© Square Enix
© Square Enix

Im ersten Volume der zweiten Magi-Staffel Magi – The Kingdom of Magic kam es zum Konflikt mit Hakuryu, nachdem dieser Om Madora, die Anführerin einer Piratenbande aus Kindern, köpfte. Letztendlich trennten er und Ali Baba sich im Streit. Auch Aladin und Morgiana gehen verschiedener Wege, sodass die vier Freunde jeweils wieder auf sich allein gestellt sind. Hier setzt das zweite Volume der Serie an, das seit 15. Mai 2015 auf DVD (40,95 Euro) sowie Blu-ray (43,95 Euro) bei Kazé mit einem FSK-12-Logo vorliegt. Käufer erwarten die Episoden 8 bis 13, die ein breites Spektrum der Magi-Welt zur Schau stellen.

Aladin ist in der Akademie von Magnostadt angekommen. Die schlechte Nachricht folgt jedoch auf dem Fuße: Der Magi, welcher seine wahren Kräfte unter Verschluss halten muss, schafft es gerade einmal in den sechsten Kodor, wo nur die schwächsten Magier landen. Unter der Aufsicht von der strengen Lehrerin Myers startet ein beschwerlicher Unterricht ohne Magie und voll reiner Körperertüchtigung. Viele Mitschüler geben auf und verlassen die Akademie. Wird Aladin unter der Last zusammenbrechen, ohne überhaupt etwas über Magie gelernt zu haben?

Auch Ali Baba und Morgiana stoßen auf Probleme. Dabei wirkten ihre Pläne ursprünglich so simpel. In Reim möchte Ali Baba beim Volk der Yambala sein entartetes Magoi behandeln lassen, schafft es aber nicht einmal über die Schwelle der Gladiatorenschule, da die Torwächterin Toto den geschwächten Dungeon-Bezwinger mühelos des Platzes verweist. Morgiana hat den dunklen Kontinent erreicht, doch von anderen Fanalis fehlt jede Spur. Überraschend trifft sie jedoch auf zwei bekannte Gesichter, die ihr bei der Suche weiterhelfen können. In Kou sind derweil die Trauerflaggen gehisst. Der Kaiser ist verstorben …

Das zweite Volume von Magi – The Kingdom of Magic sucht mehrere Orte auf und zeigt dementsprechend viele Charaktere, darunter auch neue Gesichter, welche von kleinen Nebenrollen über interessante Erscheinungen mit Potential hin zu stark handlungsbestimmenden Kalibern reichen. Der Storyverlauf mag zwar im Gesamten räumlich sehr sprunghaft sein, die einzelnen Episoden sind jedoch jeweils konsequent auf einen der Protagonisten beschränkt. Mal begleitet der Zuschauer etwa Aladins Qualen beim regelrecht militärisch gedrillten Sportunterricht in Myers‘ Zuckerbrot-und-Peitsche-Stil – hauptsächlich Peitsche, im wahrsten Sinne des Wortes -, bevor sich die nächsten beiden Folgen Ali Babas ebenso anstrengenden Bemühungen widmen, von den Yambala-Kriegern trainiert zu werden. Das Produktionsteam bei A-1 Pictures unter der Regie von Koji Masunari und mit Hiroyuki Yoshino als Drehbuchautor hält sich damit nahe an Shinobu Ohtakas Manga-Vorlage. So decken die enthaltenen Episoden Inhalte aus den Bänden 14 bis 16 ab. Manche Panels wurden gar eins-zu-eins, bis natürlich auf die zusätzlich dazukommende Farbe und Animation, übernommen. Die einzige auffällige – und meiner Ansicht nach positive – Abweichung vom Original finden Kenner bei Morgianas Reise.

In den sechs gebotenen Episoden sind verschiedene Genres und Emotionen eingebaut. Fans stoßen etwa auf humorvolle Momente, besonders bei Aladin, der durch Myers‘ üppiger Oberweite zu Höchstleistungen angespornt wird. Dramatische Augenblicke finden ebenso ihren Platz in der Handlung, genauso wie Action-Elemente. Die Altersfreigabe ab 12 ist passend gewählt, nur an einer Stelle, bei Ali Babas Kampf im Kolosseum, fließt doch etwas mehr Blut, und bestialische Gewalt hat wortwörtlich auch ihre Finger im Spiel. Nach wenigen Minuten ist das Spektakel aber schon wieder vorbei. Als kleine Überraschung flechtet sich sogar mit Bonus-Manga über das Kou-Reich eine zweiseitige Bonus-Geschichte aus Band 16 ins Geschehen ein, was geschickt dafür genutzt wird, um die familiären Verhältnisse am Kaiserhof zu erklären. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Hakuei als »posthum geborene« Tochter bezeichnet wird. Das heißt nicht, dass sie erst nach dem Tod des ersten Kaisers Hakutoku auf die Welt kam. Das würde schon handlungsmäßig Widersprüche hervorrufen. Es heißt einfach nur, dass Hakuei seine »zuletzt geborene Tochter« ist, was ohne Zweifel stimmt, da auf sie nur noch ihr Bruder Hakuryu folgt.

