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Home Popkultur Kommentar: Warum haben Anime und Manga in Deutschland einen schweren Stand?

Kommentar: Warum haben Anime und Manga in Deutschland einen schweren Stand?

Manch einer stellt sich die Frage, warum Anime und Manga in Deutschland immer noch einen schweren Stand haben, obwohl sie schon seit mehr als 20 Jahre Teil unserer Medienlandschaft sind. Weshalb hören die Vorurteile nicht auf und was muss passieren, um den deutschen Markt zu stärken?

Die Begründung ist, denke ich, sehr einfach. Wirft man einen Blick auf Länder wie Japan, Frankreich oder die USA, dann stellt man fest: Hier wurden Comics kulturell in den Alltag integriert. Aus diesen bildeten sich zahlreiche erfolgreiche Franchises. In den USA wächst die Nation beispielsweise mit Marvel und DC Comics auf, die ebenso weltweit großen Erfolg haben. Selbiges trifft auch auf französische Titel zu – beispielsweise Tim und Struppi oder Asterix und Obelix. Kinder wachsen in diesen Ländern mit Comics auf und Medien befassen sich ausführlich mit dieser Thematik. Selbst in der Wissenschaft!

Deutschland besitzt dagegen keine große Comickultur, wenngleich diese trotzdem nicht stillsteht. Beispiele wie Werner oder Mosaik haben bewiesen, dass deutsche Comics durchaus erfolgreich sein können. Dennoch wird diese Kultur eher stiefmütterlich behandelt. Das Medieninteresse ist klein und die Leserschaft, im Vergleich zu anderer Literatur, eben auch gering. Um Manga erfolgreicher zu machen, müsste demnach der gesamte Comicsektor in Deutschland ausgebaut werden – nicht unmöglich, aber keine leichte Aufgabe.

Anime sind stark mit Manga verwurzelt. Vereinzelt wird der eine oder andere Titel zum Hit und erzielt mediales Interesse – z. B. nackte Haut, Action und Fantasy sprechen nun mal auch internationale Zuschauer an. Die meisten erreichen üblicherweise jedoch nicht die Masse. Dies scheint auch plausibel: Nicht mit jedem Thema kann sich das deutsche Publikum identifizieren – Slice of Life und History wären beispielsweise derartige Genres. Das Zuschauerverhalten lässt sich schlicht weg nicht von heute auf morgen ändern. Ich würde auch kein chinesisches Drama anschauen, nur weil es neu im deutschen TV läuft. Dazu muss schlichtweg vorher das Interesse geweckt werden.

One Piece Gold 9
One Piece – Einer der erfolgreichsten Anime und Manga in der deutschen Medienlandschaft schlechthin … © Eiichiro Oda / Shueisha, Fuji TV, Toei Animation

Doch wie erreicht man das?

Selbstverständlich mit einer guten Werbestrategie. Doch genau an dieser Stelle beginnt das Problem. Genau genommen werden Anime oder Manga nur von Fachmedien bedient, deren Leser überwiegend aus der Szene stammen. Sind wir mal ehrlich: Es existiert lediglich eine einzige große Fachzeitschrift in Druckform und zahlreiche Onlineportale, die großteils Fans pflegen. Doch gerade hier wird die Informationspolitik kontraproduktiv, wenn dem Besucher überwiegend Berichte angeboten werden, die Schubladendenken stärken oder sich auf Mainstream-Titel fokussieren, um Klicks zu generieren oder weil man sie als Fan einfach objektiv betrachtet favorisiert. Was mir persönlich gerade bei Fachmedien mit einer professionellen Präsenz fehlt, ist das umfangreiche Besprechen der Anime- und Manga-Kultur. Dies fehlt großteils einfach. Auf diese Weise erzieht man das Publikum förmlich in die Richtung, gehypte Titel vorzuziehen.

Da stellt sich mir die Frage nach dem Warum: Ist es lediglich der Fakt, sich mit anderen über seine Lieblingsserie auszutauschen? Fassen Blogger/Autoren Artikel, die tiefer in die Materie gehen, nicht an, weil sie zeitlich zu umfangreich sind? Besitzen sie vielleicht schlichtweg nicht das Know-how, um sich an so etwas heranzuwagen? Eventuell steht dahinter auch nur der Gedanke: Mainstream und Clickbait laufen besser, wozu dieser Aufwand? Traurigerweise ist gerade letzteres Muster bei »den großen« und kommerziellen Fachmedien, deren Artikel sich rasch verbreiten, immer mehr zu sehen. Wie soll auf so einem System der Berichterstattung ein weitsichtiges und interessiertes Publikum – schon allein innerhalb der Szene – entstehen?

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass TV-Sender, allgemeine Entertainment-Zeitschriften oder sonstige große Medien auf erfolgsversprechende Themen wie One Piece, Pokémon oder andere große Namen zurückgreifen, um sie eben der breiten Masse zu präsentieren, wodurch Verallgemeinerungen und Vorurteile in den Köpfen der Leute verankert bleiben.

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11 Kommentare

  1. Guten Abend erstmal. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, den Artikel und auch die Kommentare dazu mir durchzulesen. Ich kann denn Vorschreibern eigentlich in den meisten Belangen nur zustimmen, wobei das persönliche Angagmount immer noch an erster Stelle steht, bei dem Versuch, persönlich etwas in diesem Segement zu erreichen. Ich denke, das muss auch jeder selber Wissen, wie weit er sich angagieren will oder nicht. Seien wir froh, das sich Manga und Anime in den letzten 40 Jahren hier in Deutschland so entwickelt haben, wie es die heutige junge Generation war nimmt, zumal der technische Fortschritt ein übriges getan hat.
    Da demnächst eine Reihe von bedeutenden Animes verfilmt werden, wie Macross, Gunnm und auch Akira, nur um einen kleinen Teil zu nennen, denke ich, das in einigen Jahren ein gewisser Gleichstand herrschen wird, was DC und Marvel Realverfilmungen vs Anime und Manga Adaptionen betrifft. Ghost in the shell kommt ja nächste Woche in die Deutschen Kinos und ist ja sehr an die Manga und Anime Vorlage angelehnt, das wollte Masamune Shirow kami auch so haben.
    Er sagte mir mal vor knapp 20 Jahren in einem Kurzinterview, er wolle Freude für die Fans machen. Deswegen ist er kein Künstler sondern ein Buissenessman.
    Wir werden sehen wie die Entwicklung in diesem Segment vorwärts geht, ich selber beobachte es nur noch am Rande, habe aber ansonsten nur noch sehr selten mit diesen Dingen etwas zu tun.

    Einen schönen Abend wünsche ich noch.
    Joachim Probst

  2. Das eigentliche Hauptproblem ist aber nicht nur das, was ich weiter oben beschrieben habe. Viel mehr sind die Anime-Fans selbst schuld, dass es Animes hier noch immer so schwer haben. Diese selbsternannten Fans wollen doch gar nicht, dass Animes bei uns „mainstream“ werden, denn sie sehen Animes als ihre ganz eigene Vorliebe, die sie zu was Besonderem zu machen scheint. Daher auch die vielen „Außenseiter“ in der Fanbase. Daher boykottieren und reden sie alles klein, was Anime hierzulande populär machen will. Klingt widersprüchig, ist aber so.

    Aber nochmal wegen dem Artikel, auch wenn er schon einige Tage alt ist und keiner mehr hier was schreibt: Man wird es nicht schaffen, den normalen Deutschen für Manga und Anime zu begeistern, weil es einfach total an den Inhalten seines eigenen Lebens vorbei geht. Die meisten deutschen Otakus würden, wenn man sie fragt, auch lieber nach Japan auswandern, einfach weil sie sich selber mit Deutschland gar nicht mehr identifizieren können.

