»K-ON! College« – Manga-Test

Yui, Mio, Ritsu und Mugi sind für einen letzten Auftritt zurück. Mit dem Ende der Hauptserie setzte kakifly 2011 die spaßigen Erlebnisse der Bandmitglieder nach ihrem Schulabschluss fort. Am Ende der Veröffentlichung wurden die Kapitel aus der Manga Time Kirara in K-ON! College zusammengefasst. Welcher Kenner des Moe-Hits konnte sich nur schwer vorstellen, wie es den Mädels von »After School Tea Time«  im Studium ergehen wird? Seit Ende Januar könnt ihr die Truppe in ihrem aufregenden Unialltag begleiten, denn CARLSEN MANGA! hat den Einzelband in den hiesigen Handel gebracht.


Der Start des Semesters zieht viele Umstellungen für die vier frischgebackenen Studenten Yui, Mio, Ritsu und Mugi mit sich. Zum ersten Mal weg vom trauten Zuhause, bricht ein neues Leben für die Mädchen an. Zumindest haben sich die vier Freundinnen in der gleichen Universität eingeschrieben und glücklicherweise landen sie auch im selben Studenten-Wohnheim. Vor allem für das Gewohnheitstier Yui bleibt es eine Herausforderung, wo sie bislang zu Hause von Schwester Ui liebevoll umsorgt wurde. Jetzt da die Schlafnase nicht mehr an den festen Schulzeiten gebunden ist, wird es schon schwierig überhaupt noch aus den Federn zu kommen. Die erste Station der Mädels ist natürlich der Musikklub der Uni, der erstaunlicherweise sich gleich aus mehreren Bands zusammensetzt. Das Vergnügen sich vorzustellen haben die Erstsemestler, indem sie einen Auftritt auf der Willkommensparty geben. Mit ihrem süßen Auftreten, den Schuluniformen und dem Bandnamen fällt die Gruppe auf, was mit einem Mal peinlich für sie ist. Mio kostet es erneut Überwindung und Ritsu nimmt es locker, denn ihr Image als »After School Tea Time« können sie nicht einfach ablegen.

Die Mädels machen die Bekanntschaft mit einer anderen Band namens »Onna Gummi«, welche ebenso neu an die Universität kam. Tatsächlich kennen die Studentinnen sich bereits, da sie im selben Wohnheim untergekommen sind. Das Trio besteht aus der Anführerin Akira, einer bissigen Punkrockerin, der Bassistin Sachi, die sich an ihrer Übergröße stört, und Ayame, der Drummerin mit einer gesellig, lautstarken Art. Yui und Co. wollen ihnen zeigen, dass »After School Tea Time« nicht nur niedlich sein kann, sondern ebenso gute Musik spielt. Dadurch baut sich eine kleine Rivalität zwischen den Klubmitgliedern auf. Zwar hocken die Mädchen, während der freien Zeit häufig zusammen, aber sie besuchen nicht die gleichen Kurse. Neben Unistress, Geldsorgen und Figurproblemen schließen die Studentinnen auch neue Freundschaften mit ihren vermeintlichen Konkurrenten. Natürlich darf das Proben dabei nicht zu kurz kommen, denn der Band steht ein Musikwettbewerb bevor und schließlich feiern die Mädchen nun ihr College-Debüt.

Wie auch schon bei den Bänden zuvor zieht der Vier-Panel-Aufbau die Erzählzeit an und so vergeht ein Jahr im Handumdrehen. Meistens präsentiert eine Sequenz einen Gag, einen Charakterzug oder ein Problem, das sich durch die neuen Umstände ergibt. Auch wenn der Schauplatz sich gewechselt hat, bleiben der Slapstick-Humor und die kindliche Stimmung unverändert, denn die Protagonistinnen sind sich in ihrer albernen Art immer noch treu geblieben. Die typischen Verhaltensweisen wie Yuis Anhänglichkeit oder Mugis seltsame Wünsche nach Selbstverständlichen bringen einen nach wie vor zum Schmunzeln. Das Wiederverwerten von Gags macht das Ganze für den Leser vorhersehbar, schließlich kennt man die Mädels nun in- und auswendig. Neben dem alten Quartett sorgen die Interaktionen mit den Bandmitgliedern von »Onna Gummi« für neuen Schwung. Ein komisches Bild gibt die Freundschaft zwischen Schussel Yui und der Rockerin Akira ab, die auch im Fokus des Mangas steht. Vielleicht hat Yui ein Gespür dafür, dass sich hinter der harten Schale auch ein weicher Kern befindet? Das aufgeweckte Energiebündel Ritsu findet in Ayame ihre Seelenverwandte und selbst Mio schafft es, trotz ihrer Schüchternheit, neuen Kontakt zu knüpfen.

