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Popkultur Manga-Comic-Con 2016 – Programm, Eindrücke, Highlights

Manga-Comic-Con 2016 – Programm, Eindrücke, Highlights

Die inzwischen dritte Manga-Comic-Con konnte mit 96.000 Besuchern (und insgesamt 195.000 Besuchern der Leipziger Buchmesse auf dem Messegelände) wieder ihren Rekord brechen. Sumikai nahm zwischen dem 17. und 20. März so viele Programmpunkte der Leipziger Convention wie möglich mit.

© Sumikai

Die aus der Leipziger Buchmesse, Deutschlands größter Publikumsmesse der Buchbranche, und dem Lesefest »Leipzig liest« hervorgegangene Convention bot von Donnerstag bis Sonntag wieder ein vielfältiges Programm für Comic-, Graphic-Novel- und Mangafans. Doch längst herrscht nicht mehr nur das Printmedium vor. Regelmäßigen Messebesuchern fällt auf, wie sich die Programminhalte immer mehr in Richtung Anime-, Game- und Japanszene entfalten.

Bei den fünf Hallen und v. a. der verbindenden Glashalle ist außerdem auch an der Cosplay-Szene, die die Messe so farbenfroh macht, kein Vorbeikommen. Hier nehmen Messeteilnehmer ihr Mittagessen ein, während Cosplayer und Fotografen nur ein paar Meter weit entfernt shooten. Ebenso war die Große Bühne in Halle 1 der Manga-Comic-Con wieder Austragungsort zweier Cosplay-Wettbewerbe, darunter dem jährlichen Vorentscheid zum European Cosplay Gathering, dessen Finale auf der Japan Expo in Paris stattfindet.

Cosplay Wettbewerb MCC 16
© Sumikai

Im Mittelpunkt der Convention steht mehr und mehr die Förderung der deutschen Mangaszene. Die Kreativ-Ecke von Hobbyzeichnern bzw. Nachwuchskünstlern ist ein gerne besuchter Bereich, in dem Zeichner zusammen Aktionen durchführen, Eigenpublikationen verkauft werden und Verleger Mangaka-Talente entdecken können.

© Sumikai

In der zweiten deutschen Mangakonferenz und der Talk-Runde von Carlsen Manga! wurden die Entwicklung sowie Förderung der deutschen Mangaszene als wichtige Trendthemen auf der Bühne präsentiert bzw. vor interessiertem Publikum erörtert. Besonders im Vordergrund stand die Arbeit am Storytelling u. a. in Workshops der Verlage.

© Sumikai

Der noch junge Verlag Pyramond, der durch Eigenproduktionen bekannt gewordene Zeichner aus Deutschland (Christian Allmann, Mikiko Ponczeck), Kanada und demnächst auch Frankreich unter Vertrag hält, nutzte die Convention, um sich und sein Programm vorzustellen. Auch gab der Kleinverlag eine Vorschau über die kommenden Titel, unter denen einige vielversprechende Werke wie z. B. Radiant von Tony Valente lauern.

Die deutschen Zeichner können neben all dem bereits auf eine stolze Fanbase blicken: Im Signierbereich und an den Verlagsständen tummelten sich zu den Signierzeiten von bspw. Chasm (Demon Lord Camio) und Anna Backhausen/Sophie Schönhammer (Sternensammler) Schlangen, die es mit denen anderer Zeichner locker aufnehmen können. Wenn dann auch noch deutsche Mangaka wie Fiothin, die Zweitplatzierte beim Doujinshi-Preis, ihre eigenen Kreationen gecosplayt vorfinden, merkt man, dass deutschstämmige Mangas auf einem sehr gutem Weg sind.

 

Allein, wie sich die Zeichner im Rahmen von Gemeinschaftsprojekten (Artbooks, Anthologien) selbstständig organisieren und online vermarkten, zeigt, dass die deutschen Mangazeichner nicht mehr nur davon träumen, ihren japanischen Vorbildern nachzueifern – sondern dass sie zu ernstzunehmenden Künstlern reifen.

UQ Holder! Vol. 1© 2013 Ken Akamatsu/Kodansha Ltd.
© 2016 Egmont Verlagsgesellschaften mbH

Trotzdem ist natürlich unbestreitbar, dass die japanischen Ehrengäste – in diesem Jahr Ken Akamatsu (UQ Holder!, Love Hina/Egmont Manga) und Moe Yukimaru (Hiyokoi/Tokyopop) – die Highlights der Manga-Comic-Con bleiben. Die Shikishis sind nach wie vor heiß umkämpft und der morgendliche Ansturm um 10 Uhr auf die Verlagsstände ist immer noch schwer zu bändigen. Wem es nicht gelang, eines der begehrten Autogramme zu ergattern, der konnte zumindest dem Live-Zeichnen der Mangakas inklusive Interviews beiwohnen.

So teilte z. B. Moe Yukimaru dem Publikum ihre Beweggründe zum Manga Hiyokoi sowie persönliche Interessen (Piano und Flöte spielen, Flugzeugfliegen i. d. R. meiden) mit und stellte ihre Zeichentechnik vom analogen Vorzeichnen über das Schraffieren bis hin zum Rasterfolie-Einsatz vor.

Suisai © 2015 Moe Yukimaru/Shueisha

Weiterhin erzählte sie kurz von ihrem neuen Manga Suisai, dessen Protagonistin etwas taffer als Hiori ausfallen soll und sich nach dem Besuch der Leichtathletik-AG in der Mittelschule nun an der Highschool mit Blasmusik einer neuen Herausforderung stellt. Die begleitende Verlegerin vom Ribon-Magazin gab zusätzlich einige Einblicke in die Zusammenarbeit von Verleger und Mangaka in Japan. So betreue beispielsweise ein Redakteur zwei bis fünf Zeichner zugleich.

