Kommentar: E-Manga – Das Format der Zukunft?

Sind E-Publikationen wirklich eine Alternative zu gedruckten Manga?

Seit dem vor über 100 Jahren der erste Manga erschien, hat sich so einiges verändert. Unter anderem ermöglicht es der technische Fortschritt, Manga nun auch als E-Manga zu genießen.

E-Reaer und Manga
© Sumikai

In Japan werden heute viele Manga oder Manga-Magazine sowohl gedruckt, als online angeboten, denn mittlerweile nutzen viele Japaner elektronisch Geräte, um einen Manga zu lesen. Oftmals erscheinen Online-Publikationen dabei am selben Tag, wie das gedruckte Gegenstück. Manga werden zwar noch in der traditionellen Buchform gelesen, in den letzten Jahren gibt es aber immer mehr Japaner, die ausschließlich digitale Manga lesen. Dazu erfreuen sich digitale Konzepte wie Web-Manga zunehmend größerer Beliebtheit. In Deutschland werden E-Manga, zumindest von einem Teil der Leser, gelesen. Eine solche Entwicklung ist bei der stetig voranschreitenden Digitalisierung nicht verwunderlich.

Digitale Publikationen haben zwar bei der Ersterstellung nicht unbedingt geringere Kosten, sind aber für Verlage dennoch interessant, weil sie im Normalfall keine Folgekosten haben, wie z. B. Versand oder Lagerung. Sie sind außerdem langlebiger als gedruckte Manga, da sie nicht vergilben, keine Risse oder sonstige Gebrauchsspuren bekommen. Zusätzlich können potenzielle Leser viel schneller erreicht werden. Für Leser bedeutet das gleichzeitig, dass sie schneller Zugriff auf einen Manga haben. Im Übrigen haben Verlage eine größere Gewinnspanne bei E-Publikationen, da Zwischenhändler umgangen und die Kunden direkt beliefert werden sowie keine Kosten beim Druck entstehen.

Warum haben sich E-Manga noch nicht durchgesetzt?

Obwohl digitale Geräte aus dem Alltag kaum noch wegzudenken sind und E-Publikationen diverse Vorteile bieten, konnten sich diese bisher noch nicht so richtig durchsetzen. Genaue Verkaufszahlen von E-Manga gibt es zwar nicht, orientiert an den Verkaufszahlen von E-Books im Allgemeinen, lässt sich sagen, dass bei Weitem mehr gedruckte Bücher verkauft werden. Zusätzlich ist der Verkauf von E-Books seit geraumer Zeit eher rückläufig.

Zum einen könnte das daran liegen, dass wir seit frühester Kindheit mit „Papier“ aufwachsen und so viel mehr an gedruckte Bücher, Zeitschriften etc. gewöhnt sind, als an elektronische Lesegeräte. Dies könnte der Grund dafür sein, dass die meisten bei Manga weiterhin die traditionelle Buchform bevorzugen. Zudem reicht die Qualität der Darstellung von E-Manga nur selten an das gedruckte Gegenstück heran. Grund dafür ist, dass E-Reader-Geräte und -Programme grundsätzlich für reine Texte optimiert sind und bloß in gewissen Grenzen Bilder, Zeichnungen etc. wiedergeben können. Ebenso erweisen sich die Manga-typischen Schwarzabstufungen für die meisten Geräte als problematisch und können daher kaum oder mit verminderter Qualität angezeigt werden. Diese noch unzureichende Qualität von E-Manga, insbesondere im Bereich der Bildwiedergabe, könnte daher potenzielle Leser abschrecken.

Des Weiteren ergeben sich für die Verlage bei der Vermarktung von E-Manga Konflikte mit Händlern von Manga-Büchern. Einige Händler und Vertriebe befürchten durch E-Manga-Veröffentlichungen weit geringere Verkaufszahlen von Manga-Büchern. Im Interesse der Partnerschaft zu diesen, entscheiden sich Verlage daher oft dazu, den E-Manga-Verkauf zu beschränken. Außerdem unterliegen E-Books seit geraumer Zeit der Buchpreisbindung. Preislich liegen sie dabei meist zwischen 3,99 Euro und 6,49 Euro. Zudem werden sie mit 19 % und gedruckte Manga nur mit 7% versteuert.

Ein weiterer Grund liegt in der Konkurrenz, mit denen E-Publikationen sich messen müssen. Vor allem handelt es sich dabei um die etablierten und weiterhin vom Großteil bevorzugten Manga-Bücher. Weitere Konkurrenz ist in anderen digitalen Inhalten zu sehen, wie beispielsweise Musik oder Games, die mit der Zeit und dem Geld des Lesers konkurrieren. Insbesondere dann, wenn diese für dasselbe Gerät erhältlich sind. Manga-Bücher heben sich seit geraumer Zeit zusätzlich ab, mit besonderen Einbänden, speziellen Cover-Gestaltungen oder anderen Extras (z. B. Postkarten oder Sticker), mit denen die E-Manga-Gegenstücke kaum mithalten können. 

Wie sieht die Zukunft aus und womit müssen Manga-Fans rechnen?

