme mit Freunden, schlechte Investitionen und eine versuchte Vergewaltigung durch einen ehemaligen Mitschüler. Die letzte Erfahrung veranlasste sie, für eine Weile keine Rollen mehr mit Vergewaltigungsszenen zu synchronisieren, was sie ihre Stelle bei der Agentur kostete.

„Ich fühle mich innerlich tot“

Heute sagt Masaki, dass sie sich von der Gesellschaft isoliert fühlt. Zum Abschluss des Blog-Eintrages sagt sie: „Ich wünsche mir, dass sich meine Welt verändert. Eines Tages könnte ein Wunder vom Himmel fallen. Es ist das Einzige, worauf ich hoffe, denn ich lebe, während ich innerlich tot bin.“

In einem Folgebeitrag, der am 30. März veröffentlicht wurde, schrieb sie, dass sie nicht nur wollte, dass jeder denkt, dass dies eine „traurige Geschichte“ sei und sie dort endet. Sie bestätigte, dass sie ihre Arbeit nicht aufgeben wird und erklärte, dass sie immer noch Hoffnung von den Fans schöpft.

„Die Stimmen des Hasses sind immer am lautesten. Sie erreichen immer das Ziel. Aber die Nachrichten, die einen unterstützen sollen sind im Vergleich dazu leise. Und es gibt oft Momente, bei denen ich mich frage ob diese überhaupt existieren. Geht bitte nicht davon aus, dass andere Personen diese schicken – schickt selbst solche Nachrichten ab! Denkt bitte nicht, dass solche Aussagen nicht bei mir ankommen. Ich möchte wirklich eure Eindrücke von den Spielen hören, an denen ich beteiligt bin. Erzählt mir ruhig alles! Genau solche Fanmeldungen sind das, was mich glücklich stimmt!“

Wenn Sie selbst depressiv sind oder Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).

Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Quelle: Note.mu

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