Die ganzen Örtlichkeiten, welche einem von Shinobu Ohtaka bereits im Manga schmackhaft gemacht wurden, erstrahlen im Anime unter einem noch eindrucksvolleren Licht. Besonders die Großaufnahmen von Magnostadt in einer friedlichen und künstlerisch angelegten Pracht, die von überquellender Magie geprägt ist, schinden Eindruck. Da würde es mich nicht stören, wenn das Animationsteam in folgenden Episoden noch ein paar weitere Momente allein mit der Erkundung des Magier-Reiches verwendet. Generell floss viel Detailarbeit in die Hintergründe. Gerade Kleinigkeiten wie Maserungen im Holz der Bücherregale, plastisch ausgearbeitete Gesteinswände, allerlei Verzierungen und schöne Teppichmuster erfreuen das Auge. Bei den Umgebungen wird dabei stets darauf geachtet, das Flair des jeweiligen Ortes einzufangen, um so etwa Reim mit seinen Anlehnungen an das antike römische Reich oder das alt-chinesisch-anmutende Kou einzufangen. Das alles gilt für die festen Hintergründe, anders sieht es bei räumlichen Gegenständen aus, mit denen Charaktere interagieren. Hier entdecke ich schnell Minuspunkte, wenn sich Aladin oder Sphintus etwa auf ihren Betten bewegen und die Matratzen nicht das kleinste Stück nachgeben. Auch Standbilder schleichen sich ein. Es wirkt mehr als merkwürdig, wenn Ali Baba während des Kampfes einen Blick in die angesammelte Menschenmasse wirft und ein Yambala-Krieger von dort aus zu ihm spricht, während jede andere Person wie eingefroren dasteht. Ähnlich flau fallen die Zuschauer im Kolosseum aus.

Akustisch bietet Magi – The Kingdom of Magic wie bereits die Staffel zuvor eine zusagende Sound-Kulisse dank Shiro Sagisus Kompositionen. Die Musik stellt auch dieses Mal einen wesentlichen Bestandteil des Animes dar und schmeichelt dem Ohr. So kommen etwa bei Aladins Training gleich mehrere Stile innerhalb weniger Minuten zum Einsatz. Das reicht von starken, rockigen Klängen, die im vollkommenen Kontrast zu den schwachen, sich zu Tode schuftenden Schülern stehen, über sanfte, lockere arabische Töne – während Aladin und Co. immer noch leiden – bis hin zu einem heroischen Pathos, als der kleine Magi, zwar nicht weniger schwitzend, langsam den Bogen bei der körperlichen Ertüchtigung herausbekommt. Ungezügelte, wilde Soundtracks, die voll Gefahr und Warnungen stecken, unterbrochen von berührenden, traurigen Überbrückungen bei emotionalen Rückblicken, darf man besonders bei Ali Babas Szenen erwarten. Theatralische Akustik trifft man dagegen bei den Geschehnissen in und rund um Kou an. Die Musik hebt die dramatischen Ereignisse im machthungrigen Imperium hervor. Wenn dann auch noch ein gruseliger, nach Apokalypse klingender Chor dem Hörer Gänsehaut bereitet, weiß man spätestens, dass sich ein großes Unheil langsam zusammenbraut.

Disc

Insgesamt dürfen sich Käufer auf eine Laufzeit von 150 Minuten einstellen. Im Vergleich zum vorherigen Volume erwartet euch eine Episode weniger. Die Folgen acht bis 13 liegen standardmäßig in 1080p (1920*1080 Pixel) vor. Wie bereits in früheren Abschnitten erwähnt, hat die Animation so ihre Glanzmomente, aber auch Tücken, die jedoch bei einer TV-Serie zu typisch sind. Die Qualität hält sich problemlos im Rahmen.

