»Unterm Wolkenhimmel« Band 1 – Manga-Test

Bis noch vor wenigen Jahrhunderten prägten Samurais das Alltagsbild Japans. Zur damaligen Zeit herrschten immer wieder ausgreifende Machtkämpfe, wodurch jene Krieger einen angesehenen Stand in der Gesellschaft einnahmen und dementsprechend auch in der Politik sowie Kultur großen Einfluss hatten. Noch heute sind die »japanischen Ritter« in allerlei Medien aufzufinden. Aufgrund ihrer Tugenden wie Ehre und Aufrichtigkeit faszinieren sie uns nach wie vor. Mangaka Karakarakemuri widmete sich diesem Thema. Mit Unterm Wolkenhimmel erscheint eine Samurai-Story, welche sowohl Fantasy, Mystery als auch Action bereithält. Seit 05. Juni 2014 ist das erste Volume aus dem Hause Kazé Manga erhältlich. Kann sich der Titel unter den vielen Erzählungen über die japanischen Krieger behaupten?

Im ersten Kapitel befinden wir uns im Jahr 1878, Meiji-Zeit, in der Stadt Otsu, welche der Präfektur Shiga angehört und ständig unter einem verhangenen Wolkenhimmel liegt. Inzwischen nimmt die Modernisierung vermehrt den Alltag ein, die sich durch den Einfluss der westlichen Welt, wie zum Beispiel Architektur oder den Kleidern, bemerkbar macht. Auch das Recht, Schwerter mit sich zu führen, ist abgeschafft. Dadurch sind die Samurais aus dem Stadtbild verschwunden.

Jedoch hält dieses Gesetz überzeugte Krieger nicht davon ab, den alten Stand weiterhin aufleben zu lassen und gegenüber der neuen Regierung Japans Unzufriedenheit zu äußern. Die Folge davon: Viele von ihnen machen sich strafbar, und die Überfüllung der Gefängnisse steht auf der Tagesordnung. Daraufhin entschließt der Staat, eine mächtige Haftanstalt auf dem nahegelegenen Biwa-See zu errichten, wo keiner der Insassen fliehen kann.

Jene müssen aber auch zu diesem Knast über das Wasser gebracht werden. Dieser Tätigkeit gehen die drei Brüder der Kumo-Familie nach. Vor allem die beiden jüngeren Sprösslinge Soramaru und Chutaro verdienen sich damit ihren Unterhalt. Der Älteste Tenka konzentriert sich dagegen meistens auf die Verbrecherjagd und stellt seine erstklassigen Kampfkünste unter Beweis. Nachdem die zwei Jungs einen weiteren Häftling beim Gefängnis übergeben und nach Hause zurückkehren, erwartet sie dort Besuch von einem Polizisten-Duo, welches den Schrein der Kumos aufsucht, um Unterstützung beim Aufspüren von geflohenen Kriminellen zu bekommen.

Soramaru sieht die Chance, sich gegenüber Tenka zu behaupten, damit er seinen kleinen Bruder nicht mehr als hilfloses Kind behandelt. Auch Chutaro ergreift die Gelegenheit mitzumischen. Doch der älteste der Brüder und der Verwalter Shirasu Kinjo, welcher sich seit dem Tod der Eltern um die hinterbliebene Kumo-Familie kümmert, äußern ihre Bedenken. So begibt sich Tenka alleine mit den Polizisten auf den Weg. Das lassen seine jüngeren Brüder nicht auf sich sitzen und folgen den Erwachsenen. Im Gepäck befindet sich das heilige Schwert der Kumo-Familie, welches Tenka Soramaru übergab. Im Wald treffen sie gemeinsam auf einen der gesuchten Männer, welcher ein Ronin sein soll und sich auf den ersten Blick ziemlich ungeschickt anstellt. Können die zwei  den Widersacher bezwingen?

Der Startschuss zu Unterm Wolkenhimmel ist gefallen und kommt mit einer gelungenen Mischung aus Action, Humor sowie etwas Fantasy daher. Insgesamt beinhaltet das Anfangsvolume drei Kapitel. So handelt das erste, welches wie der Titel benannt wurde, über die drei Kumo-Brüder, wogegen die zwei folgenden Abschnitte mit Das Lachen eines flüchtigen Traums eine in sich abgeschlossene Kurzgeschichte darstellen, die sich ebenfalls im selben Raum abspielt, jedoch 600 Jahre vor der Existenz des Trios angesiedelt ist und so manche Verbindung zu ihnen erahnt werden kann. Um Interessierten nicht zu viel vorab zu verraten, vermeide ich es, zweitere Story anzureißen. Aber eines sei gesagt, Magie und übersinnliche Kreaturen spielen eine große Rolle. Karakarakemuri erwähnt im selben Band, dass sie diese Geschichte vor Unterm Wolkenhimmel zeichnete und das Hauptaugenmerk auf die Brüder gelegt werden sollte, welche im zweiten Volume wieder auftreten. Das wiederum ist einer der Kritikpunkte, denn der Leser lernt die Protagonisten gerade erst kennen. Somit wird man aus der sich gerade aufbauenden Story herausgerissen. Zudem fielen mir größtenteils die modernen Umgangsformen zwischen den Charakteren negativ ins Auge, da die Handlung gegen Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist und jene wohl kaum eine derartige Sprache gepflegt haben, was eventuell auch an der deutschen Übersetzung liegen kann.

