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Musik-Special: Wie viel Musik verbirgt sich in deutschen Manga? (Teil 1)

Beim Thema Musik muss man in der deutschen Manga-Ecke nicht mit Lupe und Kompass auf Spurensuche gehen. Vielmehr erstreckt sich durch die Verlagseigenproduktionen und Dojinshi eine kleine, aber feine Auswahl.

Das Monatsthema von Sumikai lautet im November „Musik“. Bereits in der Vergangenheit habe ich im September („Weltall/Aliens“) und Oktober („Halloween“) einen Blick in die Print-Veröffentlichungen von deutschsprachigen Manga-Zeichnern geworfen und thematisch passende Titel vorgestellt. Dabei war es egal, ob es sich um eine Verlagseigenproduktion handelte oder um einen selbst publizierten Dojinshi. Das ist dieses Mal nicht anders. Mit dem folgend gezeigten Ergebnis bin ich persönlich vollauf zufrieden. Ihr Leser seid es hoffentlich auch.

Im ersten Teil des Artikels widmen wir uns den Verlagseigenproduktionen zum Thema Musik.

Carlsen Manga! und Tokyopop machen den Anfang

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© 2005 Christina Plaka, Tokyopop GmbH

Für unseren ersten Titel heißt es, das Rad der Zeit um mehr als ein Jahrzehnt zurückzudrehen bis 2003. Damals erschien in Carlsens mittlerweile eingestelltem Manga-Magazin Daisuki von Februar bis Juli Christina Plakas Prussian Blue.  Darin erzählt die Zeichnerin über die titelgebende Band Prussian Blue, welche das Mädchen Sayuri als neues Mitglied und Sängerin aufnimmt. Es wird für einen wichtigen Wettbewerb in drei Monaten geprobt. Die Konkurrenz ist groß. Zusätzlich wird Sayuri von Albträumen geplagt und findet halt beim Bandgitarristen und -sänger Jun. Doch diese Beziehung muss sich schnell ersten Konflikten stellen.

Noch im selben Jahr erfolgte eine Veröffentlichung als Sammelband. Eine Fortsetzung unter dem Titel Yonen Buzz erschien von 2005 bis 2012 bei Tokyopop in fünf Bänden. Dazu gesellten sich 2006 mit einem Band 0 die Neuauflage von Prussian Blue und 2007 der Sonderband Yonen Buzz United. Beim neuen Verlag wurde die Manga-Band Prussian Blue zudem in Plastic Chew umbenannt.

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© 2008 Stella Brandner, Carlsen Verlag

Heutzutage macht Christina Plaka vor allem durch ihre Manga-Zeichenschule I am mangaka! und ihr aktuelles Werk GoForIt! auf sich aufmerksam. Dennoch gibt es auch Neuigkeiten zu Yonen Buzz. 2012 scheint nämlich nicht das Endjahr für das Werk gewesen zu sein. Mitte Oktober 2016 hat Christina Plaka auf ihrer Facebook-Künstlerseite einen Post veröffentlicht, in welchem sie über eine Fortsetzung nachdenkt. 2017 möchte die Zeichnerin zudem die bisherige Geschichte in Eigenregie online zur Verfügung stellen.

Prussian Blue ist nicht der einzige deutsche Musik-Manga, der zuerst in der Daisuki und später als Sammelband bei Carlsen Manga! erschien. Dasselbe Prozedere durchlief auch Stella Brandners Einzelband Idol, welcher 2007 im Magazin startete und 2008 als Komplettwerk vom Verlag veröffentlicht wurde. Statt wie Christina Plaka aus der Sicht der Bandmitglieder zu erzählen, geht Stella Brandner einen anderen Weg. In Idol steht das Mädchen Elle im Mittelpunkt. Diese liebt die Band Sub Four, welche auf Deutschlandtour ist. Doch: kein Geld, folglich kein Ticket. Elle ist am Boden zerstört. Meint es das Schicksal wirklich so hart mit ihr?