  3. Ich denke, das Problem ist eher tief kulturell verwurzelt. In unseren westlichen Kulturen sind doch generell Comics jeglicher Art als „Kinderkram“ stigmatisiert. Natürlich haben diverse Marvel Movies, etc. in den letzten Jahren geholfen, dieses Stigma etwas aufzubrechen, aber nur mit mäßigem Erfolg. Wer Comics liest gilt entweder als kindisch oder nerdig.

    Dazu kommt noch das sprachliche Stigma. Ich durfte zum Beispiel als Kind kaum Comics lesen, weil diese angeblich schlechte Sprache beinhalten und ich mir dadurch meinen Ausdruck kaputt gemacht hätte. Ist kompletter Unsinn, denn es gibt ja, auch im westlichen Kulturkreis, viele Comics und Comicserien, die sich eher an ein erwachsenes Publikum richten (und absolut nichts mit Sex zu tun haben). Man denke nur einmal an „The Walking Dead“. Aber während viele Menschen die TV-Serie schauen, wird das lesen der Comics eher belächelt.

    Und diesem Grundproblem fallen auch leider Mangas und Animes zum Opfer. Japan hat eine wunderschöne, und ausgereifte Comic-Kultur mit Angeboten für jedes Alter und Interesse. Aber nur ein Bruchteil davon schwappt nach Deutschland, weil die Nachfrage nicht da ist, bzw. weil in Deutschland die Mehrheit der Erwachsenen nicht auf die Idee kommt, sich einmal im Comic Regal umzusehen.

    Wie man das ändern könnte? Ich denke ehrlich gesagt, dass sich das von alleine ändern wird. Ich gehöre noch zur 1. Generation der Manga/Anime Fans. Damals, in den 1990er Jahren, als noch kaum jemand wusste, was Manga und Anime eigentlich ist, habe ich angefangen. Mittlerweile sind Manga und Anime aber bei Kindern und Jugendlichen als normales Genre angekommen. Diese Generation wird in 20 Jahren auch in den 30ern oder 40ern sein, und dann vielleicht immer noch Comics lesen–denn für sie war es ja schon normaler.

    Ich glaube aber kaum, dass man diesen gesellschaftlichen Wandel durch Zeitungsartikel o.ä. beschleunigen kann, denn nach meiner Erfahrung lesen das dann trotzdem nur interessierte. Der Rest blättert weiter.

  4. solche Leute wie Ninotaku,Se7endubs,Le Floid und co. könnten an der Deutschen Szene etwas ändern , wenn sie sich dementsprechend Porträtieren und Anbieten, dazu zählt nicht nur was sie sagen sondern auch wie sie etwas sagen. welche Bilder sie verwenden, wie sie Recherchieren,welches Vokabular sie verwenden usw.

    • Ist in der Tat richtig, was du sagst. Die könnten schon was ändern, nur leider haben diese genannten Youtuber auch nicht gerade viel Ahnung von Animes. Ich mein, wenn ich ein Video von LeFloid sehe (von dem ich im übrigen rein gar nichts halte) und er da sagt „Animes sind toll, aber da ist ja diese Sache mit den Kinderpornos“, braucht man gar nicht weiter anschauen. Und er ist ja weiß Gott nicht der einzige Vollidiot auf Youtube. Auch so Leutchen wie Ninotaku, Kurono u.a. sorgen eben dafür, dass die Community nicht wächst, sondern eher gespalten wird. Die spielen sich auch immer als die größten Anime-Fans auf, aber wissen auch nicht wirklich was. Mit Halbwissen kriegt man keine Community zusammen und deswegen halte ich auch nichts von diesen Leuten. Rund 90% aller deutschen Anime-Fans haben keine Ahnung von Animes und sie reden trotzdem darüber, als würden sie alles darüber wissen. Spielen sich als die größten Fans auf, aber reden am Ende nur von diesem ganzen Shounen-Scheiß wie Naruto, One Piece & Dragon Ball, aber wenn ich mal ankomme und frage „Hey, habt ihr Gabriel Dropout schon gesehen?“, dann stehe sie alle da und wissen gar nicht, wovon ich rede. Aber den ganzen RTL2-Dreck kennen sie alle. Es muss mal ein Youtuber mit Überblick ankommen und sagen, wie´s wirklich aussieht. Aber ich denke, der wird keinen Erfolg haben, da die deutsche Community einfach keine Kritik verträgt und andere Leute, die ihre Lieblingsanimes kritisieren, gleich als Hater abstempeln. Tja, so dumm und borniert ist unsere Community und deswegen wächst sie auch nicht. Es wird immer verschiedene Lager geben. Und ich reihe mich in keinem Lager ein.

