Interview: Niloo über ihr erstes Mal bei einem Verlag!

Mein erstes Mal
Bild: Niloo, Egmont Ehapa

Am 1. März 2018 erschien der erste Manga der deutschen Zeichnerin Niloo bei Egmont Manga. Mein erstes Mal präsentierte die Zeichnerin auch auf der Manga-Comic-Con 2018 in Leipzig. Dort sprachen wir mit Niloo über ihr Werk und darüber, wie lang der Weg zur ersten Verlagsveröffentlichung unter Umständen sein kann.

Sumikai: Kannst du uns etwas über den Entstehungsprozess von Mein erstes Mal erzählen?

Niloo: Mein erstes Mal entstand zusammen mit meinem Mann. Er ist der eigentliche Autor der Geschichte. Er hatte die Grundidee, und auch der Titel Mein erstes Mal stammt von ihm. Ich durfte aber natürlich inhaltlich eingreifen.

Es war auch relativ schnell klar, dass ich den zeichnerischen Part übernehmen darf. Generell sprechen wir immer ab, was in den einzelnen Kapiteln passiert. Der erste Band ist inhaltlich zu 70 Prozente von Miguel und zu 30 Prozent von mir. Im zweiten Manga ist es dann genau umgekehrt. Insgesamt ergänzen wir uns in dieser Hinsicht aber perfekt.

Sumikai: Die Zeichnungen in Mein erstes Mal sind sehr liebevoll ausgearbeitet. Was ist denn deiner Meinung nach das Erfolgsrezept für einen guten Manga? Ist es eine ausgefeilte Geschichte oder sind es die Grafiken?

Niloo: Ich würde sagen, es ist immer eine Mischung aus beidem. Manga sind ein visuelles Medium, aber wenn die Geschichte an sich langweilig oder reizlos ist, dann helfen schöne Bilder nicht. Der Manga wird dann vielleicht durchgeblättert, aber nicht wirklich gelesen, und das ist nicht der Sinn der Sache.

Was ich bemerkt habe ist, dass gute Zeichnungen den Leser über Szenen hinwegtragen, die für ihn erst einmal nicht so wichtig sind. Man hat nicht in jeder Seite Spannung oder Nervenkitzel, manchmal muss man auch etwas erklären. Dann ist es praktisch, wenn die Zeichnungen ansprechend sind, weil die Leser dann trotzdem gerne weiterlesen.

Durch die Bilder kann man die Figuren schöner herauskristallisieren, indem man mit Gesten und Mimiken arbeitet. Die sprechen neben dem Text zusätzlich für den Charakter. Es gibt Manga, bei denen sind die Zeichnungen nicht so wichtig, weil die Story so krass intensiv ist, sodass es auch ohne funktioniert. Schöne Grafiken sind aber immer ein guter Bonus und man tut sich selbst als Zeichner einen Gefallen, wenn man sich dafür die Zeit nimmt. Auch die Leser nehmen das immer dankbar an. Insgesamt ist aber beides super-wichtig, das sieht jeder Zeichner so.

Niloo Mein erstes Mal
Bild: Niloo, Egmont Ehapa

Sumikai: In Deutschland ist es schwierig, Werbeplattformen für Manga zu finden. Was ist deiner Meinung nach wichtig, damit du als deutsche Mangaka im Gespräch bleibst?

Niloo: Natürlich musst du regelmäßig etwas herausbringen. Das ist aber schon sehr schwer, weil man als deutscher Mangaka einfach nicht die Manpower hat, so viel zu zeichnen, um regelmäßig etwas herauszubringen. Das ist auch bei mir das Problem, weil der zweite Band noch in diesem Jahr herauskommen soll. Insgesamt dauert es natürlich länger als bei einer japanischen Serie. Deswegen muss der Verlag zwischendurch etwas mithelfen. Ich werde wahrscheinlich über Facebook ein paar Einblicke aus der Entstehung des zweiten Bandes Mein erstes Mal zeigen. Damit die Leute wissen, da kommt noch was.

Wir als deutsche Zeichner haben die Chance auf die Leser direkt einzugehen. Die Japaner kümmern sich nicht sehr um die Interessen der deutschen Fans. Deswegen ist es eine Chanc, diese Lücken zu füllen und zu überlegen, was ist bei uns gerade angesagt. Ich beschäftige mich sehr viel damit und finde es sehr spannend, wie sich der europäische Stil im Vergleich zum japanischen entwickelt.

