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Kommentar: Watchbox wechselt zu TVNow – Der Anfang vom Ende?

Die Ankündigung, dass Watchbox in das TVNow-Programm als Channel integriert wird (wir berichteten), ist für die Marktgruppe von RTL ein logischer Schritt. Das hierbei allerdings nicht auf die Kunden von Watchbox geachtet wird, kann das Ende vom deutschen Streaminganbieter bedeuten. Ein aktueller Überblick:

RTL – der stille Riese

Beobachtet man den deutschen TV- und Streamingmarkt genau, war diese Meldung nicht überraschend. Watchbox, gegründet im Juli 2017 von RTL Interactive, war der erfolgreiche Nachfolger des gescheiterten YouTube-Konkurrenten Clipfish (2006 – 2017). Mit der Entfernung des sogenannten User-generated Content für das Bereitstellen von professionell erstellten TV-Serien und Filmen sah RTL eine Bestätigung, dass so ein Anbieter benötigt wird.

RTL? Richtig gelesen – Watchbox gehört mit dessen Eigentümer RTL Interactive zur sogenannten Mediengruppe RTL (RTL steht für Radio Television Luxembourg). Hierzu gehören Sender wie die diversen Regionalausgaben (Hessen, Nord, West), aber auch

  • VOX,
  • N-TV,
  • Nitro,
  • RTL II und
  • Super RTL

gehören in das Portfolio dieser Gruppe. Die komplette Mediengruppe Deutschland kann für 2018 einen Marktanteil von ca. 28,4 Prozent bei den 14- bis 59-jährigen Zuschauer vorweisen. Diese Zahl hört sich zwar gut an, allerdings steckt das TV-Format durch die Konkurrenz in Form von Netflix und Amazon unter Zugzwang. Mit der wachsenden Verfügbarkeit des Internets und den günstigen Möglichkeiten der amerikanischen Konkurrenz hat RTL große Sorge die Zuschauer an sich zu binden, da vor allem das jüngere Publikum eher ihr eigenes Programm bestimmen möchte und nichts vorgegeben haben will. RTL sieht sich hier allerdings im Auftrag das lokale Programm zu gestalten und will nicht in Konkurrenz zu Netflix & Co. stehen.

Die Einbindung war ein logischer Schritt

Was bleibt also? Neben dem Fokus auf deutsche Inhalte möchte man auch ein breites Spektrum an Zuschauern an sich binden – zwar scheiterte 2012 der Plan ein TV-Portal mit Pro7 zu gründen, jedoch wurde Clipfish zu Watchbox umstrukturiert und TVNow weiter ausgebaut.

Nun haben wir mit Watchbox nicht nur einen Fokus auf Nischentitel (& Anime), der eigentlich eigenständige Ableger generiert vor allem durch die Anime eines: ein junges Zielpublikum. Mit Erfolg: allein für Dezember 2018 konnte man 600.000 Unique User (unterschiedliche Besucher einer Website innerhalb eines bestimmten Zeitraumes) gewinnen.

Was bedeutet das für den Animefan?

Und was heißt das nun konkret für den Animefan? Machen wir mal eine aktuelle Bestandsaufnahme bei Watchbox:

  • über 70 Anime
  • DVD-Qualität (540p)
  • Hauptsächlich deutsche Sprachausgabe, einzelne Anime nur mit dt. Untertitel
  • pro Folge einen Werbebanner von 15 Sekunden
  • Smart-TV, Spielkonsolen, Smartphones und Tablets werden mit der App kostenlos unterstützt. Egal ob IOS, Android, Amazon Fire TV, Xbox One oder Apple TV

All diese Punkte gibt es bereits ohne Zusatzkosten. Zwar sagt Watchbox selbst, mit dem Wechsel wird es keine großen Änderungen geben, befasst man sich aber mit dem Angebot von TVNow genauer, kommt das hier zustande:Was fällt nun für den Zuschauer, der das Angebot kostenlos nutzen will, weg?

  • HD-Qualität – ob hier die bekannten 540p gemeint sind, oder es auf 720p basiert, ist nicht bekannt
  • keinerlei App-Unterstützung (nur Desktop möglich)
  • Zugriff auf den kompletten Animekatalog

Man erkennt schon an der Free/Premium-Übersicht, mit welchen Vorteilen RTL hier erwirken möchte, auf das 5€ Modell umzusteigen. Besonderen Fokus möchte ich auf den Punkt

  • Nur 1 Werbe-Spot

legen. Denn: Während Watchbox nach einem Werbe-Spot die komplette Episode zeigt, ist eine Episode in der kostenlosen Version von TVNow in zwei Parts/Teile unterteilt.

Die aktuelle Ansicht bei Watchbox.

