Martillo’s Mysterious Books – Manga-Test

Luisa Velontrova debütierte einst mit ihrer Kurzgeschichte Frau Holle im Grimms Manga Sonderband bei TOKYOPOP. Am 14. Juli publizierte der deutsche Verlag ihren fantasievollen Einzelband Martillo’s Mysterious Books, welcher die Story der beiden Nachwuchszauberer Shai und Vivyan erzählt, die sich auf die abenteuerliche Suche nach einem wichtigen Buch machen. Neben fünf Kapitel zur Hauptgeschichte in japanischer Leserichtung erwarten euch drei Farbseiten und eine SHOCO CARD, auf welcher üblicherweise der Steckbrief der Zeichnerin abgedruckt ist. Was das Werk noch parat hält, erfahrt ihr in folgendem Bericht.

Die Handlung spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter den Menschen gibt es einige Leute, die magische Kräfte verfügen. Diese wiederum organisieren sich in Gilden oder sind als unabhängige Zauberer unterwegs. Zu jenen gehört auch Shais Vater, Fabio Martillo, der einen Laden mit besonderen literarischen Werken führt. Shais Familie ist darauf spezialisiert, Bücherseelen zu lesen – oder die sogenannte »Zeit«.

Dann wäre da noch der Lehrling Vivyan, der in seinem Zimmer ein besonderes Buch aufhebt. Nämliches jenes von seinem Großvater, dessen »Zeit« – und somit all seine Erinnerungen – darin niedergeschrieben ist, allerdings nicht für jeden lesbar. Ausgerechnet dieses wertvolle Stück wird von einem Mädchen geklaut. Laut Vivyan dürfte in dem Buch ein Ritual zum Beschwören eines Dämons enthalten sein, jedoch könnten nur Verwandte es lesen, von denen es immerhin 16 Personen gäbe. Kurzerhand begeben sich Shai und Vivyan auf Antwortensuche, um das wichtige Buch zurückzuholen.

Für einen Oneshot verfügt Luisa Velontrovas Martillo’s Mysterious Books relativ viele Nebencharaktere, von denen allerdings nur eine Handvoll an Bedeutung gewinnt. Zu jenen gehört größtenteils Vivyans Verwandtschaft. Der junge Lehrling und Shai begeben sich auf Spurensuche, warum das Buch seines Großvaters gestohlen wurde und wer dies getan hat. Anstatt Antworten zu bekommen, werfen sich zunächst einmal mehrere Fragen auf.

Der Autorin ist es gelungen, eine fantasievolle sowie geheimnisvolle Geschichte aufzubauen, die sich aber doch eher als leichte Kost herausstellt. Wo das Startkapital recht vielversprechend sowie verträumt und ein wenig märchenhaft loslegt, geht die »Magie« in den darauf folgenden leider etwas verloren. Es wollte mir bis zum Schluss auch nicht gelingen einen klaren Favoriten unter den Protagonisten auszuwählen, da die Handlung vielmehr auf das Geschehen rund herum eingeht, aber wenig Facetten von den Figuren selbst zeigt.

Luisa Velontrova verfügt über eine sehr feine Linienführung. Bei der Ausarbeitung ihrer Charaktere geht sie sehr präzise vor und relativ sparsam mit Rasterfolie um, stattdessen bleibt vieles in Schwarz-Weiß. Das Design ihrer Figuren ist attraktiv sowie shojotypisch gestaltet. Allerdings empfinde ich es als sehr irritierend, dass diese nicht einmal andeutungsweise eine Nase erhalten haben. Den Charakteren fehlt somit ein wichtiges menschliches Gesichtsmerkmal. Des Weiten fällt die Nase im Seitenprofil recht platt gedrückt aus. Insgesamt hinterlässt dies für meinen Geschmack eine unnatürliche Note. Die Hintergründe arbeitete die Zeichnerin teilweise detailliert aus. Es existieren allerdings auch oft keine Kulissen.

Luisa Velontrova ist es mit Martillo’s Mysterious Books gelungen eine geheimnisvolle, abenteuerliche sowie fantasievoll angehauchte Geschichte zu kreieren, die ihr Potenzial allerdings nicht zu 100% ausschöpft – woran aber mit unter die Kürze schuld sein wird aber auch das Arrangement insgesamt. Velontrovas Hintergrundzeichnungen widerspiegeln das Feeling aus dem 19. Jahrhundert nicht durchgängig und auch die Zauberei kommt etwas kurz, wodurch das in Kapitel 1 aufgebaute magisch-verträumte Gefühl irgendwo verloren geht. Das Gespann um die beiden Zauberlehrlinge Shai und Vivyan deckt hier lediglich das Geheimnis des gestohlenen Buches auf, stößt dabei auf weitere Unklarheiten, die es aufzulösen gilt. Immerhin kommt letztendlich noch ein wenig Action in die Story, bei der Shai ihre Zauberkräfte kurz gegen einen Dämon unter Beweis stellen kann. Wer hier Romantik und Comedy sucht, ist fehl am Platz, deshalb dürfte der Einzelband – aufgrund seiner geringen Genrevielfalt – leider keine allzu breite Masse ansprechen. Verwunderlich ist für mich ebenso die Shojo-Einordnung. Wenn auch das Charakterdesign dieser entspricht, das Storykonzept ähnelt eher einem Shonen-Manga. Leser, die fantasievoll angehauchte sowie weniger anspruchsvolle Geschichten mögen, sollten Martillo’s Mysterious Books eine Chance geben. 

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Martillo’s Mysterious Books.

Martillo’s Mysterious Books © Luisa Velontrova, TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014