Prussian Blue und Idol sind bereits beide verlagsvergriffen.

Egmont Manga und Schwarzer Turm legen mit Anthologien nach

© 2012 Schwarzer Turm Verlag/Olivia Vieweg

Wenn es darum ginge, einen deutschen Manga auszuwählen, der das Thema Musik am besten verkörpert, dann würde meine Wahl auf das Subway to Sally Storybook fallen. Bei der Anthologie aus dem Jahre 2008 handelt es sich um eine Kooperation der Verlage Egmont Manga und Schwarzer Turm in Zusammenarbeit mit der bekannten Folk-Metal-Band Subway to Sally. Auf über 220 Seiten, gedruckt in Schwarz-Weiß und Rot, werden dabei 19 Liedtexte von 19 verschiedenen Zeichnern aus dem Manga- und Comic-Bereich grafisch interpretiert. Jede der Kurzgeschichten wurde zusätzlich von Band-Texter Bodenski mit einem Kommentar versehen. Bei der Erstveröffentlichung auf der Leipziger Buchmesse 2008 hatten Fans zudem die Möglichkeit, auf der Veranstaltung das Konzert von Frontsänger Eric Fish und seiner Solo-Tour-Band anzuhören.

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© 2008 Schwarzer Turm Verlag

An den Erfolg des Storybooks knüpfte 2012 mit Subway to Sally Storybook 2 die Fortsetzung an, welche demselben Schema wie oben beschrieben folgt, nur dass es diesmal 18 teilnehmende Zeichner waren und statt Rot als Zusatzfarbe Blau verwendet wurde. Der zweite Anthologie-Band erschien zudem unter dem Thema „die Untiefen des Meeres und des Menschen“. Beide Storybooks sind bereits vergriffen.

Die Storybooks sind nur die ersten Musik-spezifischen Manga-Anthologien von Schwarzer Turm. Noch 2008 legte der Independent-Verlag zum Comic-Salon Erlangen mit der Kurzgeschichtensammlung Ballroom Blitz nach. Neun Zeichner präsentieren darin ihre Werke rund ums Thema Musik, ob nun Musikmachen, -hören, Luftgitarren oder Mixtapes. Inhaltlich ist eine bunte Mischung geboten. Im Webshop von Schwarzer Turm ist nur noch ein Exemplar von Ballroom Blitz lagernd. Kleine Auszugsseiten geben einen ersten Vorgeschmack auf den Inhalt.

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© 2010 Schwarzer Turm Verlag

Zwei Jahre später, 2010, wird es bei Schwarzer Turm wieder musikalisch, nämlich mit dem dritten Band der hauseigenen Anthologie-Reihe Blütenträume. Der Spezialband dreht sich ums Thema „Mädels und Musik“ und wirbt auf dem Cover (welches übrigens von Natalie Wormsbecher stammt) mit dem Begriff „Girliebands“. Das Blütenträume-Music-Special kann wie die restlichen Bände der Anthologie-Reihe normal über den Webshop von Schwarzer Turm für 6,50 Euro erworben werden.

Herausgegeben von Olivia Vieweg vereint die Girliebands-Ausgabe Werke von sechs deutschsprachigen Zeichnerinnen, darunter auch die bereits erwähnte Idol-Schafferin Stella Brandner und Daniela Winkler (Grablicht). Letztere singt übrigens selbst, wovon man sich auf ihrem YouTube-Kanal  überzeugen kann. Ein erstes Album – Blumen aus Papier – ist auch bereits in Eigeninitiative entstanden.

Zofia Garden und Marika Paul bei Carlsen Manga!

