»Diagnose: Liebe« – Manga-Test

21 Manga-Titel von Makoto Tateno gibt es mittlerweile im Sortiment von EMA, der Großteil davon ist – wie Fans wissen – dem Boys-Love-Genre zuzuordnen. Ihr neuester Streich heißt Diagnose: Liebe und liegt seit 6. Februar zum Kauf in den Buchhandlungen vor. Makoto Tateno hat sich mit diesem Schwall an Werken hierzulande bereits seit Langem einen Namen gemacht. Die Arbeiten aus ihrer Feder sind immer gute Kandidaten für das nächste EMA-Programm. Tatsächlich mussten Fans nach How is Your Ex-Boyfriend? im Januar 2013 jedoch ein Jahr ausharren, um nun den nächsten Lesestoff der Zeichnerin in Händen zu halten. Ob sich das Warten gelohnt hat, findet ihr in den folgenden Abschnitten heraus.

Der Internist Kei Misawa ist in seinen Freund Tetsuji Kazami verliebt, doch der Chirurg weiß nichts von den Gefühlen. Er soll auch nie etwas davon erfahren, denn beim Objekt der Begierde handelt es sich um einen heterosexuellen Mann, der im Krankenhaus als Schürzenjäger verschrien ist. Während also Kazami als Unwissender dasteht, kann Misawa dem jungen Arzt Shuji Tono nichts vormachen und weist diesen auch nicht ab, als dieser sich dem Internisten im Ruheraum der Klinik sexuell nähert. Das kleine Stelldichein wird jäh unterbrochen, als Kazami ahnungslos das Zimmer betritt.

Fortan herrscht eine angespannte Stimmung zwischen Misawa und dem Chirurgen. Doch auch wenn es privat Unstimmigkeiten gibt, agieren die beiden schnell, wenn es um ihre Patienten geht. Misawa fasst zuversichtlich die Entscheidung, es mit Tono zu versuchen, obwohl sein Herz immer noch für den anderen schlägt. Doch in dieser Angelegenheit hat Kazami auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Ein Werk über Ärzte ist es also, was EMA dieses Jahr von Makoto Tateno nach Deutschland gebracht hat. Diagnose: Liebe schließt die Handlung um Misawa und Kazami in nur einem Band ab. Das ist auch gut so. Die Geschichte plätschert ohne erwähnenswerte Höhepunkte vor sich hin. Es fällt nicht schwer, die Ereignisse und das Ende weit im Voraus zu erahnen, da Makoto Tateno leider mit vielen Klischees spielt, beginnend bei einem heterosexuellen Mann als Liebesziel, der passenderweise eifersüchtige Züge aufweist, nachdem er den schwärmenden Gegenpart in der Geschichte in flagranti mit einem anderen erwischt. Nur sehr oberflächlich wird Misawas und Kazamis Arbeit in der Klinik skizziert. Als Vorführpatientin kommt ein junges Mädchen mit Herzproblemen zum Einsatz. Einmal gesehen und schon weiß der Betrachter, dass eben dieses Kind später noch einmal auftaucht, um in einem akut schlechten körperlichen Zustand den Protagonisten Kopfzerbrechen zu bereiten, bis sich schließlich alles in eine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung auflöst.

Hat man den Zeichenstil von Makoto Tateno einmal gesehen, so erkennt der Betrachter diesen immer wieder, da er eine starke individuelle Note besitzt. Wie jeder aber ebenso schnell bemerkt, offenbart das Charakter-Design große Schwächen. Es sind die Ähnlichkeiten zu anderen Titeln einfach zu groß. Tauscht man die Frisuren aus und ändert die Körpergrößen ein wenig können so viele Personen aus anderen Werken der Mangaka rekonstruiert werden. Yuko, die erwähnte Patientin, soll in der Handlung wohl einen Süßheitsfaktor ausstrahlen, der aber trotz großer Kulleraugen kaum wahrnehmbar ist. Versteift wirken auch die wenigen sexuell angehauchten Szenen. Von dynamischen Posen gibt es keine Spur, wirkliche Leidenschaft sieht anders aus. Stattdessen wird der Leser mit klischeehaften Sprüchen, angelehnt an die Berufe der Personen, abgespeist. Der Manga enthält eine Farbseite, die dem Paar gewidmet ist. Preislich muss sich der Käufer auf sieben Euro gefasst machen.

Langweilig und vorhersehbar – das sind die Begriffe, die Makoto Tatenos Diagnose: Liebe wohl leider am besten beschreiben. Altbekannte Klischees des Boys-Love-Genres häufen sich in der steifen Handlung, die auf einem niedrigen, spannungslosen Niveau herumdümpelt. Aussehen und Charaktere der Figuren sind ausgetragen. Wer bereits andere Werke von Makoto Tateno kennt, sollte die Parallelen im Design schnell erfassen. Die meisten Sympathiepunkte gehen noch an den Nebencharakter Tono, der wenig überraschend im Einzelband leer ausgeht. Für ihn gibt es jedoch einen eigenen Manga, ebenfalls in einem Volume abgeschlossen, in dem er höchstwahrscheinlich sein eigenes Glück finden wird. Therapie: Liebe heißt das Werk, erscheint am 4. September 2014 bei EMA und klingt vielversprechender als dieser Teil. Hardcore-Fans der Mangaka werden so oder so zu Diagnose: Liebe greifen, aber allen restlichen Boys-Love-Liebhabern rate ich eher davon ab.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Diagnose: Liebe.

Details

Titel: Diagnose Liebe
Originaltitel: とある外科医と内科医の。(To Aru Gekai to Naikai no.)
Mangaka: Makoto Tateno
Erschienen am: 30.5.2012 (JP), 6.2.2014 (DE)
Verlag: Shinshokan (JP), EMA (DE)
Genre: Boys Love
Preis: 7 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3770481461&chan=animey&asin=3770481461]

To Aru Gekai to Naikai no. © 2012 Makoto Tateno/SHINSHOKAN CO., Ltd Tokyo
Diagnose: Liebe © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH