Gelesen: Ein Fremder am Strand

Am 14. Januar brachte TOKYOPOP Ein Fremder am Strand von Kanna Kii auf den deutschsprachigen Markt. Im Original lautet das Werk Umibe no Étranger und wurde 2014 von Shodensha in Japan herausgegeben. Was der Einzelband parat hält, wir verraten es euch!

Worum geht es?

Mio wohnt seit dem Tod seiner Mutter bei einer Pflegefamilie auf einer Insel. Tagsüber bis spät in den Abend sitzt er auf einer Bank und starrt in die Ferne.

Shun wiederum ist Schriftsteller und seit drei Jahren auf der Insel. Als er Mio eines Tages auf der Bank entdeckt, weckt dieser sofort Shuns Interesse. Mio macht des ihm jedoch fortan nicht gerade leicht. Zwar kommen die beiden später ins Gespräch, aber Mio findet Shuns Blicke widerlich. Shun wiederum hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen im Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe gemacht, die stets nicht toleriert wurde.

Die beiden bleiben dennoch in Kontakt, wenngleich Mio schließlich den Ort verlässt, um auf die Hauptinsel zu gehen. Sein Versprechen, Shun anzurufen, hat er scheinbar nicht eingehalten. Ob es wohl drei Jahre später für die jungen Männer noch Hoffnung auf ein Zusammenkommen gibt …

Die Story

Kanna Kii beginnt Ein Fremder am Strand mit einem Kapitel, das einfach nur das Kennenlernen der beiden Protagonisten schildert. Es folgt ein dreijähriger Zeitsprung. Im Slice-of-Bereich schildert die Mangaka den Reifeprozess der Charaktere. Wo Mio in der Kennenlernphase zunächst nichts mit Homosexualität anfangen konnte, ist er nun bereit sich auf Shun einzulassen. Doch genau dieser blockt den Jungen ab. Diese Problematik, gilt es in dem Oneshot zu klären. Auch vernachlässigt Kanna Kii die Hintergrundgeschichten der beiden Protagonisten in dem Zuge nicht.

Die Charaktere

Shun kommt in der Story mit einer Standardproblematik: Er hat mit seiner Homosexualität negative Erfahrungen gemacht, insbesondere mit seiner Familie. Der Junge fällt gar in Ohnmacht, wenn er an die damaligen Probleme denkt, hat quasi Angst, sich seinen Gefühlen zu stellen.

Wiederum ging Mio nach dem Tod seiner Mutter auf Abstand zu Menschen. Nach dem Kennenlernen von Shun taute er allerdings etwas auf. Seinen Gefühlen für Shun wurde Mio sich erst im Verlauf der drei Jahre bewusst, sodass er nach seiner Rückkehr um dessen Gunst kämpft.

Mio stellt von den beiden Protagonisten den dominanten dar, wenngleich diese Seme-Uke-Beziehung von der Mangaka nicht zu sehr in den Vordergrund gedrängt wird. Im Großen und Ganzen erhält der Leser mit dem Paar zwei attraktive und identifizierbare Figuren.

Zeichnung

Kanna Kiis Zeichnungen geben dem Werk das gewisse i-Tüpfelchen. Es sind nicht nur ihre besonderen Charakterdesigns, sondern auch die skizzenhaft wirkenden Hintergründe, die dem Manga eine rustikale Note verleihen. Ich will nicht, sagen die Mangaka unsauber arbeitet, vielmehr deutet sie dunkle Flächen oftmals nur mit wenigen dicht aneinandergereihten Linien an. Bestimmte Details fallen dann gerne mal sehr simple aus. Nichtsdestotrotz gelingt es Kanna Kii mit kleinen Akzenten, das Insel-Feeling in ihren Zeichnungen rüberzubringen.

Aufmachung

Ein Fremder am Strand kommt im gewöhnlichen Taschenbuchformat und inkludiert vier Kapitel zur Erzählung sowie ein zweiseitiges Nachwort von der Mangaka.

Fazit

Ein Fremder am Strand bietet dem Leser eine süße und glaubwürdig erzählte Liebesgeschichte mit zwei attraktiven Protagonisten, wenngleich die Grundproblematik etwas altbacken ist. Kanna Kiis Charakterdesigns geben der Slice-of-Life-Story jedoch das gewisse Etwas. Wer ruhig erzählte Boys-Love-Geschichten liebt, die sich mehr den Hintergründen der Protagonisten widmen, anstatt des Bettsports, dem kann ich Ein Fremder am Strand ans Herz legen.

Info
Ein fremder am Strand
Original Name: 海辺のエトランゼ
Transkription: Umibe no Étranger
Von: Kanna Kii
Verlag: TOKYOPOP
Verfügbar: Einzelband
Preis: 6,95 €
Genre: Boys Love
Empfehlung: 15+
ISBN: 978-3-8420-2149-5