Neben der deutschen Synchronisation kann der japanische Originalton mit Untertiteln ausgewählt werden. Beides steht in DTS-HD MA 2.0 zur Verfügung. Mit dem zweiten Volume rücken neue Charaktere ins Rampenlicht. Ein paar davon nehmen wir in Form von ihren Sprechern, im japanischen Original sowie in der deutschen Synchronisation, unter die Lupe. Eine Figur, die einem gleich zu Anfang ins Auge springt, ist etwa die Magierin Myers. Das liegt nicht nur an ihrem knappen Outfit, welches ich schon fast als Hommage an die meist freizügigen Rüstungen für weibliche Avatare in Fantasy-RPGs ansehen möchte. Neben ihrem Aussehen bleibt aber vor allem ihre harsche, leidenschaftliche Art im Gedächtnis hängen. Sowohl Kikuko Inoue als auch ihre deutsche Kollegin Kordula Leiße (Izumi Curtis in Fullmetal Alchemist, Naoko Akagi in Neon Genesis Evangelion – Death & Rebirth) verkörpern mit einer sichtlichen Inbrunst die Passion der militärisch gedrillten Magierin. Ich kann mir vorstellen, dass die Sprecherinnen insgeheim ihren Spaß hinterm Mikrofon hatten, während sie mit einem gehörigen stimmlichen Volumen ansetzten, um ihre fiktiven Schüler zurechtzurücken. Gleichzeitig besitzt Myers ihre sanften Seiten, die dem Charakter das i-Tüpfelchen verleihen.

Unter den Akademie-Mitgliedern darf man natürlich den Leiter Matar Mogamed nicht vergessen, der im Original von Cho seine Stimme erhält. Im Deutschen hört man hier Jochen Langner (Shane B. Goodman in Trigun – Badlands Rumble, Dante in Arcana Famiglia). Entsprechend dem allgemeinen Bild eines alten, weisen Zauberers zeigt das Charakterdesign einen Greis mit einem immensen weißen Bart und Altersflecken im Gesicht sowie auf den Händen. Was sich alles hinter seinem wohlwollenden Lächeln verbirgt, müssen wir jedoch erst herausfinden. Cho und Langner treffen zumindest schon einmal den erwachsenen, erfahrenen Klang, den so eine Figur abverlangt. Jochen Langner übernahm zudem schon andere Nebencharaktere in Magi – The Labyrinth of Magic. So konnten Fans ihn bereits als Ryosai (Episode 4 und 5) sowie Entai (Episode 13) hören. Bei der Übersetzung von Matar Mogameds Dialogen hat sich an einer Stelle ein kleiner Fehler eingeschlichen, der für Verwirrung sorgen könnte. So bezeichnet er Prinz Koha im Deutschen als »Ungläubigen«, während es in den Untertiteln richtigerweise »Goi« heißt, ein Magi-eigener Begriff für Nicht-Magier, was die Situation besser erklärt. Mit Glauben und Religion hat die Auseinandersetzung zwischen den beiden politischen Schwergewichten respektive deren Ländern nämlich nichts zu tun.

Ebenfalls kurze Auftritte verzeichnen die Charaktere Sphintus Carmen und Titus Alexius, welche in kommenden Folgen hoffentlich öfters zu sehen sind. Die Stimmen dahinter möchte ich gerne jetzt schon erwähnen. Ersterer, Aladins Zimmergenosse, wird von Ryouta Oosaka beziehungsweise Martin Bross (Meow in Space Dandy, Dorino Ole Tadiski in Trigun – Badlands Rumble) vertont. Anfangs abweisend und verspottend entwickelt der junge Magier aus Eliohapt Respekt für den kleinen Magi, der sich anstrengt sowie niemals aufgibt. Für Titus treten Yoshitsugu Matsuoka sowie in der deutschen Version Marco Reinbold (Junpei Iori in Persona 3 – The Movie, Toxsa Dalton in Tenkai Knights) hinters Mikrofon. Dem Zuschauer wird ein überhebliches Ekelpaket geboten, was besonders in der deutschen Version zu spüren ist. Yoshitsugu Matsuokas sanfte Stimme zwischen den Geschlechtern trifft jedoch den passenden Ton, um eine wichtige Slapstick-Einlage einzuläuten.

Im Reim-Reich trifft man auf die Hohepriesterin Scheherazade, hinter welcher sich Maaya Sakamoto beziehungsweise Silke Linderhaus (Nemu Kurotsuchi in Bleach, Misaki Kirihara in Darker Than Black) verbirgt. Scheherazade sieht wie ein junges Mädchen aus, dementsprechend kindlich stelle ich mir ihre Stimme vor. Maaya Sakamoto trifft mit ihrer Stimmfarbe meine Vorstellungen. Silke Linderhaus klingt dagegen wie eine junge Frau und somit etwas älter. Sie meistert die Empfindungen der Hohepriesterin jedoch technisch meisterhaft. Das Ohr stößt auf eine weiche, regelrecht zerbrechlich klingende Stimme, die im Unterton sorgenvolle und erschöpfte Laute anschlägt, gleichzeitig aber von Entschlossenheit sowie Willensstärke geprägt ist.