  5. Nun ja, die Sender vermarkten genau das, was eben ankommt. Man sollte nicht die Sender verantwortlich machen, sondern eben das sture deutsche Publikum. Sogar US-Serien floppen in Deutschland, solange sie nicht schon seit Jahren bewährt sind.

    Das Problem ist einfach: Das deutsche Publikum ist schwierig und lässt sich auch nicht von Innovation überzeugen. Aber das ist nicht nur bei Animes so, das ist bei ausländischen Sachen allgemein der Fall. Warum hören Deutsche nur deutsche Musik wie Schlager? Warum guckt man sich mehr Doku-Soaps auf RTL an? Alles, was nicht aus Deutschland kommt, egal ob Musik, Filme oder sonstige Medien, wird immer sehr kritisch beäugt. Andere Länder sind viel offener mit neuem Zeug, doch hier ist man nicht offen für Neues, was ich sehr schade finde. Wenn ich es sogar mal so sagen darf, sind die deutschen Leute eher ein altmodisches Volk. Zwar ein modernes Land, was Technik und Medien betrifft, aber von der Mentalität immer noch wie vor über 30 oder 40 Jahren. Trifft zum Glück nicht auf alle Leute zu, es gibt auch viele, die viel freier und moderner sind, aber allgemein gesehen ist Deutschland noch zu national. Wie heißt es doch so schön? Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

    Mir braucht jetzt keiner hier mit Rassismus oder sonst was ankommen, das hat nichts damit zu tun. Ich bin kein Deutscher und hab auch nichts gegen deutsche Leute. Ich schreibe nur das, was ich schon über die Jahre hinweg beobachtet habe und komme eben zu diesem Schluss. Animes werden hier nach wie vor als „Kinderkacke“ angesehen, weil eben gezeichnet. Und selbst wenn man vielleicht mal den einen oder anderen Anime gesehen hat, dann heißt es bloß, dass das alles pervers und brutal sei.
    Ich meine, man kann sicher Ausschnitte von Elfen Lied in 30 Sekunden packen, wonach niemand mehr den Kopf schüttelt, wie ein „Zeichentrickfilm“ FSK18 bekommt. Aber in 30 Sekunden zu „erklären“, das da eine dermaßen üble Hintergrund-Story ist (und die von Elfen Lied geht ja noch nicht mal sonderlich tief), ist verdammt schwierig (für mich eher unmöglich, aber ich bin ja auch kein künstlerischer Mensch).

    Wir müssen uns damit abfinden, dass Animes eine Randerscheinung ist und vermutlich noch lange eine bleiben wird. In Deutschland gilt: Nur National ist optimal. Und das ist es, was mich ärgert, da viele einfach nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Es kann auch sein, dass ich das alles deswegen so sehe, weil ich eine Person bin, die alles andere als Mainstream ist und eher gegen den Strom schwimmt. Aber das kann ich leider nicht vermeiden.

  6. Es ist Schade das Kinder in Deutschland nicht mit einer Comickultur aufwachsen!!

    Auch das die Medien sich nicht mehr dafür angagieren ist Schade!