Es lassen sich bereits heute Tendenzen erkennen, in welche Richtung sich das Interesse an E-Manga entwickeln wird. Beispielsweise an dem Umgang von jüngeren Generationen mit technischen Geräten. Diese kommen mit den Gerätschaften um einiges früher in Kontakt, als dies noch in nicht allzu ferner Vergangenheit der Fall war. Selbst bei der Schulbildung lässt sich eine künftige Entwicklung bereits vorhersehen, die zu mehr Technik in Klassenzimmern, wie z. B. Schüler-Laptops, tendiert. Durch diese frühe Gewöhnung an Smartphones, Tablets und andere Geräte, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass später eher Online-Publikationen bevorzugt werden.

Zudem entwickelt sich die Technik ständig weiter. Die technischen Probleme, mit denen E-Manga und E-Reader heute zu kämpfen haben, gehören wahrscheinlich schon bald der Vergangenheit an: Immer wieder werden neue Geräte auf den Markt kommen und technische Entwicklungen gemacht, die ihre Vorgänger in den Schatten stellen. Ebenso wird der Markt für Online-Publikationen mit der Zeit wachsen. Mit Hinblick auf eine solche Entwicklung werden E-Publikationen zunehmend an Attraktivität gewinnen und populärer. Es ist daher anzunehmen, dass E-Manga mit der Zeit weit größere Bedeutung für die Leser erlangen werden.

Für den Manga-Leser bedeutet dies zunächst einmal nur, dass sich die Auswahl an E-Manga zunehmend vergrößern wird. Die traditionellen Manga-Bücher werden sich aber weiterhin einer großen Beliebtheit erfreuen und auch noch für längere Zeit fester Bestandteil der Manga-Kultur sein. Nichtsdestotrotz wird vermutlich irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem E-Manga beliebter als gedruckte Manga werden und diese mit der Zeit immer mehr Manga-Bücher aus dem Handel verdrängen. Für Verlage könnte sich daraus zudem die Chance ergeben, Kleinstauflagen von eher unbekannteren Manga zu veröffentlichen. Das wirkt sich dann positiv für den Leser und die Manga-Szene aus.

Chris
Ein Games-Fan seit dem SNES und Classic Gameboy, die ich bis heute wie einen Schatz gehütet habe. Seit der Zeit als noch auf MTV, VIVA und RTL II Anime liefen, bin ich auch ein leidenschaftlicher Animefan. Erst später kamen dann Manga hinzu, die mittlerweile für ständigen Platzmangel in meinem Regal sorgen.

5 Kommentare

  1. Das größte Manko für mich ist momentan einfach, dass ich Mangas welche mir doch nicht zusagen oder wenn ich sie einmal durchgelesen habe, wieder verkaufen kann und mir dadurch die nächsten finanziere. Ebooks kann man ja gar nicht verkaufen.
    Vom Format her sind sie aber richtig praktisch, weil man z.B. einfach auch in der Mittagspause auf der Arbeit lesen könnte ^.^

  2. Grundsätzlich würde ich mir gerne E-Manga kaufen. Auch weil der Platz bei mir einfach langsam ausgeht. Allerdings mag ich bei Manga auch gerne filigran gezeichnete Doppelseiten, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die auf einem E-Book-Reader genauso gut aussehen, wie die Pendants auf Papier. Ich denke da wird eher der Lesefluss unterbrochen.
    Wenn ich die mal ausprobieren könnte und keinen Unterschied merken würde und bezüglich E-Mangas die Buchpreisbindung aufgehoben würde, wären sie für mich eine echte Alternative. Und das nicht nur weil ich dann den Überblick behalte, welche Bände ich noch nicht habe ;).

  3. Das Problem bei Ebooks ist vor allem die relativ geringe Ersparnis zum echten Buch.
    Bei E-Manga ist es ja schon eher eine Überlegung wert, werde aber dennoch bei der Papierform bleiben.
    Kann es mir auch bei einigen Titel schwer vorstellen, wie das als E-Manga funktionieren soll, vor allem, da es ja einige gibt, die Doppelseiten haben, welche dann nicht mehr so schön wirken.

  4. Ich würde mir sehr gerne E-Manga von eurem Verlag kaufen schon alleine um die Serien „Black Bird“, „Mirai Nikki“, oder die „Sargprinzessin“ endlich komplett zu machen, aber leider habt ihr ja auf Kobo umgestellt. Ich müsste mir entweder einen Kobo-E-Reader kaufen oder die total bescheuerte App von denen auf meinen Rechner oder Tablett laden. Ich lege mir doch nicht 100 App auf mein Tab, die mir erstens Werbung zeigen und mir dann vorschreiben wollen, wo und wann ich ein Ebook kaufen soll! Die Kollegen von Tokyo Pop kriegen es doch hin, warum ihr nicht? Sogar Panini kriegt es mit Beserk hin! Bitte macht mal hinne, das ich meine E-Manga wieder bei euch kaufen kann

  5. Die Verlage torpedieren doch mit voller Absicht gegen E-Books.
    E-Books generell sind sehr praktisch, aber einfach zu teuer im Vergleich zum normalen Buch. Die Einsparungen beim Druck werden kaum an die Kunden weitergegeben, gleichzeitig hat dieser aber den Nachteil, die E-Books nicht weiter verkaufen zu können. Und Sammler, die nicht verkaufen, haben sowieso kein Interesse an E-Mangas, sondern wollen das Buch im Regal haben.

Kommentiere den Artikel (Deine Daten werden nicht veröffentlicht und jeder Kommentar wird vorher moderiert)

Dein Kommentar
Dein Name