So sieht man GATE auf TVNow

Richtig gelesen. TVNow splittet die Folgen für alle kostenlosen Nutzer und zeigt dafür bei jedem Partbeginn einen Werbe-Spot. Wurden bei Watchbox also nur 12 Spots mit 33 Sekunden Länge gezeigt, sind das in der aktuellen Fassung 24 Werbe-Spots – bei einer Animeserie mit zum Beispiel 12 Episoden. Natürlich verdoppelt sich dann auch die Dauer, für die man Werbung schaut. Hier wird also das kostenlose Schauen erschwert, damit man schneller einen Premium-Zugang kauft – um trotzdem noch Werbung schauen zu dürfen. Ob dann allerdings diese Splittung noch stattfindet, kann ich leider nicht sagen.

[Update 28.01.2018]

Watchbox hat mich informiert, dass auch in der aktuellen Version (von Watchbox) mehr als nur ein Werbespot vorkommen kann. In der Regel sollen vor dem Start einer Episode zwei Werbespots erscheinen, als auch während der Episode. Das ist je nach Werbeauslastung unterschiedlich – der Dezember war laut Aussagen von Watchbox höher belastet als aktuell der Januar. Demzufolge wird als Premium-Nutzer die Werbung reduziert.

Ansonsten bietet das TVNow-Portal keinerlei Vorzüge, die man als Animefan nutzen würde.

Weder die Punkte für Pre-TV Ausstrahlung (RTL hat keine Anime im TV), noch die TVNow Originals würden mich als Fan der japanischen Animationsindustrie interessieren. Auch das kostenlose Schauen über die App fällt weg, denn das wird nur für Premium-Kunden zugänglich.

Und für Animefans kommt es sogar noch schlimmer: Auf Watchbox sind aktuell alle Anime für jeden verfügbar, ohne Hindernisse – mit der Umstellung auf TVNow werden unter anderem auch einzelne Anime den kostenlosen Zuschauern enthalten. Das betrifft aktuell Danganronpa 3: The End of Hope’s Peak Academy.

Was wird die Zukunft bringen?

Mit der Einbindung von Watchbox zu TVNow mag RTL darin einen Zielgruppenzuwachs für die (wichtigen) Werbeeinnahmen sehen. Allerdings ist diese Umstellung in gewisser Weise ein Schlag ins Gesicht der kostenlosen Zuschauer, wird man hier nach der Umstellung meiner Meinung nach stark benachteiligt. Gerade für Animefans ist das Vorenthalten von Serien (gut, wir wissen noch nicht, wieviel es in Zukunft sein werden) ein Punkt, andere Anbieter zu nutzen.

Und ja, es gibt natürlich auch Anime-Anbieter wie Wakanim, die ihre Apps nur den Premium-Kunden vorenthalten – hier weiß ich allerdings, dass das Geld für mein Hobby, dem Anime schauen investiert wird. Bei TVNow hingegen ist das Geld unter anderem für TV-Serien vorgeplant, die mich als Animefan nicht interessieren.

TVNow wurde offiziell am 12.12.18 gestartet und bietet seitdem auch das Premium-Paket an – anhand den Daten von SimiliarWeb lässt sich erschließen, dass diese Umstellung auch bei den regulären Zuschauern nicht gut angekommen ist. Im Dezember wurde ein Minus von 4,7 Millionen Klicks aufgezeichnet. Ob man das als Zeichen für die Zukunft sehen kann oder wie das nach der vollen Integration von Watchbox aussieht, wird sich zeigen.

Welche Konsequenzen kann man daraus ziehen? Für mich bedeutet das, dass ich nicht jedem Animefan zukünftig das Angebot von Watchbox/TVNow ohne reinem Gewissen empfehlen kann – es würde immer dieser Nachgeschmack bleiben. Der Name Watchbox wird zudem verblassen.

Nun bleibt natürlich meine Frage an euch: Habt ihr regelmäßig Watchbox genutzt? Werdet ihr das Angebot auch auf TVNow nutzen?

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3 Kommentare

  1. Ein weiterer Vorteil bei Watchbox war der fehlende DRM Schutz der es ermöglichte (unkompliziert) eine Private Kopie herunterzuladen, wenn eine Anime gefällt und man kann ja nie sicher sein wie lange ein Titel noch verfügbar ist (ob andere Anbieter die Rechte kaufen, oder es auf Premium Kunden beschränkt wird).
    Jetzt kann man höchstens noch mit obs.exe aufnehmen, was natürlich mühsamer ist.

  2. Servus,

    eine Behauptung in deinem Text stimmt nicht. Watchbox hatte niemals HD-Qualität. Die max. Auflösung war gute DVD-Qualität mit 540p.

    LG

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