Gelesen: Blood Parade, Band 1

Mit Kazuyoshi Karasawa, dem Autor von Blood Parade, holt EMA einen neuen Mangaka in den deutschsprachigen Raum.

Was euch in seinem ersten bei uns erscheinenden Werk erwartet, erfahrt ihr in der nachfolgenden Rezension.

Worum geht es?

Gilles ist noch ein kleiner Junge, als er miterleben muss, wie seine gesamte Familie vom sogenannten Reinblut, der Königin aller Vampire, ermordet wird. Er ist ein sogenannter Apostel, von denen es auf der Welt nur zwölf gibt und welche mit Hilfe von speziellen Waffen, den „ex Machina“, Vampire töten können.

Acht Jahre später steht Gilles vor seiner Abschlussprüfung als Apostel, bei welcher er von der hübschen Luna als Escudo begleitet wird. Ein Escudo ist eigentlich eine Art Bodyguard für den Apostel, welche aufgrund ihrer geringen Zahl und der gefährlichen Missionen, auf die sie geschickt werden, diesen Schutz in der Regel auch mehr als nötig haben. Rett Cradler, das Oberhaupt der Organisation ISS (Sektion für Internationale Sicherheit) schickt ihn auch noch höchstpersönlich auf diese Mission.

Während die Aufgaben auf den ersten Blick recht einfach erscheinen, sieht sich der Junge bald mit Wahrheiten konfrontiert, die er nur schwer verkraften kann. Denn nicht nur seine Gefährtin ist nicht, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint …

Die Story

Bei Blood Parade ist der Einstieg in die Story sehr rapide, denn das erste Bild, was der Leser vom Manga sieht, ist der junge Gilles mit der Leiche seines kleinen Bruders im Arm, während das Reinblut mit gezücktem Schwert vor einem dunklen Mond die Szene betrachtet. Ähnlich rasant wie der Einstieg entwickelt sich die Story insgesamt weiter. Diese setzt sich aus den einzelnen Aufträgen zusammen, die Gilles und Luna erledigen. Dabei steht das Schicksal einer der handelnden Personen im Mittelpunkt, ob es nun die beiden Protagonisten sind oder auf die Beweggründe des jeweiligen „Opfers“ eingegangen wird.

Die Handlungsweisen der einzelnen Figuren werden in der Regel schlüssig erklärt, sodass manchmal die Vampire, die eigentlichen Monster der Serie, sympathischer rüberkommen als es die Bundesangestellten, die sogenannten Guten, tun. Natürlich bleiben noch Fragen offen, und vor allem Rett Cradler ist bisher noch ein eher undurchsichtiger Charakter, aber ich bin sicher, dass dieses Mysterium im abschließenden zweiten Band erklärt wird.

Die Charaktere

Die Hauptcharaktere funktionieren nach dem Prinzip Gegensätze ziehen sich an. So ist Gilles, als der Vollstrecker, ein mitfühlender und emotionaler junger Mann, der auch mal bereit ist, seine Mission ruhen zu lassen, um dem Delinquenten einen letzten Wunsch zu erfüllen. Seine Partnerin Luna hingegen ist ein Musterbeispiel an Effektivität. Bei ihr läuft ein Auftrag meist nach dem Schema `Veni, Vidi, Vici´ und das in möglichst kurzer Zeit. Sie braucht ja auch noch ein wenig Freizeit, um ihren eher gehemmten Partner auf die Schippe zu nehmen. Wobei ihre Hast nicht wirklich verständlich ist, hat sie doch unbegrenzt Zeit zur Verfügung, aber ich möchte hier nicht zu viel verraten …

Was die Nebenpersonen des Mangas betrifft, tut sich Kazuyoshi Karasawa schwer. Während bei einem Teil der Figuren bisher zumindest der Versuch einer Charakterisierung gemacht wurde, erscheinen viele andere bisher ein wenig seicht. Hier besteht zumindest die Hoffnung, dass diese im folgenden Band noch ein wenig an Tiefe gewinnen. Auch hier ist der Leiter der ISS das große Fragezeichen, denn bisher wurde keine Erklärung für seinen Wandel vom Saulus zum Paulus gegeben.

Zeichnung

Zeichnerisch ist der Manga wohl eher etwas für die weibliche Leserschaft, schließlich bestechen alle männlichen Figuren durch ihr gutes Aussehen. Die Mädels hingegen besitzen die shojotypischen Kulleraugen. Diese sind allerdings auch ein Knackpunkt, denn die Ausdruckskraft leidet bei diesen erheblich. Während die männlichen Charaktere eher kleine, dafür aber sehr ausdrucksstarke Augen besitzen, wirken diese bei den weiblichen meist eher leblos und nichtssagend. Dieser krasse Widerspruch ist am ehesten bei Luna ersichtlich. Während sie im Kampfgeschehen einen klaren, fokussierten Blick besitzt, wirken ihre Kulleräuglein in der Freizeit eher wie bei einer leblosen Puppe  als bei einer Person, die auch dann mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen hat.

Auch was die Hintergründe angeht, besteht noch Luft nach oben. In den wichtigen Szenen, also am Anfang oder während der Kämpfe, sind diese wirklich sehr schön und detailliert dargestellt. Große Panels über eine oder zwei Seiten bieten an dieser Stelle optisch durchaus Ansprechendes. Es entsteht der Eindruck, dass alle künstlerische Kraft in diese Momente geflossen ist, sodass für alles weitere nicht mehr viel übrig geblieben ist.

Aufmachung

Der Originalmanga BLOOD PARADE wurde bereits 2011 von SQUARE ENIX veröffentlicht. Im ersten Band sind die Kapitel eins bis vier enthalten, welche als Nächte bezeichnet werden. Passend zum rot-schwarz-weiß gestaltetem Cover präsentiert sich die erste Seite, die Luna ziert, im gleichen Farbmix. Die auf den letzten Seiten enthaltenen Skizzen geben einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Figuren, und auch die Ankündigung für den zweiten Band konnte eine Doppelseite für sich erobern.

Fazit

Kazuyoshi Karasawa liefert mit seinem ersten Werk eine hübsche Geschichte für zwischendurch. Die Figuren, welche bisher in den Genuss einer näheren Charakterisierung gekommen sind, erscheinen vielfältig genug, dass viele ihren Liebling finden werden. Da die gesamte Story in zwei Bände passt, entwickelt sie sich entsprechend rasant. Große Tiefe kann dabei nicht erwartet werden, was insgesamt gesehen ein wenig schade ist. Es bleiben allerdings auch noch genug Fragen für den abschließenden Band offen, welcher im März folgen soll.

Info

Blood Parade
Original Name: ブラッドパレード 血之祭典
Transkription: BLOOD PARADE VOL. 1
Von: Kazuyoshi Karasawa
Verlag: EMA
Verfügbar: 1 Band
Preis: 7,50 €
Genre: Mystery
Empfehlung: 16 +
ISBN: 978-3770488506