Andernorts auf der Welt trifft man als Koen Ren die Sprecher Yuichi Nakamura und Michael-Che Koch (Kenpachi Zaraki in Bleach, Alphonse Medici Borgiani in Dance in the Vampire Bund) an. Letzterer muss bei mir noch an Überzeugungskraft arbeiten, bevor ich ihm seine Position als ersten Prinzen sowie als angesehener Kriegsgeneral abkaufe. Zu seiner Verteidigung gilt es zu erwähnen, dass seine bisherigen Dialoge mehr sachlicher und philosophischer Natur waren, also nicht gerade das textliche Schlachtfeld, auf dem man sich austoben kann. Beachtung verdient ebenso Gyokuen Ren, Hakuryus und Hakueis Mutter, die für das Attentat auf ihren ersten Ehemann sowie ihre beiden ältesten Söhne verantwortlich ist. Im Original verkörpert Miki Ito die Kaiserwitwe, während man im Deutschen Betül Jülide Gülgec (Rose Thomas in Fullmetal Alchemist, Ai Kinoshita in Aku no Hana) antrifft. Ich liebe Miki Itos hyper-theatralische Darbietung, die jedem Zuschauer sofort ins Gesicht schlägt, dass Gyokuen ein falsches Spiel spielt und eine Intrige nach der nächsten aus dem Ärmel zieht. Sie ist selbstbewusst und hält nicht damit zurück, dass niemand die Kaiserwitwe auf ihren Siegeszug mehr zu stoppen vermag. Betül Jülide Gülgec agiert viel zurückhaltender. Sie präsentiert eine Gyokuen, die sich noch bedeckt hält, um ihre wahren Absichten zu verbergen, während nur hin und wieder Hinweise auf das wahre Temperament der Frau durchbrechen. In diesem Fall gebe ich jedoch der japanischen Version klar den Vortritt, da auch die Gestik von Gyokuen in der Animation auf Theatralik getrimmt wurde.

Bonus & Verpackung

Das zweite Volume von Magi – The Kingdom of Magic kommt wie all seine Vorgänger als Digipack im schmalen Schuber daher. Auf dem Cover ist Titus Alexius abgebildet. Ein Ausschnitt des Motivs ziert die Disc selbst. Das Digipack zeigt Aladin und Sphintus. Als Bonus liegen dem Volume drei Postkarten bei. Ein Motiv widmet sich Aladin und seinen neu gewonnenen Freunden. Die anderen beiden drehen sich um die Kou-Prinzen. Auf der Disc selbst sind keine Extras vorhanden. Für Werbezwecke hat Kazé wie gewohnt Trailer zu anderen Animes aus dem Sortiment draufgepackt. Minuspunkte gibt es von mir für die unvollständigen Kredits, besonders bei den deutschen Sprechern wird gerade einmal eine Handvoll aufgezählt.

Unsere Helden sind über die ganze Welt verstreut. Ebenso wechselt die Handlung zwischen den verschiedenen Aufenthaltsorten hin und her. Ein großer Spannungsbogen kann dadurch daher leider nicht erzeugt werden. Stattdessen sind es die lokalen, voneinander (noch) getrennten Geschehnisse, die das Interesse des Zuschauers immer wieder entfachen. Erste Verbindungen zwischen den jeweiligen Handlungsbögen tun sich bereits auf, und ich bin gespannt, worauf die Ereignisse in Magi – The Kingdom of Magic hinauslaufen werden. Box 3 und somit das vorletzte Volume der Anime-Staffel liegt seit 26. Juni 2015 vor. Für Fans des Mangas sowie der ersten Season bleibt Magi – The Kingdom of Magic ein Must-have, auch wenn man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Kingdom of Magic, Box 2.

Details

Titel: Magi – The Kingdom of Magic, Box 2
Originaltitel: マギ The kingdom of magic (Magi The kingdom of magic)
Produktionsjahr: 2013
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Animationsstudio: A-1 Pictures
Regisseur: Koji Masunari
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 150 Minuten, Folge 8-13/1 Disc
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD MA 2.0
FSK: ab 12
Preis: circa 43,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ASIN: B00Q8RQP2G&chan=animey&asin=B00Q8RQP2G]

© Shinobu Ohtaka/SHOGAKUKAN, Magi2 Committee, MBS
© 2015 VIZ Media Switzerland SA