Gelesen: Die mit den Wölfen spielt

Mit dem Manga Die mit den Wölfen spielt erscheint hierzulande bei Tokyopop ein weiteres Werk der Mangaka Yuki Shirashi, die bereits mit Fesseln der Liebe den hiesigen Shojo-Fans bekannt sein dürfte.

Worum geht es?

Die Origawa-Highschool als öffentliche Schule mit Schwerpunkt Technik ist berüchtigt für ihre gewalttätigen Schüler und wird auch ironischerweise als »Knastschule« bekannt. An diese Schule gelangt unfreiwillig der schweigsame Keiji und dieser will sich auch so recht nicht in seine neue Klasse integrieren. Zu seinem Leidwesen wird er auch noch von seiner Schulkameradin Nozomi dazu gedrängt, bei der Konstruktion eines Wagens für den landesweiten Motorenwettbewerb mitzuhelfen. Darauf hat der zurückhaltende Junge nun wirklich keine Lust. Trotz seiner Drohungen lässt Nozomi nicht locker und schafft es, Keiji aus der Reserve zu locken. Bei der Zusammenarbeit kommen sie sich rasch näher und entwickeln Gefühle füreinander, die immer wieder auf eine harte Probe gestellt werden …

Genau diese Probleme thematisiert der Einzelband im Hinblick auf die Höhen und Tiefen der Liebe. Jedes der drei Kapitel erzählt eine in sich geschlossene Episode, wobei der Wettbewerb sich wie ein roter Faden durch die ersten beiden zieht.

Im ersten Kapitel steht Nozomi vor der Herausforderung, Keiji für den Wettbewerb zu gewinnen, was alles andere als einfach ist. Doch selbst eine Drohung mit Prügel von dem Protagonisten scheint Nozomi nichts anzuhaben. Keiji erkennt zunehmend, dass das Mädchen es sehr ernst meint, und schließt es dadurch auch sehr ins Herz. Als er sich bereit erklärt ihr doch zu helfen, nimmt die Geschichte eine positive Wende, was durch das Anbahnen der Liebe bestärkt wird. Doch der eigentliche Höhepunkt offenbart sich, als alte Schulkameraden von Keiji aufkreuzen und in der Werkstatt Radau machen. Daraufhin stellt sich heraus, dass Nozomi gar nicht so unschuldig ist, wie sie aussieht … ob Keiji sie dennoch akzeptieren kann?

Im nachfolgenden Kapitel möchte Nozomi Reperaturteile für das Projekt finden und gerät in die Klauen gefährlicher, älterer Schüler. Auch hier zeigt Nozomi erneut, was wirklich in ihr steckt.

Im letzten Kapitel nimmt die Handlung ernstere Züge an, denn Nozomi wird vor die Wahl gestellt: Karriere oder Liebe? Nachdem sie das Auto eines Lehrers der Kinnomiya-Highschool erfolgreich repariert hat, erhält sie von ihm prompt das Angebot, auf diese Schule zu wechseln. Sie träumt schon seit einiger Zeit von dieser Schule und schwärmt von den Möglichkeiten, die sich ihr damit eröffnen würden. Doch Keiji gefällt das alles gar nicht, und erst recht nicht, dass sie ihn allein lassen würde …

Erwähnenswert wäre noch die Kurzgeschichte Bin ich dir nicht gut genug?!, die von einem Mädchen namens Yuna handelt, das einfach zu groß ist und dadurch Pech in der Liebe hat. Wer möchte schon mit einem Mädchen zusammen sein, das größer ist als man selbst? Durch einen Zufall erhält sie einen Stein von einer Sternschnuppe und wünscht sich in ihrer Verzweiflung, kleiner zu werden und dadurch ihren Traummann zu finden. Voller Schrecken stellt Yuna daraufhin fest, dass sie tatsächlich so winzig wie eine Puppe geworden ist! Ein junger Mann namens Tomo, beruflich Designer, entdeckt sie und kleidet die Geschrumpfte ein. Zwischen den beiden entsteht eine zarte Liebe, doch Yuna fürchtet sich davor, eines Tages wieder groß zu sein und ihn dadurch zu verlieren …

Die Story

Die Grundidee von Die mit den Wölfen spielt verbunden mit dem außergewöhnlichen Setting ist durchaus interessant und bisher unverbraucht. Dadurch nimmt die Handlung ganz andere Züge im Gegensatz zu ähnlichen Vertretern an. Bemerkenswert ist hier, dass sich der Plot auch wirklich durch die gesamte Geschichte wie ein roter Faden zieht und sich merklich auf die Beziehung der Protagonisten auswirkt. Positiv fällt auch auf, dass jede Episode für sich eine eigene Geschichte und somit Abwechslung bietet.

