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Kommentar: Networking bei deutschen Zeichnern: Must oder Frust?

Es fällt immer mehr auf, wenn die deutschen Zeichner auf ihren diversen Internet-Foren nicht konsequent aktiv sind, verlieren sie schneller an Reichweite als die Bäume im Herbst ihre Blätter. Bloß was tun als Manga-Künstler, wenn man sich lieber auf seine eigentliche Tätigkeit, nämlichen das Zeichnen, konzentrieren will?

Social Networking gehört für die meisten deutschen Zeichner inzwischen zum Alltag. Regelmäßig posten sie auf ihren Facebook- beziehungsweise Twitter-Seiten die neuesten Informationen über ihre Arbeiten sowie Aktionen, an denen sie beteiligt sind.

Natürlich ist, das Internet einschließlich der sozialen Seiten, heute das Medium, wenn man potentielle Leser erreichen will. Die Zahlen sprechen für sich. Um eine Reichweite von 50 Millionen Empfänger zu erreichen, brauchte das Radio ganze 25 Jahre. Das Fernsehen brauchte für diese Bandbreite knapp 13 Jahren. Und wie lange benötigte Facebook, um diese Anzahl an Nutzern zu generieren? 5 Monate!

Bist du nicht drin, bist du out

Hieß es zu Anfangszeiten des Internets noch „Bin ich schon drin?“, ist es heute so. Bist du nicht drin, dann bist du out! Dies gilt besonders für jene deutschen Künstler, die selbst publizieren und sich demzufolge auch selbst vermarkten müssen. Während in den Verlagen eine ganze PR-Abteilung dafür sorgt, dass alle nötigen Informationen an die Öffentlichkeit getragen werden, fehlt den Selfpublishern dieses Team. Da heißt es dann selbst für Reichweite sorgen. Dafür eigenen sich aktuell am ehesten Facebook und Twitter. Früher war noch Animexx die Plattform auf der man sein musste, um in der Szene mitreden zu können.

Heute ist es nicht mehr so einfach. Die sozialen Netzwerke sorgen schnell für Reichweite, aber genauso schnell ist diese auch wieder weg. Der „Like“-Button auf Facebook kann genauso schnell wieder zurückgenommen werden, wie das „Follow“ auf Twitter.

Dementsprechend muss man als Zeichner für einen konstanten Fluss an Input sorgen, um die Fans bei Laune zu halten. Längst geht es dabei nicht mehr nur um inhaltliche Dinge zur aktuellen Geschichte oder zum neuen Projekt. Die Zeichner posten alles Mögliche, um im Gespräch zu bleiben.

Gleichzeitig wird der Druck der Community größer. Immer mehr neue Talente treten in die Öffentlichkeit und versuchen sich und ihre Manga auf dem Markt zu etablieren. Oft sind hierbei die sozialen Netzwerke das Sprungbrett, denn wo kann man schneller Feedback bekommen als hier. Man stellt etwas online, der Erste schreibt einen Kommentar. Dieser wird den Freunden des Schreibers angezeigt, die dann wiederum schauen, was denn dort kommentiert wurde und so weiter. Handelt es sich dabei noch um positive Rückmeldungen, lässt sich schnell eine kleine Fangemeinde aufbauen.

Dieses Prinzip funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Hat der Zeichner mal einen schlechten Tag oder postet etwas, das nicht gut ankommt, geht es mit der Beliebtheit schnell bergab. Es liegt nun einmal in der Natur vieler Menschen, dass diese eher Kritik äußern als erfreuliche Dinge wieder zu geben, wobei ich hier nicht pauschalisieren möchte. Viele Zeichner freuen sich zu Recht über die zahlreichen aufmunternden Mitteilungen auf ihren Seiten. Wenn wir aber ehrlich sind, mindestens einer ist immer dabei, der etwas auszusetzen hat. Wenn diese Meldungen in die falschen Kanäle kommen, ist die Lawine nur noch schwer wieder einzudämmen.

Der Druck, der bleibt und ein prominentes Gegenbeispiel

Viele Zeichner wollen über kurz oder lang von ihrer Arbeit leben. Dies macht es nötig entsprechend hohe Verkaufszahlen zu erreichen. Dafür wiederum ist es unerlässlich Werbung für seine Werke zu machen. Wo gestaltet sich das einfacher, als in sozialen Netzwerken. Bei einem entsprechenden Radius an Adressaten hat man schnell den Facebook-Effekt. Die Aufmerksamkeit vieler Menschen in kurzer Zeit. Diese richtig genutzt, sorgt selbstverständlich für eine große Anzahl potentieller Käufern.