Wer sich in der Fortsetzung erhofft hat, dass die Gruppe ein Stück erwachsener wird, muss sich auf eine Enttäuschung einstellen. Zwar machen sich die Mädels vereinzelt Gedanken über die Zukunft, aber das ist zu wenig, um wirklich Entwicklung festzumachen. Man könnte es eher als ersten Schritt zum Erwachsenwerden bezeichnen. Welcher Fan wünscht sich aber wirklich, dass die Mädchen ihre Marotten ablegen? Wo der Manga parallel mit K-ON! Highschool veröffentlicht wurde und die Beziehung in der Serie so bedeutend war, fehlt mir zum Schluss eine Sache: ein abschließendes Aufeinandertreffen zwischen Yui und Azusa. Immerhin erzählen sich die beiden Figuren in ihren Monologen ihre Erlebnisse, aber trotzdem sind zwischendrin keine Anknüpfpunkte vorhanden, die eine Brücke zwischen den beiden Einzelbänden geschlagen hätten.

Der Verlag veröffentlicht K-ON! College wie die Vorgänger im Großformat. Dazu tragen das ausgefeilte Charakterdesign, die lebhaften Gesichtsausdrücke und die saubere Linienführung zu einem angenehmen Lesevergnügen bei. Abgesehen von dem Spitznamen der Gitarre (»Dickitarre« statt »Gitah«) ist die Übersetzung gelungen, bietet Randerklärungen und verwendet an angebrachten Stellen Jugendsprache. Vom Aufbau her unterscheidet sich das Cover von den anderen. In einer Halbnahe-Einstellung zeigt das Frontmotiv das Quartett in bunten Gruppen-Shirts, welche der Farbe der vorherigen Bände entsprechen. Die Rückseite präsentiert euch schon Mal die drei neuen Rivalinnen. Vor allem das Artwork am Anfang sowie zwischen den Kapiteln, wo sich oft eine Doppelfarbseite findet, ist hübsch gezeichnet und ein toller Bonus.

In K-ON! College gebraucht Mangaka kakifly die altbewährte Formel. Daher bietet euch der Einzelband locker-leichte Unterhaltung, ein witziges, herzliches Miteinander der Mädchen und das Ganze verpackt in entzückenden Zeichnungen, die sich von Genre-Vertretern abheben. Wer sich Entwicklung von dieser Fortsetzung versprochen hat, sollte seine Erwartungen herunter schrauben. In vertrauter K-ON!-Manier werden dem Leser charaktertypische Momente geboten und diese mischen mit neuer Dynamik, die durch das Aufeinandertreffen mit den anderen Musikerinnen entsteht. Der Einzelband bringt euch wieder in Erinnerung, wie gut die Chemie zwischen den Figuren funktioniert und wie stark die Bindung zwischen ihnen innerhalb des Franchise geworden ist. Serien-Liebhaber werden ihren Spaß haben und sollten sich auf keinen Fall diesen letzten Happen entgehen lassen. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich Kyoto Animation dieser Fortsetzung irgendwann ein Mal annimmt und dem Manga Leben einhaucht.

Wir bedanken uns herzlich bei CARLSEN MANGA! für das Rezensionsexemplar zu K-ON! College.

K-ON! college © 2012 kakifly/Houbunsha
© Carlsen Verlag GmbH, 2014 Hamburg