»Blue Exorcist« Band 10 – Manga-Test

Mit Freude erwarten Blue Exorcist-Fans Kazue Katos Besuch auf der Manga-Comic-Convention in Leipzig. Während ihre Erfolgsserie von Kazé in Anime-Form komplett erschienen ist und mit dem Film demnächst noch ein besonderes Schmankerl bevorsteht, rückt die deutsche Manga-Veröffentlichung dem japanischen Stand abermals näher. Die in der Jump SQ laufende Reihe umfasst derzeit zwölf Teile. Treue Anhänger des Dämonenkollegs können sich frisch seit Anfang Februar in den zehnten Band hineinlesen. Für Rin und seine Kameraden geht es auch endlich wieder zurück an die Heiligkreuz-Akademie. Eine Bedrohung haben die jungen Exorzisten gebannt, doch die teuflische Brut hat noch lange kein Ende genommen.



Nach dem schwer erkämpften Sieg über den Unreinen König häufen sich die übernatürlichen Vorkommnisse und halten die Heiligkreuz-Ritterschaft überall auf der Welt auf Trapp. Immer mehr Dämonen finden ihren Weg von Gehenna in die Menschenwelt und suchen Unschuldige heim. Während der Orden versucht der Lage Herr zu werden, untersuchen die hochrangigen Exorzisten den Ursprung des Übels. Eine große Bedrohung in Form des Dämonenessers kündigt sich an, doch wie diese Gestalt ins Diesseits eingedrungen ist, bleibt ungewiss. Ein ungutes Gefühl kommt auf, als sich nicht wenige Parallelen zum Vorfall in der Myoda-Shu aufdecken. So kommt der Verdacht auf, dass eine mysteriöse Gruppe sich mit dem entflohenen Verräter Todo zusammengeschlossen hat. Der Orden fällt die Entscheidung, all ihre Kräfte daran zu setzen, sich diesen finsteren Absichten entgegen zu stellen. Ein Gutes haben die Gegebenheiten aber: Rins beschlossene Hinrichtung wurde noch mal aufgeschoben!

Der teuflische Knabe ist zusammen mit seinen Mitschülern von der langen Kyoto-Reise zurückgekehrt. Im Kolleg hat sich der Alltag mehr oder weniger wieder eingestellt. Nur der Exorzisten-Unterricht fällt seither aus, da Yukio und die anderen Lehrer mit genug anderen Sorgen beschäftigt sind. Auch die Akademie bleibt von den seltsamen Vorfällen nicht unverschont. Rin fühlt sich verpflichtet den Schülern, die in die Sache hineingezogen und von den Dämonen gequält werden, zu helfen. Da kommt dem Jungen der Auftrag von Direktor Mephisto ganz gelegen. Die Adepten sollen den sieben Mysterien der Heiligkreuz-Akademie auf den Grund gehen, welche nämlich alle durch dämonisches Einwirken hervorgerufen werden. Fürs Erste stellen sich ihre Aufgaben als sehr einfach heraus, doch stehen diese Ereignisse vielleicht mit der weitaus größeren Verschwörung im Zusammenhang?

Die zwei Erzählstränge stehen von der Atmosphäre recht im Kontrast zueinander. An allen Fronten wird gegen die aufkommende Bedrohung aus der Unterwelt gekämpft, indessen herrscht auf der Heiligkreuz-Akademie eine ganz andere Stimmung vor. Es macht den Eindruck, als ob die Ritterschaft den Schülern verschweigen will, was in Wahrheit da draußen vor sich geht. Damit die Adepten nichts davon mitbekommen, werden ihnen diese Rätsel aufgedrückt. Es wäre für mich überraschend, wenn sich die gestellten Aufgaben tatsächlich als wichtig erweisen. Zumindest hat man wieder einen Einblick in das Schulleben der angehenden Exorzisten gesehen, wo die Geschichte in den letzten Kapiteln davon abgekommen ist. Die Gruppe muss abermals ihr Teamwork bei der Austreibung komischer Gespenster beweisen, was wieder humorvoll ausfällt. Zudem bekommt der Leser im Zusammenhang damit, viele Ecken der Akademie zum ersten Mal zu Gesicht. Die detailreich ausgearbeiteten Hintergründe sind wiedermal ein Hingucker.

Der gerissene und undurchsichtige Schulleiter, welcher jeden bislang gern zum Narren hält, zeigt in dem Treffen mit Rin schließlich sein wahres Gesicht. Wie angedeutet gehört Mephisto zu den Dämonenkönigen, doch er steht seit Jahrhunderten auf der Seite der Menschen. Mephisto möchte dem Erben Satans eine Lektion in Sachen Manieren erteilen, da Rin sich mit seinen Kräften selten am Riemen hält. Wie das Cover schon verspricht, gibt es wieder ein ersehntes Aufeinandertreffen mit Amaimon. Wer auch noch eine andere Seite an den Tag legt, ist Rins Zwillingsbruder. Seit ihrem letzten Streit scheint sich eine Kluft zwischen den beiden Geschwistern aufzubauen. Zwar hat Yukio momentan genug um die Ohren, es sieht aber ganz so aus, als würde er seinem Bruder bewusst aus dem Weg geht. Rin bemerkt von diesen Gefühlen herzlich wenig. Da kann man noch mit einem spannenden Konflikt rechnen.

Nach den Kapiteln 38 bis 41 gibt es anschließend eine kurze Nebengeschichte, in dem Shima versucht Izumo auf ein Date auszuführen. Zum Anlass der zehnten Veröffentlichung gibt es wieder haufenweise Bonusseiten, in denen dieses Mal die vielen Assistenten zum Zug kommen. In verschiedenen Zeichenstilen und lustigen Hommagen wünschen sie ihre Glückwünsche und präsentieren die bekannten Charaktere in einem etwas anderen Gewand.

Der zehnte Band von Blue Exorcist bietet den Auftakt zu einem großen Konflikt mit bisher unbekannten, bösen Mächten, die ihren Schatten über die Welt werfen. Das Einfallen der Dämonen wird von der Ritterschaft bislang nur hinausgezögert. Von der ernsten Lage in Unwissenheit gelassen lösen die zukünftigen Dämonenaustreiber gemeinsam Mysterien an der Akademie. Damit besinnt sich die Autorin zurück zu den ersten Kapiteln, wo es sich noch mehr um die Schule, die Kameradschaft und den Unterricht drehte. Das Zusammenspiel der charmanten Charaktere ist und bleibt eine Stärke der Serie. Ob Rin und seine Freunde durch die Rätsel auf eine Spur kommen, die sie zu der Verschwörung führt, wird sich dann beim nächsten Mal zeigen.

Wir bedanken uns herzlich bei Kazé für das Rezensionsexemplar zu [amazon text=Blue Exorcist, Band 10&chan=animey&asin=2889210340].

AO NO EXORCIST © 2009 by Kazue Kato / SHUEISHA Inc.
BLUE EXORCIST © 2014 Kazé Manga