Wo wir wieder beim Problem der Klicks sind, die man stetig einheimsen muss, um diesen Effekt für sich nutzen zu können. Das setzt wiederum jene Zeichner stark unter Druck, die eigentlich lieber im Stillen ihre Manga konzipieren und sich rein aufs Zeichnen konzentrieren wollen. Spätestens wenn sie ihre Werke auf den Markt bringen, stolpern diese Mangaka wieder über das Problem, ihre Fans über das Erscheinen auch in Kenntnis setzen zu müssen.

Auf Grund der Masse an talentierten Zeichnern wird es immer schwerer die einmal aufgebaute Fangemeinschaft zu halten. Immer mehr Künstler haben neben einer eigenen Homepage, einen Facebook- und Twitter-Account. Die gehören inzwischen einfach dazu. An dieser Stelle beginnt das Vergleichen „Wer hat wie viele Likes oder Follower.“ Besonders junge Zeichner sehen sich mit diesem Druck konfrontiert, schnell viele Fans bekommen zu müssen. Während die etablierten Künstler bereits viele Jahre Zeit hatten sich eine entsprechende Fan-Base aufzubauen, gestaltet sich dies für neue Talente auf Grund der hohen Anzahl immer schwieriger.

Für viele stellt sich letztendlich die Frage „Was muss ich als Zeichner tun, um aus der Masse herauszustechen beziehungsweise die größte Anzahl an Teilnehmern auf den Social Media-Seiten zu haben?“ Die Antwort drauf muss jeder letztendlich für sich selbst definieren. Je nachdem wie viel man bereit ist, von sich selbst öffentlich zu machen.

Eine Möglichkeit ist es, sich einfach mal rar machen, so wie es Inga Steinmetz in den letzten Monaten getan hat. Sie hat sich aus eigenem Antrieb dazu entschieden, aus dem Hamsterrad auszusteigen und nicht mehr alles in die Welt zu posten, was sie so macht oder woran sie gerade arbeitet. Seit Schneefallens Fall bei Carlsen Manga! erschien, hat Inga sich aus der sozialen Öffentlichkeit zurückgezogen um einfach nur ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, dem Zeichnen einer neuen Geschichte.

Während sie sich bewusst für diese Posting-Abstinenz entschied, stellte sie fest, dass dies ungemein befreiend sein kann. Nicht mehr immer zu schauen, was die Zahlen der anderen Zeichner machen, oder wie man die eigenen Klick-Zahlen erhöhen kann. Denn obwohl Inga Steinmetz nicht mehr alles postete, bedeutete dies nicht, dass sie in der Zeit nichts gemacht hat. Sie hat es nur nicht mehr mit der ganzen Welt geteilt. Der komplette Text mit Ingas Gedanken und Kommentaren ist weiterhin auf ihrer Facebook-Seite anzusehen. So ganz ohne geht es halt doch nicht.

Ausblicke und Möglichkeiten

Dass sich an der Social Media Orientierung in der nächsten Zeit etwas ändern wird, steht nicht zu erwarten. Durch neue Plattformen wie Tinder oder Instagram ist eher noch eine Forcierung möglich. Die größere werdende Zahl an Konkurrenten zwingt die Zeichner dazu sich zu entscheiden, entweder man bleibt Selfpublisher und opfert die wenige zeichenfreie Zeit fürs Online-Marketing oder man sucht sich einen Verlag, der einem diese Arbeit abnimmt. Dies geschieht dann meist auf Kosten der eigenen Entscheidungsfreiheit.

Auch wir als Magazin sind auf die Klicks und Aufmerksamkeit unserer Leser angewiesen. Gleichzeitig wollen wir das unsrige dazu tun, den deutschsprachigen Zeichnern zu helfen, ihre Reichweite über die eigenen Kontakte hinaus zu erweitern. Gerade planen wir eine Zusammenarbeit mit der österreichischen Zeichnerin Nightmaker zum Erscheinen ihres neuen Mangas ToxiCC, welchen sie im Eigenverlag veröffentlichen möchte.

Nightmaker hat sich ebenfalls bewusst dagegen entschieden, wieder bei einem Verlag zu veröffentlichen. Sie will beweisen, dass man mit einem guten Manga und sinnvollen Zusammenarbeit auch einen selbst publizierten Manga zum Erfolg führen kann. Durch verschiedene Aktionen versuchen wir zusammen mit Nightmaker ihre neue Geschichte auch abseits der großen Verlage wie Tokyopop, Egmont Manga oder Carlsen Manga! einer breiten Leserschaft vorzustellen.

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