Unsere Protagonisten sind allesamt männlich und unterschiedlichen Alters sowie mit verschiedenen Charakteren ausgestattet. Der Älteste, Tenka, hält viel von sich sowie seinem Können. Trotzdem kümmert er sich gerne um seine jüngeren Brüder. Soramaru, der Mittlere, fühlt sich von Tenka nicht ernst genommen und erwartet Anerkennung von ihm. Der Kleinste im Bunde, Chutaro, bringt sowohl mit seinen Comedyeinlagen als auch seiner etwas naiven, kindlichen Art so manchen Lacher in die Handlung. Dadurch können sich eventuell auch Leser mit Geschwistern unterschiedlichen Alters in die Lage der einzelnen Kumo-Brüder hineinversetzen. Insgesamt lässt sich die Atmosphäre des Titels in zwei Richtungen aufteilen. Einerseits kehrt allmählich in der Gesellschaft der westliche Lebensstil ein, was gleichzeitig Aufschwung sowie Wohlstand für die Bürger bedeutet. Andererseits zeigt sich eine Revolutionsstimmung, welche unter anderem durch das Verbot, Waffen mit sich zu tragen, herrührt und einige ehemalige Samurais zu Gesetzesbrechern verwandelt. Die Regierung kommt inzwischen nicht mehr mit der Masse an Kriminellen klar, sodass jene ein riesiges Gefängnis errichten lässt, um Herr über die Lage zu werden. Wie sich die Gesamtsituation im Land noch verschärft, wird mit Sicherheit in den nächsten Volumes deutlicher.

Visuell spricht es für Karakarakemuris grafisches Können. So schafft sie es vor allem, den drei Brüdern jeweils eine persönliche Note einzuhauchen, die besonders durch den Kleidungsstil jedes Einzelnen herausgearbeitet wird, wie zum Beispiel beim selbstverliebten Tenka, dem sein Aussehen wichtig ist. Das macht sich an seinen Klamotten oder an der Frisur bemerkbar, welche edel sowie gepflegt erscheinen. Bei Soramaru erkennt der Betrachter einen leicht wilden, rebellischen Look, was durch seine kürzeren Haare und insgesamt einem typisch coolen Helden-Aussehen nahekommt. Chutaro hingegen trägt eine größere Mütze auf dem Kopf. Eine Strähne seines Haars hängt mitten ins Gesicht und verleiht ihm einen kindlicheren Ausdruck. Was manchen auffallen könnte, sind die Augen der Hauptcharaktere, welche relativ einfach gehalten sind. Diese erhalten mit Hilfe von Verläufen sowie Glanzpunkten Lebendigkeit. Die Umgebungen und Objekte befinden sich wie das Charakterdesignauf einem ziemlich hohen Niveau. Auch die Kampfszenen bekommen durch dynamische Perspektiven und den typischen Laut-Worten Atmosphäre.

Mit sechs Volumes ist Unterm Wolkenhimmel eine überschaubare Kurzserie, die insbesonders jene interessieren dürfte, denen Mystery, Fantasy und Historie kombiniert zusagt. Zudem beinhaltet der Titel ein paar Kampf- sowie Actionszenen, welche bislang noch nicht allzu brutal oder blutig ausfallen. Abgesehen von der modernen Sprache und dem kleinen Umfang der Hauptstory im ersten Band, darf man trotzdem gespannt sein, was die Fortsetzung, welche im August 2014 erscheint, für Überraschungen mit sich bringt.

Wir bedanken uns bei Kazé Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Unterm Wolkenhimmel, Band 1.

Details

Titel: Unterm Wolkenhimmel, Band 1
Originaltitel: 曇天に笑う 1 (Donten Ni Warau, Vol 1)
Mangaka: Karakarakemuri
Erscheinungsjahr: 2011 (JP), 2014 (DE)
Verlag: MAG Garden Corporation (JP) Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Comedy, Fantasy, Historie, Mystery
Altersempfehlung: 15-16
Preis: 6,95 €
Bestellen: ISBN 2889212246

Donten Ni Warau © 2011 Karakarakemuri / MAG Garden Corporation
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