DEAD ENDS – Manga-Test

Im September publizierte der Zwerchfell Verlag die Anthologie DEAD ENDS und feierte somit seinen Einstand im Manga-Bereich. Der Einzelband inkludiert vier Geschichten, die zumindest zwei Gemeinsamkeiten aufweisen. Michel Decomain schrieb die Erzählungen, welche alle in irgendeiner Form etwas mit Zombies zu tun haben.

Zeichnerisch umgesetzt wurden die Storys jeweils von Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich und Martin Geier. Was die Manga-Anthologie für euch parat hält, erfahrt ihr in folgendem Artikel.

Zombieherz

Dominic wird zum Zombie. Eigentlich gehört er nun zu den Untoten und man sollte annehmen, dass sich sein Herz nun einzig nach Menschenfleisch sehnt. Wäre da nicht der in seinem Kopf immer noch vorhandene Wunsch, seine Freundin Maria zu beschützen. Diese befindet sich gerade in Gefahr, den überall lauern Zombies. Beide wissen, dass Dominic es schon bald auch auf Maria abgesehen hat. Doch wie gehen sie wohl damit um?

Zombieherz wird seinem Titel gerecht, denn die Erzählung beweist neben dem Zombiegemetzel auch jede Menge Herz. Dem untoten Dominic ist sein Schicksal durchaus bewusst und auch seine Freundin Maria ahnt, dass bald Böses auf sie zukommt. Der Begriff »Zombie« wird in der Geschichte mal aus einer emotionaleren Ebene betrachtet. Die Dialoge widerspiegeln die Ängste der beiden Protagonisten. Ob es ihnen letztendlich gelingt, unzertrennlich zu bleiben, solltet ihr selber lesen. Die Kurzgeschichte enthält allerlei Gewaltszenen, in denen Körperteile durch die Gegend fliegen. Diese verlieren aber durch die hineingeworfenen Gags und Satire-Elemente an Ernsthaftigkeit.

Marika Herzog – die mit Michel Decomain ebenso das Duo CHASM bildet, welches Demon Lord Camio kreierte – zeichnete Zombieherz. Ihre attraktiven Figuren widerspiegeln gekonnt die Gefühlslagen. Des Weiteren prangern in den Hintergrundkulissen ab und zu Örtlichkeit aus Berlin, sodass man durchaus Recht zur Annahme hat, dass sich das Geschehen in der deutschen Hauptstadt abspielt.

Zombie Movie

Ein bisschen naiv nehmen Lou und Tiff das Angebot wahr, in Berlin einen Zombiefilm zu drehen. Doch der Regisseur hat so seine eigenen perversen Vorstellungen. Er interpretiert den Akt des Zombiewerdens offensichtlich mit jenem der Fortpflanzung – demzufolge sollten die beiden sexy Mädels vielmehr ihre weiblichen Reize zur Schau stellen. Wäre das für Lou und Tiff nicht schon ein Grund genug, den Dreh abzublasen, tauchen plötzlich seltsame Akteure auf, die sich als echte Zombies entpuppen. Der Überlebenskampf beginnt …

Man nehme für einen vermeintlichen Zombie-Film zwei Ladys mit vielen Rundungen als Hauptdarsteller, einen perversen, moppligen Regisseur und einen alten Mann mit Berliner Akzent als Nebendarsteller. Es entsteht eine Satire-Geschichte, die neben Gemetzel auch mit Ecchi- und sogar kleinen Girls-Love-Elementen aufwartet. Das Geschehen wird sehr überspitzt dargestellt, wodurch der Gewaltakt auch in dieser Story nicht wirklich ernst genommen werden kann.

David Fülekis Charakterdesign zeigt beim weiblichen Geschlecht viele Rundungen, was natürlich den Inhalt der Erzählung unterstützt. Positiv möchte ich auch erwähnen, dass den Kulissen in manchen Panels viel Beachtung geschenkt wurde – sei es eine Ruine von einem Haus, der Drehplatz des Zombie-Films oder das Brandenburger Tor.