    Ich bin ein Otaku vorallem was Anime angeht aber ich mecker nicht wenn einer meiner Lieblingsanime gehypt wird. Ich schaue jetzt seit ca. 20 Jahren Anime und lese hin und wieder einen Manga. Bin mit Heidi, Biene Maya, Monster Rancher, Yu- gi – oh, Jeanne die Kamikazediebin, Digimon, Pokemon, Sailor Moon aufgewachsen hab mich in der Schule über die Serien unterhalten aber s8bald man erwachsen wird und erzählt das man Anime schaut oder Manga liest wird man schief angeguckt ist es den dann ein Wunder das dieses Hobby in Deutschland etwas untergeht!

    Aber dennoch ist es der „Szene“ zu verdanken das es Anime und Manga hierzu Lande geschafft haben.

    Ich würde sehr gern mehr für mein Hobby tun aber ich leider nicht wie!!

    • @Sven Foerster:
      Ist eigentlich gar nicht schwierig. Da es online ja schon eine Menge Moeglichkeiten gibt, hier vielleicht ein paar offline-Tipps:
      Du kennst sicher Gleichgesinnte in deiner Umgebung, wenn nicht – dafuer gibt’s soziale Netze; sucht euch, findet euch, trefft euch, macht’s regelmaessig und wenn’s nur einmal im Monat ist.
      Schaut euch zusammen was an, macht kleine Projekte, plant eine Fahrt zu Conventions, fragt in Buchhandlungen, ob ihr dort Kontaktdaten hinterlegen oder ein kleines Plakat hinhaengen koennt.
      Gibt’s vllt. einen Comicladen in deiner Naehe, um so besser.

      Wichtig bei der ganzen Sache: selbst aktiv sein – es traegt einem keiner was mit der Schippe heim.

      Zusammen kann man dann immer was erreichen. Eine Menge sogar.

      Wir haben seinerzeit auch so angefangen und daraus hatte sich dann ein Verein mit >400 Mitgliedern und 10 Jahren Convention entwickelt. Geht alles. Heute in Zeiten etablierter Netzwerke wie Animexx und Co. noch wesentlich einfacher als damals.

      mfg,
      Suhjamel

  7. Oha oha… ein Thema, das Buecher fuellen koennte.

    Einige Sachen wurden ja im Kommentar schon genannt. Es ist halt eine Schere, die da klafft zwischen „der Kinderkram“ und „das Schweinezeugs“, die einem mit schoener Regelmaessigkeit an die Birne geworfen wird.
    Nur zu verstaendlich und auch hier gut geschildert, wenn man sich die Publikationen hierzulande anschaut.

    Ich hatte seinerzeit in den Nuller-Jahren (widerliche Floskel, aber jeder weiss, was gemeint ist), das Glueck, ein paar Jahre in der Manga-Jury der Leipziger Buchmesse zu sitzen und mich unter anderem zu diesem Thema mit einigen Verlegern, Distributoren und Programmredakteuren hierzulande auszutauschen.

    Der Grundtenor entspricht natuerlich den hier aufgefuehrten Punkten. Das, was ins eigene Portfolio integriert werden soll, muss moeglichst ansprechend, respektive massentauglich sein.
    Die Sender und Verlage sind auch keine Idioten, die nicht auch Publikationen veroeffentlichen koennten, die abseits des Mainstreams interessant waeren; nur sind sie angehalten, zunaechst der obersten Direktive zu folgen, die da lautet „Geld verdienen“.

    Kinderunterhaltung zieht gut. Erotik ebenfalls. Alles andere stellt ein Wagnis dar.

    Auch das die sogenannten Fachmedien (sind wir mal ehrlich… Fachmedien wuerden EXAKT auch das beleuchten, was im Mainstream untergeht – und das ist nicht oft der Fall) wie hier geschildert natuerlich auf Hypetrains aufsteigen oder selbige erst winkend vom Bahnhof verabschieden – auch in Kollaboration mit Studios/Verlagen/Distributoren, von deren Werbeeinnahmen sie leben – ist nachvollziehbar, wenngleich bedauerlich.

