Two Together – Manga-Test

Im Juni veröffentlichte EMA den Boys-Love-Manga Two Together von Kyo Kitazawa.

Der romantische Oneshot über die fünf Takasuga-Brüder erschien ab 2012 in Shinshokans Magazin Dear+, und für diejenigen unter euch, bei denen gerade die Alarmglocken schrillen: Nein, Inzest ist kein Thema. Obwohl die Mangaka schon seit 2006 emsig Boys-Love-Titel zeichnet und in japanischen Zeitschriften ihren Platz gefunden hat, ist es ihr erster Manga, der es nach Deutschland schafft. AnimeY nimmt die »Männer-WG« unter die Lupe …

Manato fällt aus allen Wolken, als zufällig herauskommt, dass er adoptiert wurde. Unweigerlich befürchtet der Mittlere von fünf Brüdern, nicht länger als Teil der Familie Takasuga akzeptiert zu werden. Die zwei Ältesten Futa und Hiiro wussten längst Bescheid. Der Jüngste You versichert Manato, dass sich für ihn nichts ändern werde. Jedoch kann das Mikiya von sich weniger behaupten. Das Wissen darüber, nicht mit seinem bisherigen Lieblingsbruder blutsverwandt zu sein, wühlt Mikiya innerlich ziemlich auf. Zwar hat er Manato immer noch gleich gern, doch ist es ihm unmöglich, die Bruderbeziehung fortzusetzen – eine unangenehme Situation für beide, zumal sie mit einem gemeinsamen Schlafzimmer kaum näher aufeinanderhocken könnten.

Um die angespannte Stimmung aufzulockern und den niedergeschlagenen Manato zu trösten, schlägt Mikiya ihm kurzerhand vor, wie in alten Zeiten zusammen einzuschlafen. Gesagt, getan. Und so kuscheln sich die zwei in Manatos engem Bett aneinander, was Mikiyas Verwirrung im Endeffekt nur noch steigert. Manatos überraschend schlanker Körper, sein weiches Haar und ein Blick zum Dahinschmelzen – der sonst so taffe Draufgänger weiß danach nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Irritiert von seinen Gefühlen und Manatos Nähe, stößt er den besorgten Bruder von sich. Als dieser weinend wegrennt und Futa Mikiya den Kopf wäscht, macht es endlich Klick.

Der bis über beide Ohren in seinen Adoptivbruder verknallte Mikiya läuft Manato nach und gesteht ihm seine Liebe. Fest entschlossen, den schüchternen Zimmergenossen zu erobern, geht Mikiya von da an auf Konfrontation: Ein Kaffee-Gewinnspiel mit einer Reise als Siegerpreis soll über die künftige Beziehung der beiden entscheiden. Lässt sich Manato auf das Glücksspiel ein, oder schlägt sein Herz schon für die süße Klassenkameradin Aya, welche den eifersüchtigen Mikiya augenblicklich zum Rasen bringt?

Mit gleich vier (abwechselnd im Mittelpunkt stehenden) Hauptcharakteren, die einander nicht erst noch kennenlernen müssen, wird der Leser in die Handlung hineingeworfen. Der Oneshot reicht über die Geschichte der zwei Coverfiguren hinaus. Auch die anderen Brüder werden mit Kapiteln zu ihren Liebesbeziehungen gewürdigt. Neben dem lieben Sensibelchen Manato und dem draufgängerischen Mädchenschwarm Mikiya haben wir da das aufgeweckte Nesthäkchen You, den Quasi-Papa Futa mit Beschützerinstinkt beziehungsweise Bruderkomplex sowie den extrovertierten Weltenbummler Hiiro, der jedoch erst gegen Ende auftaucht.

Die einzelnen Geschichten wurden von Kyo Kitazawa leider so kurz angelegt, dass man immer schon an den Punkten einsteigt, wo sich die Partner lange kennen oder bereits eine Partei verliebt ist, wenn beide nicht gar schon ein Paar sind. Für das Aufkeimen einer Liebe ist in Two Together keine Zeit, mit anderen Worten fehlt es an Platz. Wie gesagt: Die Charaktere kennen sich, aber dem Leser sind sie noch völlig neu, was die Lektüre erschwert. Für den Einzelband müssen die stereotypen Rollenbilder ausreichen. Dementsprechend seicht sind auch die Geschichten. Das selten anklingende Konfliktpotenzial hätte mehr ausgeschöpft und länger spannend gehalten werden können. Plötzliche 180-Grad-Änderungen von Personen wirken bei der Kürze der Zeit wenig überzeugend. Der Manga lebt von ein paar Überraschungsmomenten, weswegen hier auf keinen Fall mehr über die Handlung verraten wird.

Die Storys der Brüder sind teilweise miteinander verstrickt, da sie nicht nur chronologisch, sondern auch parallel verlaufen. Abhängig von der Perspektive, aus der das jeweilige Kapitel erzählt wird, bekommt der Leser einen unterschiedlich tiefen Einblick in die Gefühle wie auch die Gedanken der Charaktere. Ernste Situationen werden gelegentlich von witzigen Panels aufgelöst. Auffallend am Zeichenstil sind die zerstrubbelten Frisuren und die sehr liebevoll gezeichneten Gesichter. Auch wenn die Gefühlsausbrüche wegen Letzterem etwas gezügelt oder steif daherkommen, tut das dem Manga keinen allzu großen Abbruch. Fans des Genres werden sich über die zwei heißen Liebesszenen freuen, bei denen Kyo Kitazawa nicht knauserig war.

Two Together bietet Boys-Love-Liebhabern sehr kurzweilige Unterhaltung. Die fünf Brüder sind recht stereotyp und die Geschichten nicht sonderlich tiefgründig, dafür aber mit niedlichen Elementen wie der Sonnenblume oder dem Kaffee-Gewinnspiel versehen. Optisch sorgen die Rasterfolien sehr passend je nachdem für romantische, ein bisschen kitschige oder leicht dramatische Stimmung. Inhaltlich sollte also nicht allzu viel erwartet werden. Wer aber Lust auf Zärtlichkeiten zwischen jungen Männern hat und mit einer knappen Handlung zufrieden ist, der wird an dem Titel seinen Spaß haben. Durch die eine Farbseite kommt der Manga bei EMA auf 7,50 €. Insgesamt umfasst der Einzelband sechs Kapitel, zwei Originalstorys und ein selbstironisches Nachwort der Mangaka mit ihrem einzigen (noch) nicht homosexuellen Charakter aus ihrer Serie Mori no Yu wa Kyou mo Poka Poka!.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Two Together.

Zutto Issho ni Kurashimashou © 2012 Kyo Kitazawa/SHINSHOKAN CO., Ltd. Tokyo
Two Together © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH