»Brynhildr in the Darkness« Band 1 – Manga-Test

Mit seinem Drama und Science-Fiction-Thriller Elfen Lied zeichnete sich Lynn Okamoto in die Herzen eines vermehrt erwachsenen Publikums. Neben dem Manga wurde eine dreizehn Episoden lange Anime-Serie adaptiert, welche nur einen Bruchteil der ursprünglichen Handlung wiedergibt und sich im Laufe der Folgen vom Original entfernt. 2012 kehrte der Mangaka nach einer Sport-Story in das Mystery-Genre zurück. So entwickelte er die Geschichte zu Brynhildr in the Darkness. Im Oktober 2013 publizierte TOKYOPOP den ersten Band, der sich in die Richtung von Elfen Lied bewegt und von Beginn an durch eine dynamische Erzählweise sowie sympathische Charaktere mitreißt. Im folgenden Review erfahrt ihr mehr über Lynn Okamotos neuestes Werk.

Ryouta und Kuroneko sind im jungen Alter die besten Freunde. Beide verbringen sowohl im Kindergarten als auch außerhalb der Stätte jede freie Minute zusammen. So vertrauen sie einander sehr und tauschen ihre Geheimnisse aus. Das Mädchen wird aber von einigen im Umfeld als Lügnerin beschimpft, da es darauf beharrt, dass Außerirdische die Erde eingenommen haben. Außerdem gibt es gegenüber Ryouta zu, ihnen bereits begegnet zu sein. Trotz der Hänseleien um Kuroneko hält Ryouta zu ihr, da er sie sehr gern hat. Doch selbst die Alien-Geschichte, von der das Mädchen eines Tages spricht, ist ihm völlig neu.

Deshalb hinterfragt Ryouta diese These und bittet um Antworten. Angeblich kennt Kuroneko den Aufenthaltsort dieser Kreaturen, worüber der Junge erstaunt ist. Daraufhin will er seine Freundin überreden, diesen Schauplatz aufzusuchen. Aber das Mädchen reagiert auf seine Bitte mit weiteren beängstigenden Aussagen, dass Erwachsene dort Wache halten und sie umbringen, falls die beiden dort auftauchen. Auch Ryouta zweifelt ein wenig an der Geschichte, bis Kuroneko ihren Mut zusammennimmt und ihn zu dieser Stelle führen will.

Auf dem Weg dahin kreuzen die zwei Kinder einen tiefen Wald. Währenddessen wird dem Mädchen klar, dass der Junge ihm gegenüber misstrauisch war. Deshalb bittet Kuroneko ihn, mit ihr gemeinsam Beweise für die Existenz der Aliens zu sammeln, um das Fehlverhalten seinerseits wieder gut zu machen. Um den Ort dieser Geschöpfe zu finden, müssen sie eine Staudamm-Mauer überqueren. Beide versuchen, diese zu passieren, doch durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit verliert Ryouta das Gleichgewicht. Um ihren Freund vor einem Sturz zu bewahren, streckt Kuroneko ihm ihre Hand entgegen und beide fallen gemeinsam in die Tiefe.

Schwer verletzt erwacht der Junge im Krankenhaus, wo er erfährt, dass seine Freundin den Unfall ebenfalls überlebt hat, aber woanders behandelt werde. Während seiner Genesung denkt Ryouta an nichts anderes als an Kuroneko. Am Tag seiner Entlassung teilt man dem Kind aber mit, dass das Mädchen vorort am Damm verstorben sei. Letztlich verfällt Ryouta in tiefe Trauer um seine beste Freundin und macht sich die größten Vorwürfe, die bis ins Teenageralter an ihm nagen. Aus diesem Grund schaut er jede Nacht in den Sternenhimmel, um die Existenz der Aliens zu beweisen.