Ein Manko ist aber, dass jede Episode doch recht fix erzählt wird und einige Entwicklungen den Leser überwältigen könnten. Da es sich um einen Einzelband handelt, muss man allerdings mit einem sehr schnell voran schreitenden Erzählverlauf rechnen. Die Geschichte ist nicht nur dynamisch, sondern bringt auch einige unvorhersehbare Elemente ins Spiel. Dennoch wird auch mit vielen gängigen Klischees gearbeitet, die die Handlung recht vorhersehbar machen. Besonders das zweite Kapitel wirkt aufgrund der perfekt zueinander passenden Umstände konstruiert. An einigen Stellen ergeben sich Ungereimtheiten, die die Glaubwürdigkeit etwas vermindern.

Obwohl die Grundidee an sich reizvoll ist, werden gerne stereotype Floskeln eingebaut, die man als zu kitschig empfinden könnte. Wenn Keiji trotz seines schweigsamen Verhaltens immer die perfekten Worte parat hat, trifft das entweder direkt ins Herz oder komplett daneben. Das hängt natürlich von der Lesererwartung ab, andere würden dies als romantisch empfinden und als Vorlage fürs Schwärmen sehen.

Der Titel der Handlung führt etwas in die Irre, weil nicht ersichtlich wird, warum Nozomi mit Wölfen spielt. Sicherlich bezieht sich der Titel auf Keiji, der nur anfangs gewalttätig erscheint, jedoch im Laufe der Handlung richtig zahm wird.

Eine nette Abwechslung bringt auch die Kurzgeschichte Bin ich dir nicht genug?!, die mit fantastischen Elementen arbeitet, ebenso temporeich, aber herzerwärmend ist.

Charaktere

Beide Protagonisten im Manga Die mit den Wölfen spielt sind sympathisch, jedoch kann man sie auf wenige Eigenschaften reduzieren.

Nozomi erscheint als durchschnittliches Mädchen, welches sich wenig um sei Aussehen kümmert und dafür eine Leidenschaft für das Bauen von Dingen hegt. In einem Männerhaushalt aufgewachsen scheint sie, keine Probleme mit Jungs zu haben. Erstaunlicherweise ist die Heldin sogar die Chefin in der Klasse. Nozomi wirkt extrovertiert, burschikos, ist strebsam und tut alles aus Leidenschaft. Außerdem hat sie ein dunkles Geheimnis, was wahrscheinlich ausschlaggebend für ihre Boss-Rolle ist. Im Kontrast dazu erscheint sie meist naiv, liebenswürdig und vielleicht etwas zu nett. Das führt dann zu solchen Ungereimtheiten, dass Nozomi bspw. aus Höflichkeit nicht sauer wird, obwohl sie ein Typ überfällt.

Keiji ist das komplette Gegenteil von Nozomi, und zwar sehr ruhig und verschlossen. In gewissen Situationen kann er aber schnell die Fassung verlieren, besonders wenn jemand sich an seiner Liebsten vergreift. Spannend ist es zu sehen, wenn aus dem brutalen Schlägertypen ein zahmes Lämmchen wird und er dann romantische Sprüche verlauten lässt. Man merkt, dass die Mangaka gerne mit Widersprüchen in ihren Figuren spielt, und das macht diese wahrscheinlich auch sympathisch sowie interessant.

Zeichnung

Die Figuren entsprechen dem optischen Schema von Shojo-Manga, sodass die männlichen wie auch weiblichen Figuren schön gezeichnet sind. Der Fokus liegt eindeutig auf der Mimik sowie Gestik, die von der Mangaka gut veranschaulicht wird. Leider fehlt dem Charakterdesign ein gewisser Wiederkennungswert und die Figuren erscheinen recht groß und dürr, doch ansonsten stimmen die Proportionen. Hintergründe werden nur sparsam ausgefüllt, was allerdings nicht sonderlich negativ auffällt.

Aufmachung

Der Einzelband enthält drei reguläre Kapitel der Titelgeschichte Die mit den Wölfen spielt, sowie ein Extra-Kapitel und die Kurzgeschichte Bin ich dir nicht genug?!.

Fazit

Mit dem Manga Die mit den Wölfen spielt entwickelt Yuki Shiraishi eine Geschichte mit interessantem Setting und – trotz stereotyper Persönlichkeit – interessanten Figuren, woraus sich eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre ergibt. Wer Klischees nicht abgeneigt ist und sich auch vor kitschigen, temporeichen Szenarien nicht scheut, ist mit dem Werk gut bedient.

Info

Original Name: オオカミどものしつけ方
Transkription: Okami domo no shitsukekata
Von: Yuki Shiraishi
Verlag: Tokyopop
Verfügbar: 12 Bände
Preis: 6,95 €
Genre: Romance
Empfehlung: 15+
ISBN: 978-3842016651