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Manga über das Zusammenleben mit einem alkoholkranken Vater stößt in Japan auf große Resonanz

Manga soll Familienmythos zerstören

Ein Manga, der den Zusammenbruch einer Familie beschreibt, in der der Vater alkoholkrank ist, stößt auf große Resonanz bei Manga-Fans in Japan, die sich mit der Geschichte identifizieren können.

Der Manga heißt „You to Bakemono nu Naru Chichi ga Tsurai“ (Mein Vater, der ein Monster wird, wenn er betrunken ist). Erählt wird er von der 47-jährigen Manga-Künstlerin Mariko Kikuchi als eine autobiografische Geschichte.

Manga über alkoholkranken Vater soll Mythos auflösen

Die Mangaka erzählte in einem Interview: „Ich hoffe, der Manga gibt den Menschen die Möglichkeit nachzudenken. Ich möchte den Mythos auflösen, dass unter Familienmitgliedern alles akzeptabel sei, egal was man macht.“

„You to Bakemono nu Naru Chichi ga Tsurai“ beginnt mit der Zeile: „Mein Vater war in meinen Erinnerungen immer betrunken.“ Kikuchi lebte mit ihrem alkoholkranken Vater, einer von einer Sekte besessenen Mutter und einer drei Jahre jüngeren Schwester zusammen. Ihr Vater war Chef einer kleinen Firma, eigentlich ein ruhiger Mensch, hatte viele Freunde und war vertrauenswürdig. Aber wenn er betrunken war, verwandelte er sich in ein „Monster“.

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Jedes Wochenende lud er seine Freunde aus der Nachbarschaft ins Haus ein und betrank sich, wenn er Mahjongg spielte. Er hielt nie Versprechen mit seiner Familie irgendwo hinzugehen und konnte mit dem Gesicht nach unten im Badezimmer schlafen. Auch verursachte er einen Autounfall, während er betrunken war.

Als Kikuchi im zweiten Jahr der Junior High School war, brachte sich ihre Mutter um. Ihr Vater hörte vorübergehend mit dem Trinken auf, begann aber weniger als einen Monat später wieder damit.

Kikuchi hatte ihrer Mutter seit ihrer Kindheit dabei zugesehen, wie sie sich um ihren betrunkenen Mann kümmerte, deswegen glaubte sie, dass dies normal ist. Also übernahm sie die Aufgabe, sich anstelle ihrer verstorbenen Mutter um ihren Vater zu kümmern. Auch nachdem sie Manga-Künstlerin geworden war, lebte sie weiterhin mit ihrem Vater im Haus.

Nachdem ihr Vater 2015 im Alter von 72 Jahren an einer Krankheit gestorben ist, sagte sich Kikuchi weiterhin, dass ihr Vater ein normaler Mensch sei, der sich nur betrunken hat.“

Arbeit am Manga löste Illusionen auf

Als sie im selben Jahr bei einer Beratung für einen alkoholkranken Patienten dabei war, um für einen Manga zu recherchieren, stellte sie schockiert fest, dass dieselben Symptome, die ihr Vater hatte, auch in Bezug auf die Alkoholabhängigkeit diskutiert wurden. Damals dachte sie zum ersten Mal: „Vielleicht war mein Vater Alkoholiker“. Das wurde für sie zum Katalysator, einen Manga über ihr Leben mit ihrem Vater zu erstellen.

Als im April 2017 die erste Episode ihres Manga über ihr Leben mit ihrem Vater auf der Website von Akita Publishing Co. erschien, stürzte der Server vorübergehend ab, weil so viele Menschen versuchten, auf den Manga zuzugreifen.

Kikuchi erhielt viele Nachrichten von Lesern, die wie sie Familienmitglieder hatten, die viel tranken. „Mein Elternteil ist genau so“, sagte der eine, während ein anderer enthüllte: „Ich hatte meine Gefühle bis jetzt unterdrückt, aber als ich Ihren Manga las, wurde mir klar, dass ich Schmerzen habe.“

Bis dahin hatte Kikuchi mit ihren Freunden scherzhaft über ihren Vater gesprochen und ihn in ihrem Manga zum Gespött der Witze gemacht. Aber als sie die Botschaften ihrer Leser las, die ihren aufgestauten Schmerz nicht mehr in sich zu behalten schienen, hatte sie das Gefühl, dass sie nicht mehr länger über den Alkoholismus ihres Vaters scherzen konnte.

Sie sagt, ihr neuester Manga habe sich zu einem Manga entwickelt, der auch die Geschichten von Menschen erzählt, die sich mit ihr identifizieren können. Sie hat das Gefühl, dass sich die Erfahrungen vieler Menschen im Manga widerspiegeln.

Seite des Manga
Seite des Manga. Bild: Mariko Kikuchi /Akita Publishing Co

Film-Adaption darf keine herzerwärmende Geschichte sein

Als der Manga zu einem Live-Action-Film mit Honoka Matsumoto und Kiyohiko Shibukawa in den Hauptrollen adaptiert wurde, stellte Kikuchi nur eine einzige Bitte an den Regisseur: Sie bat darum, den Film nicht zu einem Film zu machen, wie eine Familie sich gegenseitig lieben und vergeben kann, egal was passiert. Sie war der Meinung, dass es ein Verrat an all den Menschen mit Schmerzen wäre, die ihr tief empfundene Botschaften geschickt hatten, wenn aus dem Film eine schöne, herzerwärmende Geschichte würde.

Kikuchi möchte den Mythos auflösen, dass Familienmitgliedern alles vergeben werden kann, was sie tun, nur weil sie zur Familie gehören. „Wenn man ihnen den Familienmythos aufdrängt, müssen Kinder ihren Eltern verzeihen, auch wenn sie schreckliche Dinge tun und sich nie entschuldigen. Und das, obwohl es viele Kinder gibt, die wegen ihrer Eltern leiden. Es ist eine schwere Last für sie“, sagt sie.

Sie weiß das, weil sie ein solches Kind war. Sie hatte immer das Gefühl, dass sie im Unrecht war und dachte die Verrückte zu sein, die sich aufregt oder weint, während ihr Vater der Leichtherzige und Lustige war. Jetzt hat sie Angst davor, eine eigene Familie zu gründen, ist immer noch alleinstehend und lebt mit ihrer jüngeren Schwester in dem Haus, in dem sie aufgewachsen sind.

Laut Kikuchi erinnert sie sich an ihren Vater, wenn sie Manga zeichnet oder kurz davor ist, nachts einzuschlafen. „Es wäre einfacher, wenn ich ihn einfach hassen könnte, aber das kann ich nicht“, sagt sie. Jetzt, wo sie so viel über die Alkoholsucht gelernt hat, möchte sie ihm vieles vorschlagen: „Trinke nicht, um unangenehmen Gefühlen zu entfliehen, sondern stelle dich ihnen. Dein Leben wird sich ändern.“

Die Realfilm-Adaption von „You to Bakemono nu Naru Chichi ga Tsurai“ wird am dem 6. März in Japan erscheinen.

PM

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