»Kreidetage« Band 1 – Manga-Test

Seit 15. Juli 2013 publiziert TOKYOPOP Kozue Chibas kurze Manga-Serie Kreidetage, welche in Japan unter dem Titel Crayon Days – Daikirai na Aitsu vom 19. November bis 20. Februar 2013 in Shogakukans Magazin Sho-Comi erschien. Der Einstiegsband fasst die ersten sechs Kapitel von insgesamt 27 zusammen. Mit vier Ausgaben ist der Shojo-Manga abgeschlossen und der Abschlussband erscheint hierzulande am 14. April. Was diese kleine süße Romanze ausmacht und worum es überhaupt geht, erfahrt ihr in folgendem Review.

Shima ist ein ganz durchschnittliches Mädchen ohne große Vorzüge oder Talente. Das meint sie zumindest von sich selbst und dieser Eindruck wird auch augenscheinlich bestätigt, denn weder ihr Schwarm, dem Shima ihre Liebe gesteht, noch der Großteil ihrer Klassenkameraden kann sich an ihren Namen erinnern.

Als sie ihre Mittelschullaufbahn beendet und sich entschließt endlich was aus sich zu machen, um wer Besonderes und Beachtenswertes zu werden, wechselt Shima auf eine Oberschule, die zugleich eine renommierte Kunstakademie ist. Wo sie doch keine außergewöhnlichen Talente hat, möchte Shima wenigstens ihrer Leidenschaft folgen, und das sei das Malen erklärt das aufgeweckte und zielstrebige Mädchen ihr Handeln.

Auf der Kunstschule angekommen schließt sie – als erste Änderung – direkt Freundschaft mit der modischen Sarasa Ando und der androgynen Sena Kisaragi, die sich jeweils auf andere Schwerpunkte der Kunst spezialisieren.

Mit den beiden unternimmt Shima Ichinose die eine oder andere Aktivität und stößt dabei auf den mürrischen Einzelgänger Akatsuki Saji, der bereits jetzt schon als Genie gilt und dementsprechend exzentrisch auffällt. Als Shima naiv einen Schritt auf ihn zugeht, sein Gemälde kritisiert und vermeintlich verbessert, scheint Akatsuki sich für sie zu interessieren.

Akatsuki sorgt dafür, dass Shima seine Partnerin beim Tag der offenen Tür – ein Schulfest – wird und lädt sie sogar zum gemeinsamen Utensilienshoppen ein. Er lobt die Fähigkeit des scheinbar durchschnittlichen Mädchens überall positiv aufzufallen und lässt Avancen durchscheinen, dabei hat Akatsuki bereits eine feste Freundin …

Der Plot liest sich sehr stereotyp, was er im vorliegenden ersten Band auch durchweg ist. Genauso wie die Charaktere, die gängige Rollenbilder ausfüllen und vorerst nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben, präsentiert Kozue Chiba den Einstieg zu ihrer süßen Mädchenserie Kreidetage wohl gewollt auf bereits bekannten Konstellationen. Auf der allerersten Seite des Mangas erklärt sie nämlich, dass es erst in Band zwei wirklich losgeht und so dienen die Kapitel eins bis fünf als Einführung sowie Vorstellung, die den Höhepunkt im sechsten gemächlich aufbauen und einen Cliffhanger zur zweiten Ausgabe schaffen.

Inhaltlich bietet Kreidetage nicht viel Neues oder Gewinnbringendes; ein vermeintlich talent- wie sorgenloses Mädchen wechselt auf eine elitäre Kunstakademie und erkennt erst dort ihr Talent für Malerei, Gestaltung sowie Farbenlehre. Einzig und allein die Erkenntnis, dass man in der Jugend seinen Leidenschaften folgen und sich nicht in seinen Weg hineinreden lassen solle, lässt sich aus den Gesprächen herauslesen.

Allgemein arbeitet Kozue Chiba in Kreidetage mit seichten Dialogen, weshalb textlich auch nicht allzu tiefe, wie lange, Wortwechsel auftauchen. Getreu dem Kredo der Serie arbeitet die Mangaka viel mit Bildern und so erscheinen die Augen sowie die Figuren selbst voller leben und optischer Ausgereiftheit.

Man liest den Manga stellenweise wie ein Bilderbuch, da – wenn auch selten – bis zu vier Seiten ohne Sprechblasen und lediglich mit Geräuschwörtern auskommen. Dementsprechend sind die Illustrationen in Kreidetage aussagekräftiger und bedeutender als der geschriebene Text, was dem Manga eine frische Facette verleiht und ihn interessant macht.

Optisch braucht sich Kreidetage nicht vor anderen Shojo-Titeln verstecken und erscheint überdurchschnittlich ausgereift. Strukturierte Seiten, klar erkennbare Ab- und Verläufe sowie schön gestaltete Charaktere sorgen für eine sehr ansprechende und verständliche Bildsprache. Der geschriebene Dialog dagegen erscheint zumindest in dem ersten Band seicht, wenig innovativ und fesselnd. Ebenso wie die Figuren selbst, die quasi reduziert auf ihre im Bild dargestellten Handlungen und Mimiken mehr Zeit brauchen, um sich zu etablieren. Ein Spannungsbogen zum Ende des Bandes baut sich jedoch auf, eine Tendenz zu mehr Liebreiz und Charakter sind durchaus erkennbar.

Mit lediglich vier Ausgaben kann sich der an romantischen Themen und süßen Zeichnungen interessierte Leser mit Kozue Chibas Kreidetage eine sich langsam aufbauende sowie ansprechend gestaltete Serie aneignen, die ihren Charme erst später zu entfalten weiß. Shima Ichinose als Protagonistin kommt wie eine leere Leinwand daher, die langsam ab stetig bemalt wird, sodass jeder Leser sich früher oder später mit ihr identifizieren kann. Kreidetage ist als hübsche Manga-Serie für zwischendurch besonders für diejenigen zu empfehlen, die nicht unbedingt eine Tiefe auf der Textebene benötigen und sich dafür mehr vom Bild einnehmen lassen wollen.

Wir bedanken uns bei Toykopop für die Bereitstellung eines Leseexemplars zu Kreidetage Band 1.

Details

Titel: Kreidetage, Band 1
Originaltitel: Crayon Days – Daikirai na Aitsu (くれよん・でいず~大キライなアイツ~)
Mangaka: Kozue Chiba
Erscheinungsjahr: 2012 (JP) 2013 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Tokyopop (DE)
Genre: Romance
Altersempfehlung: 13+
Preis: 6,50 €
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842006993&chan=animey&asin=3842006993]

Crayon Days – Daikirai na Aitsu © 2012 Kozue Chiba, Shogakukan
Kreidetage © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013