Die Stadt, in der es mich nicht gibt, Band 1 – Manga-Test

Mitte Mai publizierte TOKYOPOP Band 1 von bisher drei zu Kei Sanbes Seinen-Manga Die Stadt, in der es mich nicht gibt.

Mit tragischen Elementen und viel Mystery muss sich der 28-jährige Satoru Fujinuma seiner Vergangenheit stellen, um vermutlich irgendwann nach vorne, in die Zukunft, zu blicken. Seit 2012 erscheint das Werk unter dem Titel Boku da gai inai machi in Kadokawa Shoten Young Ace-Magazin. TOKYOPOP schenkt euch in dem Startband vier Farbseiten. Des Weiteren fällt das Cover dank des Glanzbildes nicht ganz so schlicht aus, als man eventuell vermutet hat. Was euch sonst noch erwartet, lest ihr im Folgenden.

Satoru Fujinuma arbeitet als Mangaka, allerdings scheint sich kein Verlag oder Redakteur für seine Werke zu interessieren, weil sie keine persönliche Note enthalten – Satoru gibt darin zu wenig von sich preis. Auch sonst gestaltet sich das Leben des jungen Mannes recht einseitig, zumal er sich von anderen Leuten ausgrenzt. Auf seine Mitmenschen, darunter die Oberschülerin Airi Katagiri, wirkt Satoru oft unerreichbar, da er kaum Emotionen zeigt.

Doch der junge Mann besitzt eine besondere Gabe, die er »Rerun« nennt, welche allerdings nicht kontrollierbar ist: Satoru kann wenige Minuten in die Vergangenheit zurückreisen, durchlebt gewisse Momente auch mehrfach wieder, um ein bevorstehendes Unglück aufzuhalten. So auch an jenem Tag, an dem Satoru für seinen Arbeitergeber Pizza ausliefert. Er rettet dank der Reise in die Vergangenheit einem kleinen Jungen das Leben, gerät dadurch allerdings selber in Gefahr. Die Frage ist, warum besitzt der 28-Jährige diese Gabe und welche Auswirkungen hat diese auf seine Existenz? So ein ständiges Leben in der Vergangenheit kann sicherlich nicht gesund sein …

Kei Sanbes Die Stadt, in der es mich nicht gibt handelt von dem tragischen Leben des nun 28-jährigen Satoru Fujinumas, welches natürlich Spuren hinterlassen hat, die den Alltag des jungen Mannes in der Gegenwart erschweren. Der Protagonist lebt meist in seiner Gedankenwelt – demzufolge baute Sanbe-sensei auch viele Dialoge ein, die sich in Satorus Kopf abspielen – und holt sich Erlebnisse aus der Vergangenheit wieder hoch. Satoru grübelt über sein Leben nach sowie über die kritischen Aussagen seiner Mitmenschen im Bezug auf seine Manga-Werke – er hält daran fest, dass dies sein Wunschberuf ist. Der 28-Jährige legt häufig ein gleichgültiges Verhalten im Bezug auf seine Existenz an den Tag – beispielsweise freute sich Satoru nach dem LKW-Unfall mehr darüber, dass er seinem Arbeitgeber das Motorrad nicht ersetzen muss, anstatt sich Gedanken über seine Gesundheit zu machen. Satoru besitzt die übernatürliche Begabung »Rerun«, mit der er Zeitsprünge in die Vergangenheit durchführen kann. Diese geschehen solange, bis Satoru herausfindet, wo ein Unglück passiert und dieses dann verhindert.

Die Anzahl der Charaktere ist in Band 1 nur auf drei wichtige Figuren beschränkt, was der Handlung aber keineswegs schadet, da diese sowieso einen großen Fokus auf Satorus Vergangenheit legt. Neben dem 28-Jährigen wären da die Oberschülerin Airi und seine Mutter. Nach und nach rollt sich das Leben von Satoru allmählich auf und dieser muss sich mit seiner tragischen Kindheit auseinandersetzen. Das Geschehen geht dabei recht zügig voran, ohne an Spannung abzubauen. In der fünften Klasse wäre Satoru beinahe Opfer eines Mörders geworden und der Täter soll damals sein älterer Freund gewesen sein. Gegen Ende des Bandes kommt es allerdings zu einer großen Wendung in diesem Fall. Mittels eines Reruns landet Satoru schließlich nach mehrmaligen Versuchen plötzlich ferner als üblich in der Vergangenheit, wodurch das Volume einen spannenden Abschluss erhält.

Kei Sanbes Charakterdesign ist attraktiv, lässt jedoch die Figuren jung erscheinen. Satoru Mutter sieht nicht wie eine 54-Jährige aus und auch Satoru macht kaum den Eindruck als wäre er 28. Die Hintergründe und Kulissen fallen leer oder weniger detailliert aus. Allerdings weiß der Leser stets, wo sich die Charaktere gerade aufhalten. Mit Rasterfolie wurde ebenso sparsam umgegangen. Nichtsdestotrotz ist es Sanbe-sensei gelungen, das Geschehen und die Emotion mit seinen Zeichnungen gut zu vermitteln.

