»Verlangen nach Liebe« – Manga-Test

Wer den Namen Kozue Chiba hört, denkt an viele Einzelbände, romantische Geschichten, Träume von Mädchen oder in einem Wort Shojo! Innerhalb von drei Jahren sind insgesamt acht Werke von ihr erschienen, darunter drei Serien. Am 11.August 2014 kam ihr neuester Einzelband bei uns auf den Markt: Verlangen nach Liebe. Eingefleischte Fans werden sich fragen, ob sich nicht langsam die Geschichten wiederholen und ob es sich überhaupt noch lohnt den die Ausgabe zu kaufen. Diese Fragen und noch mehr beantwortet AnimeY in diesem Manga-Test.

Yutaka ist ein Schürzenjäger und das weiß nun wirklich jeder, auch Maryama. Gerüchte besagen, dass er mit jedem Mädchen nur einen Monat zusammenbleibt, mit ihnen rummacht und anschließend die Beziehung wieder beendet. Die scheinbar schüchterne Maryama mit der Brille beobachtet wie die aktuelle Freundin mit Yutaka Schluss macht und ihm dabei noch eine runter haut. Ein wenig besorgt geht das Mädchen hin und wird gleich von dem Jungen gefragt, ob sie etwas von ihm wolle. Burschikos lehnt die Brillenträgerin ab, was Yutaka aber umso mehr anstachelt und sie schließlich für sich gewinnt. Allerdings sind keine wirklichen Gefühle im Spiel, was Maryama zu denken gibt, nichtsdestotrotz fährt sie mit dem Mädchenschwarm in den Sommerferien ans Meer. Dort stellt die Schülerin schnell fest, dass Yutaka vielleicht doch nicht nur ein Frauenheld ist, sondern mehr … Wie es um seine Gefühle steht und ob die beiden wirklich zusammenbleiben, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht.

Der Band hat neben der Hauptstory noch vier weitere Kurzgeschichten, die versuchen, sich von anderen abzuheben, was der zweiten leider gänzlich misslingt. So handelt sie von einer Sandkastenliebe, die man schon oft gelesen hat, hier mit dem Unterschied, dass eine Meerjungfrau im Vordergrund steht, angeblich Liebende zusammen bringen soll. Doch leider springen hier die Klischees und Logikfehler dem Leser fast in die Augen. Zum Beispiel tauchen unsere Protagonisten im Meer auf der Suche nach besagten Fabelwesen mit einem Schnorchel, und egal wie tief sie tauchen, Luft bekommen sie alle Mal. Nagi, deren Namen wir auch erst gegen Ende erfahren, findet sie natürlich und ertrinkt vor Schreck fast. Nach der Rettung durch ihren Schwarm Futa regt das Mädchen sich prompt über den Kuss auf, der ihr das Leben gerettet hat. Im Laufe der Erzählung kommt Nagi fast ein zweites Mal im Meer um, wäre Futa nicht zur Stelle gewesen. Eine Kurzgeschichte, die vorhersehbarer nicht sein könnte und mir bitter aufgestoßen ist. Gott sei Dank sind die restlichen Geschichten deutlich besser strukturiert und durchdacht.

In Rot wie die Liebe wird uns die Schülerin Beniko vorgestellt, die nicht an die Liebe eines Lehrers zu einer Schülerin glaubt. Doch muss sie feststellen, dass sich dies nicht beeinflussen lässt und kommt dem gut aussehenden Japanischlehrer doch näher als gewollt. Auch wenn diese Geschichte sich verdächtig nach einer klischeebehafteten kurzen Story anhört, so ist sie es nicht. Irgendwo hat man die Erzählung in der Form sicher schon einmal gelesen, aber in Rot wie Liebe wirkt das Ende im Gegensatz zu vielen anderen Versionen solcher Konstellationen realistisch.

Spannend versprechen die letzten zwei Erzählungen zu sein. Seine Fingerspitzen handelt von Moemi, deren Traumprinz in einer reisenden Schauspielertruppe mitspielt und das als Frau verkleidet. Doch wenn ihre Zeit nur begrenzt ist, gibt die Schülerin nicht auf und kämpft tapfer weiter um die Gunst des gut aussehenden Schaustellers, auch wenn er sie jeden Tag abweist.

Abwechslung kündigt Der hübsche Prinz an, denn hier versucht Kikuko endlich hübscher zu sein und sich wie ein richtiges Mädchen zu geben. Bei ihrem jungenhaften Auftreten gestaltet sich das allerdings ziemlich schwierig, doch der als Hostess verkleidete Miki bietet ihr an zu helfen. Schwierig wird es allerdings, als sich herausstellt, dass Kikuko einfach kein typisches Mädchen mit Schminken und hübschen Kleidern ist.

Die fünf Erzählungen spielen sich immer aus der Sicht der Protagonistinnen ab, sodass besonders Leserinnen sich gut mit den Gefühlen ihrer Heldinnen auseinandersetzen. Kozue Chiba befasst sich mit den Problemen von jugendlichen Mädchen hervorragend und versucht sie zu verstehen, aber auch Lösungen für alle Konflikte zu finden. Doch eine Aussage haben alle Geschichten gemeinsam: Gib niemals auf! So kämpfen die Mädchen für ihre Träume und Vorstellungen, was sie sehr sympathisch macht. Überraschenderweise waren diesmal sogar sexuelle Andeutungen zu erkennen.

Der Zeichenstil der Mangaka ist gewohnt shojolastig mit selten ausgearbeiteten Hintergründen. Chiba-sensei ist sehr bemüht darum, dass ihre Charaktere sich gut auseinanderhalten lassen, was ihr auch dieses Mal gelungen gelang. Auffällig ist ebenfalls, dass sie nur selten große Panels benutzt, sondern meistens auf viele kleinere zurückgreift.

Sicherlich erfindet Kozue Chiba das Rad nicht neu. Denn auch hier finden wir in allen Kurzgeschichten wie erwartet ein Happy End vor, doch wie die Mangaka an die Storys herangeht und jeder Geschichte etwas Besonderes gibt, macht den Band lesenswert. Zwar ist der Verlauf jeder Erzählung vorhersehbar, aber sie weichen vom Standardtyp einer reinen Shojo-Handlung ab, da die Details mit viel Hingabe gestaltet sind. Man merkt, dass sich die Autorin weiterentwickelt hat, ihre Ideen sind außergewöhnlicher und nicht mehr 08/15. Mir persönlich hat der Band gut gefallen, meine Lieblingsgeschichte ist auch die Titelgebende, da die Protagonistin einen starken und eigensinnigen Charakter hat. Nur die zweite Story enttäuschte mich aufgrund genannter Klischees. Wer also ein Werk mit liebenswerten Erzählungen für zwischendurch, wo die Storys aber im Kopf bleiben, sucht, ist bei Verlangen nach Liebe goldrichtig.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP<span”> für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Verlangen nach Liebe.

Details

Titel: Verlangen nach Liebe
Originaltitel: 恋と欲望のススメ (Koi to yokubo no susume)
Mangaka: Kozue Chiba
Erscheinungsjahr: 2014 (DE) 2013 (JP)
Verlag: TOKYOPOP (DE), SHOGAKUKAN (JP)
Genre: Ramnce
Altersempfehlung: ab 13 Jahre
Preis: 6,95 €
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Koi to yokubo no susume © Kozue Chiba, 2013 SHOGAKUKAN
Verlangen nach Liebe © Kozue Chiba, 2014 TOKYOPOP