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Girls Love im Trend: Identitätsfragen und schmutzige Szenen verlocken

Girls Love: vom Randgruppenthema zum Hit-Genre

Girls Love (Japanisch: Yuri) ist im Trend! Doch warum ist dieser Bereich so populär und was fasziniert Leser/innen an einer Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen?

Girls Love ist und war schon seit Jahrzehnten ein Part des japanischen Shojo-Manga-Genres. Dennoch schlummerte dieser ein wenig vor sich hin, während der männliche Gegenpart, Boys Love, weltweit eine breitere Leserschaft anzog.

In Japan bekam Girls Love im Jahr 2004 durch die Anime-Adaption von Maria-sama ga miteru reichlich Aufmerksamkeit. Zwei Jahre später sicherte sich TOKYOPOP sowohl die Manga-Umsetzung als auch die Light-Novel-Vorlage und veröffentlichte sie unter dem Titel Rosen unter Marias Obhut.

Genre-Mix sorgte später für frischen Wind

Zum damaligen Zeitpunkt erwies sich der deutsche Markt für Girls-Love-Geschichten noch nicht interessiert genug. Es fehlten Leser, weshalb die Publikation der Light Novel nach fünf Bänden eingestellt wurde. Und auch viele Jahre danach fanden nur vereinzelt Girls-Love-Titel Einzug in die Manga-Programme deutscher Verlage.

Netsuzou Trap – NTR
Bild: Netsuzou Trap – NTR komplett bei TOKYOPOP erschienen

Nach 2008 gelang es der Slice-of-Life-Geschichte YuruYuri, in Japan stark in den Fokus zu rücken, da die Story mit ihren unterschiedlichen Handlungselementen Zuschauer anlockte — nämlich mit Humor, Freundschaft, Alltagsleben und einer Girls-Love-Beziehung als Extra. Die spezielle Mischung sorgte dafür, dass die Serie multimedial ins Gespräch kam.

Das Konzept, Girls Love mit anderen Genres zu mixen, trägt Früchte. Der deutsche Verlag TOKYOPOP erklärt: „Der Bereich Girls Love hat einen Wechsel vom Outsider-/Randgruppenthema zum Hit-Genre hinter sich. Auf dem Manga-Markt führt der Bereich zu mehr Facettenreichtum und Abwechslung.“

Starkes mediales und politisches Interesse an Homosexualität/LGBTQ+

Doch es ist nicht nur die Tatsache, dass sich die Geschichte von einer herkömmlichen Alltagsromanze zu einem unterhaltsamen Genre-Mix entwickelt hat. Auch stieg in den vergangenen Jahren das allgemeine Interesse an Homosexualität/LGBTQ+.

Die Geschichte von gleichgeschlechtlicher Erotik reicht bis ins 12.000 Jahr vor Christus zurück. Weltweit entwickelte sich die Toleranz im Laufe der Zeit gebietsweise mal in eine legalisierte oder verbotene Richtung. Doch insbesondere ab dem 16. Jahrhundert galt gleichgeschlechtlicher Sex als sitten- beziehungsweise gesetzeswidrig und trug schwere, oft auch gewaltsame oder tödliche, Konsequenzen mit sich.

Erst ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich der Trend so langsam in die andere Richtung, da Themen wie Homo-, Bi- und Transsexualität von Wissenschaftlern, der Politik und den Medien intensiver aufgegriffen und kontrovers diskutiert wurden.

Im heutigen 21. Jahrhundert ist die Toleranz für LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) dank besserer Aufklärungsarbeit und politischem sowie medialem Engagement weltweit angestiegen. Auch die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ist mittlerweile in vielen Ländern anerkannt. Deutschland führte 2019 mit „Divers“ sogar ein drittes Geschlecht ein, um die Persönlichkeitsrechte von Transgender zu stärken und dem Diskriminierungsverbot entgegenzukommen.

Identitätsfragen und heißer Sex locken Leser/innen

Citrus+
Bild: Citrus+ erscheint bei TOKYOPOP

„Alles, was neu ist, ist interessant und noch nicht durchgelutscht,“ erklärt TOKYOPOP. Der deutsche Verlag begründet die derzeitige Beliebtheit auch mit den verschiedenen Sichtweisen auf das Thema. Leser/innen würden sich zudem mit der eigenen Sexualität beziehungsweise sexuellen Orientierung genauer auseinandersetzen, entdecken dabei teilweise auch Parallelen bei den Protagonisten.

Anhand von Messebeobachtungen stellte TOKYOPOP fest: „Wenn Jungs nach Girls Love gefragt haben, dann häufig nach Citrus. Im Laufe der Zeit konnten wir eine verstärkte Nachfrage nach „sexy time“ (z.B. Netsuzou Trap – NTR) feststellen. Mädchen scheinen beim Lesen eher Identitätsfragen zu schätzen und nach Inhalten zu schauen, die auf sensible Weise mit Emotionen und eventuell auch dem Outing umgehen.“

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Tokyopop: Im Girls- und Boys-Love-Bereich sehen wir ein großes Interesse

Aber gelingt es Girls Love, ähnlich stabil erfolgreich zu bleiben wie Boys Love? TOKYOPOP hält es für fraglich, dass Girls Love an den Erfolg des männlichen Pendants (Boys Love) anknüpft. Der Verlag zeigt sich aber zuversichtlich. „Es wird immer was nachfließen. Das Thema erschöpft sich nicht, sondern gewinnt eher an Vielfalt (mehr Genre-Mixe, z.B. Yuri mit SciFi). Viele Yuri scheinen experimentierfreudiger zu sein.“

Hierzulande veröffentlichte TOKYOPOP in den vergangenen Jahren Erfolgstitel wie Citrus (aktuelle Fortsetzung Citrus+), After Hours, den Einzelband My beloved Saki und Netsuzou Trap – NTR. Im Juni 2020 dürfen sich Leser auf den farbigen Einzelband im Großformat Lilium Terrarium und die bisher drei Bände umfassende Serie Love you till you die freuen.

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