Doch nicht nur Mangakas, Verlage und Publisher bewegten die Fans zum Besuch der Manga-Comic-Con. Für einige Besucher war zusätzlich der Auftritt des beliebten YouTubers Nino von NinotakuTV ausschlaggebend für den Ticketkauf und die Anreise.

MCC 16 SMG
© Sumikai

Ebenso feierte SailorMoonGerman auf der Bühne mit ihrer neuen Kampagne #SailorLegend die »Ankunft« von Sailor Moon Crystal sowie die Ankündigung der dritten Staffel zum Death Busters Arc. Bei altbekannten Songs wie »Zwinge niemals die Liebe« oder auch neueren wie »Moon Pride« kamen Gänsehaut-Feeling und ganz viel Nostalgie auf. Dass die Show zum Schluss einen Touch QVC-Shopping-Format bekam, als die 2.700€-schwere, mit Swarovski-Steinen bestückte Krone Serenitys doch recht eindringlich für Premium Bandai beworben wurde, hinterließ leider einen unschönen Eindruck. 

© Sumikai

Die Verlage bewarben außerdem zwei weitere Serien mit besonderen Aktionen. Carlsen Manga! feierte den letzten Band von Naruto, der hierzulande pünktlich zur Manga-Comic-Con veröffentlicht wurde, mit einem Wettbewerb zum Bestimmung des Super-Naruto-Fans und der japanischen Ninja-Showgruppe Hattori Hanzo and the Ninjas. Kazé wiederum organisierte für den Anime Tokyo Ghoul eine eigene Austellung mit Vorzeichnungen neben fertigen Endprodukten, Character Sketches und Bildern von Settings.

Tokyo Ghoul Austellung Kazé
© Sumikai

Neben den hiesigen Manga-Themen ließen es sich jedoch auch die Anime-Publisher nicht nehmen, mit einem Programm aufzuwarten. Das bekannte Anime-Kino durfte dabei natürlich nicht fehlen. Auch holte Kazé in Zusammenarbeit mit SailorMoonGerman gleich drei Sailor Moon Crystal Synchronsprecher und den Drehbuchautor der Serie Dominik Auer auf die Veranstaltung, welche in Talkpanels und Signierstunden vertreten waren.

© Sumikai

Weiterhin stellte peppermint anime in einer Liveshow sein kommendes Programm vor und schenkte den Besuchern erste Einblicke in die neue Streaming-Plattform Akiba Pass. Passend zur deutschen Erstveröffentlichung von Free! holte der Publisher u. a. René Down-Claude und Christan Zeiger auf die Veranstaltung. Besonders informativ entpuppte sich hier das Talkpanel mit ihnen auf dem Schwarzen Sofa. So wurde bspw. der Weg von einer Lizenzierung bis zur Synchronisation besprochen. Aber auch über zukünftige Aktivitäten mit deutschen Anime-Synchronsprechern wurde diskutiert, wie z. B. das Vorlesen von Hörspiel-CDs auf Veranstaltungen oder das Stattfinden von Synchron-Events, wie man sie aus Japan kennt. Keiner der Anwesenden zeigte sich gegenüber derartigen Projekten abgeneigt.

Passend zu Carlsen Manga!s Naruto-Thema holte KSM den neuen Sprecher des Helden-Ninjas Henning Nöhren auf die Manga-Comic-Con. Auch er stand Besuchern in einem Talkpanel und in Signierstunden zur Verfügung. Sumikai führte mit ihm ein Interview.

© Sumikai

Daneben sorgten wie schon die Jahre zuvor wieder traditionelles Bogenschießen, der japanische Teegarten, das Maid Café mit seinen entzückenden Kellnerinnen, japanische Musik, Go- und Bento-Workshops sowie Vorträge über japanische Gartenkunst, Haiku-Dichtung, Bildermärchen und vieles mehr für japanisches Flair.

Eine große Besonderheit gab es noch auf der diesjährigen Manga-Comic-Con, die bereits einen Ausblick auf die Con 2017 zulässt. Auf der Crowdfunding-Plattform Vision Bakery soll eine Spendenaktion zur Realisierung des Projekts »Animes in Concert«, einem Filmkonzert mit bekannten Soundtracks aus Animes, stattfinden.

© animes in concert

Der Anlass ist allerdings ein trauriger. Der Organisator und Onkel eines verstorbenen Manga-Fans möchte die Einnahmen aus dem Konzert an die Dimitroff Foundation Leipzig – Stiftung Kinderdepression spenden. Wenn das Crowdfunding erfolgreich ist, findet das Filmkonzert am 24. März im Rahmen der Manga-Comic-Convention 2017 statt. Weitere Infos dazu findet ihr hier.

Die Manga-Comic-Con war wieder ein super Erlebnis und bot für jeden Besucher ein paar spannende Programmpunkte. Mit zwei letzten Hinweisen für die Besucher 2017 wollen wir diesen Bericht abschließen: Steigt nicht am Hauptbahnhof in die S-Bahn zum Messegelände ein! Fahrt lieber eine Haltestelle zurück, erspart euch das Gedrängel und damit eventuell das Warten auf den nächsten Zug. Und wenn ihr abends noch lecker asiatisch essen gehen wollt, empfehlen wir eine Vorab-Reservierung in der Kaiten Sushi Bar Sakura, der Mr. Moto Sushi Bar oder der Umaii Ramen Bar. 😉

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2 Kommentare

  1. Hallo Eckart, viel Erfolg euch bei der Realisierung des Projekts! Auf das Anime-Konzert freue ich mich schon 🙂

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