»Therapie: Liebe« – Manga-Test

In diesem Jahr durften sich Fans von Makoto Tateno bereits im Februar über Diagnose: Liebe freuen. EMA gab am 4. September mit Therapie: Liebe noch eins drauf. Der ähnliche Titel lässt schon vermuten, dass die beiden Werke zusammenhängen. So spielt die Neuerscheinung im selben Umfeld und stellt mit Tono eine bereits bekannte Figur aus dem vorherigen Manga, dort ein Nebencharakter sowie –buhler, in den Mittelpunkt. Beim Internisten Misawa haben damals die Annäherungsversuche des Arztes in Ausbildung, welcher gerade sein Praktikum in der Klinik durchläuft, nicht funktioniert und musste sich gegenüber dem Chirurgen Kazami geschlagen geben. Gelingt es ihm zumindest nun in Therapie: Liebe, sein Glück zu finden?

Der Schmerz sitzt noch tief, dass Tono Misawa nicht für sich gewinnen konnte. Um sein gebrochenes Herz zu verbergen, geht er dem Internisten so gut wie möglich aus dem Weg. Auf den Fluren des Krankenhauses trifft Tono den Patienten Ichii, der sich das rechte Handgelenk gebrochen hat. Mit dem Arm im Gips ist der 19-jährige Student auf die Hilfe anderer angewiesen, was ihn aber noch lange nicht davon abhält, Tono fast zur Weißglut zu treiben.

Kaum ist diese Begegnung vorbei, glaubt er, die freche Rotzgöre nie wiedersehen zu müssen und blickt frohen Mutes einer angenehm ruhigen Zeit in der Pädiatrie entgegen. Diese Vorstellung platzt nur wenig später wie eine Seifenblase, als der Direktor der Klinik Tono dazu abkommandiert, seinen Sohn zu betreuen, der ausdrücklich auf den Praktikanten besteht. Eine mulmige Vorahnung überfällt Tono und bestätigt sich zu dessen Leidwesen, als er herausfindet, dass Ichii besagter Patient ist. Jener fackelt nicht lange mit sexuellen Avancen, während ein Unbekannter Blumen vor dem Krankenzimmer legt.

Bereits im Nachwort zu Diagnose: Liebe kündigte Makoto Tateno an, Tono eine eigene Geschichte zukommen zu lassen. Deutsche Fans können diese nun in Händen halten. Bereits die Titel der zwei Werke unterstreichen den Inhalt. Während sich Misawa in der vorangegangenen Story nämlich eingestehen – im übertragenen Sinne selbst »diagnostizierte« – in Kazami verliebt zu sein, trägt Tono ein leidendes Herz in der Brust und muss von diesen emotionalen Schmerzen mittels einer »Therapie« geheilt werden. So kitschig die Cover-Schriftzüge daher auch sein mögen, so bilden sie dennoch einen treffenden Vorgeschmack auf das, was sich auf den folgenden Seiten verbirgt.

Im Vergleich zu Diagnose: Liebe ist Tonos Ego nach der eingefangenen Abfuhr sichtlich eingeknickt. Statt also groß auf Beutefang aus zu sein, bleibt der junge Mann auf Abstand und konzentriert sich auf seine Arbeit – mehr oder weniger. Humorvolle Zwischenszenen zeigen den Arzt etwa gedankenversunken in der Kinderabteilung, wo die kleinen Fratzen Tono als Reittier oder Schlafstätte benutzen. Für ein Krankenhaus wirken die minderjährigen Patienten überraschend fidel und gesund. Ein bisschen rosa Brille darf bei Makoto Tateno offensichtlich nie fehlen.

Der Spannungsbogen ist merklich ausgereifter und die Geschichte dichter mit einer größeren Emotionspalette, als es in Diagnose: Liebe der Fall war. Dabei traut sich die Zeichnerin in Therapie: Liebe im Gegensatz zum sehr eintönig gehaltenen Vorgänger – Drama, Gefahr und Gewalt in winzigen Mengen vorsichtig in die Handlung zu streuen. Für Makoto Tatenos Verhältnisse geht sie dabei sehr unterschwellig vor. Wer aufmerksam liest, dem Springen die Hinweise trotzdem schnell ins Auge und der Verlauf der Geschehnisse liegt klar vor einem. So wirklich ins Rollen kommt die Begeisterung beim Lesen daher leider dennoch nicht.

Beim neuen Charakter Ichii war das Ziel beim Design sicherlich, das komplette Gegenteil von Misawa zu kreieren. Womöglich soll dies untermauern, dass es sich hierbei um eine komplett frische Liebe dreht. Bei Ähnlichkeiten wäre eventuell nämlich zu befürchten gewesen, dass Ichii nur als Trostpflaster oder zweite Wahl fungiert – und das ist definitiv eine Schublade, in welche unser vorlauter Direktorsohn nicht hineinpasst. Stattdessen tritt er als quirliger, junger Kerl auf, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, gleichzeitig aber auch so manches gegenüber Tono geheim hält.

Makoto Tateno setzt beim Äußeren von Ichii auf eine schmale Statur. Dabei übertreibt es die Mangaka etwas. Wo Tono zwar einen reizvollen, nackten Körper vor sich sieht, wirkt für mich Ichii schon eher untergewichtig. Die einzelnen Figuren können untereinander zwar gut unterschieden werden, doch wie schon sehr oft bei der Künstlerin bemängelt, ist das Design eine in allen Mangas stets wiederkehrende Prozedur an ähnlichen Gesichtern mit verschiedenen Frisuren. Abweichungen in Körpergröße, Breite der Schultern oder sonstigen Merkmalen des für Boys-Love-Fans bekannten Seme beziehungsweise Uke sind minimal variabel und erfüllen meist nur Klischeevorstellungen, anstatt mit erinnerungswürdigen Überraschungen herzuhalten. Der Manga kommt mit einer Farbseite daher, welche wie das Cover Tono und Ichii zeigt.

Therapie: Liebe ist kein Überflieger im Boys-Love-Bereich, schafft es aber zumindest, verglichen zu Diagnose: Liebe mehr Eindruck bei mir zu schinden, da die Charaktere nicht auf Anhieb verliebt sind, sondern bis zum Ziel richtige Hindernisse überwinden. Die Abneigung zu Beginn sowie eine kontrovers dazu entstehende sexuelle Annäherung sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Auch bedrohliche Aspekte geben der Handlung Sympathiepunkte. Der große Höhepunkt bleibt aber aus, sodass ich von dem Werk dennoch letztendlich nicht überzeugt wurde. Auf dem Boys-Love-Markt ist Therapie: Liebe mit der überschaubaren Geschichte und dem üblichen, ausgenutzten Charakter-Design höchstens Durchschnitt und somit nur den absoluten Makoto-Tateno-Fans zu empfehlen.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Therapie: Liebe.

Details

Titel: Therapie: Liebe
Originaltitel: 研修医は小悪魔と踊る (Kenshuui wa Koakuma to Odoru)
Mangaka: Makoto Tateno
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Shinshokan (JP), EMA (DE)
Genre: Boys Love
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 7,50 Euro
Bestellen:  [amazon text=ISBN-10: 377048259X&chan=animey&asin=377048259X]

Kenshuui wa Koakuma to Odoru © 2013 Makoto Tateno, SHINSHOKAN CO., Ltd.
Therapie: Liebe © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH