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Leben als Mangaka, Teil 2: Mikiko Ponczeck (Crash ’n‘ Burn)

International etablierten sich Künstler/innen, die die japanische Zeichenkunst für sich entdeckt haben. Wie schaut ihr Alltag aus, welche Träume verfolgen sie und welchen Hürden müssen sie sich stellen? In einer Artikelreihe von Sumikai, die auch von internationalen Plattformen wie Tokyo Otaku Mode Unterstützung erhält und in englischer Sprache erscheinen wird, schenken wir euch Einblicke in das Leben verschiedener internationaler und japanischer Mangaka.

Den Anfang machte dabei die chinesische, in Toronto lebende Illustratorin Shilin Huang. Als Nächstes gehen wir auf die deutsch-japanische Zeichnerin Mikiko Ponczeck ein, die im Internet unter ihrem Künstlernamen Zombiesmile bekannt ist.

Sprachtalent und deutsche Comicpreisträgerin

Mikiko kam am 2. Februar 1984 in Tokyo auf die Welt. Als Kind zog sie wegen des Berufes ihres Vaters viel um. Dadurch beherrscht sie neben Deutsch auch Englisch, Japanisch und Französisch. 1999 zog sie nach Deutschland und machte dort ihr Abitur.

Mikiko Ponczeck - Artwork 2
Bild: Mikiko Ponczeck

2007 feierte die Mangaka mit Lost and Found beim Verlag The Wild Side ihr Debüt. Bei The Wild Side übernahm Mikiko aber mehrere Jahre auch die Tätigkeit als Art Director. Zudem übersetzte sie diverse Werke ins Deutsche und zeigte sich für das Lettering verantwortlich. 2010 erfolgte durch ihren Beitrag in Grimms Manga Sonderband Mikikos erste Zusammenarbeit mit Tokyopop Deutschland. Im selben Jahr erschien bei dem Verlag eine Neuauflage von Lost and Found und dessen Artbook Blue. Es folgten weitere Zusammenarbeiten – u. A. mit dem australischen Verlag Gestalt Publishing, der Restaurantkette Subway, dem deutschen Verein Animexx und dem Verlag Fireangels. In ihrer zwölfjährigen Karrierelaufbahn gewann die Künstlerin für Grimms Manga Sonderband den AnimaniA-Award als Bester Manga National und für Crash ’n‘ Burn den Publikumspreis des Max-und-Moritz-Preises. Ihre neueren Werke Scars und Miki’s Mini Comics erschienen jeweils beim deutschen Verlag Pyramond.

Die Anfänge

Mikiko wuchs mit Manga und Anime auf, daher war es etwas, was sie im Leben immer begleitet hat. Ihre Mutter war eine Künstlerin, daher schaute sie sich das Zeichnen von ihr ab, aber es war nie wirklich strikt Manga-Zeichnen. Im Alter von zwölf Jahren fand Mikiko dank des erstmaligen Lesens eines Shonen-Manga endlich etwas, was sie immer machen wollte: nämlich Manga-Zeichnen. Danach arbeitete sie kontinuierlich daran und konnte einfach nicht mehr aufhören. Mikiko gesteht, ihre Familie dachte zunächst, es wäre nur eine Phase. Ihr Vater fand es erst gar nicht lustig, aber nach und nach wurde ihnen bewusst, dass es sie glücklich macht.

Als dann die ersten richtigen Jobs kamen, war ihnen dann auch klar, dass ich nicht verhungern würde, und heute sind sie meine größten Fans.

Mikiko Ponczeck - Artwork
Bild: Mikiko Ponczeck

Die Anfänge bezeichnet Mikiko als sehr schwammig. Vor dem Abitur habe sie sich schon versucht zu informieren, wie sie Mangaka werden könnte, aber alle Jobberatungen waren komplett nutzlos. Man sagte ihr, sie solle Kunstlehrerin oder Goldschmiedin werden. Keinem sei es in den Sinn gekommen, ihr die Option ‚Freiberufler‘ vorzuschlagen. Aufgrund dessen zeichnete sie nach dem Abitur Manga, stellte diese ins Netz und versuchte sich nebenbei in Kunstschulen anzumelden – wurde jedoch abgelehnt.

Am Ende bin ich mit einem Dojin bei einem Kleinverlag gelandet und begann auf Messen zu gehen. Damals zeichneten Leute alles gratis und ich begann, für ConHon-Einträge Geld zu verlangen. Das war ganz kontrovers … bis dann plötzlich alle Geld verlangten.

Über die Jahre hinweg baute Mikiko ihre Online-Fanbase aus und veröffentlichte mehrere Titel bei Tokyopop Deutschland und anderen Verlagen. Aktuell produziert sie fast alles im Eigenvertrieb – im deutschsprachigen Raum keine Seltenheit, dass hinter publizierten Werken einer deutschen Mangaka kein Verlag steht.

Wie läuft’s in der Gegenwart?

Das digitale Zeitalter ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Mikiko erzählt, ihre Jobsituation habe sich absolut verbessert, da alles online abgewickelt wird, wo Deutschland am Anfang ganz schön hinterher hinkte. Social-Media-Kanäle führte die Mangaka immer in englischer Sprache, daher sei auch ihre Fanbase international. Selbst Aufträge bekäme sie zu 90% aus dem Ausland.

Natürlich kommt hinzu, dass über die Zeit meine Reichweite nun so groß geworden ist, dass es kaum ein Aufwand ist, Arbeit zu finden. Websites wie Patreon, Tapas und ko-fi helfen mit Fanservice und Extras. Onlineshop-Plattformen, wo man Prints und Bücher verkaufen kann, gibt es heute in Hülle und Fülle. Es wird immer besser, ich kann mich nicht beklagen. 🙂

Doch wie gestaltet sich momentan Mikikos Arbeitswoche? Diese variiert je nach Job. Allerdings fokussiert sie sich auf Messen, da dort der Verkauf von vielen Comics, Artbooks und Merchandise geplant wird. Generell startet ihr Tag morgens mit dem Bearbeiten von E-Mails und Rechnungen. Danach zeichnet Mikiko den Rest des Tages bis 18:00 Uhr. Am Wochenende ist für sie der Arbeitscomputer jedoch tabu. Mikikos Privatleben ist immer sehr mit ihrer Arbeit verbunden, da sie das Zeichnen nun mal liebt und die Tätigkeit nicht von ihr als Person trennbar ist. Allerdings teilte sie ihre Arbeitszeiten aus gutem Grund strikt ein.

‚Nein‘ sagen ist etwas, was ich erst lernen musste. Aber heute ist das kein Problem und ich meide Stress auf diese Weise. Ich vermisse nichts, denn zu Hause hocken und zeichnen ist meine Vorstellung eines wunderbaren Tages!

Zu guter Letzt gesteht uns Mikiko, dass sie momentan recht zufrieden ist und das Leben genieße. Überraschende Dinge kommen immer wieder auf sie zu, diese lässt sie aber gerne auf sich zukommen. Für die Zukunft hat sich die Künstlerin jedoch eine Sache in den Kopf gesetzt:

Ziel war, von meiner Arbeit leben zu können. Heute ist es eher: „Ich möchte dieses alte Projekt mal endlich abschließen“ und ähnliches. Momentanes Ziel ist einfach alles, was liegen geblieben ist, mal fertigzustellen.

Offizielle Webseite von Mikiko Ponczeck @Twitter @Instagram @Patreon

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