    Indes ist auch zu beobachten, dass seit Anfang der 1990er-Jahre sich doch Wesentliches getan hat.
    Niemand haette damals gedacht, dass hierzulande Filme wie „End of Evangelion“ oder „Memories“ von Otomo sogar gedubbed erscheinen.

    Ich vermisse allerdings auch die damalige… nennen wir’s „Aufbruchsstimmung“ und das Engagement, wirklich etwas fuer sein Hobby zu tun.

    Imho hat sich die Szene ueber die Jahre hinweg gewandelt und wurde von jenen, die versuchten, ueber Vereine oder Projekte mit ueberschaubarem Erfolg das Bewusstsein und Interesse zu wecken, abgeloest von Konsumenten, die groesstenteils zufrieden sind, mit dem was es gibt und nachgeschoben wird.
    Ist ja klar… Bedarf wird generiert und bedient. Der Strom der nachfliessenden Unterhaltung versiegt nicht, also muss man nicht nach Alternativen kucken, man wird ja gefuettert.

    Sicher, die Stimmen derer, die Vielfalt und Originalitaet propagieren, fordern, finden und damit scheitern, sind immer noch vorhanden – aber deren Anzahl ist ueberschaubar.

    Conventions und Neuerscheinungen haben nicht mehr den Nimbus des Besonderen inne. Sie sind etabliert und damit ist auch das Interesse Aussenstehender merklich abgekuehlt.
    Die „Szene“ (auch ein ekelhaftes Wort) selbst dreht sich nur all zu oft im froehlichen Circlejerk umm sich selbst, trifft sich zu gewohnten Zeiten an gewohnten Orten und bedauert, konsumiert und kauft gleichermassen.

    Ja – in Deutschland gab es keine vergleichbare kulturelle Entwicklung dieser Kunstform und das damit verbundene Bewusstsein ist doch sehr kanalisiert (sowohl auf Seiten der „Initiierten“, als auch auf Seiten der „Comicmuggels“).

    Ein weiterer, zu beachtender Gesichtspunkt ist: Viele WOLLEN sich abgrenzen, Zugehoerigkeit zu einem Kreis definieren, der sie von ihrem direkten sozialen Umfeld unterscheidet.
    Eine „Gothic-Loli“ will etwas praesentieren, dass Unbedarfte zumindest innehalten laesst.
    Der „Hardcore-Otaku“ mault, wenn seine Lieblingsserie ploetzlich von vielen gemocht wird.
    Diese Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

    Menschen und Gewohnheiten – wieder einmal.

    Sicher: die obigen Punkte erklaeren das alles bei weitem nicht zur Gaenze.
    Es ist, wie Eingangs erwaehnt, ein Thema das wieder und wieder und aufgrund seiner Umfaenglichkeit nie abschliessend behandelt werden kann.

    Ich bin mir auch bewusst, bezueglich einiger Ansichten mit einer gewissen Polemik geschrieben zu haben – ich weiss, dass es unendlich viele Graustufen dazwischen gibt und Individuen aus den unterschiedlichsten Gruenden und in faccettenreichsten Varianten an das Thema herangehen.

    Hier wird jedoch die Masse betrachtet und diese agiert mit zunehmender Groesse weitestgehend simpel, da sie einen Kompromiss aus Einzelmeinungen und Ansichten darstellt… und der ist leider flach.

    Schlusswort: Wenigstens greift hier nicht „Frueher war alles besser.“ – denn da war nix und „Was? Heidi ist gar keine deutsche Serie?“.
    Habt Mut und Hoffnung – aber arbeitet auch dran, wenn es euch wichtig ist.

    mfg,
    Suhjamel

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