Der Auftakt zu Brynhildr in the Darkness beginnt sofort mit einem spannenden und sehr dynamischen Erzählstil. Ein kurzer Rückblick, was dem Protagonisten in seiner Kindheit widerfahren ist, wird in wenigen Seiten zusammengefasst. Dennoch gelingt es Lynn Okamoto in diesem kleinen Spielraum bereits, den Leser für den weiteren Verlauf der Story zu packen. Auch die emotionale Bindung der beiden Kinder und der Tod von Kuroneko sind nur zwei Beispiele der rührenden Momente. Man kann Ryoutas Gefühle sowie Gedanken nachempfinden. Während seiner Hochschulzeit und seinem intensiven Lernen, das sich mit dem beruflichen Wunsch, später bei der NASA zu arbeiten, begründet, erwartet den Betrachter ein Wiedersehen mit einem Charakter. Diese Begegnung stellt sich als äußerst überraschend, aber auch als mysteriös für Ryouta dar, bis er tiefer in das seltsame Leben dieser Figur gezogen wird und sich sein Dasein als Student aufgrund dessen schlagartig verändert. Lynn Okamoto schafft es ebenfalls, seine Protagonisten vielschichtig sowie interessant für den Leser zu gestalten, indem er sie mit menschlichen Charakterzügen versieht, die einem von sich selbst oder aus dem Umfeld bekannt vorkommen. Außerdem betont der Künstler anhand innerer Monologe, vor allem bei Ryouta, immer wieder die Melancholie und noch vorhandene Schuldgefühle am Tod seiner Freundin, welche einen aufwühlen.

Zeichnerisch bewegt sich der Mangaka auf einem hohen Niveau  – so besticht sein Charakterdesign aus kindlich aussehenden Figuren, welche im Kontrast zu dieser dichten und erwachsenen Story stehen, gleichzeitig aber auch sein Wiedererkennungsmerkmal sind. Bei den Hintergründen sieht man die Liebe zum Detail sowie fein ausgearbeitete Elemente, die von  Faltenwürfen bis hin zu Licht- oder Schatteneffekten reichen.

Der Schöpfer stellt mit Brynhildr in the Darkness sowohl sein illustratives als auch erzählerisches Können unter Beweis. Dementsprechend hat diese Geschichte großes Potenzial noch mysteriöser sowie spannender zu werden, was nach dem ersten Teil ohne Zweifel ersichtlich ist. Zur Ausstattung des Volumes liegt in der Erstauflage eine sogenannte Character-Card bei, die in jedem zukünftigen Band eine Figur beschreibt und ein Kommentar des Mangakas beinhaltet. Neben diesem Extra findet man die ersten zwei Seiten in Farbe vor.

Brynhildr in the Darkness wird ab 18 Jahren empfohlen, was auch gerechtfertigt ist, denn im Laufe der Handlung vermehren sich die Gewalt- sowie Blutszenen, die nicht jedem bekommen. Elfen Lied-Fans sollten diesen Titel unbedingt unter die Lupe nehmen. Aber auch Sciene-Fiction- und Thriller-Begeisterte, die mit teilweise extremen, blutigen Darstellungen umgehen können, werden großen Gefallen an Lynn Okamotos neuestem Streich finden. Das unerwartete Ende des ersten Teils dürfte wohl die meisten unter euch überraschen, was dazu führt, dass man unbedingt zum zweiten Band greifen möchte. Aktuell läuft die Reihe noch in Japan, die bis heute aus vier Bänden besteht.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für das Rezensionsexemplar zu Brynhildr in the Darkness, Band 1.

Details

Titel: Brynhildr in the Darkness Band 1
Originaltitel: 極黒のブリュンヒルデ (Gokukoku no Brynhildr, Vol. 1)
Mangaka: Lynn Okamoto
Erscheinungsdatum: 18.05.2012 (JP), 08.10.2013 (DE)
Verlag: SHUEISHA Inc. (JP), TOKYOPOP GmbH (DE)
Genre: Action, Drama, Ecchi, Mystery
Altersempfehlung: 18 Jahre
Preis: 6,95 €
Bestellen: ISBN-10: 3842009240

Gokukoku no Brynhildr © 2012 Lynn Okamoto, SHUEISHA Inc., Tokyo
Brynhildr in the Darkness © 2013 TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013