»Dein süßer Duft« – Manga-Test

Mit Dein süßer Duft erscheint nicht das erste Mal ein Titel von der Zeichnerin Junko auf Deutsch. Bereits 2012 beehrte sie uns mit Geliebter Raufbold. Noch mehr verspricht TOKYOPOP fürs nächste Programm, denn im September kommt beim Verlag Unter Deinem Schirm heraus – aber das ist Zukunftsmusik. Seit 12. Mai könnt ihr den Boys-Love-Einzelband Dein süßer Duft (im japanischen Original Kimi Note) in den Buchhandlungen kaufen. Darin enthalten sind vier Kurzgeschichten. Ob sich die Sammlung lohnt, erfahrt ihr bei uns.

Miyasaka ist von Sawataris minzigem Duft angetan, den der Wind in der Klasse zu ihm trägt. Die Gedanken des Schülers Kreisen unentwegt um den ruhigen, aber beliebten 17-Jährigen. Als Miyasaka in einem Geschäft Sawataris Parfüm findet, muss er es, ohne groß nachzudenken, sofort kaufen und auftragen. Der Schuss geht jedoch nach hinten los, weil Miyasaka es mit der Dosierung etwas übertreibt. Mehr Gestank als eine feine Note verbreitet der Schüler im Klassenraum, doch Sawatari hilft dem ungeschickten, schüchternen Tollpatsch aus der Klemme und gibt ihm Ratschläge. Miyasaka fühlt sich als etwas Besonderes. Als er aber merkt, dass Sawatari auch einem anderen in Sachen Parfüm unter die Arme greift, verflüchtigen sich seine Hoffnungen.

Während das titelgebende Dein süßer Duft sowie die Fortsetzung Erinnerung an deinen Duft von Sawatari und Miyasaka erzählen, folgen die restlichen drei Kapitel jeweils einem anderen Paar. In Replay trifft Nishigaki auf der Hochzeit seiner Schwester seinen früheren Geliebten wieder. Die Gefühle brodeln immer noch in ihm. Des Königs Geflüster widmet sich den Schülern Kugayama und Ashiya. Die beiden Leichtathleten schlafen miteinander, doch Ashiyas undurchschaubares Verhalten lässt Kugayama darauf schließen, dass sie nichts Ernstes miteinander haben. Von einem Liebesverhältnis ist Nakano in Geh nach Hause weit entfernt. In seine Wohnung nistet sich sein Schwarm Katsuragi kurzzeitig ein, der von Nakanos Präferenzen jedoch keine Ahnung hat.

Das Cover wie auch die enthaltene Farbseite zeigen Miyasaka und Sawatari aus der Titelstory. Die beiden Bilder erzeugen eine sanfte, unschuldige Atmosphäre. Geradezu niedlich möchte man die zwei Burschen bezeichnen. Der erste Eindruck vermittelt eine ruhige, zuckersüße Handlung. Die Vermutung wird bestärkt, dass es hier in erster Linie um Gefühle und wenig bis gar nicht um sexuellen Körperkontakt geht. Falsch gedacht! Zumindest was den letzten Aspekt angeht. Junko lässt sich durchaus dazu hinreißen, ihre Protagonisten ins Bett zu verfrachten und diese dort sehr explizit darzustellen. Nicht umsonst besitzt der Manga eine Altersempfehlung ab 16.

Da Kurzgeschichten mit einer stark beschränkten Seitenanzahl daherkommen, ist es wichtig, den knapp bemessenen Platz gut auszufüllen und auf weniger Story relevante Details möglichst zu verzichten. Die Grundrezepte für die vier präsentierten Handlungen sind schlicht gewählt, aber Junko verpackt die bekannten Ideen in hochemotionales Liebesgeflüster, bei dem auch schon einmal mit hochrotem Kopf geweint werden darf. Junkos Zeichnungen, welche die Gefühle der Charaktere auf den Punkt bringen, verzaubern und sind von einer warmen, mitreißenden Atmosphäre umgeben. Ehrlichkeit und das Offenbaren von eigener Schwäche bestimmen das Auftreten der Protagonisten. Schnell entwickelt man Sympathien für die Figuren und ihre Probleme. Dies trifft vor allem auf die ersten beiden Kurzgeschichten zu. Die zweite Hälfte des Einzelbands wirkt aufgrund von einer zu starken Betonung auf den sexuellen Akt unausgewogen und infolgedessen weniger ansprechend.

Junkos Zeichenstil besitzt eine individuelle Note, ihrem Charakter-Design fehlt es jedoch teilweise an Individualität, wenn man die enthaltenen Titel miteinander vergleicht. In jeder Geschichte bekommt der Leser das typische Gespann eines Dunkel- und Hellhaarigen serviert. Auch in den persönlichen Zügen merkt man, dass stets einer von beiden eher lässig und natürlich wirkt, während der andere mit seinen unausgesprochenen Gefühlen kämpft. Beim Aussehen setzt Junko auf schlanke, jugendliche Gestalten, wobei die gebotenen Charaktere vom Schüler bis Studenten selbst sehr jung ausfallen. Sanft und feminin sind die Gesichter ausgelegt. In der Linienführung schwingt ein Hauch des Skizzenhaften mit, wenn man die Zeichnungen näher unter die Lupe nimmt. Während sich Junko bei Emotionen sowie Atmosphäre ins Zeug legt und auf dem Gebiet Meisterschaft erlangt, spart die Künstlerin an den Hintergründen. Wenn sich herauskristallisiert hat, wo sich die Handlung gerade abspielt, wird die Szenerie nicht weiter erörtert, sondern durch Rasterfolie ersetzt oder gar komplett leer gelassen.

Zuckersüß und rein sind die Gefühle von Junkos Protagonisten. Ehrlich und ergreifend gehen sie ihren Weg, um ihrem Schwarm zumindest zu verstehen zu geben, wie es in ihren Herzen aussieht, ohne selbst großartige Hoffnungen zu hegen. Bei so einer Unschuld kann man als Leser gar nicht anders, als die Daumen zu drücken und mitzufiebern, ob diese tief verborgene Liebe auf glückselige Erwiderung stößt. Heiß und ungezügelt enthüllt Junko dagegen den körperlichen Kontakt, der abhängig von der Kurzgeschichte mal ganz ausbleibt oder gar die Überhand gewinnt. Niedliche Story und explizite Sexszenen unter einem Dach in Harmonie vereint, das ist die Quintessenz von Dein süßer Duft. Nicht in jeder Kurzgeschichte des Einzelbands gelingt es der Künstlerin, die Balance zu halten und das Charakter-Design individuell zu gestalten, doch unterm Strich bietet der Manga mit seiner besonderen, seltenen Ausstrahlung genug Unterhaltungswert, um Boys-Love-Fans dennoch zu raten, einen Blick zu riskieren. Junko ist definitiv eine Künstlerin, die man im Auge behalten sollte.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Dein süßer Duft.

Details

Titel: Dein süßer Duft
Originaltitel: キミノート (Kimi Note)
Mangaka: Junko
Erscheinungsjahr: 2010 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kaiohsha (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Romance, Boys Love
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN 3842010109&chan=animey&asin=3842010109]

 Kimi Note © 2010 Junko/KAIOHSHA
Dein süßer Duft © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014