Sumikai: Du warst schon vor deiner Zeit beim Egmont-Verlag in der deutschen Szene aktiv. Wie schätzt du denn die allgemeine Lage im deutschen Comic- und Manga- Bereich ein? Gibt es immer noch Vorurteile?

Niloo: Vorurteile gibt es natürlich noch und auch ich habe damit zu kämpfen, aber damit muss man umgehen. Ich habe bemerkt, dass die Erwartungshaltung nicht sehr groß ist und der Leser nicht sehr vorbelastet an einen deutschen Manga herangeht.

Allerdings wird oft als Makel angeprangert, dass bestimmte Charaktere nur unzureichend erklärt werden, auch wenn dies in japanischen Manga oft nicht der Fall ist. Das ist nicht so toll, wenn sich der Leser erst durch zig Erklärungen durchackern muss. Es gibt ja immer noch Folgebände. Das ist der Reiz einer Fortsetzung, dass der Leser darin noch weitere Dinge in Erfahrung bringen kann.

Andere Zeichner haben mit diesem Vorurteil ebenfalls zu kämpfen. Trotzdem möchte ich sagen, dass es für deutsche Zeichner noch Luft nach oben gibt. Die japanischen Zeichner sind uns natürlich voraus, weil sie mehr Geld generieren und deswegen mehr Assistenten einstellen können. Trotzdem ist es keine Schande zuzugeben, dass es Verbesserungsbedarf gibt. Man kann immer noch besser werden, das ist das Ziel, sich immer weiter zu entwickeln.

Sumikai: Deutsche Eigenproduktionen sind im Laufe der letzten Jahre immer mehr geworden. Hat es dich in einer Art zur Arbeit beeinflusst? Gibt es vielleicht sogar deutsche Künstler/innen, die du als Vorbild ansiehst?

Niloo: Ich bin mit gewissen Zeichnern selbst als Leserin aufgewachsen. Judith Park zum Beispiel, die noch zur Anfangszeit gehört, hat mich sehr geprägt. Sie war mein Vorbild. Sie konnte schon sehr früh einen eigenen Manga herausbringen und war so ein wenig der Star am deutschen Manga-Himmel. Ihre Arbeiten haben mich sehr geprägt.

Mittlerweile vergleiche ich mich viel mit den anderen Zeichnern. Ich schaue auf welche Level sie sind, weil ich mich dem Durchschnitt zumindest anpassen und auf keinen Fall darunter fallen möchte. Man kann sich da zwar selbst meist schlecht einschätzen, aber man muss die Konkurrenz im Auge behalten. Weil inzwischen so viele Zeichner in der Szene mitmischen, ist der Druck da. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Angeboten, wo man als Mangaka die Chance bekommt, seine Werke herauszubringen. Das beeinflusst das Arbeiten schon, dass muss man ganz klar sagen.

Manga-Comic-Con 2018Sumikai: Welche Tipps würdest du denn angehenden Künstlern geben, die selbst an einen Verlag herantreten wollen?

Niloo: Man muss einen langen Atem haben. Ich glaube nicht, dass es nur Talent ist, was den Weg zu einem Verlag ebnet, sondern eher Durchhaltevermögen und ganz viel Glück. Das habe ich auch bei mir gesehen. Viele andere haben gesagt, Niloo ist zwar sehr talentiert, trotzdem habe ich zwölf Jahre bis zur ersten eigenen Verlagsveröffentlichung gebraucht. Der Verlagsleiter von Egmont Manga, damals noch beim Carlsen Verlag, hatte mir vor zwölf Jahren auf eine Bewerbung geantwortet, dass sie gerne einen Manga mit mir machen wollen.

Ich dachte gleich, jetzt geht es los. Damals kamen die Chibi-Manga heraus, die hatten 60 bis 70 Seiten und waren eine Möglichkeit für deutsche Zeichner, einen Einstieg zu bekommen. Bevor ich meinen Manga herausbringen konnte, hatte man das Format schon wieder eingestellt. Das war wirklich Pech. Ich hätte vorher aufgeben können, aber es ist wirklich reines Durchhaltevermögen.

Manchmal ist dein Stil einfach nicht so gefragt, oder jemand anderes macht gerade ein ähnliches Projekt, sodass der Bedarf nicht da ist. Vielleicht entspricht dein Werk gerade nicht dem aktuellen Trend oder ein Verlag hat kein Geld, um noch eine Eigenproduktion zu finanzieren. Wenn man es aber wirklich will, soll man es einfach immer wieder versuchen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man Glück hat.

Sumikai bedankt sich bei Niloo für das Interview.

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