Trau dich Band 1 – Manga-Test

Kazé feierte diesen Sommer sein Boys-Love-Debüt, wofür die Wahl auf die in zwei Bänden abgeschlossene Serie Trau dich von Kai Asou fiel.

Der Manga erschien von 2008 bis 2010 im Magazin Cita Cita von Houbunsha und greift zwei Charaktere sowie die Handlung aus einer anderen Veröffentlichung der Mangaka (Yachin Hanbun No Ibasho Desu.) wieder auf. AnimeY nahm Kazés Einsteiger in das Schwulen-Genre unter die Lupe.

Als alleinerziehender Vater hat Naoki Osawa es nicht leicht. Tagsüber arbeitet er in einem Restaurant und muss viele Schichten übernehmen, wenn es an Personal mangelt, die Arbeit aber überhandnimmt. Zu Hause kümmert Osawa sich dann liebevoll um seine kleine Tochter Chizu sowie alles, was im Haushalt anfällt. Bei so viel Verantwortungsbewusstsein ist es kein Wunder, dass er seinem Stammgast Seiichi Yoshioka skeptisch gegenübersteht. Der homosexuelle Aufreißer sitzt jeden Abend an Osawas Bar und wechselt Männer wie Unterhosen. Regelmäßig schleppt er neue Partner oder auch Exfreunde an, kreuzt jedoch kurz darauf wieder als Single auf.

Schön und gut, wenn Yoshioka nicht auch noch ständig ungeniert mit Osawa flirten würde. Denn der arbeitsame Vater hat bei all seinen Verpflichtungen gar keine Zeit für eine Beziehung – von seiner Heterosexualität mal ganz abgesehen. Deshalb käme es überhaupt nicht für ihn infrage, sich privat mit einem Typen wie Yoshioka einzulassen.

Als Töchterchen Chizu jedoch plötzlich erkrankt und nicht in der Kita bleiben kann, steckt Osawa in der Klemme. Sofort ergreift Yoshioka die Initiative. Er bietet dem verzweifelten Vater für die Zeit der Erkrankung seine Hilfe an, sprich bei ihm einzuziehen und sich um Chizu zu kümmern, während Osawa arbeiten muss. Dem bleibt nichts anderes übrig als einzuwilligen. Und nach und nach beginnt er sogar, den fürsorglichen Gastgeber in einem anderen Licht zu sehen.

Was Osawa dennoch weiterhin nicht behagt, sind Yoshiokas permanente Annäherungsversuche sowie natürlich die Tatsache, in seiner Schuld zu stehen. Besonders Osawas Arbeitskollegen machen sich bereits Sorgen, der umtriebige Stammgast könnte die verzwickte Situation ihres Schützlings ausnutzen. Doch nach allem, was Yoshioka für ihn und seine Tochter getan hat, fällt es Osawa schwer, weiterhin schlecht von seinem Verehrer zu denken. Und irgendwie ist es ja tatsächlich schön, so von ihm umsorgt zu werden …

Trau dich oder im Englischen Only Serious About You, was näher am japanischen Originaltitel wäre, ist ein sehr »ruhiger« Manga. Osawa nimmt als verantwortungsvoller Vater und passiver Mensch in Liebesdingen die Rolle eines sehr nachdenklichen, besonnenen Protagonisten ein. So verfolgt der Leser überwiegend nicht nur Dialoge, sondern vor allem die Gedankengänge der Hauptfigur. Sein Gegenüber Yoshioka ist zwar offensiver mit dem Liebesgeständnis und der direkten Art, wirkt deshalb aber nicht automatisch dominant. Würden die beiden zusammenkommen, könnte man wohl von einer sehr harmonischen, liebevollen Beziehung mit gelegentlichen Neckereien ausgehen. Wer Situationen zwischen juxenden und peinlich berührten Männern niedlich findet, ist hier definitiv richtig.

Die Emotionen der Charaktere sind überwiegend zaghaft angedeutet, weshalb der Manga eher durch seine einfühlsamen, reduzierten Zeichnungen besticht. Leider fallen die Gesichtsausdrücke dadurch nicht sehr wechselhaft aus. Das heißt, dass Osawa zum Beispiel recht häufig ausdruckslos erscheint. Optisch unterscheiden sich insbesondere die Hauptfiguren (durch beispielsweise Kinnpartie, Gesicht, Frisur, Statur) nur geringfügig. Der Zeichenstil an sich ist einwandfrei, überwiegend hell gehalten und passt sehr gut zu der zarten, sich langsam entwickelnden (Liebes-)Beziehung der Männer. Auf Hintergründe wurde meistens verzichtet.

Einen großen Pluspunkt verdient der Manga für seine Story, da sich diese nicht nur auf die Entdeckung der eigenen Homosexualität bei einem lange Zeit heterosexuellen Mann beschränkt, sondern auch schwerwiegende Probleme des Alltags fokussiert. Zum einen wäre da die beschwerliche Situation eines arbeitenden, alleinerziehenden Vaters und seiner kranken Tochter, die mangels sozialer Kontakte in niemandes Obhut gegeben werden kann. Zum anderen steht der Vater vor der Entscheidung, was für das eigene Kind das Beste ist, selbst wenn das bedeutet, dass es bei der Ex-Frau und ihrem neuen Freund leben würde. Und schließlich wäre es interessant zu sehen, ob Kai Asou auch das Streitthema der Erziehung eines Kindes durch zwei gleichgeschlechtliche Partner mit einfließen lässt.

Die Geschichte von Trau Dich erstreckt sich über zwei Bände, was meines Erachtens genau richtig angesetzt wurde. Der deutsche Titel ist natürlich ein Appell an den schüchternen Osawa, der Beziehung zu Yoshioka eine Chance zu geben. So widmet sich der erste Band dem langsamen Kennenlernen der beiden Hauptfiguren und dem Aufbau ihrer Beziehung. Zärtlichkeiten werden bisher nur wenig ausgetauscht, und erotisch oder gar sexuell gesehen erwartet den Leser nicht viel. Jedoch endet der erste Teil relativ überraschend und lässt zumindest auf eine Steigerung in Band 2 hoffen. Von der romantischen Seite betrachtet, gibt es andere Boys-Love-Mangas, in denen Fans des Genres eindeutig mehr geboten wird. Ansonsten erwartet den Leser aber mit Band 1 der Auftakt zu einem ernsten Familien-Dilemma, das einen selbst nachdenklich stimmt und mit Osawa mitfühlen lässt.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Trau dich, Band 1.

SORENARI NI SHINKEN NANDESU vol. 1 © 2010 Kai Asou/HOUBUNSHA CO., LTD., Tokyo
Trau dich Vol. 1 © 2014 VIZ MEDIA SWITZERLAND SA