© 2011 Zofia Garden, Carlsen Verlag GmbH

Die deutsche Manga-Zeichnerin Zofia Garden (Schattenarie, Gegen das Herz) veröffentlichte erstmals 2006 mit Ice on Fire in der Daisuki etwas bei Carlsen Manga!. Es folgten weitere kleine Projekte, bis schließlich im Zeitraum Februar 2009 bis September 2011 beim Verlag ihre bisher längste Reihe herauskam: die dreibändige Boys-Love-Reihe Killing Iago. Der Titel kann noch normal für 5,95 bis 6 Euro pro Band über den Buchhandel bezogen werden.

Im Werk erzählt Zofia Garden vom populären Sänger Tedd, dessen Erfolg ihn nicht davon bewahrt, leichtsinnig einen Vertrag zu unterschreiben, der ihn an seinen Fan Kou bindet. Tedd muss ihm zu Willen sein und all dessen Wünsche erfüllen. Das kann ja noch heiter werden – und alles andere als harmlos.

Während der eine Manga zum Thema Musik/Boys Love 2011 bei Carlsen Manga! endet, beginnt auch schon gleichzeitig der nächste. Ende Juli 2011 bringt der Verlag Band 1 der Trilogie Royal Lip Service von Marika Paul (aquabox headquarters) heraus. Im Februar 2013 und März 2015 folgten Band 2: Solitude und Band 3: Symphony, jeweils zu einem Preis von 6,95 Euro. Das Werk ist natürlich auch noch erhältlich.

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© 2011 Marika Paul, Carlsen Verlag

Der norwegische Kunststudent Arjen flüchtet vor seiner Vergangenheit. Da trifft es sich gut, dass er Drummer der Band Royal Puck und parallel Barkeeper Victor kennenlernt. Ohne große Überlegungen lässt er sich nach einer feuchtfröhlichen Nacht auf eine leidenschaftliche Affäre mit dem Mann ein. Das neue Glück wird jedoch bald durch anonyme Drohbriefe an Arjen gestört.

Auch wenn das Hauptaugenmerk auf Arjen und seiner Vergangenheit ruht, werden in Royal Lip Service ebenfalls Probleme von Victors Band angesprochen. So ist der Leader etwa nicht mit Victors Lover einverstanden, weil dieser nur ihr musikalisches Vorankommen stört. In Band 2 sieht sich Arjen mit Eifersucht konfrontiert, als Victor nach dem Durchbruch von Royal Puck von Groupies umzingelt wird. Schließlich gilt es für den Drummer eine schwere Verletzung einzustecken, welche seine musikalische Zukunft gefährdet. Zweifel und Ängste kommen in ihm auf.

Tokyopop veröffentlicht einen Preisträger

© 2014 Mikiko Ponczeck, Tokyopop GmbH

Im Juli 2014 startete bei Tokyopop Mikiko Ponczecks Zweibänder Crash’n’Burn, welcher nur zwei Monate später im September schon abgeschlossen wurde. Das Werk spielt in den Genres Drama, Boys Love und Slice of Life. Die Protagonisten Kyle und Tyler teilen eine Gemeinsamkeit: ihre Leidenschaft für die Musik. Dennoch kann es Tyler nicht glauben, als Kyle in seiner Band spielen soll. Schließlich endete bereits ihr erstes Treffen in einer Schlägerei. Na, ob das gut gehen kann?

Ende Juli 2016 gewann Mikiko Ponczeck (SCARS) mit Crash’n’Burn den Max und Moritz-Publikumspreis auf dem Comic-Salon Erlangen. Damit ist sie mit Daniela Winkler erst die zweite deutsche Manga-Zeichnerin, welche diesen Preis empfangen durfte. Für alle Interessierten gibt es auf Sumikai zudem ein Interview mit Mikiko Ponczeck zu ihrem Werk aus dem Jahre 2014.

Das wäre so weit auch schon mein Einblick in die deutschsprachige Manga-Zeichner-Szene punkto Musik in Verlagseigenproduktionen gewesen. Im zweiten Teil dieses Artikels widme ich mich dann dem Dojinshi-Bereich, der verglichen zu hier genannten Werken mit chronologisch jüngeren Titeln aufwartet.

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