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Manga-Kritiker spricht sich gegen die künstlerische Einschränkung bei Manga aus

Im Dezember 2018 entfernte Jump Rookie, eine Seite, bei der man Web-Manga veröffentlichen kann, vorübergehend den Manga Yuribara: TS Yuri wa Bara no ka?!.
Auslöser für diese kurzzeitige Löschung war ein magischer Kreis, der zunächst den Davidstern gezeigt hatte.

Bereits am 6. Dezember veröffentlichte der Mangaka Aono Haru ein Vergleichsbild der besagten Stelle:

Der Davidstern, der nach König David benannt wurde, ist ein Hexagramm-Symbol und gilt als Symbol des Volkes von Israel und des Judentums. Im zweiten Weltkrieg wurden mit dem Davidstern Juden gekennzeichnet.

Jump Rookie veröffentlichte keine Stellungnahme, weshalb das Symbol ausgetauscht wurde. Yahoo News konnten allerdings aus einer anonymen Quelle, welche in einem Shounen-Manga-Magazin arbeite, entnehmen, dass „man allgemein versucht, den Stern als Symbol zu vermeiden. Es wird zwar nicht direkt verboten und es ist von Fall zu Fall unterschiedlich, wie wir damit umgehen, doch wir müssen auf eventuelle Pushbacks vorbereitet sein. Der Davidstern hat bekanntermaßen Assoziationen mit der Verfolgung von Juden während dem zweiten Weltkrieg. Es kommt nicht gut an, so ein Symbol zu nutzen, „weil man es cool fand“.

„Die Darstellung Allahs ist für das japanische Volk keine große Sache“

Die Quelle führte weiter aus. „Heutzutage werden Manga auf der ganzen Welt gelesen. Dinge, die früher nicht umstritten waren, oder Dinge, die außerhalb Japans, aber nicht innerhalb Japans umstritten sind, sind potenzielle Probleme. Zum Beispiel ist die Darstellung eines Cartoon-Allahs für das japanische Volk vielleicht keine große Sache, aber wir müssen besonders darauf achten, dass es bei der internationalen Verbreitung keinen Aufruhr im Ausland verursacht.“

Der Davidstern wird in vielen Anime- und Videogame-Titeln verwendet, wie etwa der Dragon Quest-Reihe oder Lupin III. Kaoru Nagayama, ein in Japan bekannter Manga-Kritiker, erwähnte Yahoo! gegenüber, dass das Symbol so oft in der japanischen Popkultur erscheine, dass er es nicht verstehen kann, diese Darstellung einzuschränken.

Außerdem erwähnte Nagayama: „Wenn wir den sechszackigen Stern pauschal verbieten würden, dann dürften sie auch nicht die Israel-Flagge zeigen oder die Geschichten über den Völkermord der Nazis an den Juden erwähnen oder darstellen. Es würde den künstlerischen Ausdruck stark einschränken. Die Autoren würden sich selbst zensieren und würden es vermeiden, Geschichten mit so einer Thematik zu schreiben. Dadurch werden solche Themen sensibilisiert.

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„Sowas würde zu weiteren Problemen führen, die wir nicht einschätzen können“

„Verlage haben Vorschriften gegen das Aufzeigen von religiösen Symbolen. Damit möchte man politische Kontroversen vermeiden. Fragt man sie allerdings nach genauen Gründen, können diese keine befriedigende Erklärungen abgeben. Natürlich würde das zu einer großen Diskussion führen, wenn sie richtige Erklärungen abgeben. Angebliche Regeln zu haben, die sie nicht an die Öffentlichkeit weitergeben dürfen, ist für sie viel einfacher zu handhaben.“

„Das Verbot des sechszackigen Sterns ermöglicht es, die Diskriminierung zu verschärfen. Die Leser können den Eindruck gewinnen, dass Anhänger des Judentums auch kleinere Dinge ablehnen würden. Ich verstehe zwar, dass das ein heikles Thema ist, aber so vorzugehen ist nicht gesund für die Branche. Es wäre eine andere Sache, wenn wir über ein Werk sprechen, dass Nazi-Gräueltaten leugnen würde oder das jüdische Volk erniedrigend darstellt. Das Problem ist aber hier nicht der Davidstern, sondern die zu Grunde liegende Botschaft.

„Die Zensur kommt vom Verlag, nicht von der Regierung“

Laut Nagayama besitzt Japan gerade im Vergleich zu anderen Ländern relativ lockere staatliche Beschränkungen, was Medien angeht. Die meiste Zensur wird hier nicht von den Behörden veranlasst, sondern von den Unternehmen selbst, die nach eigenem Ermessen handeln. Das könnte eine Kettenreaktion hervorrufen, sodass selbst harmlose Darstellungen als nicht empfehlenswert eingestuft werden. Denn die Unternehmen würden sichergehen wollen.

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„Das Publikum hat das grundlegende Recht, gegen alles zu protestieren. Doch die Verlage sollten sich nicht von diesem einschüchtern lassen. Erweisen sich die Ansprüche als falsch, sind die Verlage nicht verpflichtet, darauf zu reagieren, und erweisen sich die Bedenken nach einer Untersuchung als berechtigt, so sollte der Verlag die notwendigen Verbesserungen vornehmen.“

Die Meinungsfreiheit, wenn sie zu weit getrieben wird, könnte gefährliche Folgen haben, aber das Ausdrücken von sich selbst birgt ein gewisses Risiko.“

Der jüdische Anime-Fan und Moderator des Kongress-Panels, Reuben Baron, sagte ANN, dass er Nagayamas Argument für zwingend hielt und fügte hinzu: „Ich persönlich halte es nicht für notwendig[die Darstellung des Davidsterns im Manga zu ändern]. Der Davidstern wurde als Symbol in der Kabbala-Mystik (und dem ähnlichen, aber etwas anderen Siegel Salomos in mystischeren Traditionen) verwendet, bevor er im 18. Jahrhundert zum großen Symbol des Judentums wurde, sodass es verständlich ist, warum er so oft zur Symbolisierung von Magie in Anime verwendet wird. Wenn ich sehe, dass es für Magie in Anime verwendet wird, finde ich es meistens eher lustig als beleidigend.“

Quelle: Yahoo!

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