Kei Sanbes Seinen-Manga Die Stadt, in der es mich nicht gibt kombiniert Übernatürliches mit der tragischen Lebensgeschichte der Protagonisten Satoru und spannende Mystery-Elemente verbunden mit vielen reifen Dialogen, die zum Nachdenken anregen. In Band 1 kommt ebenso ein winziger Funke an Romantik hoch – wenn auch mit großem Altersunterschied zwischen dem 28-Jährigen und der Oberschülerin Airi. Der Fokus liegt jedoch auf Satorus Vergangenheit – nämlich die Verurteilung seines damaligen Freundes als Mörder von mehreren Kindern, zu denen der 28-Jährige auch gehören sollte.

Diese Erinnerungen beeinträchtigen Satorus Leben und Psyche stets in der Gegenwart. Seine besondere Gabe – »Rerun«, wie er sie nennt – sorgt dafür, dass der junge Mann nicht nach vorne schauen kann. Sie lässt ihm keine andere Wahl, als sich seiner Vergangenheit zu stellen, was Satoru letztendlich auch tun muss, da sich der Fall um die getöteten Kinder neu aufrollt. Ob es Satoru gelingen wird, die Wahrheit herauszufinden sowie sein Leben auf die richtige Bahn zu bringen, erfährt man in den Folgebänden. Die Stadt, in der es mich nicht gibt sei einem erwachsenen Publikum zu empfehlen, das spannende Mystery-Geschichten mit tragischen und psychologischen Aspekten liebt!

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Die Stadt, in der es mich nicht gibt.

BOKU DA GAI INAI MACHI © Kei SANBE 2013 / KADOKAWA CORPORATION
Die Stadt, in der es mich nicht gibt © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

6 KOMMENTARE

  1. Hallo! Könntet ihr künftig in Rezensionen bitte nicht ganz so viel spoilern? Gerade bei Mystery wichtige Plotpoints vorwegnehmen muss doch nicht sein. Danke!

    • @Nico danke :), geändert

      @Zeparu ich habe das ganze so oberflächlich wie nötig beschrieben, was in diesem Fall schon schwierig genug ist, und völlig spoilerfrei bekommt man Artikel nicht (zumal wir bei TOKYOPOP auch die Folgebände rezensieren und man hierfür eine gewissen Überleitung im vorherigen Volume benötigt). Wenn man rein gar nichts zum Werk wissen möchte, dann braucht man sich keine Rezensionen durchlesen ;), weil imgrunde ALLE Spoiler enthalten

      • Hi! Ich denke, eine gute Rezension sollte neugierig auf ein Werk machen, nicht die Neugier bereits befriedigen, was meiner Meinung nach hier in dem Fall schon passiert ist. Das ist die feine Linie, die in Rezensionen, so wie hier, häufig überschritten wird. Der ganze Absatz über die Mutter und den finalen Twist der ersten Bandes fällt für mich zum Beispiel darunter. Zwei, drei Sätze zum Set-Up und Grundkonzept der Story hätten als Inhaltsangabe eigentlich genügen sollen. Wichtige Wendepunkte und Überraschungen sollte man aber besser aussparen und dafür lieber mehr über Stimmung, Erzähl- und Zeichenstil schreiben. Bei Rezensionen für Folgebände kann man wichtige Informationen auch dann noch nachholen und muss nicht schon im Vorhinein den kompletten ersten Band nacherzählen.

        Es geht also nicht darum “rein gar nichts zum Werk” zu erzählen, sondern nur das zu erzählen, was nötig ist, um die Neugier der LeserInnen zu wecken. Beispielsweise hätte es genügt, zu erwähnen, dass es eine spannende Wendung am Ende von Band 1 gibt, und nicht auch noch zu verraten, was diese spannende Wendung genau eigentlich ausmacht. Dann ist sie nämlich für Leute, die den Band noch nicht kennen, nicht mehr spannend. Meinst du nicht? Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn du darauf in Zukunft etwas mehr achten könntest. Danke!

        • stimm ich dir völlig zu, dass sie neugierig machen soll, war auch nicht anders beabsichtigt ;). Ich habe drei Sätze nun etwas umformuliert, und werde darauf achten, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Ich achte sonst generell darauf nicht zu viel vorauszunehmen. Ist halt in diesem Fall etwas dumm gelaufen, weil ich es beim Verfassen des Textes nicht als “zu viel verraten” empfunden habe. Ist mir denke ich bisher auch noch bei keiner anderen Rezi passiert und bei Mystery-Titeln ist es manchmal etwas schwierig, dort die passende Linie zu finden, weil nun mal jeder ein anderes Empfinden hat. Trotzdem danke für die ehrliche Kritik.

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