Familientag

Dirk und sein Kumpel sind beim Zombiehilfswerk. Sie fahren täglich Streife und versorgen Menschen. Heute steht ein Besuch bei der eigentlich normal wirkenden Familie Düringer an. Deren Kinder begrüßen die zwei Männer wie gewöhnlich und es scheint alles in Ordnung zu sein, bis sich Frau Düringer seltsam verhält und Dirks Kumpel der Sache nachgeht. Doch das hätte er wohl besser lassen sollen, denn das Horror-Szenario nimmt nun seinen Lauf.

Familientag ist eine reine Horrorgeschichte, die den Topos »gruselige Kinder« und Zombies miteinander vereint, aber einen Ausgang nimmt, der den Leser womöglich ins Grübeln versetzt. Etwas ungewöhnlich mag Caro Reichs Charakterdesign sein, welches ich persönlich nicht so recht in die Kategorie Manga packen würde, weil gewisse Merkmale dafür fehlen. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Der Schwarzton dominiert in diesem Kapitel, was die Horror-Stimmung unterstützt.

Die Blechtrompete

Anton hat MV, spielt dadurch oft Trompete, um seine Lungenaktivität zu steigern. Er hat nur noch wenig Zeit zu leben und hasst es, täglich mit seiner Krankheit konfrontiert zu werden. Während die Stadt von Zombies heimgesucht wird, die nach und nach alle Mitmenschen töten, versucht der Junge vergeblich seiner Existenz ein Ende zu setzen. Stets kommt irgendwas dazwischen. Welches Schicksal Anton ereilt, solltet ihr selber herausfinden.

Mitten in der Zombie-Apokalypse ist ein totkranker Junge, der sich aufgrund seiner Verfassung mit diversen Ängsten und Konflikten konfrontiert sieht, was sich in den Dialogen widerspiegelt. Verzwickter wird es für Anton, als er die Situation  mit den Untoten ausnutzen möchte, um seinem Leben endlich ein Ende zu setzen. Da ihm dies nicht gelingen soll, scheinbar alle andere vor ihm den Tod finden, ist Die Blechtrompete insgesamt betrachtet eine Handlung, die sowohl tragische Aspekte als auch Satire enthält.

Martin Geiers Figuren unterstreichen in ihren Ausdrücken das angespannte Gefühl um das Schicksal von Anton. Der Künstler arbeitete mit wenig Rasterfolie und die Hintergründe sind selten detailliert, wodurch der weiße Farbton dominiert, was aber dem Gesamtbild nicht stört.

In westlicher Leserichtung und einer qualitativen Aufmachung publizierte der Zwerchfell Verlag DEAD ENDS. Während übliche Manga-Taschenbücher matt und mit normalem Bilderdruckpapier aufwarten, erhalten Käufer dieser Anthologie sowohl die Innenseiten als auch das Front- und Backcover in Hochglanz, wodurch das Schwarz stark zur Geltung kommt und nicht in einen grauen Farbton verfällt. Die angesetzten 12 € sind demzufolge für die Qualität samt Inhalt gerechtfertigt.

Die Manga-Anthologie DEAD ENDS bietet dem Leser vier vielseitige Geschichten, die Satire-, Dramatik- und/oder Horror-Elemente enthalten. Des Weiteren wird nicht mit Blut und herumfliegenden Körperteilen gegeizt, wobei dieses Abschlachten in drei Storys durch die vielen Gags an Ernsthaftigkeit verliert. Erzählerisch sagen mir Zombieherz, Zombie Movie und Die Blechtrompete mehr zu, da diese etwas vielschichtiger daherkommen. Künstlerisch punkten für mich die Beiträge von Marika Herzog und David Füleki, weil die Zeichnungen insgesamt von der Detailvielfalt aufwendiger erscheinen. DEAD ENDS kann Lesern ans Herz gelegt werden, die in der Lage sind, blutiges Gemetzel auch gerne mal von einer speziell humorvollen Art zu betrachten, dabei aber dennoch Storys mit einer gewissen Tiefe erwarten.

Wir bedanken uns beim Zwerchfell Verlag für die Bereitstellung eines Exemplars zu DEAD ENDS.

Details

Titel: DEAD ENDS
Autor: Michel Decomain
Zeichner: Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich, Martin Geier
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Zwerchfell
Preis: 12,00 €

DEAD ENDS © 2014 Michel Decomain, Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich, Martin Geier / Zwerchfell Verlag