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Trau dich Band 2 – Manga-Test

»Hat es meine Tochter besser, wenn sie bei ihrer Mutter und deren neuem Mann aufwächst, als bei einem überarbeiteten Single wie mir?« Diese Frage hat Osawa aus Band 1 mitgenommen und beschäftigt ihn nun weiterhin in der zweiten Hälfte von Trau dich, die Kazé im September in die Läden brachte.

Genauso steht nach wie vor Yoshiokas Angebot, zusammenzuziehen und den sorgenbeladenen Vater zu entlasten, unbeantwortet im Raum. Wahrscheinlich wäre dies die Lösung aller Probleme, aber solange Osawa nicht auf die Annäherungsversuche seines glühenden Verehrers anspringt, läge der Vorteil dieser Zweckgemeinschaft doch recht einseitig …

Nachdem sich Yoshioka bei Osawa und Chizu angesteckt hatte, wurde der Spieß umgedreht, wonach sich nun der Vater fürsorglich um seinen kranken Gastgeber kümmerte. Dieser hatte seinen Gästen zudem angeboten, dauerhaft bei ihm einzuziehen. Osawa zögert jedoch weiterhin, sich auf eine Wohngemeinschaft mit seinem Verehrer einzulassen. Nichtsdestotrotz zieht er es ganz allmählich in Erwägung, da Yoshioka ihm die vielen Vorteile aufzeigt, welche sich dadurch ergeben würden. Genaugenommen findet der Umschwärmte auch keine strikten Gegenargumente mehr, woran Yoshiokas entwaffnende Liebesbekundungen sicher ihren Anteil haben. Für den Moment wirkt alles perfekt und die drei erscheinen wie eine richtige Familie.

Doch Chizus Mutter hat angekündigt, ihre Tochter nun zu sich und ihrer neuen Familie nehmen zu wollen. Osawa kann sich nichts schmerzlicheres vorstellen, als sein kleines Mädchen wegzugeben. Und dennoch willigt er ein, weil er Chizu bei seiner Exfrau in einem besseren Umfeld vermutet. Der letzte gemeinsame Tag rückt näher und Osawa bringt es nicht fertig, das Mädchen über die Entscheidung ihrer Eltern aufzuklären. Auch Yoshioka weiht er nicht ein und leidet somit still vor sich hin, ohne dass irgendjemand etwas ahnt. Bis es schließlich so weit ist.

Die zwei männlichen Hauptfiguren nähern sich weiter einander an, da Osawa unweigerlich Yoshiokas gute Seiten kennenlernt, wo er zuvor nur den verantwortungslosen Playboy vermutet hatte. Er entdeckt sogar Ähnlichkeiten zu sich. So liegt es in der Natur von beiden, sich fürsorglich um jemanden oder etwas zu kümmern, aber es selbst nicht gewöhnt zu sein Hilfe anzunehmen. Vor allem der Vater hadert mit der Situation, da er seinem Gastgeber nicht auf der Tasche liegen will – erst recht nicht, solange er dessen Gefühle nicht erwidern kann. Als sehr angenehm zu bewerten ist dabei, dass die abwehrenden oder distanzierten Reaktionen auf Yoshiokas unverblümte Anmachen in der gesamten Handlung nichts mit der Ablehnung von Homosexualität zu tun haben, sondern tatsächlich nur mit dessen Ruf als unverbesserlichem Aufreißer oder eben Osawas Schamgefühl.

Trau dich zeigt im Grunde bereits, wie eine Familie mit der Dreierkonstellation Vater-Vater-Kind funktionieren kann. Tochter Chizu gewinnt den gutmütigen Samariter auf Anhieb lieb und fühlt sich wohl bei ihm. Zwar wirkt sie häufig noch ziemlich ahnungslos, dass da etwas zwischen den Männern ist, hat sie aber verstanden und reagiert darauf positiv. Die noch häufig anzutreffende Intoleranz in der Gesellschaft gegenüber Familien mit gleichgeschlechtlichen Partnern wird nur ganz kurz thematisiert und tangiert die drei daher auch (im Rahmen der gezeigten Handlung) nicht weiter. Das ist schade, weil dadurch der Eindruck einer »heilen Welt« entsteht.

Was die beiden leiblichen Eltern von Chizu betrifft, so ist nach dem zweiten Band festzustellen, dass die Charaktere ziemlich schwach ausfallen. Das Hin und Her um das kleine Mädchen kommt eigentlich nur zustande, weil beide Elterneteile wegen Selbstzweifeln in entsprechenden Situationen nicht hartnäckig genug um die Tochter kämpfen. Die Konflikte sorgen bei ihnen eher für Schockstarre statt für Aktion. Überwiegend ergreifen ihre Partner sowie Freunde die Initiative und führen die Argumentation. Deshalb kann Chizu einem eigentlich ab dem Moment, als sie völlig ohne Vorbereitung durch ihren Vater mit der Familie der Mutter konfrontiert wird, nur leidtun. Dass das nicht funktionieren kann, ist abzusehen. Zumindest verdeutlicht diese »Unfähigkeit« am Beispiel der Elternteile, dass es kein Muss ist, alles allein zu schaffen, und es erst recht keine Schande bedeutet, sich helfen zu lassen. Dazu zählt zuallererst aber, sich jemandem anzuvertrauen, was Osawa noch sehr schwer fällt. So gesehen durchlaufen die Figuren also auch eine Entwicklung. Darüber hinaus ist positiv zu bewerten, dass die Mutter, die ihr Kind ziemlich vernachlässigt, nicht automatisch in ein schlechtes Licht gerückt wird. Vielmehr wird ihre fehlende Fürsorge damit begründet, dass sie für sich keine Prioritäten setzen kann und dabei scheitert, alles zu wollen.

Das Setting beschränkt sich hauptsächlich auf Osawas Handlungs- und Erlebnisraum, welcher vorwiegend seinen Arbeitsplatz sowie Yoshiokas Wohnung ausmacht. Chizus und Yoshiokas Perspektiven werden mit wenigen, unterstützenden Szenen bedacht. Allerdings erfährt der Leser zum Beispiel nichts über die Kindergartenfreunde der Kleinen oder den Tagesablauf und Beruf des Gastgebers. Letzteres hat vermutlich damit zu tun, dass in Japan bereits eine Vorgeschichte zu Yoshioka existiert.

Bei Kai Asou sind die Seiten sehr hell gehalten. Schatten und dunkle Rasterfolien für Hintergründe werden gezielt eingesetzt, wenn beispielweise für einen Moment ein ungutes Gefühl bei den Charakteren mitschwingt. Die Emotionen in den Gesichtern sind weiterhin sehr reduziert dargestellt. Im Seitenaufbau legt die Mangaka deshalb Wert auf Details wie Hände und Augen, aber auch passende Blickwinkel, die die Stimmung einer Szene unterstreichen. Osawas Nachdenklichkeit, seine lähmende Angst vor falschen Entscheidungen sowie auch die Story, in der einer nach dem anderen erkrankt und sich immerzu »ausruhen« muss, machen die Serie letztlich jedoch reichlich spannungsarm.

Fans von seichten Männerromanzen kann ich Trau dich absolut empfehlen. Die zarten Gesten, die errötenden Gesichter sowie die niedlichen Neckereien lassen Herzen höher schlagen. Und ab der Mitte des zweiten Bands wird auch endlich das Warten auf etwas heißere Szenen belohnt. Als großes Plus gilt außerdem der pädagogisch wertvolle Ansatz, wenngleich dieser nicht vertieft wurde. Große Spannung bleibt jedoch aus und die Charaktere sind recht unspektakulär, weshalb sich manch anderer bei der Lektüre sicher langweilen wird. Als Bonbon gibt es zwei Farbseiten und zum Schluss noch drei Kurzgeschichten, welche entweder vor der Haupthandlung oder danach mit Flashbacks spielen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Trau dich, Band 2.

SORENARI NI SHINKEN NANDESU vol. 2 © 2010 Kai Asou/HOUBUNSHA CO., LTD., Tokyo
Trau dich Vol. 2 © 2014 VIZ MEDIA SWITZERLAND SA

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Kommentare

1 Kommentar

  1. Ich musste ein bisschen an das Kinderbuch »And Tango Makes Three« denken. Gerade die Erziehung eines Kindes durch zwei Väter hat mir ja an »Trau dich« am meisten gefallen.

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